Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: The Next Generation
The Genesis Wave, Book Two Autor: John Vornholt 2001, Pocket Books ISBN 0-7434-1181-1 282 Seiten (Hardcover-Ausgabe) |
Während des Versuchs, Interphasegeneratoren auf dem Planeten Myrmidon zu installieren - diese Welt ist das nächste Opfer der Genesis-Welle - , ertönt ohne Vorwarnung Kampfeslärm. Die Neptune, ein verlassenes Schiff, das zu einer Spezialtruppe gehörte, die die Urheber der Welle zur Strecke bringen sollte, und nun im Boneyard, einem Asteroidenfeld, gefunden worden war, eröffnet das Feuer auf die Generatoren. Das Problem dabei ist nur, daß dieses Schiff nun von Dr. Crusher kommandiert wird und eine Rumpfmannschaft aus 8 Leuten beherbergt - was ist also geschehen, das Crusher veranlaßt haben könnte, ihre eigenen Mannschaftskollegen auf dem Planeten anzugreifen? Als die 8 von der Neptune unter schwerster Bewachung zurück auf die Enterprise transferiert werden, befinden sie sich in äußerst schlechtem Zustand. Ein Pilz scheint sich in ihren Gehirnen und Atemwegen ausgebreitet zu haben, eventuell kann er auch Auslöser von Halluzinationen gewesen sein.
Unterdessen trifft die Genesis-Welle auf Myrmidon ein. Von dem grünen, schönen Planeten bleibt nichts übrig, er wird zu einer Sumpflandschaft transformiert. Geordi kann Nechayev, die bei dem Angriff der Neptune verletzt wurde, retten, doch er kann nichts gegen die Verzweiflung tun, die sich unter den überlebenden Bolianern ausbreitet. Bald beschließen diese, zur nächsten Siedlung - das heißt, der nächsten Ansammlung von Interphasegeneratoren und Bolianern - aufzubrechen. Dolores Linton beschließt, sie zu begleiten, da sie Erfahrung hat, sich auf unbekanntem Gelände zurechtzufinden, Geordi bleibt mit Nechayev zurück. Auf dem Weg sinkt plötzlich eine Art Moos von den Bäumen auf die große Schar der Überlebenden, und plötzlich sieht Linton Geordi, der aber doch zurückgeblieben war!
Auf der Enterprise trifft der Commander des romulanischen Schiffes D'Arvuk, Jagron, ein, der zurück nach Myrmidon fliegen soll, um dort den Erfolg der Generatoren zu überprüfen. Gleichzeitig soll er aber auch soviel wie möglich über Genesis herausfinden, wenn möglich sogar Pläne nach Romulus bringen. Data und Picard begleiten Jagron auf seinem Schiff nach Myrmidon. Währenddessen soll Riker das Kommando übernehmen, Troi seine Stellvertreterin sein, obwohl sie selbst noch rekonvaleszent von einer Kopfverletzung ist. Noch bevor Picard und Data aufbrechen, ereilt sie die Nachricht, daß einer aus der Mannschaft der Neptune die Krankenstation verlassen habe und nun unauffindbar sei.
Um noch ein wenig Kraft zu tanken, verläßt Riker für kurze Zeit die Brücke und bittet Troi, für ihn zu übernehmen. Kurze Zeit später taucht Troi in seinem Quartier auf - er bemerkt zu spät, daß es sich hier nicht um die echte Deanna handelt, denn ihre Beule ist verschwunden. Doch da küßt ihn dieses Wesen bereits. Wenig später findet sich Deanna in einer Ecke der Brücke wieder, während Riker, von dem sie sich enorm abgestoßen fühlt, Befehl gibt, Kurs auf Lomar zu setzen. Alle anderen Brückenmitglieder scheinen sich weder über diesen Befehl noch über die Tatsache zu wundern, daß Troi irgendwo in einer Ecke liegt.
Leah Brahms, Maltz und ihr Schiff haben unterdessen die Planeten, die durch die Genesis-Welle generiert wurden, analysiert. Sie sind der Meinung, daß nur eine Spezies, die solche Planeten benötigt, um zu überleben, für die Zerstörung verantwortlich sein kann. Da man den Ursprung der Genesis-Welle im Boneyard ausgemacht hat, suchen sie nun nach einem Planeten in der Nähe, der dieselben Spezifikationen aufweist - und bald setzen auch sie Kurs auf Lomar...
"Genesis Wave, Book Two" läßt mich ein wenig unbefriedigt zurück, und das liegt an mehreren Punkten:
Zuerst muß ich erwähnen, daß ich noch kaum ein ST-Buch gelesen habe, das so spannend beginnt. Die ersten 100 Seiten haben es in sich, doch leider werden genau diese Spannungsmomente viel zu rasch aufgelöst. Viel zu schnell wird eine Heilung für die Pilzinfektion gefunden, zu lange verbleibt man schließlich bei den für mich uninteressanteren Plotfäden. So z.B. hätte ich durchaus auf die seitenlange Schilderung der Ereignisse auf Protus verzichten können - sie tragen nichts zur effektiven Handlung bei, da schließlich weder Craycroft noch Krussel wirklich eine Rolle spielen. Dafür hätte ich es vorgezogen, mehr von den altbekannten Charakteren zu lesen - und zwar nicht nur, wie sich LaForge jetzt nach Leah oder Dolores verzehrt. So interessant finde ich das Liebesleben des Chefingenieurs wirklich nicht.
Darüberhinaus kann ich dem Ende nicht wirklich Positives abgewinnen. Das Schiff mit den Aliens explodiert einfach - und das war's auch schon. In einer TV-Folge mag das noch verzeihlich sein, aber nicht in einem Werk von insgesamt knapp 600 Seiten. Da will ich schon ein wenig über die Beweggründe wissen, und zwar mehr als schließlich in den letzten 3 Seiten spekuliert wird. Grundsätzlich mag ich keine 2-dimensionalen Feinde, diese hier aber sind es. Zwar erfährt man, was sie bezwecken, aber ich hätte mir schlußendlich doch eine friedliche Lösung gewünscht, in der man jener Spezies eben ein paar Planeten zugesteht, sie dafür die Genesisdateien wieder zurückgeben. So aber endet alles in einem finalen "Boom" - und das war's.
Was nun aus den verwandelten Planeten wie Seran, Hakon oder Myrmidon werden soll, wird auch nicht angesprochen. Ein Satz wie "Da werden die Terraformer viel zu tun haben" hätte doch vollkommen genügt! Dazu wird mir die telepathische Fähigkeit dieser Spezies auch viel zu wenig genützt bzw. erklärt. Troi beispielsweise brauchte doch nur die Krankenstation zu betreten und schon war ihr schlecht - und trotzdem reichte es scheinbar für die anderen, diesen "Baum" einfach wegzusperren, die Tür zu schließen, und alles war gut. Gut, die Pilzinfektion macht den Betroffenen anfälliger für die telepathische Manipulation, aber diese ganze Angelegenheit war mir einfach ein wenig zu schwammig. Dazu verstehe ich auch nicht ganz, wieso LaForge als Versuchskaninchen dienen mußte. Vor allem, wenn auch Crusher genau weiß, wann etwas Halluzination ist und wann nicht, verstehe ich wirklich nicht, warum hier Geordi und seine Blindheit auch noch ausgenutzt werden.
Aber natürlich hat auch dieser Roman nicht nur negative Seiten. Beispielsweise gefielen mir die "zwischenmenschlichen" Momente zwischen Picard und Beverly wirklich gut. Hier werden einerseits die Gefühle angesprochen, die zwischen diesen beiden ablaufen, andererseits aber auch die Sorge von Beverly um Wesley - beide Faktoren machen diese 2 Charaktere zutiefst menschlich. Überhaupt fällt mir auf, daß hier versucht wird, nicht nur eine 08/15-Geschichte zu schreiben, sondern auch eine gewisse Kontinuität herzustellen. Dazu dienen nicht nur die Erwähnung von Wesley oder der Gefühle von Picard, die er für Beverly hegt, sondern auch die Weiterführung der Beziehung zwischen Troi und Riker oder letztlich das Treffen von Geordi und Leah, das für eine Konferenz 10 Monate nach den Ereignissen in diesem Roman verabredet wird. Ich hoffe, diese Verabredung wird irgendwann auch mal angesprochen! Und noch inständiger hoffe ich, daß LaForge dann endlich zur Vernunft kommt und sein pubertäres Schmachten zumindest ein wenig einschränkt. Es mag ja sein, daß auch Leah sich zu ihm hingezogen fühlt, aber ich würde hier eine etwas subtilere Umgangsart mit dieser Zuneigung zu schätzen wissen! Zusätzlich zu den bekannten TNG-Charakteren werden auch noch Saavik und Odo erwähnt, was zusammen mit Maltz diese Geschichte in ein größeres Ganzes einbettet.
Zu der schon erwähnten Spannung auf den ersten 100 Seiten trägt vor allem die Schilderung der Ereignisse auf Myrmidon bei. Hier gelingt es wirklich ausgezeichnet, dem Leser die Atmosphäre auf diesem Planeten - sowohl was die effektive Umformung als auch was die Überlebenden betrifft - näher zu bringen. Dazu dann auch noch die Halluzinationen... hier liegen wirklich starke Passagen dieses Romans. Ein wenig feig kommt mir die ständige Androhung von Selbstmord unter den Bolianern vor. Daß die Situation für sie alles andere als rosig ist, ist wohl einsichtig. Doch mit einer solchen Einstellung, lieber den Freitod zu wählen als sich durchzubeißen, kann ich nichts anfangen. Hier wäre es doch auch angebracht gewesen, diesen Ritus näher zu erklären. Schließlich sind die Bolianer nicht als Feiglinge bekannt, die jeder Gefahr oder Unbill aus dem Weg gehen! Und wenn schon Selbstmord für sie der einzige Weg ist, hätte es mir wiederum besser gefallen, wenn sie sich einfach umgebracht hätten, anstatt nur ständig damit zu drohen - dies hätte nämlich eher echte Überzeugung gezeigt als dieses Hin und Her.
Die Handlungen der Romulaner sind auch nicht so wirklich durchsichtig. Gut, sie wollen an Genesis heran... aber warum plazieren sie dann eine Bombe auf der Brücke der Enterprise? Oder warum läßt Jagrons Geheimdienstoffizierin diese explodieren, wenn es überhaupt nicht notwendig war? Die D'Arvuk war in der besten Position, sich die Akten zu schnappen, ohne daß jemand davon etwas mitgekriegt hätte. Und wie konnte diese Bombe überhaupt gelegt werden, ohne daß einer etwas davon mitbekommen hat? Ist diese Offizierin in einer Konsole herumgekrochen? Schließlich wird sie die Bombe ja wohl kaum irgendwo an einer Oberfläche angebracht haben - denn wenn dem so gewesenn wäre, müßte man die Sicherheitsvorrichtungen und das Personal auf der Enterprise in Frage stellen.
Carol Marcus' Handlungen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Sie weiß, daß sie manipuliert wurde, und trotzdem hilft sie ihren Entführern weiterhin. Mir ist nicht ganz klar, warum sie das tut (sie meint an einer Stelle, daß sie nichts anderes abliefern kann als ihr Bestes), schließlich ist sie sich der Gefahren, die von der Genesis-Welle ausgehen, vollkommen bewußt. Einerseits verschafft sie sich damit zwar eine gute Ausgangsposition, selbst gegen ihre Entführer aktiv zu werden, andererseits aber verhilft sie diesen fast zur Möglichkeit, die verbesserte Genesis-Welle einzusetzen.
Maltz ist der einzige, der wirklich sein angestrebtes Ziel, nämlich Rache zu nehmen an denen, die die Genesis-Welle erzeugt haben, und damit seinen Blutschwur zu erfüllen, erreicht. Allerdings gibt es auch hier für mich einen Logikfehler: Er läßt sich so leicht von Carol Marcus davon abbringen, sie umzubringen, nur weil sie ihm ein paar Kraftfelder zeigt, die sie installiert hat? Im Endeffekt ist es egal, da sie sowieso beide draufgehen, aber ganz stimmig ist dieses Treffen zwischen den beiden nicht.
Um noch einmal auf diese Kreaturen zurückzukommen, so ist es erstaunlich, wie lange sie sich verstecken konnten. Schließlich haben sie in all der Zeit, wo sie auf Lomar bzw. im Boneyard versteckt waren, eine enorme Zahl an Schiffen und Leuten entführt - warum da nicht schon lange nachgeforscht wurde (und zwar mit einer größeren Anzahl an Schiffen) ist mir rätselhaft.
Alles in allem ist "Genesis Wave" ein Zweiteiler, der leider nicht ganz sein Potential erfüllen kann. Wegen der Kontinuität, die er versucht aufrechtzuerhalten, ist er trotzdem durchaus lesenswert - allerdings würde ich dazu raten, auf die Taschenbuchversion zu warten!