|
Star Trek: The Next Generation #58 Gemworld #1 Autor: John Vornholt 2000, Pocket Books ISBN 0-671-04270-X 251 Seiten |
Dieses Buch ist der erste Teil eines TNG-Zweiteilers von John Vornholt, der in der Vergangenheit schon so großartige Star-Trek-Bücher wie "Sanctuary" (siehe auch: "Zuflucht") oder "Masks" geschrieben hat.
Lieutenant Melora Pazlar, die wir schon aus der DS9-TV-Episode "Melora" (2. Staffel) kennen, wird vorübergehend auf die Enterprise-E versetzt, um bei einem Experiment mitzuarbeiten, bei dem ihre Fähigkeit, sich bei niedriger oder gar keiner Schwerkraft problemlos zurechtzufinden, gebraucht wird. Melora ist die einzige Elaysianerin in Starfleet, da es auf ihrem Heimatplaneten fast keine Schwerkraft gibt, und es somit für die Elaysianer fast unmöglich ist, sich auf "herkömmlichen" Planeten und natürlich auch auf Raumschiffen und -stationen normal zu bewegen. Auch Melora hat ihren bisherigen Dienst in Starfleet nur deshalb leisten können, weil sie einen speziell entworfenen Anti-Gravitations-Anzug trägt.
Während die Enterprise auf dem Weg zum Planeten Primus IV ist, um dort das geplante Experiment durchzuführen, hat Melora einen seltsamen Traum. Sie träumt von ihrer Heimatwelt "Gemworld". Der "Planet" ist - etwas vereinfacht ausgedrückt - ein einziger riesiger Edelstein, der aus dem All betrachtet wie eine große funkelnde Schneeflocke aussieht. Gemworld dürfte vor sehr, sehr langer Zeit einmal ein ganz normaler Planet gewesen sein. Doch im Laufe der Jahrtausende sind Erde, Wasser und andere typische Bestandteile eines Planeten verschwunden. Normalerweise bedeutet so etwas den Tod eines Planeten. Die Lebewesen von Gemworld haben aber immer wieder Wege gefunden, weiterhin Leben auf ihrem Planeten zu ermöglichen. Jetzt besteht Gemworld nur mehr aus großen "Gewächsen" von Edelsteinen, weist so gut wie keine Schwerkraft auf und die atembare Atmosphäre hat sich nur deshalb nicht schon längst verflüchtigt, weil seine Bewohner vor ewigen Zeiten eine Art riesige "Schale" um ihn gebaut haben. Diese Schale ist ein technisches Wunderwerk, das von den Bewohner Gemworlds schon fast religiös verehrt wird.
In ihrem Traum sieht Melora aber nicht nur die faszinierende Schönheit von Gemworld, sondern auch, daß mit ihrem Heimatplaneten etwas nicht stimmt. Es taucht nämlich ein Lipul (das ist eine der sechs intelligenten Lebensformen, die auf Gemworld leben) auf, der vor ihren Augen qualvoll stirbt. Die Lipuls waren es, die erstmals Kontakt mit Lebewesen von anderen Planeten aufgenommen haben. Mit ihren sogenannten "Dreamships" haben sie telepathischen Kontakt aufgenommen und so auf sich aufmerksam gemacht. Melora glaubt, daß ihr Traum so ein Phänomen war. Sie wird ganz unruhig und möchte sofort mit dem Captain sprechen.
Auf dem Weg zu Captain Picard trifft sie auf Lieutenant Barclay. Dieser schafft es mit seinem typischen hektischen und unsicheren Verhalten, in die Elaysianerin hineinzulaufen, sodaß diese zu Boden geht. Obwohl Melora offensichtlich am liebsten alleine weitergegangen wäre, hängt sich Barclay an sie an und zeigt Interesse an ihrem Anti-Gravitations-Anzug. Schließlich informiert ihn Melora über ihr Vorhaben, den Captain zu kontaktieren. Barclay meint, daß Captain Picard sehr zugänglich ist. Es sollte also kein Problem sein, mit ihm zu sprechen. Und so nimmt er auch gleich Kontakt mit dem Captain auf. Dieser hat Zeit und es wird vereinbart, sich in ein paar Minuten zu treffen.
Melora erzählt Picard von ihrem Traum. Sie sagt ihm auch, daß sie absolut sicher ist, daß mit Gemworld irgendetwas nicht stimmt. Picard ist äußerst skeptisch und nicht sehr angetan von der Idee, nur wegen eines Traumes gleich etwas zu unternehmen. Doch als Counselor Troi ein wenig später ebenfalls einen sonderbaren Traum hat, und sämtliche Versuche Gemworld zu kontaktieren fehlschlagen, erkennt er, daß hier tatsächlich etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Picard befiehlt, sofort den Kurs zu ändern. Die Enterprise fliegt mit Maximum-Warp in Richtung Gemworld.
Kaum in der Nähe des Planeten angekommen, wird auch schon ziemlich deutlich, daß Meloras Sorgen gerechtfertigt waren. Das Schiff wird kräftig durchgeschüttelt und von einer Art Dimensionsriß angezogen. Der Captain und fast die gesamte restliche Brückenbesatzung sind innerhalb kürzester Zeit außer Gefecht gesetzt, sodaß Troi das Kommando übernehmen muß. Im letzten Moment gelingt es doch noch, das Schiff samt Besatzung zu retten, indem sich die Enterprise mithilfe eines Traktorstrahls an der "Schale" von Gemworld festhält und sich in die Schale und somit auch die Atmosphäre des Planeten hineinflüchtet. Bei Gemworld ist so etwas glücklicherweise möglich, da die Schwerkraft so gering ist.
Aber auch innerhalb der Schale gibt es Probleme. Im Inneren des Planeten haben Edelsteine gewissermaßen zu mutieren begonnen. Häßliches schwarzes und unstabiles Gestein wächst unglaublich schnell heran und droht, das Juwel "Gemworld", das von seinen ungewöhnlichen Bewohnern so lange erhalten wurde, endgültig zu zerstören...
Ich möchte gleich hier, direkt nach der Inhaltsangabe, darauf hinweisen, daß diese Geschichte in diesem Buch noch nicht beendet wird. Wer wissen möchte, wie das alles ausgeht, sollte sich also gleich beide Teile dieses Zweiteilers besorgen.
John Vornholt spielt in "Gemworld" seine größte Stärke wieder einmal voll aus. Auch in diesem Zweiteiler hat er mit Gemworld einen Planeten und eine Gesellschaft erfunden, die unglaublich faszinierend und so völlig anders ist, als alles, was wir bisher in Star Trek kennengelernt haben. Das ganze Konzept mit diesem Planeten aus Edelstein und seinen teilweise äußerst ungewöhnlichen Bewohnern ist einfach großartig.
Gefreut hat mich, daß Melora Pazlar in diesen Büchern wieder einmal auftaucht. Bisher war sie ja nur in einer DS9-Episode zu sehen. Und obwohl diese Episode vielleicht nicht zu den absoluten Highlights von DS9 gehört, haben die Figur Melora und ihr Hintergrund doch einiges an Potential für interessante Geschichten. John Vornholt hat das aufgegriffen und hier wunderbar verarbeitet.
Positiv ist weiters der große Auftritt von Lieutenant Barclay. Obwohl sein erstes Zusammentreffen mit Melora nicht gerade ein guter Start ist, entwickelt sich zwischen den beiden schnell eine Freundschaft, die dazu führt, daß Barclay immer mehr in das Abenteuer hineingezogen wird. Das führt dann sogar so weit, daß der Ingenieur von der Enterprise durch etwas unglückliche Umstände zu einem von nur sechs ganz besonderen Würdenträgern Gemworlds wird. Was es genau damit auf sich hat, wäre etwas umständlich zu erklären und würde auch einiges vorwegnehmen, weshalb ich hier darauf verzichte.
Fazit: Dieser erste Teil von "Gemworld" ist ein sehr gutes Buch von einem hervorrangeden Autor. Ich bin gespannt, wie Vornholt diese Geschichte im 2. Teil zu Ende bringt.