Zurück


Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "Vulcan's Forge"
Star Trek
Vulcan's Forge
Autoren: Josepha Sherman & Susan Shwartz
Pocket Books
ISBN 0-671-00926-5
328 Seiten


Diese Geschichte ist in zwei Handlungsstränge in unterschiedlichen Zeiten aufgeteilt, die jedoch wieder durch gemeinsame Elemente verbunden sind.

Einer der Handlungsstränge spielt im Jahr 2247. Spock wird in Kürze an einer Zeremonie am Mount Seleya teilnehmen, die ihn und zahlreiche andere junge Vulkanier offiziell zu Erwachsenen macht. Doch für Spock ist die ganze Sache nicht ganz so leicht, wie für die anderen Teilnehmer an der uralten Zeremonie. Er ist schließlich ein halber Mensch. Und obwohl er sämtliche notwendigen Prüfungen bestanden und bewiesen hat, daß er ein würdiger Vulkanier ist, läßt man ihn das immer wieder spüren. Für Vulkanier, die der Meinung sind, daß nicht-vulkanische Einflüsse die Vulkanier bzw. ihre Gesellschaft schwächen, könnte diese Zeremonie ein besonderes Ärgernis sein, da gerade Spock derjenige ist, der seine Altersgenossen anführen soll.

Die Zeremonie - für die auch zahlreiche Nicht-Vulkanier angereist sind - kann dann tatsächlich nicht programmgemäß durchgeführt werden. Der Vulkanier Sered, der als Zuschauer zu dem Spektakel gekommen ist, mischt sich ein und protestiert gegen die Aufweichung dieses uralten Ritus. Er protestiert dagegen, daß Nicht-Vulkanier davon erfahren haben und der Veranstaltung beiwohnen dürfen. Und er protestiert auch dagegen, daß ein "Outsider" - Spock - an der Zeremonie teilnehmen darf, während echte Angehörige des Volkes - er meint damit die Romulaner - nicht dabei sind. T'Pau hält dem entgegen, daß sich die Romulaner selbst dazu entschlossen haben, Vulkan zu verlassen, und daß es in ihrer Macht liegt zurückzukehren. Wenige Augenblicke später zieht Sered eine Waffe und im gleichen Moment materialisieren Romulaner...

Der zweite Handlungsstrang spielt im Jahr 2296 auf dem Planeten Obsidian. Obsidian ist ein Planet, der zum größten Teil von Wüsten bedeckt ist. Die Sonne des Systems ist seit einiger Zeit besonders aggressiv, sodaß zahlreiche Menschen an Krankheiten - wie zum Beispiel Krebs - sterben. Teile der Bevölkerung verkriechen sich in Städten vor dem tödlichen Sonnenlicht, andere wandern durch die Wüsten. In dieser Situation hat die Föderation Hilfe angeboten und einen Außenposten in einer der Städte errichtet. Das Ziel dieser Mission ist es, für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit wichtigen Dingen wie Wasser zu sorgen, sowie das medizinische Wissen der Föderation einzusetzen, um die weit verbreiteten Krankheiten zu bekämpfen.

Doch Captain Rabin, der Leiter des Außenpostens, hat es nicht leicht auf Obsidian. Alles, was die Föderationsleute anfassen, scheint irgendwie schiefzugehen. Und dementsprechend stark schwindet auch das Vertrauen der Bevölkerung in die Fremden, die versprochen haben, ihnen zu helfen. Manche vermuten sogar, daß die Föderation nur gekommen ist, um Obsidian zu erobern.

Da sich mit der Zeit die Zufälle, die Projekte immer wieder scheitern lassen, einfach zu auffällig häufen, vermuten Rabin und seine Leute, daß hier Sabotage im Spiel sein könnte. Irgendjemand scheint auf recht geschickte Art und Weise zu versuchen, die Föderation von Obsidian zu vertreiben. Deshalb ruft Captain Rabin seinen alten Freund Spock, der inzwischen Captain auf der Intrepid II ist, zu Hilfe.

An Bord der Intrepid II sind auch einige andere ehemalige Crewmitglieder der Enterprise: Schiffsarzt ist Dr. McCoy und Commander Uhura ist 1. Offizier. Captain Kirk ist vor zirka einem Jahr an Bord der Enterprise-B ("Star Trek: Generations") gestorben und seine ehemaligen Führungsoffiziere sind über seinen Tod immer noch nicht so ganz hinweg.

Auf Obsidian scheint tatsächlich alles darauf hinzudeuten, daß irgendjemand im Hintergrund gegen die Föderation agiert. Und da sich Obsidian in unmittelbarer Nähe zur romulanischen Neutralen Zone befindet, ist klar, wer die Hauptverdächtigen sind...

Vor dem Lesen dieses Buches war mir bereits bekannt, daß sich dieses Buch mit Spock und dessen Kindheit beschäftigt. Doch leider war ich dann etwas enttäuscht, als sich beim Lesen herausstellte, daß dieser Aspekt zwar durchaus vorhanden ist, über weite Strecken allerdings eine Geschichte erzählt wird, die in dieser Richtung absolut nichts Neues verrät. Deshalb hinterläßt "Vulcan's Forge" bei mir trotz vieler sehr guter und interessanter Passagen einen etwas schwachen Eindruck.

Positiv sind an diesem Buch die sehr eindrucksvoll geschilderten faszinierenden Szenen auf Vulkan. Es ist sehr interessant zu erfahren, wie es dazu kam, daß sich Spock dafür entschieden hat, als erster Vulkanier Starfleet anzugehören und nicht - wie von seinem Vater Sarek gewünscht - an der Wissenschaftsakademie auf Vulkan zu studieren. In diesen Abschnitten wird das Familienleben von Sarek, Amanda und Spock beleuchtet. Auch der Ablauf der Zeremonie am Mount Seleya ist im Buch hervorragend geschildert.

Eher negativ sind die restlichen Passagen dieses Buches. In diesen wandern die jeweiligen Leute ständig durch irgendwelche Wüsten - je nach Handlungsstrang entweder auf Vulkan oder auf Obsidian. Echte Spannung entsteht dabei keine und auch die Dialoge bringen uns beim näheren Kennenlernen von Spock nicht wirklich schnell genug weiter. Zwar wird während seines Zusammenseins mit David Rabin dargestellt, wie Spock die positiven Seiten der Menschheit und deren Emotionen bewußt werden, aber dazwischen werden einfach zu viele für das eigentliche Thema des Buches belanglose Dinge zu sehr in die Länge gezogen.

Etwas lächerlich wirkt der entscheidende Kampf zwischen dem irren Sered und dem guten Spock. Daß sich Spock auf irgendwelche uralten brutalen Gebräuche, die von der deutlichen Mehrheit der Vulkanier längst abgelehnt werden, einläßt, ist für mich unverständlich. Vermutlich wollten die Autorinnen hier den Konflikt zwischen den beiden zuspitzen und zu einem dramatischen Ende bringen. Leider paßt das aber überhaupt nicht zu dem eher ruhigen und actionlosen Grundthema dieses Buches.

Insgesamt betrachtet kann man sagen, daß es besser gewesen wäre, Josepha Sherman und Susan Shwartz hätten sich noch etwas mehr auf Vulkan, auf Spock und auf dessen Familie konzentriert, und dabei weniger Seiten mit Wüstenwanderungen gefüllt. Dieses Buch beinhaltet Kapitel, die sehr interessant und für jeden Spock- bzw. Vulkanier-Fan ein absolutes Muß sind, andererseits aber leider auch Kapitel, die nur durch das Verbreiten von Langeweile auffallen.


© Patrick Ahrer
(ahrer@gmx.at)

Anmerkung:
Das Buch "Vulcanīs Heart" ist in gewisser Weise eine Fortsetzung dieses Buches.


Zurück

Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures