Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: The Next Generation
The Genesis Wave, Book One Autor: John Vornholt 2000, Pocket Books ISBN 0-7434-1180-3 308 Seiten (Hardcover-Ausgabe) |
Auf einer Forschungsstation des Planeten Seran experimentieren Leah Brahms, ihr Mann und ihr Team mit einem neuartigen Schutzanzug, der es ermöglichen soll, in widrigsten Bedingungen relativ normal arbeiten zu können. Und zwar wird dies ermöglicht, indem der Anzug selbst eine gewissen Phasenverschiebung erzeugt. Gerade als Leah den Anzug auf dem Planeten testet, trifft ihn eine ungeheure Energiewelle, die die Oberfläche total verändert - aus Wiesen, Städten, dem gesamten Leben wird eine Lavalandschaft, aus der sich neue Berge erheben. Nur Leah, geschützt durch den Anzug, überlebt und kann sich zurück auf den Außenposten retten. Sie und ein Mitarbeiter entkommen mit einem Shuttle, bevor diese Welle auch den Außenposten zerstören kann. Paldor, ihr tellaritischer Begleiter, bittet sie, auf Hakor, einer kleinen Kolonie der Tellariten, halt zu machen und diese vor der Gefahr zu warnen.
Auf Hakon, wo es einen kleinen diplomatischen Stützpunkt gibt, lebt der alte Klingone Maltz - er hat die schrecklichen Bilder seiner Jugend, in der er als Söldner gearbeitet hat, bisher nicht verkraften können. Doch keiner will ihm glauben, wenn er von einer riesigen Energiewelle erzählt, die in Sekunden alles Leben auf Planeten zunichte machen kann. Und so landet er des öfteren in Bars, wo er sich sinnlos besäuft - und dies bringt ihn schließlich nach einer Schlägerei bei einem Botschafterempfang ins Gefängnis. Dort findet ihn Leah vor, die die Verantwortlichen von Hakor dazu bringen will, den Planeten zu evakuieren, da die Welle genau auf ihn zusteuert... doch vergebens. Niemand will ihr glauben - bis auf Maltz, dem sie aber wiederum nicht abnehmen will, daß es die Föderation selbst war, die diese Waffe erzeugt hat.
Auf der Enterprise drängt Data Geordi, endlich mehr mit Frauen auszugehen. Er arrangiert ein Treffen mit einer Wissenschafterin namens Dolores Linton. Doch Geordis Gedanken werden schnell abgelenkt, als eine Nachricht an Leah Brahms wieder zurückkommt mit der Anmerkung, daß im ganzen Sektor niemand mehr antwortet. Ein wenig später erhält die Enterprise den Auftrag, sich im Seran-Sektor genauer umzusehen und dieses Kommunikationsloch zu untersuchen...
"The Genesis Wave - Book One" braucht relativ lange, um wirklich in Schuß zu kommen, ist dann allerdings ein wirklich spannend zu lesender Roman.
Zunächst wäre da einmal das "Genesis Projekt", von dem ich mir schon lange gewünscht hatte, daß es wieder einmal auftaucht. Allerdings muß ich feststellen, daß die Föderation nicht gerade sehr geschickt damit umgegangen ist. Einerseits gibt es einen Vertrag mit all den Völkern aus dem A-Quadranten, daß diese etwas Ähnliches nicht konstruieren dürfen, andererseits aber werden in der Föderation selbst die Unterlagen über dieses Projekt aufbewahrt und für "friedliche Zwecke" weiter studiert. Hier sehe ich ein wenig das Dilemma von "The Pegasus" sich wiederholen.
Carol Marcus, die als einzige über sämtliches Wissen, was das Genesis-Projekt betrifft, verfügt, wird praktisch als Gefangene gehalten, nur um zu verhindern, daß sie ihre Kenntnisse mit irgendjemandem teilt. Auch hier ist es äußerst zweifelhaft, wie man mit ihr umgegangen ist - und die Frage bleibt, ob es nicht "humaner" gewesen wäre, ihr Wissen durch einen Telepathen einfach selektiv löschen zu lassen.
Auf der anderen Seite ist es doch auch recht interessant, wie die Klingonen mit Maltz verfahren haben, der sicherlich innerhalb des Reiches das meiste Wissen über das Genesis-Projekt haben dürfte. Trotzdem aber schickt man ihn auf irgendeinen Hinterwäldler-Außenposten, wo er vor sich hinvegetiert. Auch wenn die Klingonen ihm vielleicht nicht geglaubt haben, als er erstmals von diesem Projekt berichtete, spätestens zum Zeitpunkt des Vertrages, mit dem sich jede Macht im A-Quadranten verpflichtete, niemals eine solche Waffe zu bauen, hätte klar sein müssen, daß Maltz die Wahrheit sagt. Gut, auf der anderen Seite hat er ja versagt, denn er konnte das Projektil nicht fürs klingonische Reich sichern und verlor noch dazu den Bird of Prey an Kirk und Co. - von dieser Warte aus gesehen, hat er sein Exil wahrscheinlich sogar verdient...
Was diesen Roman nur langsam in Schuß kommen läßt, sind die elendslangen Beschreibungen der Planeten ganz zu Beginn. Wenn man bedenkt, daß diese ein paar Seiten später von der Genesis-Welle zerstört werden, so ist der Sinn dieser Schilderungen aus meiner Sicht anzuzweifeln. Gut, vielleicht soll dies dazu beitragen, mehr zu empfinden, wenn das Ende der Bewohner und allen Lebens auf diesen Planeten kommt, aber für mich wird dadurch nur die effektive Handlung hinausgezögert.
Jetzt mal abgesehen von der Genesis-Welle an sich, von der man im 2. Teil sicher noch mehr erfahren wird - vor allem über ihre Urheber - , so ist das Wiedersehen von Geordi und Leah Brahms sicher der interessanteste Aspekt. Hier kann ich nämlich nicht ganz nachvollziehen, daß Geordi immer noch nach so vielen Jahren seiner Liebe aus dem Holodeck nachhängen soll (s. "Booby Trap"). Schließlich hat sich Leah in "Galaxy's Child" doch recht abgehoben von ihrem Holoabbild. Hier hätte es mir besser gefallen, eine Freundschaft zu sehen, anstatt einen pubertierenden LaForge, der die Realität einfach nicht begreifen will. Auf der anderen Seite finde ich es ebenfalls übertrieben, wie Data Geordi dazu drängt, endlich mal auszugehen.
Will Riker und Deanna Troi zusammen zu sehen, das ist einer der Höhepunkte von "The Genesis Wave - Book One". Allerdings ist es mir ein wenig negativ aufgefallen, daß Troi ständig mit Commander angesprochen wird - weder in der TNG selbst noch in den bisherigen Filmen wurde sie mit ihrem Rang angesprochen, sondern immer mit "Counselor". Nur an 2 Fälle kann ich mich erinnern, wo's anders war: In "Encounter at Farpoint", als Picard sie Riker vorstellte, und "Thine Own Self", als Data Deannas Beförderung bemerkt. Hier hätte meiner Meinung nach mehr acht gegeben werden müssen, gerade bei so etwas Beiläufigem!
Als Persephone V der Genesis-Welle zum Opfer fällt, sollten Riker und Data, durch Brahms' Anzug geschützt, Daten messen, um mehr über die Welle zu erfahren. Deanna merkt, daß etwas nicht stimmt, beamt hinunter und kann die beiden gerade noch retten - bleibt aber auf dem Planeten, um selbst die Messungen vorzunehmen. Dies ist genau der Punkt, der z.B. in DS9s "Change of Heart" fehlgeschlagen ist, wo über die Zuneigung zum Partner die Mission einfach "vergessen" wird. Deannas Horror über die Geschehnisse wird im weiteren Verlauf sehr gut angesprochen, dasselbe gilt für Leahs Schock, wobei mir hier allerdings der Weg von der Technikerin zur rachsüchtigen Frau, die schließlich mit Maltz aufbricht, um die Urheber zur Strecke zu bringen, ein wenig sehr weit erscheint. Die Situation zum Schluß des Buches, als Riker Deanna zu suchen beginnt, entbehrt aber doch einer gewissen Logik - intelligenter wäre es wohl gewesen, den Planeten einfach auf betazoidische Lebenszeichen hin scannen zu lassen...
Leahs Anzug wird als Modell genommen, so viele Leute wie möglich zu retten. Doch es gibt nur den Prototypen und keine Konstruktionspläne, die mit der Forschungsstation auf Seran vernichtet wurden... Ganz verstehe ich hier nicht, wie durch einfache Replikation die Funktionsfähigkeit des Anzuges sichergestellt werden kann. Ich meine, ich kann auch versuchen, beispielsweise ein Radio einfach dem Aussehen nach zu kopieren, aber ob's dann auch funktioniert, ist äußerst zweifelhaft. Dieselbe Methode wird auch bei den Interphasegeneratoren der Romulaner angewandt - wiederum bezweifle ich die Sinnhaftigkeit der Methode, ganz abgesehen davon, daß es ja spätestens seit "The Pegasus" bekannt ist, daß auch die Föderation über ein solches Teil verfügt, hier also nicht erst die Romulaner bemüht werden müßten, die ja schon darauf aus sind, das Genesis-Projekt in ihre Finger zu bekommen.
Für Buch 2 gibt es einige Fragestellungen abseits von der offensichtlichen rund um den Ursprung der Genesis-Welle: Was ist mit Carol Marcus passiert? Wer sind "David Marcus" und "Wesley Crusher" wirklich, die plötzlich aufgetaucht sind? Was ist mit den 5 Schiffen und ihrer Crew passiert, die in einem Asteroidenfeld auf ein metallisches Objekt stoßen, in dem nur irgendwelche Blätter liegen? Was hat es mit diesem Geruch nach Gemüse auf sich? Was geschah mit Crusher, die eines der genannten 5 Schiffe, das plötzlich ohne Crew aufgetaucht ist, kommandierte - und plötzlich die Schutzeinrichtungen bombardierte?
Kurz, "The Genesis Wave - Book One" tut das, was ein guter erster Teil tun sollte - nämlich Lust machen auf mehr!