Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek #86 My Brother's Keeper #2 Constitution Autor: Michael Jan Friedman 1999, Pocket Books ISBN 0-671-01919-8 267 Seiten |
Die Enterprise ist unterwegs zur Erde, wo die Trauerfeier für Gary Mitchell stattfinden soll. Seine Eltern haben Kirk gebeten, die Trauerrede zu halten, da er schließlich der beste Freund ihres Sohnes gewesen ist. Immer noch wird Jim von Zweifeln über sein Handeln geplagt, und er erinnert sich an die Zeit, als Gary und er zusammen auf der Constitution gedient haben:
Damals kam Kirk als 2. Offizier an Bord, belobigt aufgrund seines Verhaltens auf der Farragut, die er zurück zu einer Raumbasis gebracht hatte, nachdem die Hälfte der Besatzung inklusive Captain und den höheren Offizieren von einer unheimlichen Wolke getötet worden war (s. "Obsession"). Gary fiel gleich auf, daß mit seinem Freund etwas nicht stimmte, da sich dieser mehr noch als auf der Akademie isolierte. Erst später gestand ihm Kirk, daß er sich für die Ereignisse auf der Farragut verantwortlich fühlte, da er die Möglichkeit ausgelassen hatte, die Wolke durch Phaserschüsse zu zerstören.
Eines Tages erhielt die Constitution den Befehl, in einen bestimmten, nicht näher genannten Raumsektor zu fliegen. Gary und Jim erkannten sogleich, daß es sich um dieselbe Region handelte, die damals auf der Republic so viel Staub aufgewirbelt hatte. Schließlich gelangte die Constitution zu einem Planeten, den auch ein klingonischer Bird of Prey umkreiste. Als zum Kampf gerüstet wurde - schließlich befand sich das klingonische Schiff auf Föderationsterritorium - , meldete sich Admiral Mangione, die damals auf der Republic der 1. Offizier gewesen war, und befahl, sofort diesen Sektor zu verlassen. Zurück blieben weitere Fragen, die Gary und Jim nun mehr noch als zuvor lösen wollten.
Recht bald danach bekam die Constitution einen neuen Einsatzbefehl. Sordinia IV, einem Planeten, der erst kürzlich zur Föderation zugelassen worden war, näherten sich fremde Satelliten. Da diese Welt sich nicht selbst verteidigen konnte, sollte die Constitution die Angreifer abschrecken. Captain Augenthaler und der 1. Offizier Hirota beamten auf den Planeten, um die Situation mit den Machthabern zu besprechen, während Kirk den Auftrag hatte, die Satelliten näher zu untersuchen.
Diese harmlose Aufgabe sollte sich erheblich erschweren, als diese Satelliten plötzlich begannen, den Planeten zu beschießen. Die Kommunikation mit dem Captain brach ab, und Kirk mußte nun einen Weg finden, mit dieser Situation fertig zu werden und sein Potential als Kommandant zu beweisen.
"Constitution" setzt die Handlung aus "Republic" fort, ohne aber inhaltlich vom 1. Teil richtiggehend abhängig zu sein. Im Handlungsfaden nach Mitchells Tod tut sich an sich nicht viel - wenn man mal von einer Erwähnung McCoys, dem Kirk die Todesnachricht übermittelt, absieht... Ein recht interessantes Detail ist hier doch, daß der jetzige Schiffsarzt Piper sich zur Ruhe setzen will, Kirk also nach einem Nachfolger Ausschau halten muß, und Sulu an die Navigationskontrolle versetzt wird. Damit aber sind die Geschehnisse in der "Jetzt"-Zeit schon abgehandelt.
Wesentlich interessanter gestaltet sich hier die Rückblende - schon allein der Vorgeschichte wegen. Kirk kommt, noch immer tief geschockt über die Ereignisse auf der Farragut, zu seinem neuen Job auf der Constitution. Hier wurden meiner Meinung nach die Fäden zur späteren Episode "Obsession", in der die Enterprise von dieser Wolke heimgesucht wird, wirklich ausgezeichnet gelegt. Zwar wird nicht hier mehr erzählt als dann eben in der Folge, aber aus dem Fakt, wie sich dieser Schicksalsschlag auf Kirk ausgewirkt hat, wie sehr er sich deshalb Vorwürfe macht, kann man schon ablesen, warum er dann in Obsession eben im wahrsten Sinne des Wortes so besessen reagiert.
Im vorliegenden Band wird die Freundschaft zwischen Mitchell und Kirk nicht ganz so herausgestrichen wie im ersten. Ja, unterschwellig ist sie da, und Gary hilft Jim auch, Klarheit über seine Möglichkeiten in der verzwickten Situation zu bekommen, aber eine deutliche Beeinflussung findet nicht statt. Interessant ist hier viel eher, daß Mitchell selbst bewußt wird, wie sehr sich Kirk zum Kommandanten eignet - wo er sich noch in "Republic" gefragt hat, was denn an diesem Kadetten im 2. Jahr so besonders sein soll, wird ihm dies klar, als Kirk nun das Kommando übernehmen muß und auch gegen den Widerstand einiger Brückenoffiziere einen kühlen Kopf bewahrt.
Hier, wie schon in "Reunion" oder "Saratoga" gelingt es Friedman ausgesprochen gut, die Crew eines alten Schiffes zum Leben zu erwecken. Drängte in "Republic" die Geschichte rund um die Anfänge der Freundschaft noch die Mannschaftsmitglieder dieses Ausbildungsschiffes zurück, wird hier wert darauf gelegt, Kirk mit 3dimensionalen Kollegen zu konfrontieren. So ist vor allem die Dynamik zwischen ihm und dem Sicherheitschef Gaynor, der selbst auf den Posten des 2. Offiziers scharf war, ausgesprochen gut herausgearbeitet. In dieser Beziehung wird nämlich ganz ausgezeichnet zwischen den zwischenmenschlichen Animositäten und dem "Beruf" getrennt, was einfach dazu beiträgt, Gaynor nicht nur als eifersüchtigen Mitstreiter anzusehen.
Kirk wird in seiner Aufgabe, die Satelliten und später das Mutterschiff außer Gefecht zu setzen, zwei Mal mit der Entscheidung konfrontiert, Leute zum Wohle des gesamten Schiffes opfern zu müssen. Beide Male entscheidet er sich dafür zu versuchen, die Außenteams zu retten - beim ersten Mal gelingt dies nicht: 4 Leute sterben, und auch die Constitution wird beinahe zerstört, beim 2. Allerdings hat er Glück...
Gary, der ihm nach dem Verlust des 1. Außenteams noch gesagt hat, daß er falsch entschieden hat und lieber die 4 gleich opfern hätte sollen, als noch das Schiff dazu zu riskieren, spricht Kirk schließlich seine Anerkennung aus... doch Jim weiß genau, daß er sich irgendwann dieser harten Entscheidung, wo es darum geht, einige Crewmitglieder gegen das Wohl der gesamten Besatzung abzuwägen, wird stellen müssen, und verweist auf den nie "richtig" abgelegten Kobayashi Maru-Test (s. ST II).
Alles in allem ist "Constitution" nicht ganz so stark wie der erste Band dieser Reihe, da ich mir etwas mehr an Dynamik zwischen Kirk und Mitchell gewünscht hätte. Das ist aber der einzige Kritikpunkt, denn die Geschichte vermag zu überzeugen, zudem wird wieder einiges in Kirks Geschichte angesprochen und näher beleuchtet, das schon in der TOS auftauchte. Ich bin schon gespannt auf Teil 3!