Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: New Frontier #10
Excalibur: Renaissance Autor: Peter David 2000, Pocket Books ISBN 0-671-04239-4 270 Seiten |
Die in der Sternenflotte übliche Zeit der Erholung für die Offiziere nach dem Verlust eines Schiffes und - noch schwerwiegender - des Captains gibt Robin Lefler und ihrer Mutter Morgan Primus Zeit, ihre Beziehung zu erneuern. Für Morgan scheint der ideale Platz für dieses Unterfangen Risa zu sein, Robin fügt sich nach einigen Protesten, wollte sie doch eher Abenteuer erleben als sich in einem Luxusressort zu fadisieren. Bereits am ersten Abend treffen die beiden in der Hotelbar auf Scotty, der angeheuert worden ist, um die Gäste zu begrüßen, und Morgan verbringt immer mehr Zeit ohne ihre Tochter.
Währenddessen ist Robin ein wenig ärgerlich, daß dieser als Mutter-Tochter-Urlaub geplante Aufenthalt nun ganz andere Formen annimmt, doch ganz langsam beginnt auch sie, sich zu entspannen und die Einrichtungen des Hotels zu genießen. Schließlich aber beschließt sie, auf eigene Faust zu einer der Ausgrabungsstätten auf Risa aufzubrechen - und fällt auf dem Weg dorthin in ein tiefes Erdloch, in dem ein schleimiges Wesen haust, das sie als ideale Nahrungsquelle ausgesucht hat... Nur die Hilfe eines attraktiven jungen Mannes kann sie aus diesem Schlamassel befreien...
Unterdessen beschließt Selar, Xyon ohne Burgoynes Unterstützung auf Vulkan aufzuziehen. Sie verläßt, ohne ihm/r bescheid zu geben, die Erde. Burgy versucht nun, Hilfe auf Hermat zu ergattern, die ihm/r allerdings nicht gewährt wird, da ein Halbblut wie Xyon nicht als der Spezies zugehörig gehalten wird und dementsprechend für Hermat nicht existent ist. Selars Bruder Slon organisierte inzwischen für Selar eine Praxis für die nächsten Monate, stellt allerdings ihre Entscheidung bezüglich Xyon in Frage.
Einige Wochen später taucht Burgy in Selars Praxis auf und kündigt an, um Xyon kämpfen zu wollen. Selar weist ihn/sie ein weiteres Mal ab. In einer Bar wird Burgoyne schließlich von einem jungen Vulkanier angesprochen, den sie/r schließlich zu seiner Wohnung begleitet... nur, um dann doch das deutliche Angebot abzulehnen. Es stellt sich heraus, daß es sich um Slon handelt, der Burgy begreiflich machen will, in welcher Lage Selar steckt - und daß es vielleicht nicht unbedingt das weiseste ist, wirklich mit allen Mitteln um Xyon zu kämpfen und sie so in die Enge zu drängen.
"Renaissance" kümmert sich nun um die Hauptpersonen, die in "Requiem" noch nicht angesprochen wurden, nämlich Robin, Morgan, Burgoyne und Selar. Erst ganz zum Schluß kommt es zu einer Verbindung zwischen diesen bisherigen beiden Romanen der Excalibur-Trilogie... Doch der Reihe nach!
Der Teil rund um Burgoyne und Selar beinhaltet sehr viele gute Momente, aber auch einige Schwachpunkte. Gut fand ich vor allem wiederum die subtile Darstellung der vulkanischen Gefühlswelt, aber auch Burgys Innenleben. Dazu ist es natürlich auch sehr interessant, daß es auch homosexuelle Vulkanier gibt - obwohl ich mich frage, wie dies mit der "logischen" Erziehung vereinbar ist. Das bemerkenswerte Detail dabei ist, daß betroffene Vulkanier nicht unter dem Pon Farr "leiden"... Auf alle Fälle aber gefällt mir Slon und seine unkonventionelle Art!
Burgoyne ist schließlich bereit, auf Xyon zu verzichten, weil sie/r glaubt, besser mit dem Verlust fertigwerden zu können als Selar. Die Frage ist natürlich, wer von beiden hier eher mit dem Hirn als mit den Emotionen denkt - und daß Selar Burgy verdächtigt, Xyon entführt zu haben, verstärkt diese Frage noch zusätzlich, schließlich war sie diejenige, die Xyon ohne Burgys Zustimmung nach Vulkan gebracht hat. So sehr mir auch diese Angelegenheit von Burgoynes Sicht aus gefällt, so stehe ich Selar hier zwiespältig gegenüber. Zuerst einmal störte mich schon die seitenlange Analyse ihres psychischen Zustandes, da sie überhaupt nichts Neues brachte (zumindest nicht für den Leser, aber wohl auch kaum für Burgy, die/r ja mit ihr seit dem Pon Farr verbunden ist).
Daß Selar immer noch unter den Auswirkungen des Todes ihres Mannes leidet, seitdem jeden Verlust fürchtet und über alles die Kontrolle haben muß, ist seit dem Auftaktvierteiler bekannt bzw. hat man sich seitdem an den Fingern ablesen können. Dazu gefiel mir auch das Setting der "Verhandlung" nicht wirklich, auch wenn sie mit T'Pau als Richterin eine alte Bekannte brachte. Schließlich endet diese nämlich in einem Kampf zwischen Selar und Burgy, in dem Selar durchaus willens gewesen wäre, sie/ihn umzubringen... Und das, auch wenn es ein Uraltritual ist, das noch aus der Zeit Suraks stammt, soll bestimmen, wer der bessere Elternteil ist???
Schließlich bringt eine Begegnung mit vulkanischen Kindern, die einen Mitschüler, halb Mensch, halb Vulkanier, fertigmachen, Selar dazu, über die Situation nachzudenken. Bereits in "Vulcan's Forge", aber auch in "Sarek" wurde die Grausamkeit, die vulkanische Kinder denjenigen entgegenbringen, die nicht vollständig ihrer Spezies angehören, dargestellt - und da muß ich mich schon fragen, wie weit es mit vulkanischer Erziehung her ist. Die Logik müßte diesen Kindern doch eigentlich sagen, daß der Status des Halbvulkanierseins durch solches Fertigmachen nicht geändert wird!
Ein ähnliches Schicksal für Xyon, der sich enorm schnell entwickelt, vorhersehend, entschließt sich Selar schließlich, ihn zu Burgy zu schicken, und will alle ihre "Rechte" an ihm aufgeben. Eines Tages sucht sie allerdings ein weißhaariger, älterer Mann auf, der versucht, ihr die Augen zu öffnen - es ist Spock. So sehr ich es auch begrüßen mag, meinen Lieblingscharakter aus ST hier zu sehen, dieser Auftritt kommt mir dennoch ein wenig gezwungen vor. Wenn es hier rein darum gegangen wäre, daß er ihr davon berichtet, wie es ist, als Halbvulkanier auf Vulkan zu bestehen, dann wäre es eine gänzlich andere Angelegenheit gewesen. Aber darum geht es in diesem Treffen im Endeffekt gar nicht. Neben Xyon geht es hier nämlich vor allen Dingen darum, Selar dazu zu bringen, sich ihrer Gefühle für Burgy klar zu werden.
Und genau hier habe ich meine Probleme. Vulkanier sind extrem introvertierte Personen - und nun soll plötzlich ein Fremder in Selars Gedankenwelt eindringen und ihr Ratschläge über ihr Leben geben? Zusammen mit der letzten Szene, die dann wirklich die Rückkehr Selars zu Xyon und die Wiederaufnahme ihrer Beziehung zu Burgoyne beinhaltet, verleitete mich das sehr zu dem "Spock kommt, und alles ist wieder gut"-Gedanken, der mich bei der Komplexität des Problems einfach enorm gestört hat. Mir hätte hier eine langsamere Vorgangsweise wesentlich besser gefallen, also daß Selar sehr wohl zurückkommt, aber nicht gleich mit Burgy ins Bett hüpft. Da werden Seiten auf ihre psychische Befindlichkeit bzw. den Kampf der beiden verschwendet, und am Schluß hatte ich irgendwie einfach das Gefühl, daß die Geschichte nur mehr gestrafft wurde, um sie zu endlich einem Ende zu bringen.
Der Teil rund um Morgan bzw. Robin kommt zwar recht langsam in Fahrt, endet aber im Prinzip mit einem Paukenschlag. Anfangs sorgt diese Geschichte für recht nette Pointen, besonders natürlich, als die beiden feststellen, sich in Männer der gleichen Familie (also Robin in den Sohn Nik, Morgan in den Vater Rafe) verliebt zu haben, dazu erfährt hier Scotty einen doch recht unerwarteten Auftritt, aber dies ist nur quasi das Vorspiel zu wirklich unerwarteten Wendungen.
Dachte ich zu Beginn noch, daß Scotty wohl nur ein nettes Beiwerk ist, hatte er mit seiner dunklen Vorahnung rund um die beiden Männer vollkommen recht. Vor allem die Kaltblütigkeit, mit der Nik vom Mord am Hotelleiter Quincy und dem vermeintlichen Tod Scotts (der wohl noch als Rettender Engel in "Restoration" in Erscheinung treten wird!) seinem Vater berichtet, kam doch nach all den belanglosen, honigsüßen Szenen mit Robin ziemlich unerwartet. Doch auch Morgan wird immer mißtrauischer - und gerade als sie Rafe zur Rede stellen will, stürmt Si Cwan mit Kalinda herein und identifiziert ihn als Olivan...
Doch damit nicht genug, gibt es hier auch einige Hinweise, was wirklich mit der Excalibur geschehen ist. Scheinbar ist sie einem Computervirus zum Opfer gefallen, das während eines Angriffes Monate vor der Zerstörung des Schiffes (während der Double Helix-Mission - s. "Double or Nothing") unbemerkt in den Schiffscomputer gelangte. Im Rückblick nach dieser einen Szene gewinnen auch andere frühere Unterhaltungen zwischen Nik und Robin plötzlich mehr Gehalt. So reagierte Nik z.B. alles andere als mitfühlend auf den Verlust ihres Schiffes und ganz besonders ihres Captains...
Nun, dies läßt einiges für "Restoration" offen - besonders aber natürlich die beiden Geschichten rund um Shelby bzw. Calhoun, die bisher noch unbeleuchtet geblieben sind. Dazu muß klarerweise noch der Plot rund um Olivan gelöst werden, was wohl die Exeter zurück in den Thallonianischen Raum führen wird... um dort einen wohl noch sehr lebendigen Calhoun (hoffe ich zumindest) aufzugabeln.
Fazit: "Renaissance" beinhaltet zwar keine absoluten Höhepunkte, wie z.B. die Geschichte rund um Soleta einer in "Requiem" war, aber auch keine Schwächen. Sicherlich insgesamt gesehen nicht das Beste, was die NF zu bieten hat, aber trotzdem sollte man diesen Roman nicht verpaßt haben!