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Cover von "The Captain's Daughter"
Star Trek #76
The Captain's Daughter
Autor: Peter David
1995, Pocket Books
ISBN 0-671-52047-4
278 Seiten


Die Enterprise-B unter Captain Harriman empfängt einen Notruf von Askalon V und ändert Kurs, um zu helfen. Ensign Demora Sulu, die Tochter von Hikaru Sulu, überredet auf dem Weg ihren Captain, sie dem Außenteam zuzuteilen. So geschieht es auch.

Auf Askalon V findet man allerdings nur längst verlassene Städte, aber nichts, das den Notruf ausgelöst haben könnte. Plötzlich verschwindet Demora spurlos, das Team teilt sich auf der Suche nach ihr auf. Harriman und die ihn begleitende Lt. Thompson suchen noch nicht lange, als auf einmal ein nacktes, scheinbar barbarisch wildes Wesen Thompson angreift. Erst einige Schrecksekunden später erkennen die beiden, daß es sich dabei um Demora handeln soll. Doch diese läßt sich nicht einmal durch Betäubungsschüsse abbringen von ihrem Vorhaben, ihre beiden Kollegen umzubringen. In Notwehr muß Harriman sie schließlich erschießen.

Beinahe zeitgleich schreckt auf der Excelsior Captain Hikaru Sulu aus dem Schlaf - kurze Zeit später überbringt ihm Janice Rand die Nachricht vom Tod seiner Tochter. Zurück auf der Erde läßt er die Trauerfeierlichkeiten über sich ergehen und spendet einem von Schuldgefühlen geplagten Harriman Trost. Er selbst erscheint Chekov und Uhura wie versteinert.

Askalon V wurde noch von Harriman zur Quarantänezone erklärt, eine nähere Untersuchung der Angelegenheit ist damit frühestens in einigen Monaten möglich. Doch Sulu, den der Tod seiner Tochter dazu bringt, über ihre Mutter bzw. sein eigenes Verhältnis zu ihr nachzudenken, kann dies nicht akzeptieren...

"The Captain's Daughter" ist der Versuch, eine Serie innerhalb der TOS zu etablieren, die sich vorwiegend um Sulu, aber auch um die Enterprise-B unter Harriman dreht. Dieser Versuch ist nur teilweise wirklich erfolgreich.

An sich ist dieses Buch zweigeteilt: Es erzählt vom Tod Demoras und den Dingen in dieser "Gegenwart", dann in Rückblenden, wie sich Sulu und Demoras Mutter namens Susan Ling begegnet sind sowie die weitere Geschichte des Verhältnisses von Sulu zu seiner Tochter. Genau bei dieser Zweiteilung beginnt schon das Problem. So sind die Ereignisse in der Gegenwart, und wie jeder damit fertig wird, wesentlich interessanter, als 50 oder mehr Seiten darüber zu lesen, wie Sulu und Ling vor irgendwelchen Verbrechern weglaufen bzw. zum 100. Mal zu erfahren, daß er glaubt, diese Verbrecher wären Schauspieler... Aber ich sollte wohl beim Beginn anfangen.

Die Enterprise-B hat nun endlich ihre vollständige Besatzung (auch die, auf die man in ST:GEN noch bis Dienstag hat warten müssen, sind nun an Bord), Demora wird als überall beliebt beschrieben, Captain John Harriman als immer noch zerknirscht wegen des Todes von Kirk. Und schon dieses ewige Erwähnen der Schuldgefühle wegen der mißglückten Jungfernfahrt der Enterprise-B ging mir recht rasch am Nerv. Ok, es ist nicht so gelaufen, wie es hätte sein sollen, aber Harriman ist schließlich Captain der Sternenflotte, er sollte also schon fähig sein, persönliche Schuld von den herrschenden Umständen zu trennen. So erschien er mir wie ein kleiner Mann, der in einem viel zu großen Stuhl sitzt....

Auch klar, daß er versucht, der Legende um Kirk und seine Mannschaft nachzueifern, aber als Captain sollte man genug Reife haben, um seinen eigenen Weg zu gehen. Und diesen eigenen Weg sah ich bei dieser Darstellung Harrimans einfach nicht. Er kam mir wie eine Marionette vor, an deren Fäden unter anderem sein scheinbar dominierender Vater zieht, der aber an sich nicht wirklich viel Respekt entgegengebracht wird. Die Szene, in der Chekov ihm schließlich einen Kinnhaken verpaßt und meint, daß Harriman nie ein Captain wie Kirk werden kann, fand ich dann nur mehr überzogen und ärgerlich.

Gut, gegen Schluß ist er gefestigt genug, sich seinem Vater, der was von Pflicht und Ordnung faselt entgegen zu stellen, aber bis zu diesen letzten 20 Seiten ist mir das, was Peter David hier versucht, uns über Harriman mitzuteilen, doch recht negativ, weil 2-dimensional vorgekommen. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, wie David dazukommt, in der New-Frontier-Serie Admiral Jellico so schlecht wegkommen zu lassen - geprobt hat er hier schon in der Darstellung von Harrimans Vater, Admiral Harriman. Das Porträt Adm. Harriman - Jellico gleicht sich in manchen Passagen sogar bis aufs Wort, so z.B. ärgern sich beide darüber, daß nach den Worten "with all due respect" meist etwas Respektloses folgt, und beide kleben so an Verordnungen oder der Kommandohierarchie, daß sie schon halb betriebsblind sind...

Das Verhältnis Sulu-Chekov-Uhura wird hingegen recht routiniert beschrieben, was einen positiven Kontrast darstellt, auf Scottys Mission, die schließlich dazu führt, daß er 75 Jahre lang im Transporterbuffer steckt, wird angespielt. Wie schon weiter oben geschrieben, nimmt die Affäre von Sulu zu Demoras Mutter einen zu großen Teil der Geschichte ein - gut, die Hintergründe, die damals zu ihrem Kennenlernen geführt haben, spielen auch bei Demoras angeblichem Tod eine wichtige Rolle, aber rund 50 Seiten dafür zu widmen, ist einfach zu viel bei einem Buch von 278 Seiten... vor allem, da Susan Ling für den Rest des Buches keine Rolle mehr spielt.

6 Jahre später wird Sulu seiner Tochter vorgestellt - und ist genervt, wegen ihr auf der Erde bleiben zu müssen. Genau das hat mich auch ein wenig gestört. Da gibt's eine wirklich rührende Szene, in der sich Sulu eben dagegen entscheidet, Demora in eine Internat zu geben, während er selbst im Weltraum auf Abenteuersuche geht. Da dachte ich an sich, der Bann sei gebrochen, er ist bereit, ein wirklicher Vater für seine Tochter zu sein. Aber nein, ein paar Kapitel später staucht er sie zusammen, weil sie seine Ehre verletzt hat... Gut, daß sie auf der Akademie in den Raum vom Kobayashi-Maru-Test (ein netter Seitenhieb, als Kirk, der Demora quasi erwischt, denkt, welches Bild eine Enterprise mit einem Kind als Steuermann wohl abgibt...) geraten ist, ist unglücklich gelaufen, aber sie hat es doch nicht absichtlich getan und so ihr Versprechen gebrochen.

Die Beziehung zwischen Demora und ihrem Vater wird überhaupt recht zwiespältig beschrieben. Um dem anderen zu gefallen, bringen beide große Opfer, und erst, als Demora für tot erklärt wird, wird ihnen das klar. Interessant war natürlich diese Darstellung vor allem, da sich diese Beziehung ja zwischen den 7 Filmen abspielen mußte, also die verschiedenen Missionen auch bedacht werden mußten, was aber recht gut gelungen ist.

Leider kam aber die effektive Handlung etwas zu kurz - im ersten Teil rennen Sulu und Ling davon, im zweiten Teil ist Sulu glücklich, seine Tochter wohlauf zu sehen. Was aber der eigentliche Grund für diese Klonfabriken ist, kommt zu kurz, die Bösewichte sind viel zu wenig beschrieben, als daß echte Spannung aufkommen kann.

Um wirklich aus "The Captain's Daughter" eine Art Spin-Off der TOS machen zu können, fehlt leider die Charakterisierung möglicher Nebenpersonen. Sulus 1. Offizier, Anik of Matern, bleibt relativ farblos (auch wenn sie sich Harriman am Schluß entgegenstellt), von Rand erfährt man, daß sie ein Kind hatte, weshalb sie die Enterprise verlassen hat, das aber mit 2 Jahren gestorben ist. Der Vater wird zwar offen gelassen, aber ich denke mal, da wird auf Kirk angespielt. Sonst aber ist auf der Seite nicht genug Potential, das mich für weitere Geschichten interessieren könnte.

Fazit: "The Captain's Daughter" ist eine nette Zwischendurch-Geschichte, die sich voll auf die TOS-Nebencharaktere, besonders Sulu, konzentriert. Sie hinterläßt allerdings keinen wirklich bleibenden Eindruck.

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures