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Star Trek: New Frontier #4
End Game Autor: Peter David 1997, Pocket Books ISBN 0-671-01398-X 184 Seiten |
"End Game" beginnt an der Stelle, an der "The Two-Front War" aufgehört hat... Laheera, die Nelkaritin, die die Flüchtlinge so herzlich aufgenommen hatte, stellte gerade das Ultimatum, daß die Excalibur Waffen und sonstige Technologie zur Verfügung stellen sollte, sonst würden die Flüchtlinge umgebracht werden. Zum Beweis schnitt sie dem Captain des Schiffes, das die Excalibur gerettet hat, vor den Augen der Brückenmannschaft die Kehle durch. Calhoun zeigte sich äußerlich wenig beeindruckt - er meinte, daß er damit nichts zu tun hätte, da die Flüchtlinge sich ja gegen seinen Rat freiwillig entschieden hätten, auf Nelkar zu bleiben...
Im Gegenzug droht Mac nun damit, die Hauptstadt von Nelkar zu bombardieren - ein Bluff, der (wie vorhergesehen) nicht aufgeht... oder nicht ganz, um genau zu sein. Die Excalibur beginnt nämlich nach diesem gescheiterten Versuch, die Übertragung des Gesprächs mit Laheera, in dem sie meint, daß es ihr nichts machen würde, sollte ein Teil der Stadt ausgelöscht werden, da sie selbst an einem geschützten Platz ist, auf ganz Nelkar zu zeigen. Unruhe formiert sich - eine blutige Revolution ist die Folge, an deren Ende die Bildung einer neuen Regierung mit Zusicherungen für die Flüchtlinge steht.
In der Zwischenzeit wurden Kebron und Si Cwan in letzter Minute von D'ndai, Macs Bruder, aus dem explodierenden Wissenschaftsschiff gerettet und nach Thallon gebracht. Diese ganze Angelegenheit mit dem in Not geratenen Flüchtlingsschiff war nur inszeniert worden, um sich Calhouns entledigen zu können - daß nicht er, sondern lediglich Si Cwan und Kebron auftauchten, ließ den Plan natürlich ins Wanken geraten... v.a., da Zoran, der für den Job vorgesehen war, nicht von Rache an Si Cwan abzuhalten war. Auf Thallon funktioniert Kebron die Zelle, in der er und Si Cwan eingesperrt sind, kurzerhand in eine Föderationsbotschaft um, und beide warten auf das Eintreffen der Excalibur.
D'ndai, Ryjaan (der Führer der Danterianer, die sich im thallonianischen Sektor ja einnisten möchten) und Kanzler Yoz, ein Thallonianer, der von dem Zusammenbruch des Reiches profitiert hat, beschließen, Si Cwan öffentlich anzuklagen und Kebron freizulassen als Geste des guten Willens. Da es keine Beweise für eine direkte Schuld Si Cwans an Verbrechen während der Herrschaft seiner Familie gibt, erzählt D'ndai, daß er den Xenexianern bei ihrem Freiheitskampf geholfen hätte... und zwar tatkräftig, indem er den damaligen Führer Falkar, ganz zufällig Ryjaans Vater, ermordet habe.
Kurze Zeit später trifft die Excalibur, die der Spur von D'ndais Schiff gefolgt ist, auch ein. Mac stellt seinen Bruder sogleich zur Rede, wo die beiden Mannschaftsmitglieder sind - und sie geraten über den Führungsstil D'ndais über Xenex wieder in Streit. Dieser bildete nämlich gleich nach dem Unabhängigkeitskrieg wirtschaftliche Allianzen mit den Danterianern, was Mac immer verurteilte. D'ndai teilt dem verwunderten Mackenzie auch mit, daß die Thallonianer damals die Waffen für den Freiheitskampf geliefert hätten...
In der Zwischenzeit untersuchen Soleta und Lefler die Ursache für den Energieverlust auf Thallon - dieser Planet war immer voll Energie gewesen, die scheinbar aus unterirdischen Quellen stammt. Nur in den letzten Jahren waren diese Quellen versiegt, was zu Rationierungen von Energie geführt hatte. Dieser Energieverlust wird nun auch von starken Beben begleitet. Die beiden finden auch die Ursache - nur erscheint diese fast unglaubwürdig...
Am Hauptplatz findet schließlich die Verhandlung über Si Cwan statt. Seine Verbrechen werden aufgezählt, und bei der Erwähnung Falkars hält Calhoun nichts mehr auf seinem Sitz. Als er erklärt, daß er verantwortlich für Falkars Tod ist, stürzt sich Ryjaan auf ihn... und D'ndai könnte seinen kleinen Bruder nun endgültig loswerden...
"End Game" - der Titel verspricht schon einiges, aber alle Plotfäden werden nicht gelöst.
So zB. verschwindet nach der Verhandlung D'ndai spurlos, ohne daß ihn Mackenzie noch einmal zur Rede stellen kann... wahrscheinlich wußte er, daß Calhoun ihn sicher nicht ungeschoren davonkommen lassen würde. Es ist sehr interessant, wie in den wenigen gemeinsamen Szenen herauskommt, wie unterschiedlich die beiden sind. Mac ist eher der aktive, der alles selbst machen will, und D'ndai der Intrigant. Beide geben vor, das Beste für ihre Heimat zu wollen (wenn für D'ndai dabei noch ein recht anständiges Leben rausschaut, ist ihm das auch nicht unrecht...), doch ihre Wege sind so unterschiedlich, daß es kaum ärger geht. Auch, daß sein großer Bruder scheinbar schon während Macs Führerschaft auf Xenex hinter seinem Rücken Verhandlungen geführt hat, und nicht zu vergessen, daß es D'ndai schließlich war, der den Kampf zwischen Mac und Ryjaan "arrangiert" hat - dies alles treibt den Keil zwischen ihnen noch tiefer. Hier erwarte ich mir noch einiges.
Selars Pon Farr wurde bisher nicht aufgelöst - zuerst war Burgy an ihr interessiert, sie wies ihn/sie allerdings ab. Dann will sie zu ihm/ihr gehen und ihre Gefühle gestehen, da erwischt sie ihn/sie (oje, diese Pronomen machen mich noch verrückt!), wie er/sie mit McHenry herumturtelt... Hier ist also auch noch kein Ende der Situation in Sicht.
Dann bleibt die Sache mit Si Cwans Schwester... im Kampf sagte Zoran zu ihm, daß sie tot ist - doch dem soll laut letzter Botschaft nicht so sein. Ich glaube nicht, daß die Suche bald zum Erfolg führen wird, eher wird das ein loser Plotfaden sein, den man wohl mal anschneiden wird.... Auf jeden Fall wurde das Verhältnis zwischen Kebron und Si Cwan von Mißtrauen in, wenn schon nicht Freundschaft, dann zumindest Kollegialität umgewandelt - recht bezeichnend die Szene, als der freigelassene Kebron nicht von Si Cwans Seite weichen will.
Calhoun ist und bleibt der für mich sicherlich interessanteste Charakter dieser neuen Buchreihe. Gerade in der Angelegenheit mit den Nelkariten bezweifelt er, ob er derselbe Mann ist, der mit 19 Xenex zur Freiheit verholfen hat. Er meint nämlich, er sei nicht mehr in der Lage, den Konsequenzen seiner Entscheidungen auch mit offenen Augen entgegenzutreten. So unterbrach er die Verbindung, als Laheera vom aufgebrachten Volk getötet wurde - er hätte sie retten können, aber immerhin, wenn er schon das nicht tut, hätte er hier bis zum Ende dabeisein müssen... naja, seiner Meinung nach halt...
Beim Kampf mit Ryjaan merkt er recht rasch, daß er im Gegensatz zu früher nicht mehr die Schnelligkeit und Wendigkeit besitzt - daß ihn aber seine "barbarische" Seite, wie er sie nennt, nicht verlassen hat. Dennoch will er schließlich Ryjaan aus einer Erdspalte retten... eine wirklich zwiespältige, und gerade deshalb so interessante Persönlichkeit. Eines tritt auf jeden Fall zutage: Für die ihm anvertrauten Personen versucht er, sein möglichstes zu tun, unabhängig von irgendwelchen Regeln. Auch wenn sich andere auf ihn verlassen, so fällt es ihm jedenfalls (noch) schwer, sich seinem Ersten Offizier ganz anzuvertrauen oder ihr alle seine Gedanken und Pläne mitzuteilen. Gerade dies wird ihn noch einige Male mit Shelby aneinandergeraten lassen...
Von Shelby selbst erfährt man in diesem Auftaktvierteiler nicht viel Neues - die anfängliche Frustration, den Job als Captain nicht selbst bekommen zu haben, weicht bald einer tiefen Loyalität, die allerdings Streitereien nicht ausschließt. Genau hier ist es, wo sich diese Reihe (bisher zumindest) von der TV-Serie Voyager sehr unterscheidet, obwohl die Ausgangspositionen an sich ähnlich sind. Hier wie dort gibt es jemanden, der bisher wenig auf Regeln gegeben hat, und jemanden, der eher nach den Regeln der Sternenflotte lebt - gerade in der Konstellation Captain - Erster Offizier bietet das ja an sich eine Fülle an sachlichen Konfliktmöglichkeiten. Ich hoffe sehr, daß dies bei der New Frontier auch so bleibt, und diese beiden Charaktere nicht jeder Charakterdynamik beraubt werden... Aber von dem, was ich bisher von Peter David kenne, sind meine Ängste wohl nur theoretischer Natur.
Auf jeden Fall freut es mich, daß schon in dieser Eröffnung viele Charakterkonstellationen angesprochen wurden... Calhoun/Shelby, Selar/Soleta, Selar/Burgoyne, Kebron/Si Cwan, Si Cwan/Soleta, Soleta/Lefler etc. Meiner Meinung nach erhalten nur solche Charakterstudien eine Serie (egal, ob im TV oder in Buchform) lebendig. Abenteuer sind ja nett und schön, was bringen sie jedoch, wenn die Charaktere so hölzern sind, daß man unmöglich mit ihnen mitfühlen kann? Vor allem von Shelby/Calhoun erwarte ich mir noch einiges hinsichtlich ihres gemeinsamen Hintergrundes (jetzt mal abgesehen von den schon erwähnten Diskussionen), genauso von dem Plot rund um Selar. Bisher sind lediglich McHenry und Lefler ein wenig kurz gekommen, aber das sollte sich wohl ändern (können) mit den weiteren Büchern.
"New Frontier" mit der Einführung neuer "Spieler" und eines neuen "Spielplatzes" ist ein überaus ansprechendes neues Konzept im Star Trek-Universum. Ich empfinde es als wirklich überaus gut gelungen und kann es nur jedem empfehlen, der mal was Neues auf dem Star Trek-Sektor kennenlernen möchte...