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Star Trek: The Next Generation #11
Eine Hölle namens Paradies (Titel der Originalausgabe: "A Rock and a Hard Place") Autor: Peter David 1991, Heyne (06/4837) ISBN 3-453-05023-1 270 Seiten |
Riker wird für einen Monat zu einer Wissenschaftsmission auf den Planeten Paradies versetzt. Dort leitet ein alter Jugendfreund, Jack Carter, ein Terraforming-Projekt, das die Sternenflotte nun überprüfen will. Die Wissenschafter sind alles andere als begeistert über den Besuch, doch die Entsendung Rikers entpuppt sich als richtiger Schritt. Das Projekt macht große Fortschritte, doch Jack muß notgedrungenerweise auch von einem Fehlschlag berichten: Die Züchtung einer Spezies, die den arktischen Bedingungen auf Paradies widerstehen und den Bewohnern der Kolonie hilfreich sein kann, resultierte in der Schaffung von wilden Raubtieren, die der Kolonie entkamen und nun in Freiheit leben. Und dies ist ein Risiko für jede Mission außerhalb der Koloniegrenzen... Riker aber scheint diese Gefahr außer acht zu lassen, als er beschließt, der Familie Carter zu folgen, die eines Tages von einer Routineinspektion nicht zurückkehrt...
Als Ersatz für Riker kommt Commander Quintin Stone an Bord der Enterprise, ein Offizier, der hervorragende Resultate vorzuweisen hat, allerdings seine Vorgesetzten mehr als einmal zur Verzweiflung gebracht hat. Picard erhält den Auftrag, Stone gründlich zu beobachten, ihm Manieren beizubringen und vor allem auch dessen Geisteszustand zu beurteilen. Doch diese Aufgabe gerät in den Hintergrund, als die Enterprise nach Culinan gerufen wird, wo Sternenflottenbotschafter als Geiseln genommen wurden. Picard schickt ein Außenteam und muß nun darauf vertrauen, daß Stone die richtigen Entscheidungen trifft...
"Eine Hölle namens Paradies" ist ein wirklich interessanter und spannender Roman, wobei mir allerdings der Part rund um Stone fast ein wenig vernachläßigt wird. Ich habe dieses Buch vor Jahren gelesen - vor der New Frontier - und fragte mich vor allem bei der Charakterisierung von Calhoun, dem Captain aus der New Frontier, immer, warum mir einiges so bekannt vorkam. Nun, jetzt weiß ich es: Viele Elemente, die Peter David nämlich hier verwendet, werden bei der New Frontier quasi wieder ausgegraben, sodaß ich bei der jetzigen Lektüre passagenweise tatsächlich Parallelen finden konnte.
Stones Erscheinungsbild und seine Methoden ähneln denen Calhouns - ganz besonders die Geschichten über die Herkunft seiner Narben, die er den Crewmitgliedern auftischt, brachten mich doch zumindest in einem Fall zum Lachen. In "Once Burned" erzählt Katarina Mueller, daß sie ihre Narbe bei einem Fechtunfall erlitten habe - genau das sagt Stone Wesley. Köstlich!
So sehr sich aber Ähnlichkeiten finden lassen, so sind auch Unterschiede zwischen Stone und Calhoun nicht zu übersehen. Während Mackenzie Calhoun durchaus von seinen Erlebnissen geprägt worden ist, hat er doch nie das Auge für das Wohl seiner Kollegen und Untergebenen verloren, sein Herz ist also am rechten Fleck und muß nicht erst durch eine dicke Schicht Eis ausgegraben werden. Letzteres ist bei Stone der Fall, und sein Umgang mit Beverly, aber vor allem auch Deanna bezeugen dies. Seine Erlebnisse, die schrecklicher nicht sein können, fraßen sich tief in seine Seele hinein, fanden keinen Ausweg, so wie er sich für Calhoun in Form der Sternenflotte geboten hat. Und genau hier liegt die Tragik der Figur des Quintin Stone, der nun mühsam einen Weg finden muß, mit diesen Erinnerungen und Schuldgefühlen fertig zu werden.
Genau dieser Punkt kommt mir aber ein wenig zu kurz, da diese Erkenntnis erst ganz zum Schluß des Buches erlangt wird. Hier hätte ich mir mehr Augenmerk gewünscht als auf der Frage, ob Stone verrückt ist, die sich jeder mindestens 3 Mal stellt. Ich muß mich hier nämlich schon fragen, ob es im 24. Jahrhundert denn noch keine ausreichenden Möglichkeiten gibt, Geisteskrankheiten festzustellen - volle Betazoiden könnten doch sicher den mentalen Zustand beurteilen, oder auch Vulkanier mittels einer Gedankenverschmelzung! Nur weil ein guter Freund Picards nicht mit Stone zurecht gekommen ist - der zugegeben wirklich eigenwillige Methoden verfolgt, um seinen Willen durchzusetzen - , ist das doch noch lange kein Grund, jemanden gleich für verrückt zu erklären!
Gut, genug von Stone. Das letzte Drittel dieses Romans behandelt Rikers Suche nach den Carters, ein Teil, der mir ein wenig zu lange geraten ist. Ich hätte lieber mehr von der Krise auf Culinan gelesen (übrigens wiederum eine Parallele zu den Geschehnissen in "The Two-Front-War") als von Riker, wie er, verfolgt von Raubtieren, durch den Schnee eilt. Wenn ich das lesen will, nehme ich eher ein gutes Abenteuerbuch zur Hand, aber keinen ST-Roman! Dazu wird mir auch ein wenig zu stark die Beziehung zwischen Deanna und Will Riker betont. Dieser Roman ist am Beginn der 3. Staffel angesiedelt, wo wenig bis nichts auf eine Wiederaufnahme der Beziehung hindeutet, wie es hier am Schluß angedeutet wird. Interessant ist auch, daß hier auch Worfs Rolle bei der Diskussion, ob Deanna ihr Baby austragen soll/darf (s. "The Child"), angesprochen wird - meines Wissens nach das einzige Mal überhaupt, denn in der Serie ist von Ian ja nichts mehr zu hören...
Die Carters kommen ebenfalls ein wenig zu kurz in dieser ganzen Geschichte. Allerdings zeigt sich in Stephy, der 15-jährigen Tochter, eindeutig, daß es für die Next Generation wohl doch gescheiter gewesen wäre, statt Wesley ein halbwüchsiges Mädchen einzubauen. Das hätte wohl bei der männerdominierten Brückenbesatzung für mehr Probleme gesorgt als ein Wunderkind, das jede Folge die Enterprise mindestens 5x rettet... Dies soll natürlich nicht heißen, daß dieses Mädchen dann ständig irgendeinen der Brückenoffiziere verführt, keineswegs! Aber es hätte für Geschichten abseits der Schiffsfunktionen gesorgt, die manchmal frischen Wind hereinbringen hätten können.
Die Ablehnung der Wissenschafter gegenüber der Sternenflotte scheint ein durchgängiger Handlungsfaden zu sein... kein Wunder, viele wissenschaftliche Projekte wurden schließlich zu Kriegszwecken verwendet. Daß dies nicht zuletzt auch in Star Trek geschehen kann, zeigt Star Trek: The Wrath of Khan, wo das Mißtrauen gegenüber der Reliant zumindest einigen Wissenschaftern das Leben gerettet hat (daß Genesis schließlich doch in Khans Hände gelangte, steht auf einem anderen Blatt Papier...).
Fazit: "Eine Hölle namens Paradies" ist ein vielseitiger Roman, der trotz mancher Schwächen sicher für jeden Geschmack etwas zu bieten hat. Vor allem wegen Stone kann ich ihn nur wärmstens empfehlen, und New Frontier-Kenner werden wohl ihren Spaß haben, schon in einem doch recht "frühen" Werk Peter Davids Ansätze seiner späteren Erfolgsserie zu finden. Ich hatte ihn auf alle Fälle!