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Cover von "Diplomatic Implausibility" Star Trek: The Next Generation #61
Diplomatic Implausibility
Autor: Keith R.A. DeCandido
2001, Pocket Books
ISBN 0-671-78554-0
249 Seiten

Die Vorgeschichte: Vor einigen hundert Jahren haben die Klingonen den Planeten taD erobert und ihn in ihr Imperium einverleibt. Die Bewohner des Planeten, die sich selbst "al'Hmatti" nennen, wurden dabei zu sogenannten "jeghpu'wI'". So nennen die Klingonen Einwohner ihres Reiches, die zwar keine Sklaven im engeren Sinn, aber auch keine Bürger sind. Etwas Widerstand gegen die klingonische Herrschaft gibt es auf dem Planeten schon lange, gefährlich wurde dieser den Besetzern aber nie. Doch während des Krieges gegen das Dominion, witterten die al'Hmatti ihre Chance. Da die Einheiten der klingonischen Defense Force jede Menge damit zu tun hatten, gegen den Feind aus dem Gamma-Quadranten zu kämpfen, konnten sie den Aufsehern auf taD nicht zu Hilfe eilen, und den Rebellen gelang es, sich der klingonischen Regentschaft zu entledigen und eine eigene Regierung zu installieren. Dieser Zustand hielt nicht lange an: Schon bald waren die übermächtigen Klingonen wieder mit alter Stärke da und das kurze Zwischenspiel der Freiheit war vorbei. Doch die al'Hmatti-Kurzzeit-Regierung hat in dieser Zeit geschickt gehandelt. Sie hat bei den Föderation den Beitritt des Planeten beantragt und damit die Föderation gezwungen, sich mit der Lage auf taD zu beschäftigen.

Inzwischen ist der Dominion-Krieg vorbei und die Föderation und die Klingonen sind längst wieder Verbündete. Doch der Konflikt zwischen den Klingonen und den al'Hmatti ist noch lange nicht gelöst. Die klingonischen Kräfte sind zwar wieder in der Lage, die Besetzung weiterzuführen, doch die ständigen Aktionen einer al'Hmatti-Rebellen-Gruppe lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Und auch die Föderation muß langsam handeln. Während des Krieges hatte man gute Argumente dafür, die Behandlung des Problems hinauszuschieben, jetzt wird es aber Zeit, sich darum zu kümmern. Und so wird der neue UFP-Botschafter bei den Klingonen, Worf, losgeschickt, um eine Lösung für das Problem zu finden.

Worf befand sich gerade auf der Erde, wo er einige alte Bekannte getroffen hat. Jetzt wird er von der Enterprise bis zur klingonischen Grenze gebracht. Captain Picard hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, sein inzwischen zu einem wichtigen Diplomaten aufgestiegenes ehemaliges Crewmitglied höchstpersönlich auf seiner ersten Mission zu transportieren. An der Grenze wartet auf ihn ein klingonisches Schiff, die Gorkon, das ihn dann weiter nach taD bringen soll. Bevor er allerdings an Bord der Gorkon weiterreist, trifft sich Worf noch kurz mit Martok, der mit seinem Flaggschiff ebenfalls zur Grenze gekommen ist, um Worf zu treffen. Er macht dem Botschafter klar, daß das klingonische Imperium auf keinen Fall dazu bereit ist, taD in die Unabhängigkeit oder in eine Mitgliedschaft in der Föderation zu entlassen. Nicht weil taD selbst so wichtig wäre, sondern aufgrund der Tatsache, daß ein solcher Erfolg der al'Hmatti eine Signalwirkung für andere Völker hätte, die dem Imperium in der aktuellen Situation des Wiederaufbaus alles andere als gelegen käme.

Schließlich geht die Reise dann an Bord der Gorkon weiter. Das Schiff ist Teil einer brandneuen Klasse von klingonischen Raumschiffen, der Qang-Klasse. Es hat gerade erst seinen Testflug hinter sich gebracht und ist mit vielen alten Bekannten von Worf und der Crew der Enterprise-D besetzt, was für eine explosive Stimmung sorgt: An Bord sind unter anderem Captain Klag (bekannt aus der TNG-Episode "A Matter of Honor"), Rodek (das ist die neue Identität von Worfs Bruder Kurn - siehe die DS9-Episode "Sons of Mogh") und Martoks Sohn Drex (vorgestellt in DS9s "The Way of the Warrior"), der gar nicht glücklich darüber ist, daß er und Worf jetzt dem selben Haus angehören. Auch Kurak, eine (sie nicht mehr übermäßig mögende) Bekannte von Beverly Crusher, ist an Bord (siehe TNG-Episode "Suspicions").

Alles in allem ist es jedenfalls keine angenehme Lage, in der sich Worf befindet. Auf der einen Seite ist er als Botschafter der UFP verpflichtet, die Interessen der Föderation wahrzunehmen, andererseits ist er Mitglied des Hauses von Martok, der von ihm erwartet, dafür zu sorgen, daß taD in klingonischer Hand bleibt, und dann muß er auch noch den vielen Konflikten auf der Gorkon elegant aus dem Weg gehen.

"Diplomatic Implausibility" ist ein hervorragendes Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte. Sowohl die erzählte Geschichte selbst, als auch die darin eingebaute Schilderung der klingonischen Lebensweise ist ein sehr wertvoller Beitrag zum Star-Trek-Universum.

Die eben schon erwähnte Darstellung der klingonischen Kultur und Gesellschaft ist es, die dieses Buch im Vergleich mit anderen guten Standard-Star-Trek-Romanen zu einer Besonderheit werden läßt. Zwar wird das alles hier nicht so deutlich und so offensichtlich betrieben, wie das Diane Duane (und Peter Morwood) in ihrer hervorragenden Rihannsu-Serie machen, aber durch die Beobachtung der Handlungen und Reaktionen der Charaktere gewinnt man ebenso einen äußerst interessanten Einblick.

Ein weiterer großer Pluspunkt von "Diplomatic Implausibility" ist die "Einbettung" dieser Geschichte in das bekannte Star-Trek-Umfeld. Keith R.A. DeCandido hat zahlreiche bereits aus den TV-Serien und den Romanen bekannte Figuren eingebaut, ohne daß dies an irgendeiner Stelle verkrampft und/oder konstruiert wirkt. Manche dieser Charaktere spielen dabei eine größere, andere eine kleinere Rolle. Neben den vielen klingonischen Bekannten, die ich oben in der Inhaltsangabe schon erwähnt habe, kommen auch McHenry, Soleta und Zak Kebron aus "Star Trek: New Frontier" kurz vor. Und als Draufgabe gibt's dann auch noch die Erwähnung einer seltsamen Bar voller Captains, zweifellos eine Anspielung auf die "The Captain's Table"-Buchreihe.

Die Geschichte rund um den Planeten taD und die al'Hmatti hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Eine verzwickte politische Situation muß hier langsam von Worf entwirrt und irgendwie gelöst werden. Und für Worf bedeutet das, zwischen den Interessen und Werten der Föderation und jenen der Klingonen auf einem schmalen Grat zu wandern. Und dabei muß er natürlich auch noch die Interessen der al'Hmatti berücksichtigen.

Ich bin normalerweise kein Fan der Klingonen, dieses Buch hat mir aber dennoch extrem gut gefallen. Es enthält - neben anderen alten Bekannten - jede Menge interessante klingonische Charaktere und zeigt auch, daß es nicht der Traum aller Klingonen ist, jung in einer blutigen Schlacht zu sterben.

Als kleines Extra gibt es hinten im Buch dann auch noch eine Art Wörterbuch für die in der Geschichte verwendeten klingonischen Begriffe. Man findet hier nicht nur eine bloße Übersetzung des jeweiligen Wortes, sondern in Kurzform auch einige weitere Informationen, sowie die TV-Episode, in der der Begriff zum ersten Mal vorkam.

Fazit: Für Klingonen-Fans und -Interessierte ist das Buch unverzichtbar, aber auch alle anderen Leser, denen interessante Charaktere, gute Dialoge und Einblicke in Star-Trek-Gesellschaften gefallen, sollten eigentlich große Freude mit "Diplomatic Implausibility" haben.

© Patrick Ahrer
(patrick@afss.cjb.net)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures