Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek #87 My Brother's Keeper #3 Enterprise Autor: Michael Jan Friedman 1999, Pocket Books ISBN 0-671-01920-1 270 Seiten |
Die Enterprise kehrt zurück auf die Erde, wo Leonard McCoy Kirk bereits erwartet. Von ihm erhofft sich Jim Rat, wie er Garys Eltern begegnen soll, die keine Ahnung von den näheren Umständen rund um den Tod ihres Sohnes haben. McCoy rät ihm, ihnen die Wahrheit zu sagen. Gerade als er bei den Mitchells sitzt und ihnen gestehen will, daß er es war, der Gary getötet hat, wird Kirk an eine Mission der Enterprise erinnert, wo er eines der ersten Male nicht auf den Rat seines besten Freundes bauen konnte, sondern sich auf seinen 1. Offizier, den Vulkanier Spock, verlassen mußte:
Kurz zuvor war Jim Captain der Enterprise geworden und hatte Gary von seinem vorigen Posten mitgebracht. Der frühere Captain, Pike, hatte den Wunsch geäußert, daß Kirk Spock als 1. Offizier behalten sollte. Dies geschah auch, nur hörte Jim instinktiv bei Besprechungen mehr auf die Vorschläge Mitchells, dem er gelernt hatte zu vertrauen. Natürlich bemerkte dies auch Spock, der Kirk um Versetzung bat. Jim war sich dieser Bevorzugung gar nicht bewußt und schwor sich, sich in Zukunft nicht zu sehr auf Gary zu verlassen.
Mitten in dieser persönlichen Konfliktsituation kontaktierte Kirk Admiral Mangione und befahl ihm, sie und ihr Team auf einer Sternenbasis abzuholen. Beide, Jim und Gary, brannten vor Neugier, was dies zu bedeuten hatte, doch außer ein paar Koordinaten - denselben wie auch schon auf der Republic bzw. der Constitution - sollte auch diesmal wieder ein Mantel des Schweigens über die Mission gelegt werden.
Admiral Mangione und ihr Team beamten auf den Planeten hinunter. Bei der Rückkehr beamte Kirk nicht nur das Team an Bord, sondern auch unerwünschte Eindringlinge - scheinbar genetisch verbesserte Klingonen, wie sich später herausstellen sollte - , die diesen Moment abgewartet hatten, nun den Transporterraum übernahmen und Verstärkung holten. Obwohl es nur 15 Eindringline waren, war ihnen die 400 Mann starke Besatzung der Enterprise unterlegen. Bevor er es sich versah, fand sich Kirk ausgesetzt auf dem Planeten wieder - ohne Gary und ungefähr 60 andere, die als Geiseln auf dem Schiff geblieben waren.
Um herauszufinden, was wirklich vor sich ging, sein Schiff zurück zu bekommen und Gary sowie den Rest der Mannschaft zu retten, mußte sich Kirk jetzt nicht nur auf seinen 1. Offizier verlassen, den er kaum kannte, sondern auch auf die Besatzung eines klingonischen Kreuzers, der ebenfalls den Planeten umkreiste und vielleicht Kirks einzige Rettung war.
"Enterprise" ist nun der Abschluß der "My Brother's Keeper"-Trilogie, und es ist ein würdiger Abschluß.
In diesem Roman wird nun versucht, die Brücke zwischen "Where No Man Has Gone Before" und dem Rest der TOS zu schlagen. So heuert Kirk McCoy als Schiffsarzt an, dazu beginnen schon beim ersten Treffen zwischen dem Arzt und Spock die verbalen Duelle. Überhaupt muß gesagt werden, daß - im Gegensatz zu "Constitution" - in diesem Roman wieder mehr wert gelegt wird auf die Rahmenhandlung, sprich, auf die Rückkehr der Enterprise zur Erde, auf die Trauerfeier für Gary Mitchell. So enthält auch die Rückblende keine wirklich neuen Elemente mehr, sondern klärt das Rätsel rund um den Befehl von Admiral Mangione auf der Republic auf.
Wirklich ganz ausgezeichnet fand ich die Szenen zwischen McCoy und Kirk, in denen der Arzt zwar geschockt von den Vorkommnissen ist, trotzdem aber Jim Rat und Trost spendet. Als Kirk dann zu den Mitchells geht, um ihnen zu erzählen, was wirklich mit ihrem Sohn geschehen ist, auch in Kauf nehmend, daß sie ihn verdammen könnten, ist seine Erleichterung richtig spürbar, als sie ihn schließlich trösten... Obwohl er für den Tod ihres Sohnes verantwortlich war, wissen sie, daß dies wohl die härteste Entscheidung war, die er jemals zu treffen hatte.
In der Hauptgeschichte/Rückblende wird, wie schon angesprochen, das Rätsel rund um den Planeten, der zwei Mal angesteuert wurde, über den aber nichts bekannt wurde, aufgelöst. Auf der klingonischen Heimatwelt wurden nämlich genetische Experimente durchgeführt, die beinahe alle Fähigkeiten enorm steigerten: Kampfkraft, Schnelligkeit, aber auch Wut und Ungeduld. Da diese "neuen" Klingonen nicht nur ein Risiko für die Machthaber, sondern auch für die Föderation darstellten, entschloß man sich gemeinsam, sie ins Exil - eben auf diesen Planeten - zu schicken.
Interessant ist in diesem Zusammenhang nicht nur, wie Kirk dann schließlich unter der Zusammenarbeit mit einem klingonischen Captain namens Kang (auch er sollte in der TOS und auch DS9 noch eine Rolle spielen) diese verbesserten Klingonen bezwingt, sondern auch, daß dies eine Erklärung dafür bietet, warum die Klingonen der TOS sich so von denen der TNG unterscheiden... Schließlich wurde am Schluß angekündigt, daß es vielleicht einmal möglich sein würde, diese genetische Verbesserung besser unter Kontrolle zu haben. Hier wurde im Prinzip die Erklärung nachgetragen, die ich in DS9s "Trials and Tribble-ations" schmerzlich vermißt habe, als Worf auf diese Veränderung angesprochen wurde.
Dieser Kampf um die Enterprise, um die Befreiung der Geiseln und den Sieg gegen die Klingonen, bringt Kirk erstmals seinem ersten Offizier Spock näher. Außerordentlich interessant, wie Jim hier noch überhaupt nichts mit Spock anzufangen weiß, dessen Rat ständig hinter den von Gary zurückstellt... was nicht nur Spock, sondern auch anderen der Brückencrew auffällt. Auch recht bemerkenswert ist, daß Garys lockerer Umgang mit seinem Freund Jim, der aber auch gleichzeitig der Captain des Schiffes ist, absolut nicht von allen positiv gesehen wird. So können mehrere Garys großspurige, den Regeln widersprechende Art nicht billigen und meinen, Gary wäre wohl auf keinem anderen Schiff als auf der Enterprise überhaupt untergekommen...
Das Buch endet schließlich mit Jims Trauerrede - sie faßt die Ereignisse von "My Brother's Keeper" nochmals eindrücklich zusammen und ist quasi auch als Neuanfang für Kirk und seine jetzt doch in mehreren Positionen veränderte Mannschaft zu verstehen. Friedman ist hier wirklich eine Meisterleistung gelungen in der Verbindung und Erklärung vieler loser Plotfäden der TOS. Das Resultat ist eine Trilogie, die ich kaum weglegen konnte. "Enterprise" bietet hier nur sozusagen noch das Tüpfelchen auf dem i... Ein Muß!