Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: New Frontier #9
Excalibur: Requiem Autor: Peter David 2000, Pocket Books ISBN 0-671-04238-6 267 Seiten |
Die Excalibur wurde zerstört, Mackenzie Calhoun ist tot. Einige Wochen nach diesen Ereignissen versammelt sich die Mannschaft zu einem letzten Beisammensein, bevor jeder seiner eigenen Wege geht. Shelby hat sich um das Kommando der Exeter beworben und rückt nur zögernd damit heraus, daß sie die anderen nicht mit auf ihr neues Schiff nehmen wird.
Soleta kehrt zum 5. Todestag ihrer Mutter nach Vulkan zurück, wo ihr Ziehvater Volak ihr eine Nachricht von ihrem richtigen Vater, Rajari, dem Romulaner, der ihre Mutter vor all den Jahren vergewaltigt hat, an ihre Mutter vorspielt, die Soleta sogleich als Drohung gegen Volak auffaßt. Sie beschließt, Rajari aufzusuchen und zur Rede zu stellen. Doch sie findet einen kranken Mann vor, der so gar nichts mehr von dem gewalttätigen Wesen, das er früher zur Schau gestellt hat, zu besitzen scheint. Wider ihr Gewissen geht sie auf seine Bitte, ihm die letzten paar Wochen seines Lebens Gesellschaft zu leisten, ein.
Währenddessen begeben sich McHenry und Kebron in geheimer Mission auf einen relativ niedrig entwickelten Planeten, wo sie angebliche Entführungen durch "Außerirdische" untersuchen sollen. Sie treffen dort auf Adulux, der behauptet, seine Frau sein eines der Opfer gewesen, selbst aber verdächtigt wird, eben seine Frau umgebracht zu haben.
Unterdessen macht sich Si Cwan Gedanken über seine Zukunft. Ohne Begleitschutz kann er nicht in den Thallonianischen Raum zurückkehren, zum Föderationsbotschafter fühlt er sich nicht berufen. Eines Nachts schreckt er durch einen Schrei auf - seit einiger Zeit wird Kalinda wiederum von Träumen heimgesucht. Diesmal sah sie den Mentor ihres Bruders in einer Blutlache liegen. Als Si Cwan dem nachgeht, erfährt er, daß sein Freund tatsächlich genauso, wie Kalinda es ihm beschrieben hatte, gefunden wurde. Si Cwan beschließt, dem Verbrechen auf den Grund zu gehen, Kalinda begleitet ihn...
"Requiem" ist nun also die Fortsetzung der New Frontier-Saga, die im letzten Jahr ja so grausam mit einem Cliffhanger (s. "Dark Allies") geendet hatte. Und dennoch wird eben dieser Cliffhanger nur kurz angesprochen, aber nicht wirklich aufgelöst, was mich noch mehr an meinen Nägeln kauen läßt vor Spannung, was denn nun wirklich passiert ist.
Da dieser Roman eigentlich keine einheitliche Geschichte beinhaltet, sondern vielmehr mehrere verschiedene, sollte ich wohl auch diese Besprechung dementsprechend einteilen. Dem möchte ich aber noch die erste Szene voranstellen, die als einzige die Mannschaft geschlossen zeigt. Einerseits finde ich es schon fast sadistisch, diese Szene Wochen nach der Zerstörung der Excalibur anzusetzen und dann auch nur unterschwellig anzudeuten, was mit dem Schiff passiert sein könnte, andererseits aber wird dadurch sehr gut das Augenmerk von der Zerstörung und auch dem Tod Calhouns auf die verbliebenen Charaktere und ihr Verhältnis zueinander gelenkt. Und dies entschädigt für den Sadismus.
Denn man gewinnt hier einen Einblick, den man ohne den Verlust Calhouns bzw. des Schiffes nicht gehabt hätte: und zwar, wie sehr sich Shelby vom Rest der Crew distanziert. Auf der Excalibur "mußte" sie als Commander funktionieren, nun aber gibt es keine Funktion mehr, die sie einnehmen kann und die ihr die Möglichkeit bietet, mit den Unterschieden der Crew irgendwie fertig zu werden. Sie hat nun die Chance, sich ihre eigene Mannschaft zusammenzustellen, die mehr ihren Wünschen entspricht, als es diese zusammengewürfelten Personen jemals konnten. Ob diese neue Aufgabe ihr aber darüber hinweg helfen wird, ihre Trauer um Mac zu verarbeiten, darf stark bezweifelt werden.
Mehr noch als dieses Treffen hat mir die nachfolgende Unterhaltung zwischen Shelby und Soleta gefallen. Daß Shelby eine Prinzipienreiterin ist und zu diesem Zwecke ja auch der Erste Offizier von Calhoun geworden ist, steht außer Frage. Allerdings frage ich mich schon, ob Soleta nicht ein wenig zu weit gegangen ist damit, daß Shelby die Sternenflottenregeln den Personen vorziehen würde. Ich kann dem zumindest nicht in dieser Form zustimmen, da sie bisher eigentlich in keinem Fall wirklich gegen die Interessen der involvierten Personen gehandelt hat - es steht aber wohl außer Zweifel, daß Calhoun bei einigen seiner Entscheidungen eine Gratwanderung fern aller Regeln unternommen hat, die meistens ein glückliches Ende fand. Dazu muß ich auch sagen, daß ich nicht ganz verstehen kann, warum Soleta Shelby von ihrer Herkunft erzählt. Scheinbar ja, um sie zu testen, da Shelby dieses Wissen eigentlich nun der Sternenflotte weitergeben müßte, aber trotzdem halte ich diese Entscheidung für mehr als zweifelhaft. Aber zu Soleta komme ich später noch ausführlich.
Aber zurück zu diesem Treffen, das pikanterweise in einer Bar namens "Strange New Worlds" stattfindet, ein netter Hinweis zum Motto der Sternenflotte. Obwohl die beteiligten Personen wohl wissen, daß dies das letzte Beisammen mit den ehemaligen Kollegen für längere Zeit sein wird, mischen sich doch hier gekonnt lustige Momente - Was will Kebron als Getränk? Magma. - in die eher düstere und melancholische Stimmung, die klarerweise durch den Tod Calhouns, der diese Mannschaft immerhin über die letzten Jahre zusammen- und am Leben gehalten hat, bedingt ist. Berührend in diesem Zusammenhang ist vor allem der leere Stuhl, den Shelby für Calhoun reserviert hält - und die Reaktionen der anderen auf dieses doch seltsame Verhalten.
Was ist nun mit der Excalibur geschehen? Aus Andeutungen kann man wohl annehmen, daß das Unglück zu vermeiden gewesen wäre (Lefler meint, daß sich jeder selbst die Schuld dafür geben würde, bevor er jemand anderen beschuldigt). Zumindest soviel scheint sicher. Aus der schon angesprochenen Unterhaltung zwischen Soleta und Shelby meine ich herauslesen zu können, daß man in der Sternenflotte über eine Beteiligung der Romulaner nachgedacht hat, aber das ist zu diesem Zeitpunkt wohl mehr Spekulation denn gesichertes Faktum.
Genauso bleibt Calhouns Tod im Dunklen, aber daß er gestorben ist, soviel scheint (zumindest für die Sternenflotte) festzustehen... Gut, so ganz glauben kann ich aber trotzdem nicht, daß Peter David einen Charakter einfach umbringt, der bisher die unbestrittene Hauptperson der New Frontier war. Geistig bereite ich mich ja schon auf eine nette Geschichte vor, die das Wiedersehen zwischen Shelby und Mac zeigt (solange sie nur nichts mit Träumen bzw. einer Dusche zu tun hat!!). Ich bin enorm gespannt darauf, wie Shelby ihre nie formulierten Gefühle für Mac, ihre jetzige Trauer und dann das unvorhergesehene Wiedersehen verkraftet - aber das ist im Moment immer noch alles Spekulation. Interessant in diesem Zusammenhang ist das Detail, daß Vulkanier angeben, quasi bewußt bestimmen zu können, wann für sie die Zeit der Trauer beendet ist. Wenn man sich allerdings die Folgen, die der Tod ihres Mannes auf Selar gehabt hat, bzw. sich vergegenwärtigt, daß Vulkanier ihre Gefühle nur tief in ihrem Inneren verbergen, aber nicht einfach abstellen können, dann darf diese Behauptung durchaus bezweifelt werden.
Gut, nun aber zu den einzelnen Geschichten, die "Requiem" bereithält:
Die interessanteste davon ist sicherlich die von Soleta, die in den Bann ihres biologischen Vaters, des Romulaners Rajari, gerät. Wie häufig es doch passiert, daß Forscher von ihren Forschungsobjekten schließlich selbst in ein Studienobjekt umgewandelt werden. Und so geschieht es hier mit Soleta, und dies noch dazu auf so subtile Art und Weise, daß das vorläufige Ende dieser Geschichte drastischer nicht sein könnte. Wider ihr Gewissen läßt sie sich auf Rajari ein, der wirklich geläutert zu sein scheint - bis er sie schließlich zum Werkzeug seiner letzten Rache macht. Dieses Gefühl der Scham, des Benütztwordenseins, dies läßt nun in Soleta zumindest für kurze Zeit jede vulkanische Erziehung sterben... Inwieweit sie sich davon erholt, bleibt wohl abzuwarten. Besonders erwähnenswert ist hier die Erwähnung von Spocks Geistesverschmelzung mit Valeris, die er später als "geistige Vergewaltigung" bezeichnet haben soll, nach der er eine Zeit der Meditation brauchte, um darüber hinweg zu kommen. Ich wage zu bezweifeln, daß Soleta selbst eine ausgiebig lange Zeit der Meditation über dieses Trauma hinweg helfen wird.
Auf alle Fälle gehören die mit Abstand besten Szenen dieses Romans Soleta. Da wären erstmal die Szenen mit ihrem vulkanischen Vater Volak, die von solcher Zuneigung geprägt sind, daß es eigentlich keiner Worte zwischen den beiden bedarf (gut so, denn Vulkanier würden sowieso nicht darüber reden...) - ganz besonders, als er sie bei ihrem Abschied von Vulkan quasi darum bittet, ihn zu umarmen... Und schließlich natürlich die Augenblicke, als ihr dämmert, wie Rajari sie benutzt hat, Momente bzw. Seiten, die mir einfach die Hals zusammengedrückt haben. Dies noch mehr, als Rajari wirklich auch bei allem Mißtrauen den Eindruck erweckte, geläutert zu sein - und sich schließlich sogar für Soleta opfert. Nun ist natürlich dieses Opfer unter einem gänzlich anderen Licht zu sehen, da Soleta die einzige war, die seinen Plan zu Ende führen konnte.
Mit der Geschichte rund um die Entführungen durch Außerirdischen auf einem, vom Föderationsstandpunkt gesehen, primitiven Planeten konnte ich wesentlich weniger anfangen. Ja, es ist recht nett, daß die "Entführer" sich schließlich als gelangweilte Studenten herausstellen, aber irgendwie fehlt da die Intensität in der Handlung. Daß schließlich auch noch Q als Mitspieler auftaucht und McHenry mehr zu sein scheint, als nur der Navigator, der ständig mit 100 verschiedenen Aufgaben beschäftigt ist, würzt die ganze Angelegenheit noch etwas auf. Hier wird's wohl noch mehr zu erfahren geben in den folgenden Romanen. Auch Kebron scheint eine sentimentalere Seite an sich zu entdecken... gut, vielleicht bringt das ihn mir näher, denn bisher kann ich mit ihm wenig anfangen. Die einzige wirklich gute Szene mit ihm (bis auf einige recht lustige Sprüche) ist auf alle Fälle die, wo er ganz am Beginn den Stuhl, den Shelby für Mac bereitgestellt hatte, mit Fäusten zu verteidigen bereit ist. Sonst aber kristallisiert sich ein weiteres Mal sein fehlender Teamgeist heraus, was ja aber nichts Neues mehr ist.
Kalindas Visionen gewinnen hier wiederum seherische Bedeutung - überhaupt gefällt mir diese Geschichte rund um Si Cwans ehemaligen Lehrer Jereme bisher recht gut, richtig in Fahrt wird sie aber wohl erst in nächsten Roman, "Renaissance", kommen. Daß Kalinda allerdings kaum Trauer um Xyon zeigt, stört mich doch ein wenig. Gut, ich erwarte ja keine herzzerreißende Trauerszene, allerdings geht mir das Ganze hier mit zuwenig emotionaler Betroffenheit einher, schließlich war er doch ihre große Liebe. Naja, vielleicht läßt sich das ja dadurch erklären, daß sie das Gefühl hat, Xyon könnte am Leben sein (wenigstens in dieser Angelegenheit weiß man als Leser mehr als die handelnden Personen...), trotzdem fehlt mir da eben ein wenig die Gefühlsbeteiligung.
Die Frage wird hier wohl sein, was man aus Kalindas Fähigkeiten macht. Seher oder auch überaus starke Telepathen sind nicht nur ein Gewinn für eine Serie, sie können auch ein Fluch sein, da sie dazu verleiten, Probleme einer zu raschen und zu einfachen Lösung zuzuführen bzw. eventuell überhaupt ad absurdum zu führen. Für "Renaissance" bleiben auf alle Fälle einige ungelöste Plotfäden offen, dazu wohl auch eine Behandlung der anderen Charaktere. Besonders Shelbys erstes Kommando und ihre Trauer um Mac, aber auch Selars und Burgys Streit um ihren Sohn Xyon werden wohl noch genügend Stoff für interessante Geschichten liefern.
Fazit: Insgesamt gefiel mir "Requiem" nicht ganz so gut wie z.B. "Dark Allies", aber schon allein der Soleta-Geschichte wegen ist dieser Roman auf alle Fälle zu empfehlen. Dazu werden genügend Handlungsfäden ausgelegt, die sicherstellen sollten, daß die Excalibur-Trilogie insgesamt noch eine höchst interessante Fortsetzung in "Renaissance" bzw. "Restoration" finden sollte...