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Star Trek #36
How Much For Just the Planet?
Autor: John M. Ford
1987, Pocket Books
ISBN 0-671-03859-1 (spätere Auflagen!)
253 Seiten

John M. Ford hat vor diesem Buch schon den ungewöhnlichen, aber sehr guten Star-Trek-Roman "The Final Reflection" geschrieben. Ob "How Much For Just the Planet?" auch sehr gut ist, hängt davon ab, was man von einem Star-Trek-Roman erwartet. Ungewöhnlich ist es auf jeden Fall, wenn auch auf völlig andere Art und Weise als "The Final Reflection".

Das Föderationsschiff Jefferson Randolph Smith kreuzt mit drei Crewmitgliedern an Bord durch den Weltraum. Das Ziel von Captain Tatyana Trofimov, dem Ersten Offizier Tellihu - einem Withiki - und der vulkanischen Wissenschaftsoffizierin T'Vau ist es, Dilithium-Vorkommen aufzufinden. Dilithium ist bekanntlich jenes Mineral, ohne dem kein Warpantrieb funktionieren und die Föderation schnell ohne Energie dastehen würde. Die Crew der Jefferson Randolph Smith ist aber nicht gerade motiviert. Alle drei würden am liebsten sofort wieder nach Hause fliegen. Als wäre eine todlangweilige Mission nicht schlimm genug, hat die Mini-Crew nämlich auch mit dem Schiffscomputer so ihre Probleme. Seit T'Vau einmal ihren Milchshake über eine Konsole geschüttet hat, verhält er sich irgendwie seltsam. Er scheint eine eigene Persönlichkeit entwickelt zu haben, was unter anderem dazu führt, daß er sich lieber hundertmal für sein Verhalten entschuldigt, anstatt eine wichtige Information weiterzugeben.

Nachdem der Computer eine Weile lang relativ belangloses Gefasel von sich gegeben hat, schafft es Captain Trofimov schließlich doch noch, ihm die eigentlich wichtige Information zu entlocken: Die Sensoren haben starke Hecht-Strahlung in unmittelbarer Nähe entdeckt. Das kann nur eines bedeuten: Dilithium. Damit diese Strahlung entstehen kann, braucht es nämlich unbedingt dieses kostbare Mineral. Trofimov verständigt sofort ihre beiden Offiziere und ist hocherfreut darüber, daß eine baldige Heimkehr jetzt möglich erscheint.

Doch leider läuft die Sache nicht ganz so, wie sich Trofimov, Tellihu und T'Vau das gewünscht hätten. Noch bevor sie sich so richtig freuen können, taucht auch schon ein klingonisches Schiff namens Fire Blossom auf. Die beiden Schiffe erreichen fast gleichzeitig den mit Dilithium nur so vollgestopften Planeten Direidi. Da die Crew der Jefferson Randolph Smith - trotz des Vertrages von Organia - nicht so recht Lust auf eine Konfrontation mit den Klingonen hat, wird fieberhaft nach einem Ausweg gesucht.

Das näheste freundlich gesinnte Raumschiff ist die U.S.S. Enterprise und die möchte man erreichen. Als die drei ihr Vorhaben gerade durchbesprechen und zu dem Schluß kommen, daß man ungefähr 14 Stunden brauchen würde, um die Enterprise zu erreichen, mischt sich der Schiffscomputer wieder einmal ein. Und zwar mit einem Vorschlag, wie man schneller ans Ziel kommen könnte. Was der verrückte Computer nicht dazu sagt: Bei diesem Manöver würde die Crew gleichzeitig zerquetscht und durch Strahlung gegrillt, überleben würde nur der Schiffscomputer. Bemerkt wird das von der Crew im allerletzten Moment, da T'Vau die Berechnungen des Computers nachvollzogen hat.

Daraufhin hat der Computer noch einen Vorschlag: Die Crew könnte das Schiff mit einem Escape Pod verlassen und damit auf dem Planeten landen. Das Schiff würde dann alleine das zuvor vorgeschlagene Manöver durchführen und zur Enterprise fliegen. Dieser Plan scheint der Crew höhere Überlebenschancen zu bieten und so entschließt man sich dazu, ihn in die Tat umzusetzen.

Die Enterprise testet unterdessen eine brandneue Entwicklung von Föderationswissenschaftlern: Eine Art "aufblasbares Raumschiff". Das sind angenehm kleine Pakete, die sich bequem in einem Laderaum unterbringen lassen, bei Bedarf durch die Torpedoröhren ins Vakuum befördert werden und dann "auseinanderklappen"...

Ich vermute einmal, daß diese Inhaltsangabe Euch schon einmal einen ungefähren Vorgeschmack auf die Ernsthaftigkeit dieser Geschichte gegeben hat. Wer auch nur ansatzweise versucht, dieses Buch als "normale" Star-Trek-Geschichte zu lesen, wird jedenfalls schwer enttäuscht werden. "How Much For Just the Planet?" ist viel mehr eine Art Parodie auf das Star-Trek-Universum, die es wirklich in sich hat.

In den ersten Kapiteln des Buches wird ein wahres Gag-Feuerwerk abgebrannt, wie ich es so noch nie in irgendeinem Star-Trek-Buch erlebt habe. Ich bin beim Lesen jedenfalls kaum mehr aus dem Lachen herausgekommen und mußte das Buch mehrmals zur Seite legen, weil ein Lachkrampf jedes Weiterlesen unmöglich gemacht hat. Die Crew der Jefferson Randolph Smith ist einfach köstlich, vor allem in Verbindung mit dem Computer, der wegen eines verschütteten Milchshakes ein schwerwiegendes Persönlichkeitsproblem bekommen hat.

Aber auch die bekannte Crew der Enterprise kommt nicht ohne jede Menge Seitenhiebe davon. Zum Todlachen ist zum Beispiel eine Szene, in der über eine Föderationsbotschafterin, die in Kürze an Bord kommen soll, diskutiert wird. Als sich McCoy und Spock (jeder auf die ihm jeweils typische Art und Weise) wegen Kirks zahlreicher "Kontakte" mit weiblichen Wesen über ihren Captain lustig machen, beteuert dieser, diese Botschafterin nicht zu kennen. Kurz darauf stellt sich beim ersten Treffen mit ihr heraus, daß Kirk mit ihr schon einmal auf eine "ice cream soda" war und er sich nicht mehr daran erinnern konnte, bis er sie wieder gesehen hat.

Im Mittelteil des Buches läßt das dann leider etwas nach und die Story plätschert so dahin. Sowohl die Föderations-, als auch die klingonische Crew werden von den Bewohnern Direidis - die über die Ankunft der Fremden gar nicht so glücklich sind, das aber nicht offen zeigen - in eine große Inszenierung eingebaut, in der die Beteiligten alle möglichen kleineren oder größeren Abenteuer durchmachen müssen. Als diese Inszenierung dann in den letzten Kapiteln ihren Höhepunkt erreicht, steigt der Unterhaltungswert aber wieder rapide an.

Dieses Buch ist definitiv nicht für jede(n) geeignet. Wer nur ernsthafte Star-Trek-Geschichten lesen möchte, die problemlos in das gewohnte Bild der Star-Trek-Universums passen, oder wer es gar nicht mag, wenn einige Elemente von Star Trek einmal so richtig durch den Kakao gezogen werden, der sollte unbedingt die Finger von diesem Buch lassen. Wer auch bei einer gut gemachten Star-Trek-Parodie, die aus einer echten Zuneigung zu dieser Serie entstanden ist, lachen kann, der muß dieses Buch einfach lesen.

Fazit: Ich finde "How Much For Just the Planet?" genial, kann mir aber gleichzeitig gut vorstellen, daß es viele Fans gibt, die damit gar nichts anfangen können.

© Patrick Ahrer
(ahrer@gmx.at)


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