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Star Trek: Voyager #20
Dark Matters #2 Ghost Dance Autorin: Christie Golden 2000, Pocket Books ISBN 0-671-03583-5 265 Seiten |
Gerade noch rechtzeitig finden Janeway und die VOY ein Signal der Shepherds. Als sie auf einen Planeten hinunterbeamen, der eben noch voller Leben war, nun aber nach dem Erscheinen eines Lichtblitzes öde und verlassen ist, entdecken sie eine junge Frau namens Khala. Der Doctor untersucht sie und ist mehr als verwirrt, als sich ihre Physiologie als vollständig entgegengesetzt von der von Humanoiden herausstellt. Sie gibt an, vor diesem Lichtblitz noch auf ihrem Planeten gewesen zu sein.
In einer Höhle finden Janeway und das Außenteam schließlich eine Art Kugel, die den Kontakt zu einer Shepherd namens Tialin bringt - sie ist bereit, gegen Lhiau und die Seinen anzutreten, befreit die VOY von jeder Dunklen Materie, bittet aber Janeway im Gegenzug, die Galaxie von der Dunklen Materie zu befreien. Die Technik dazu stecke in der kleinen Kugel. Janeway nimmt an, als wiederum ein Lichtblitz erscheint, durch den Chakotay und Paris verschwinden.
Zurück auf der VOY greifen die Romulaner an, doch die Schiffe sind von der Dunklen Materie schon so in Mitleidenschaft gezogen worden, daß Janeway nicht mehr viel tun muß, um sie loszuwerden - nur ein Warbird schafft es schwer beschädigt zurück in den Alpha Quadranten. Jekri entdeckt, daß Lhiau über telepathische Kräfte verfügt. Er weiß also, daß sie ihm mißtraut. Sie beginnt, mit Verrak, ihrem 1. Offizier, Pläne zu schmieden, ihn loszuwerden.
Zu ihrem Horror findet Jekri heraus, daß Lhiau sich in der Zwischenzeit bei der Kaiserin so eingeschmeichelt hat, daß diese sie ablehnt. Ein neuer Plan sieht vor, daß Lhiau weitere Warbirds mit der Tarnung aus Dunkler Materie versieht und diese die Föderation angreifen sollen - die Suche nach der Voyager ist nun zweitrangig. Jekri aber muß nun um ihr Leben fürchten und sucht nach Möglichkeiten, Lhiaus telepathischer Überwachung zu entkommen.
Auf der VOY arbeiten Seven, Telek, B'Elanna und Khala fieberhaft an der Erforschung der kleinen Kugel. Nach langen Versuchen kreieren sie eine Art Universum in einer Warpblase (ähnlich "Remember Me"), in das sie die Dunkle Materie beamen. Versuche verlaufen äußerst positiv. Wie Neelix und Harry erfahren, stammt Khala aus dem Volk der Alilann, das rein auf Technik vertraut - so erscheint ihr frisch gekochtes Essen ekelig. Sie erzählt, daß es auf ihrem Planeten auch noch die Culilann gibt, die derselben Rasse angehören. Doch die Folgen eines Angriffes mit biologischen Waffen entzweiten sie. Während die eine Fraktion dieses Volkes, die Alilann, auf den technischen Fortschritt vertraute, glauben die Culilann an die Weisheit und den Schutz ihrer Götter, den Crafters, und lehnen Technik ab. Aus Khalas Aussagen wird deutlich, daß ihre Wertschätzung für die Culilann ausgesprochen gering ist.
Chakotay und Paris finden sich auf einem tropischen Planeten wieder - und werden von den Bewohnern, den Culilann einem Ritual unterzogen. Wenn sie eine Zeitlang in einem Erdloch ohne Wasser und Nahrung überleben, dann soll bewiesen sein, daß sie keine Gefahr darstellen. Beide überleben, wobei es besonders für Paris, der sich in der Höhle einen offenen Armbruch zugezogen hatte und dringend medizinischer Hilfe bedarf, allerdings äußerst knapp wird. Während er sich erholt, wird Chakotay, der sich zu der primitiven Lebensweise der Culilann hingezogen fühlt, Zeuge eines weiteren Rituals, in dem ein körperlich behindertes Baby nach der Geburt den "Crafters" geopfert wird.
Als Paris wieder auf den Beinen ist, wird ein Fest gefeiert - nicht nur, um die Ankömmlinge zu begrüßen, sondern auch, um die Einheit der Culilann gegen die Alilann zu festigen. Ein Suchtrupp der Alilann unter der Führung von Khalas Bruder rettet inzwischen das Baby, dessen Opferung nur weiter den Hass auf die Culilann anstachelt...
"Ghost Dance" entwickelt die Geschichte spannend und konsequent weiter. Die 3Teilung der Geschichte bewirkt zwar, daß die Teile zwangsläufig relativ unabhängig voneinander stehen, doch alle 3 beinhalten packende Momente, sodaß sie alle spannend und flüssig zu lesen sind. Aber vielleicht sollte ich diese Besprechung den 3 Teilen anpassen:
Der für mich schwächste spielt auf der VOY. Hier geschieht eigentlich nichts Weltbewegendes, weil das ganze Buch hindurch Torres, Seven, Telek und Khala nur daran arbeiten, wie man die Dunkle Materie aus Lebewesen und anderen Dingen herausholen kann. Kurz, Technobabbel beherrscht diesen Part. Was ihn dennoch interessant macht, ist der Einblick in Khalas Kultur, die alles, was händisch gemacht ist wie gekochtes Essen oder auch Musik, ablehnt - die Alilann halten dies für primitiv und verabscheuenswert, und Khala hat dementsprechend Schwierigkeiten damit, den technologischen Fortschritt der VOY mit diesen "primitiven" Aspekten in Einklang zu bringen. Gerade Harry, der sich (mal wieder) verliebt hat und ihr seine Musik näher bringen will, trifft dies natürlich umso härter.
Sehr gefällt mir hier auch, daß die Abwesenheit von Tom und Chakotay angesprochen wird, sie auch vermißt werden - leider ist dies umgekehrt nicht wirklich der Fall. Die beiden suchen zwar nach einer Möglichkeit, die VOY zu kontaktieren, aber Gefühle lassen sich hier keine entdecken.
Chakotay und Paris geraten auf Khalas Heimatplaneten und sie müssen sich in der Kultur der Culilann zurecht finden, die sich irgendwelchen Göttern anvertrauen, denen sie ihre mißgebildeten Babys opfern (= sie auf einem heiligen Berg aussetzen). Höchstinteressant ist hier, daß Chakotay darauf verständlicherweise mit purer Ablehnung reagiert, Paris aber den Standpunkt vertritt, daß ja vielleicht was an diesem Glauben dran sein könnte, da nirgends irgendwelche Überreste der Kinder zu finden sind, wie es zu erwarten wäre, würden sie von wilden Tieren gefressen werden. Gut, daß in diesem Fall die Alilann die Rolle der Götter übernehmen, die Kinder heilen und als die Ihren aufziehen, kann er natürlich auch nicht wissen.
Auf alle Fälle deutet hier alles auf einen interessanten Konflikt hin, der nur auf den verschiedenen Lebensweisen basiert - wenn man bedenkt, daß allein dieser Punkt Mißtrauen und Kriege ausgelöst hat, ist dies doch ein ziemlich deutlicher Wink in unsere Gesellschaft.
Neben dieser bedrohlichen Situation faszinierte mich der Teil über Jekri am meisten. In ihrer Verzweiflung, Lhiau aus ihren Gedanken zu bekommen (nicht nur bildlich, sondern auch wörtlich, da er sie immer mehr telepathisch überwacht), wendet sie sich nämlich den Dissidenten zu, die auf Romulus vulkanische Disziplin und Lebensweise praktizieren. Doch ihr Fall ist vorprogrammiert, da sie gar nicht begreift, wie nahe ihr Lhiau und seine Verbündeten bereits sind. Hier wird gekonnt Spannung aufgebaut, da man auch als Leser nie mehr weiß als Jekri selbst - sämtliche Ereignisse werden aus ihrer Sicht erzählt, wodurch ich mich gut in ihren Charakter einfühlen konnte. Dies zusammen mit dem Einblick in die romulanische Gesellschaft überzeugte mich wirklich.
Überhaupt liefert "Ghost Dance" mal einen Überblick darüber, wie Lebewesen von der Dunklen Materie verändert werden. So befreite z.B. die VOY ein paar Schiffe und deren Crew davon, und die Mannschaft war nachher nicht wiederzuerkennen. Hier bleibt abzuwarten, inwiefern die Aktionen auf Romulus auf die Dunkle Materie zurückzuführen sind. Jekri jedenfalls macht bereits beunruhige Beobachtungen, die den Schluß zulassen, daß Lhiau versucht, seine Opfer nicht nur telepathisch, sondern auch mit der Dunklen Materie zu manipulieren - wahrscheinlich steht beides in Zusammenhang.
Ein kleines Detail sei auch noch genannt: Immer wieder wird von einem Wesen gesprochen, das durch das All zieht und Planeten und Lebewesen von der Dunklen Materie befreit. Zwar wird noch nicht genannt, worum es sich hier genau handelt, allerdings gibt es Hinweise. So erinnert es sich immer mehr an seine Vergangenheit, begegnet Planeten und Rassen, die es früher schon einmal besucht hat - und die auch die VOY angeflogen hat wie z.B. die Kazon oder die 2 im Krieg stehenden Völker aus "Ex Post Facto". Ich tippe, daß es sich hier um Kes handelt, was dem letzten Teil dieser Trilogie, "Shadow of Heaven", zusätzliche Spannung verleihen sollte!
Mit der Situation rund um Jekri, den bevorstehenden Großangriff der Romulaner auf die Föderation, den Konflikt zwischen den Culilann und den Alilann und die Situation von Tom und Chakotay gibt es noch genügend Stoff, um diese Trilogie zu einem faszinierenden Ende zu führen. Bisher jedenfalls bin ich mit dieser Geschichte vollauf zufrieden, mehr noch, sie hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen - auf zu "Shadow of Heaven"!