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Star Trek #94 New Earth #6 Challenger Autorin: Diane Carey 2000, Pocket Books ISBN 0-671-04298-X 396 Seiten |
Der Starfleet Cruiser Peleliu ist auf dem Weg nach Belle Terre. Das Schiff unter dem Kommando von Captain Roger Lake soll die Enterprise ablösen, sobald es in der neuen Kolonie angekommen ist. Doch noch bevor die Peleliu Belle Terre erreicht, hat sie schon die ersten Probleme. Während der Gamma Night wird sie von unbekannten Schiffen angegriffen. Captain Lake befiehlt, in Bewegung zu bleiben, obwohl das während einer Gamma Night unglaublich gefährlich ist. Das Schiff könnte zB jeden Moment direkt in eine Sonne fliegen, ohne daß es irgendjemand an Bord erfährt. Überhaupt verhält sich Lake in diesem Kampf ziemlich seltsam. Er handelt unglaublich verbissen und es scheint ihm nicht viel auszumachen, daß deshalb schon zahlreiche Crewmitglieder gestorben sind. Unter den Opfern ist auch der erste Offizier Derek Hahn. Deshalb muß nun der zweite Offizier, Nick Keller, versuchen, zwischen dem anscheinend übergeschnappten Captain und dem Rest der Crew zu vermitteln. Andere Brückoffiziere fordern Keller immer wieder dazu auf, endlich das Kommando zu übernehmen, doch dieser will davon nichts wissen.
Keller weiß, woran Lakes Verhalten liegen könnte. Vor längerer Zeit war er einmal Tavola Methan ausgesetzt. Ein solcher Vorfall müßte eigentlich von anderen Offizieren sofort gemeldet werden, da die Veränderungen, die dadurch ausgelöst werden, anders nicht festgestellt werden können. Gefährlich ist es deshalb, weil das Tavola Methan in manchen Fällen zu genau dem führt, was im Moment auf der Brücke der Peleliu passiert: Das Opfer dreht durch. Aus Loyalität zu ihrem Captain haben Keller und andere das damals aber nicht gemeldet.
Auf und rund um Belle Terre gibt es wieder einmal mit dem Olivium zusammenhängende Probleme. Seltsame kleine Schiffe oder Roboter (oder wie immer man die Dinger nennen möchte), kommen von weither angeflogen, saugen gigantische Mengen Olivium in sich und hauen dann wieder ab. Seltsam ist dabei, daß die Dinger viel mehr Material in sich hineinsaugen können, als in ihnen eigentlich Platz sein dürfte. Kein Versuch, die Eindringlinge aufzuhalten, hat Erfolg. Phaser sind gegen sie völlig wirkungslos, sie fliegen auch - ohne gestört zu wirken - quer durch die Enterprise, um kleine Olivium-Vorräte einzusammeln.
Gleichzeitig ist auch Billy Maidenshore, die Nervensäge aus "Wagon Train to the Stars", wieder aktiv. Er hat eine geniale Möglichkeit entdeckt, unentdeckt jede Menge abgebautes Olivium abzuzweigen und liefert dieses an die Kauld. Außerdem hat er Dr. McCoy und Uhura gefangengenommen. Uhura soll für ihn Funksprüche absenden, sodaß niemandem etwas Ungewöhnliches auffällt, und McCoy braucht er wegen dessen medizinischer Fähigkeiten und auch als Druckmittel, um Uhura dazu bringen zu können, für ihn zu "arbeiten". Er droht immer wieder, McCoy umzubringen, wenn Uhura seine Anweisungen nicht ganz genau und ohne Tricks ausführt.
"Challenger" ist ein Buch, das mit den verschiedensten Handlungsfäden wirklich vollgepackt ist. Es beantwortet all die Fragen, die in den vorangegangenen "New Earth"-Bänden offengeblieben sind. Billy Maidenshore taucht wieder auf, Kirk & Co. erfahren vom Schicksal von Captain Sunn und der restlichen Crew der Rattlesnake, wir erfahren, was mit jenen Leuten passiert ist, die Belle Terre erforscht haben, bevor die eigentlichen Kolonisten losgezogen sind, man lernt die Aliens kennen, von denen die Kauld und die Blood ihren "Dynadrive" haben, es wird aufgeklärt, woher das Olivium im "Quake Mond" kommt usw.
In diesem Buch wird auch die neue Crew vorgestellt, die in der neuen Buchreihe (voraussichtlicher Titel: "Star Trek: Challenger") im Mittelpunkt stehen soll. Allen voran steht Nick Keller, der sich, nachdem viel Schlimmes passiert ist, schließlich doch noch dazu durchringen kann, auf der Peleliu das Kommando zu übernehmen. Er ist mir anfangs ziemlich auf die Nerven gegangen, weil er es einfach nicht fertiggebracht hat, Lake zu bremsen, obwohl ihn schon alle anderen Brückenoffiziere pausenlos darum gebeten haben. Im nachhinein verstehe ich Keller aber besser. Man muß sich das wohl so ähnlich vorstellen, als wenn Kirk plötzlich durchdrehen würde. Da würde es anderen Enterprise-Crewmitgliedern wohl auch schwer fallen, den Mann, dem sie über so lange Zeit hinweg gefolgt sind, plötzlich in einem peinlichen Akt abzulösen. Das Problem an dieser Stelle in diesem Buch ist, daß man Lake, Keller und das Verhältnis zwischen ihnen noch nicht kennt und somit auch nicht so richtig versteht. Keller ist jedenfalls eine interessante Figur, da er jetzt unfreiwillig und ganz plötzlich vom 2. Offizier zum Captain geworden ist und in diesem Zusammenhang viele Dinge erst lernen muß.
Aber nicht nur Keller ist ein interessanter neuer Charakter. In der neuen Crew finden sich zahlreiche weitere Figuren, die viel Potential haben. Besonders sticht dabei Zoa hervor. Sie ist eine Rassua und war ursprünglich eigentlich nur an Bord der Peleliu, weil sie als Botschafterin ihres Volkes die UFP und Starfleet während dieser Mission beobachten sollte. Die Rassua überlegen nämlich, engere Beziehungen mit der UFP aufzunehmen. Doch als aufgrund von Lakes Verhalten kaum mehr Offiziere übrig sind, wird auch sie zu einem wichtigen Crewmitglied. Zoas Verhalten ist für menschliche Maßstäbe äußerst ungewöhnlich. Sie hat zwar die Bräuche, Tabus und Gewohnheiten der meisten Humanoiden studiert, das hindert sie aber unter anderem nicht daran, ohne Einladung in Kellers Quartier auf der Peleliu einzudringen und die Tür zur Dusche, in der sich dieser gerade befindet, zu öffnen, weil er sie eine Weile zuvor gebeten hat, einmal mit ihm zu sprechen. Sie ist der Meinung, daß eigentlich er das übliche "Ritual" gebrochen hat, weil er nach ihrem "Klingeln" an der Tür, nicht sofort "Herein" gesagt hat. Als sie dann schließlich auch noch ihre Kleidung ablegt, um Keller ihre Tattoos, die von den Rassua "Witnesses" genannt werden und vergangene Erfolge der jeweiligen Person symbolisieren, zu zeigen, nähert sich diese Szene ihrem Höhepunkt.
Das neue Schiff, die "UFPF Challenger", das im weiteren Verlauf dieser Geschichte nach der endgültigen Zerstörung der Peleliu gebaut wird, ist ebenfalls alles andere als uninteressant. Keller und der Rest der Peleliu-Crew, einige hilfsbereite Kolonisten, Scotty und eine Blood-Crew durchsuchen einen riesigen "Schiffsfriedhof" auf Belle Terre nach Teilen, die sie für den Bau eines neuen Schiffes verwenden können. Daraus bauen sie ein Raumschiff zusammen, wie es die Föderation noch nie gesehen hat. Hüllenteile in allen Farben, ein Blood-Warpkern und zahlreiche andere Komponenten von den verschiedensten Schiffen werden zusammengewürfelt und daraus ein Schiff gebastelt: Die UFPF Challenger.
Diane Carey hat mich mit diesem Buch wirklich sehr positiv überrascht. Am Anfang dauert es zwar ein wenig, bis die Sache so richtig interessant wird, aber spätestens in der Mitte des Buches geht es dann so richtig los und man kann es kaum mehr weglegen. Ab diesem Punkt habe ich das Buch in einem Zug ausgelesen.
Fazit: Ein sehr gut gelungenes Ende für all die Handlungsfäden, die in "New Earth" begonnen wurden. Gleichzeitig ist "Challenger" auch ein guter Auftakt für die neue Buchreihe. Ich freue mich jedenfalls sehr auf eine Fortsetzung der Geschichte rund um Belle Terre und die Challenger.