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Star Trek: Voyager #19
Dark Matters #1 Cloak and Dagger Autorin: Christie Golden 2000, Pocket Books ISBN 0-671-03582-7 250 Seiten |
Die Vorsitzende des romulanischen Geheimdienstes Tal Shiar, Jekri Kaleh, stellt dem Senat und der Kaiserin einen neuen Verbündeten vor, Lhiau, den Botschafter einer Spezies, die sich selbst Shepherds, also Hirten, nennt. Mit seiner Hilfe und der Wurmlochtechnologie von Dr. Telek R'Mor könnte es möglich sein, sich der Föderation und allen anderen Feinden im Alpha-Quadranten mit minimalem Aufwand zu entledigen.
Die Voyager durchfliegt seit einiger Zeit einen Sektor, in dem sich massenweise Wurmlöcher manifestieren. Seltsamerweise steigt die Zahl noch an, und sie kommen dem Schiff immer näher. Dazu häufen sich in der Crew Krankheiten und psychische Erscheinungen. Als Harry ein Wurmloch ausmacht, das groß genug für die VOY wäre und noch dazu in den A-Quadranten zu führen scheint, wird Janeway von Dr. R'Mor kontaktiert. Er bittet sie um Hilfe. Gerade als der Tal Shiar die Türen zu seinem Quartier aufbricht, kann er herausgebeamt werden.
R'Mor erklärt, daß diese Wurmlöcher keineswegs zufällig seien, sondern von ihm generiert wurden, um die VOY ausfindig zu machen. Die Shepherds hätten den Romulanern die Technologie gegeben, sich unbemerkt an andere Planeten anzunähern und sogar getarnt feuern zu können. Diese perfekte Tarnung wird durch sogenannte Dunkle Materie bewerkstelligt - jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen, wie Telek in seinen Forschungen herausgefunden hat. Diese Materie existiert nämlich zwischen den Raumdimensionen, nur die Shepherds verfügen scheinbar über die Macht, sie in eine Dimension vollkommen hineinzuziehen. Dunkle Materie an sich ist nicht gefährlich - sie wird allerdings durch Raumanomalien wie Wurmlöcher so verändert, daß sie beginnt, Funktionen des Körpers oder des Geistes, auch Schiffsfunktionen so zu beeinflussen, daß Lebewesen zugrunde gehen bzw. Technik den Geist aufgibt. Janeway beginnt zu verstehen, daß dies der Grund ist, warum einige Schiffsfunktionen verrückt spielen bzw. sie selbst an Kopfschmerzen leidet, Paris ungewöhnlich paranoid ist, Chakotay unkontrollierbaren Wutanfällen unterliegt, Sevens Implantate Fehlfunktionen aufweisen etc.
R'Mor teilt Janeway auch mit, daß er nach seiner Rückkehr von der VOY vor 4 Jahren vom Tal Shiar gezwungen wurde, alles über dieses Schiff zu erzählen. Dazu dienen die Wurmlöcher dazu, die VOY zu lokalisieren und schließlich mit den neuen Tarnvorrichtungen anzugreifen - durch die Technik der Zukunft erhofft man sich eine noch bessere Chance, wenn man die Föderation der Vergangenheit schließlich angreift. Es sollte nicht lange dauern, bis die von Telek verschlüsselten Daten dem Tal Shiar zur Verfügung stehen und die Jagd weitergeht.
Da er kein Gegenmittel gegen die Dunkle Materie weiß, schlägt R'Mor vor, die Shepherds zu suchen, da er nicht glaubt, daß Lhiau für alle spricht. Angesichts der immer verheerenderen Situation auf dem Schiff - Telek kann nur knapp einem Mordanschlag von Neelix entkommen - stimmt Janeway zu. Doch ob die VOY und ihre Crew solange aushalten, ist mehr als fraglich, von der Bedrohung durch die Romulaner ganz zu schweigen...
"Cloak and Dagger" ist ein wirklich spannender Auftakt zu einem vielversprechenden Dreiteiler.
Zwar ist der erste Teil dieses Romans doch recht beladen mit Technobabbel über die Dunkle Materie, doch dies wird durch die Schilderung der Auswirkungen auf die Crew bzw. die Romulaner mehr als kompensiert. Mich hat es immer schon interessiert zu wissen, was aus Telek R'Mor aus "Eye of the Needle" schließlich geworden ist, und in dieser Beziehung enttäuscht mich das vorliegende Buch überhaupt nicht.
Es ist doch recht realistisch anzunehmen, daß sich der Tal Shiar für dieses Schiff aus der Zukunft interessiert, für seine Technik, die die Romulaner mehr als nur 1 Schritt voranbringen kann. Schade, daß in der TV-Folge nicht mehr auf diesen Aspekt eingegangen wurde, da der Besuch auf der VOY sicherlich auch einiges Risiko für R'Mor gebracht hat.
Man erhält hier einige Einblicke in die romulanische Gesellschaft, vor allem natürlich in die politischen Ränkespiele - ein Punkt, der im TV-Universum sowieso viel zu selten zu sehen ist. Der Einblick in das Wesen der Romulaner begeistert mich allerdings weniger. Durch Lhiau, dessen wahre Interessen wohl noch Inhalt der weiteren Romane sein werden, verfügen die Romulaner über die perfekte Tarnung - und trotzdem wollen sie noch die VOY ausfindig machen, um die Technik der Zukunft ebenfalls noch einzubauen? Das erscheint mir eher übervorsichtig, geradezu feig und zeigt, daß die Romulaner sich für größer halten, als sie eigentlich sind.
Gut herausgearbeitet wird der Charakter der Jekri Kaleh, die sich aus miesesten Verhältnissen zum Chefsessel des Tal Shiars hochgearbeitet hat. Ihr Widerwillen, mit Lhiau zusammenzuarbeiten, ihr Mißtrauen, aber gleichzeitig auch ihr Wille, alles zu tun, was von ihr gefordert wird, machen sie sehr komplex. Daß sie schließlich auch noch beginnt, Pläne zu schmieden, wie man Lhiau beseitigen kann, machen diese Seite der Geschichte noch interessanter.
Zurück aber auf die Voyager, wo es zwei Szenen gibt, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Da wäre einerseits mal natürlich die Attacke von Neelix auf Telek, die gerade deshalb so überraschend kommt, da Neelix normalerweise ja nicht mal einer Fliege was zuleide tun könnte. Spätestens da bekommt man als Leser wirklich die Auswirkungen der Dunklen Materie zu spüren.
Und andererseits sind da noch die Szenen mit Naomi. Hier wunderte ich mich schon, daß man dieses Kind während der Krise vollkommen auf sich gestellt läßt. Klar, mit den Problemen auf der VOY ist wohl kaum jemand zu entbehren, der Babysitter spielen kann, aber trotzdem fiel mir diese Sache negativ auf. Dazu kommt auch noch der Unwille von Seven, Naomis Erzählungen von einem "Geist" Glauben zu schenken. Seven mag ja mißtrauisch sein, aber wenn sie selbst schon unter Halluzinationen (zumindest meint das der Doctor, als sie ihm von Reflektionen etc. erzählt, die nur sie sehen kann) und die gesamte restliche Mannschaft unter Symptomen verschiedenster Natur leiden, dann sollte man mit dem Abweisen von Geschichten doch vorsichtiger sein. Hier fehlte mir ein wenig das Verständnis, das Seven noch in "Bliss" für Naomi hatte.
Daß die "guten" Shepherds noch rechtzeitig gefunden werden können, ist nicht verwunderlich. Allerdings frage ich mich schon, warum diese wirklich die Hilfe der VOY brauchen, um die Auswirkungen der Dunklen Materie einzudämmen bzw. rückgängig zu machen. Dazu kam mir auch Janeways Entschluß, dieser Bitte Folge zu leisten, ein wenig zu schnell. Hier hätte ich doch gerne gelesen, daß sie sich zumindest mit Chakotay ein wenig berät, anstatt mit dem Satz, daß Chakotay weiß, wie Janeways Antwort lauten wird, abgespeist zu werden.
Mit dem Fehlschlagen der romulanischen Attacke auf die VOY, dem Verschwinden von Tom und Chakotay, dem Auftauchen einer Frau namens Khala und der neuen Aufgabe für die VOY ist wohl einiges an Stoff übrig für die weiteren Teile dieser Trilogie. "Cloak and Dagger" hat seine Aufgabe, die Plotfäden auszulegen, in spannender und gelungener Art und Weise mehr als erfüllt.