Zurück zur Übersicht "Star Trek: New Frontier"


Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "Excalibur: Requiem"
Star Trek: New Frontier #9
Excalibur: Requiem
Autor: Peter David
2000, Pocket Books
ISBN 0-671-04238-6
267 Seiten

Nachdem die U.S.S. Excalibur explodiert ist, trifft sich die ehemalige Führungsmannschaft des Schiffes in der Bar "Strange New Worlds" auf der Erde. Dr. Selar wird sogar von ihrem Baby Xyon "begleitet" und auch Kalinda ist anwesend. Nur einer fehlt: Captain Calhoun. Für ihn wird ein Stuhl am Tisch freigelassen, es ist aber sicher, daß er nicht kommen wird. Er scheint bei der großen Katastrophe ums Leben gekommen zu sein.

Die bei diesem Treffen Anwesenden sind allesamt nicht besonders fröhlich. Obwohl die Zerstörung ihres Schiffes jetzt schon eine ganze Weile her ist, haben sie alle noch nicht zu einer Art Normalität zurückgefunden. Immer und immer wieder mußten sie die vergangenen Ereignisse bei Befragungen und Untersuchungen noch einmal durchleben. Jetzt haben sie endgültig genug davon und beschließen, vorerst nicht mehr darüber zu sprechen. Shelby erzählt ihren ehemaligen Kollegen, daß sie sich um den Posten als Captain der Exeter beworben hat. Offenbar ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie den Job auch bekommt, sehr hoch. Als sie gefragt wird, ob sie vorhat, die Excalibur-Crew auf ihr neues Schiff "mitzunehmen", tut sie sich mit der Antwort ein wenig schwer. Sie "gesteht" aber schließlich doch, daß sie das nicht geplant hat. Es würde ja auch der Exeter-Crew gegenüber ziemlich unfair sein, gleich die ganze Führungsmannschaft auszutauschen, obwohl eigentlich nur ein neuer Captain gefragt ist.

Irgendwann verabschieden sich dann die ersten und gehen getrennte Wege. Schließlich bleiben nur mehr Commander Shelby und Soleta übrig. Soleta konfrontiert Shelby noch einmal mit der Frage nach ihrem Verhältnis zur Excalibur-Crew. Sie sagt ihr relativ unverblümt, daß sie der Meinung ist, daß Shelby ihre Kollegen an Bord der Excalibur nie wirklich mochte und sich bestenfalls mit ihnen arrangiert hat. Shelby streitet das anfangs vehement ab, erkennt aber schließlich, daß Soleta die Situation sehr richtig eingeschätzt hat, auch wenn es etwas "brutal" klingen mag.

Nach diesem Treffen auf der Erde verteilt sich die Crew wieder quer durch die Galaxie: Soleta reist erst einmal nach Vulcan, wo sie ihren Vater besucht. Volak ist zwar nicht ihr leiblicher Vater, aber er ist der einzige Mann, den sie jemals als Vater angesehen hat. Ihr biologischer Vater ist ein Romulaner namens Rajari, der Soletas Mutter T'Pas, die vor einigen Jahren gestorben ist, vergewaltigt hat. Bei diesem Besuch ist Volak ungewöhnlich besorgt und verhält sich auch sonst etwas eigenartig. Soleta kann sich irgendwann nicht mehr zurückhalten und spricht ihn darauf an. Nach einigem Hin und Her, kann sie ihn überzeugen, ihr zu erzählen, was ihn bedrückt. Rajari, Soletas biologischer Vater, ist vor kurzem freigekommen. Er ist nicht ausgebrochen, sondern hat der Föderation wichtige Informationen geliefert. Dafür hat man ihn freigelassen. Volak hat davon erfahren, weil Rajari eine Nachricht an T'Pas gesendet hat. Diese konnte diese logischerweise nicht mehr empfangen, da sie ja längst gestorben ist, und so hat Volak sie bekommen. In der Nachricht spricht Rajari etwas zweideutig davon, daß er die Sache jetzt zu einem Ende bringen möchte. Soleta faßt das als unterschwellige Drohung auf und sorgt sich um die Sicherheit von Volak. Sie läuft sofort zu der Starfleet-Sicherheitsstelle auf Vulcan und verlangt, daß etwas gegen Rajari unternommen wird. Dort will man ihr aber nicht wirklich helfen. Die Nachricht, die der Romulaner an T'Pas geschickt hat, wird von den Sicherheitskräften nicht als Drohung aufgefaßt und Soleta steht mit ihrer Einschätzung der Situation alleine dar. Schließlich läßt man sie aber zumindest erfahren, wo sich Rajari derzeit aufhält. Soleta bricht sofort auf...

Zak Kebron und McHenry wurden inzwischen auf einem Planeten abgesetzt, auf dem ein noch nicht raumfahrendes Volk lebt. Einige gelangweilte Studenten einer nahen Elite-Universität besorgen sich dort seit einiger Zeit etwas Abwechslung, indem sie die harmlose Bevölkerung des Planeten für ihre Spielchen benutzen. Kebron und McHenry sollen dafür sorgen, daß das so schnell wie möglich aufhört. Doch die wildgewordenen Studenten scheinen nicht die einzigen Aliens auf dem Planeten zu sein...

Kalinda hat unterdessen wieder schlimme Träume. Sie träumt davon, wie ein Mann ermordet wird, und glaubt, daß das im Traum erlebte, tatsächlich passiert. Sie erzählt Si Cwan von ihrem Traum und dieser kennt den Mann, der darin getötet wurde. Es ist ein alter Lehrer von ihm, den er noch immer sehr schätzt. Bevor Si Cwan irgendetwas wegen Kalindas Traum unternimmt, versucht er zuerst, seinen Lehrer Jereme zu erreichen, um festzustellen, ob ihm tatsächlich etwas passiert ist. Leider erreicht er ihn nicht mehr. Jereme ist tatsächlich ermordert worden. Daraufhin bricht er gemeinsam mit Kalinda auf, um den Tatort zu besuchen und dort mehr über den Mord zu erfahren...

Am Ende von "Dark Allies" wurden alle New-Frontier-Leser ziemlich überrascht, als Peter David im letzten Satz ganz emotionslos darauf hingewiesen hat, daß die U.S.S. Excalibur fünf Minuten später explodiert. Obwohl dieses Ende wohl kaum jemand vergessen konnte, sind die letzten paar Absätze von "Dark Allies" in diesem Buch noch einmal abgedruckt.

Dann beginnt die neue Geschichte mit dem oben beschriebenen Treffen der Excalibur-Crewmitglieder. Dieser Abschnitt von "Excalibur: Requiem" ist auch der beste dieses Buches. Bitte nicht falsch verstehen. Das bedeutet nicht, daß der Rest der Geschichte schlecht wäre, aber er kommt eben nicht ganz an dieses Startkapitel namens "Post Mortems..." heran. Es hat alles, was man von New Frontier gewohnt ist: Tragik, unglaublich gute Gags und natürlich die extrem guten Charaktere (mit Ausnahme von Calhoun, der hier nicht dabei ist). Tragisch ist das ganze durch die vorherrschende eher depressive Grundstimmung nach der Zerstörung der Excalibur und natürlich durch den Verlust von Captain Calhoun. Trotz dieser Atmosphäre muß man aber dennoch einige Male laut auflachen. Peter David hat es hier wieder wunderbar verstanden, diese beiden eigentlich gegensätzlichen Elemente zu verbinden, ohne daß es irgendwie fehl am Platz wirken würde.

Wer sich erhofft hat, am Beginn von "Excalibur: Requiem" zu erfahren, was mit der Excalibur wirklich passiert ist, wird enttäuscht. Dadurch daß die Crew im soeben schon angesprochenen ersten neuen Kapitel beschließt, nicht mehr über das Unglück zu sprechen, erfährt man als Leser so gut wie nichts über die Katastrophe. Peter David hat das natürlich mit voller Absicht gemacht und spielt hier ein wenig mit der Neugier der Leser, indem er die Charaktere zwar auf das Unglück anspielen läßt, dann aber sozusagen im letzten Moment durch den soeben erwähnten Beschluß das Thema erst einmal vom Tisch wischt.

Wie man schon oben in der Inhaltsangabe erkennen kann, teilt sich die Geschichte nach dem Treffen der Charaktere im (relativ langen) ersten Kapitel in drei Handlungsfäden. Von diesen drei Geschichten hat mir jene rund um Soleta und ihren biologischen Vater am meisten gefallen. Es ist sehr interessant, hier mehr über Soletas Persönlichkeit und ihr persönliches Umfeld zu erfahren. Diese Geschichte wird in "Excalibur: Requiem" zwar zu einer Art vorläufigem Ende gebracht, die Ereignisse werden aber sicher weiterhin eine sehr große Rolle spielen, da sich durch Soletas Handeln einfach zu viele Dinge - und auch sie selbst - verändert haben, als das man danach einfach zur Tagesordnung übergehen könnte. Außerdem bin ich mir auch ziemlich sicher, daß im Zusammenhang mit den Ereignissen auf Romulus und Soletas Rolle dabei noch längst nicht alles geklärt ist.

Die Mission von McHenry und Kebron scheint lange Zeit für die weitere Geschichte von New Frontier nur wenig Bedeutung zu haben. Doch ganz am Schluß des Buches ändert sich das dann ganz drastisch. Das Auftauchen von Q, vor allem aber einige Hinweise darauf, daß McHenry nicht das ist, für das man ihn bisher gehalten hat, änderen alles. Das Auftauchen von Q an sich gefällt mir eigentlich nicht so gut, weil er doch schon ein wenig abgenutzt ist und nicht wirklich gut zu New Frontier paßt. In dieser Serie sind die regulären Charaktere fast ausnahmslos viel ungewöhnlicher, als es Q jemals war. Vor allem sind sie noch viel interessanter. Da sein Auftritt aber sozusagen als Instrument dafür genutzt wird, McHenry auf recht dramatische Art und Weise weiterzuentwickeln, finde ich mich aber gerne damit ab. Hier hat mich Peter David sehr gespannt gemacht, wer oder was McHenry nun wirklich ist. Ich befürchte aber fast, daß es noch eine ganze Weile dauern wird, bis man die Möglichkeit bekommt, das zu erfahren.

Der dritte Handlungsfaden mit Si Cwan und Kalinda in den Hauptrollen ist am Ende dieses Buches noch nicht weit genug fortgeschritten, um sich darüber eine endgültige Meinung bilden zu können. Bisher hat er bei mir einen relativ neutralen Eindruck hinterlassen. Ich war davon weder begeistert, noch ist mir daran irgendetwas extrem negativ aufgefallen.

Insgesamt beschäftigt sich "Excalibur: Requiem" vor allem damit, die Charaktere Soleta, McHenry und Kebron zu vertiefen, wobei das auf Kebron etwas weniger zutrifft, als auf die anderen beiden. Über Si Cwan und Kalinda erfährt man trotz ihrer Hauptrollen in einem der Handlungsfäden nicht wirklich viel Neues.

Mit den restlichen Charakteren beschäftigt sich dieses Buch nur im ersten Kapitel (= das Treffen auf der Erde). Dabei kommen vor allem Shelby und Robin Lefler auf ihre Kosten. Über Lefler erfahren wir hier nämlich, wie es zu ihrer bisher nicht erklärten Degradierung gekommen ist. Und wie könnte es anders sein, hat Peter David das natürlich so großartig gemacht, daß man dabei gar nicht mehr aus dem Lachen herauskommt.

Fazit: "Excalibur: Requiem" ist nicht das beste New-Frontier-Buch bisher, aber das heißt ja bekanntlich auf keinen Fall, daß es nicht trotzdem besser als die meisten anderen Romane ist. Das Buch ist auf jeden Fall ein sehr gelungener Auftakt für die "Excalibur"-Trilogie.

© Patrick Ahrer
(patrick@afss.cjb.net)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures