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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "Dark Allies"
Star Trek: New Frontier #8
Dark Allies
Autor: Peter David
1999, Pocket Books
ISBN 0-671-02080-3
256 Seiten


Wie es bei den New-Frontier-Büchern oft der Fall ist, beginnt auch diese Geschichte einige Zeit in der Vergangenheit (aus Sicht der Star-Trek-Gegenwart). Dieses Mal sind es 20 Jahre. In dieser kleinen "Vorgeschichte" erleben wir mit, wie eine Frau namens Tara auf dem Planeten Rolisa ihren Sohn bekommt. Wie auf Rolisa allgemein üblich, findet auch die Geburt von Taras Sohn im Freien statt. Doch plötzlich wird es dunkel und am Himmel ist ein riesiges schwarzes Etwas zu sehen, das innerhalb kürzester Zeit den ganzen Himmel bedeckt. Das schwarze Etwas scheint damit zu beginnen, den Planeten als ganzes einfach zu fressen...

Auf einem thallonianischen Schiff in der Nähe des Planeten beobachtet die Crew die Geschehnisse. An Bord ist auch der siebenjährige Si Cwan. Das Schiff wird von Sedi Cwan, seinem Onkel, kommandiert und Si Cwan ist ganz aufgeregt, da die ganze Reise für ihn ein echtes Abenteuer ist. Doch jetzt, als er sieht, wie das große schwarze Etwas, das die Thallonianer einfach "Black Mass" nennen, den ganzen Planeten mitsamt den auf ihm lebenden Lebewesen einfach verschlingt, ist Si Cwan entsetzt. Die anderen Thallonianer an Bord des Schiffes sind von den Vorgängen zwar tief beeindruckt, beklagen den Verlust an intelligentem Leben aber nicht wirklich. Schließlich handelte es sich dabei um ein Volk, das einfach friedlich auf dem Planeten Rolisa gelebt und sich nie in den Weltraum vorgewagt hat. Seine Auslöschung macht also keinen Unterschied für den allgemeinen Lauf der Dinge.

Da die Black Mass irgendwann aber auch einmal für Thallonianer gefährlich werden könnte, will die angetretene thallonianische Flotte dem Spuk hier und jetzt ein Ende bereiten. Schließlich bewegt sich die Black Mass in unregelmäßigen Abständen (meist aber mit einigen Jahrzehnten Pause dazwischen) aus ihrem Versteck, der sogenannten "Hunger Zone", heraus, und verschlingt völlig unberechenbar Planeten. Doch der Angriff der Thallonianer scheitert kläglich. Obwohl sämtliche Waffen, die ihnen zur Verfügung stehen, eingesetzt werden, hat das nicht die geringste Auswirkung auf die Black Mass. Sie scheint die Thallonianer nicht einmal zu bemerken und ignoriert sie einfach. Nachdem alles versucht wurde, bleibt Sedi Cwan nichts anderes übrig, als zu befehlen, auf sichere Distanz zu gehen. Zum allem Überfluß verschlingt die Black Mass jetzt auch noch den Stern des Systems. Zum ersten Mal haben die mächtigen Thallonianer gegen einen Gegner nicht gesiegt. Zwar war es für sie auch keine abschließende Niederlage, aber Sedi Cwan ist psychisch dennoch schwer getroffen. Wenig später erhängt er sich in seinem Quartier.

Und jetzt geht's wieder in die (Star-Trek-)Gegenwart. Auf der Excalibur hat Ensign Lefler eine Willkommensparty für Xyon und Kalinda organisiert. Die Party läuft aber nicht sehr gut. Xyon, Captain Calhouns Sohn, sieht alles andere als glücklich aus und wäre am liebsten irgendwo, nur nicht auf der Party. Sein Vater, Captain Calhoun, versucht aber, ein wenig mit ihm zu plaudern, was kläglich scheitert. Er wird stattdessen von Xyon offen beleidigt. Als sich Xyon und Kalinda, Si Cwans Schwester, etwas näher kommen, kann sich Si Cwan nicht mehr zurückhalten. Er findet, daß Xyon einfach nicht gut genug für seine adelige Schwester ist. Und dann eskaliert die Situation und die beiden beginnen mit dem Versuch, das Problem im Faustkampf zu lösen. Dabei wird auch die völlig unschuldig herumstehende Robin Lefler getroffen, die daraufhin in der großen Torte landet, die sie extra für diesen Anlaß vorbereitet hat. Das alles bekommen wir mit, weil Robin - entsprechend den vorangegangenen Ereignissen - nicht sehr gut aussehend in ihrem Quartier eintrifft und ihrer Mutter alles erzählt.

Auf Tulaan IV sind der Overlord der Redeemer, sein Prime One und einige andere, namenlose Redeemer damit beschäftigt, einen Ausweg aus ihrer hoffnungslosen Situation zu finden. Kürzlich hat die Black Mass nämlich wieder einmal die Hunger Zone verlassen und befindet sich jetzt direkt auf dem Weg zum Heimatplaneten der Redeemer. Den Planeten Tulaan IV einfach zu verlassen, kommt für sie nicht in Frage, da es der Ort ist, zu dem ihr Gott Xant irgendwann zurückkehren wird. Also muß eine andere Lösung gefunden werden. Der Overlord verkündet nach einigen Beratungen (während derer einer der beteiligten Redeemer sein Leben verliert), daß er vorhat sich der Hilfe von Mackenzie Calhoun und der Excalibur zu bedienen. Die anderen Redeemer sind überrascht, doch es gelingt dem Overlord plausibel zu machen, daß dies der richtige Weg ist.

Kurz darauf empfängt die Excalibur einen Notruf vom Planeten Fenner. Die Redeemer sind gerade dabei, die Bevölkerung des Planeten zu "bekehren", weshalb man die Excalibur zu Hilfe ruft. Als das Schiff den Planeten erreicht, findet man auch tatsächlich ein Redeemer-Schiff in der Nähe von Fenner vor. Doch zur Überraschung aller verhält sich dieses Schiff überhaupt nicht feindlich. Sämtliche Waffen sind deaktiviert und auch sonst deutet nichts auf einen Angriff oder auch nur auf Verteidigungsbereitschaft hin. Plötzlich rufen die Redeemer die Excalibur. Der Overlord höchstpersönlich ist an Bord und möchte zusammen mit einigen Begleitern mit einem Shuttle an Bord der Excalibur kommen, um sich dort mit Captain Calhoun unterhalten zu können. Dieser ist natürlich skeptisch und zeigt das auch. Deshalb bietet ihm der Overlord an, sich vom Transporter der Excalibur hinüberbeamen zu lassen. So könnte man ihn und seine Begleiter während des Transportvorganges auf Viren und andere Fallen überprüfen. Calhoun ist zwar nicht hundertprozentig von der Ungefährlichkeit der Situation überzeugt, stimmt aber dann doch zu.

Der Beam-Vorgang verläuft dann auch problemlos. Die Redeemer versuchen offenbar nicht, irgendeinen Virus einzuschleppen. Nachdem sich die Führungscrew der Excalibur versammelt hat, und unaufgefordert auch Xyon und Kalinda aufgetaucht sind, berichtet der Overlord von den Problemen der Redeemer und von seiner Hoffnung auf Hilfe durch die Excalibur. Als Gegenleistung für die Hilfe verlangt Captain Calhoun von den Redeemern, daß diese in Zukunft sämtliche "Bekehrungsversuche" unterlassen und sich von allen durch sie besetzten Welten zurückziehen. Der Overlord erklärt, daß das einfach nicht möglich ist. Nach einigen weiteren Wortgefechten wird der Overlord deutlich: Auf Fenner befindet sich bereits ein Hoher Priester der Redeemer. Sollte die Excalibur Tulaan IV nicht retten, hat dieser den Auftrag, Selbstmord zu begehen. (Zur Erinnerung: Hohe Priester der Redeemer tragen einen Virus in sich, der im Fall seines Todes freigesetzt wird und innerhalb kürzester Zeit die Bevölkerung des gesamten Planeten auslöscht.)

"Dark Allies" ist eine großartige Geschichte, die sämtliche Stärken von New Frontier in sich vereint: Das Gefühl des (für Star Trek insgesamt) Neuen durch die von New Frontier eingeführten und hier näher beleuchteten Redeemer und die Black Mass, große Emotionen durch die nicht immer einfachen Verhältnisse der Charaktere untereinander, und schließlich Spaß durch die ungewöhnliche Crew der Excalibur.

Dieses Buch übertrifft "The Quiet Place" vor allem deshalb, weil es nicht so fest an den Hauptplot klammert, sondern auch viele andere kleine Geschichten enthält. So beschäftigt sich "Dark Allies" mit dem Verhältnis von Calhoun zu seinem Sohn Xyon, mit Si Cwans Problemen mit der sich entwickelnden Beziehung zwischen Xyon und Kalinda, mit der Geburt von Dr. Selars Kind und ihrem nicht immer leichten Verhältnis zu Burgoyne 172, dem "Vater" des Kindes und auch mit dem schwierigen Verhältnis zwischen Calhoun und Shelby. Zu erwähnen ist dann auch noch Executive Officer Mueller, die wieder auftritt und natürlich im Zusammenhang mit der Calhoun/Shelby-Beziehung mitmischt. All diese Entwicklungen und Verwicklungen machen New Frontier so interessant und spannend. Außerdem enthält diese Geschichte glücklicherweise nur wenige (der leider oft etwas langweiligen) Action-/Kampf-Szenen.

Richtig leid tun kann einem inzwischen Robin Lefler. Es reicht offenbar nicht, daß ihr Rang von Lieutenant auf Ensign korrigiert wurde (ohne Erwähnung in der Geschichte, einfach so) und sie in "The Quiet Place" dem Captain ihre Liebe gestanden hat, obwohl das entsprechende "Geständnis" eigentlich für Si Cwan gedacht war. In "Dark Allies" endet auch noch die von ihr organisierte Party, mit der sie den ebenfalls anwesenden Si Cwan beeindrucken wollte, in einer riesigen Katastrophe. Bleibt zu hoffen, daß Robin und Si Cwan demnächst doch noch zusammenkommen. Auf der Seite von Si Cwan haben sich die Voraussetzungen ja vielleicht etwas gebessert, wenn er aus den Ereignissen in diesem Buch gelernt hat.

Gut gelöst hat Peter David das Verschwinden von Xyon. Es wäre einfach zu schade gewesen, wenn Calhouns Sohn so kurz nach seinem Auftauchen gestorben wäre. Das nicht gerade ideale Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater bietet mit Sicherheit noch Stoff für zahlreiche interessante Geschichten. Wäre Xyon hier auf die beschriebene Art und Weise gestorben, wäre das der immer wieder vorkommende typische "Heldentod" gewesen. Und das wäre für New Frontier schlicht zu langweilig.

Das Ende der Geschichte bringt schließlich noch einen echten Knalleffekt. Es verrät uns, daß die Excalibur in fünf Minuten explodieren wird, ohne irgendwelche genaueren Information darüber preiszugeben, wie oder warum das passieren wird. Für jede Menge Spannung bis zum nächsten Buch ist also gesorgt.

Fazit: "Dark Allies" ist mit Abstand das beste New-Frontier-Buch des Jahres 1999.

© Patrick Ahrer
(patrick@afss.cjb.net)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures