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Cover von "Imzadi"
Star Trek: The Next Generation
Imzadi
Autor: Peter David
1993, Pocket Books
ISBN 0-671-86729-6
342 Seiten


Admiral William Riker fristet sein Dasein auf einer weit entfernten Raumstation, als ihn die Nachricht ereilt, daß Lwxana Troi im Sterben liegt und ihn zu sehen verlangt. Während die USS Hood unter dem Kommando von Captain Wesley Crusher ihn nun nach Betazed bringt, wird Riker immer unruhiger - denn er weiß, daß Lwxana ihm immer noch die Schuld für Deannas frühen Tod gibt. Und im Moment ihres Todes bestätigt sie dies noch einmal. Nach der Trauerfeier, in der Lwxanas Leiche im Familienmausoleum aufgebahrt wird, in dem auch Deannas Körper ruht, erzählt Will Wesley, was damals vor über 40 Jahren passiert ist:

Die Enterprise war zu Verhandlungen gerufen worden, da die Sindareen nun endlich gewillt (besser: gezwungen) waren, mit ihren Nachbarn Frieden zu schließen. Alles schien gut zu verlaufen mit der Einschränkung, daß Deanna sich noch kein Bild von dem Botschafter der Sindareen machen konnte - aber aus früheren Erfahrungen wußte sie, daß es eine Weile dauerte, bis sie ein Gefühl für dieses Volk bekam.

Eines Nachts wurde Riker durch ein Wort geweckt... Imzadi! Doch er hörte es nur in seinem Kopf, und es klang geschockt und verzweifelt. Will rief sofort Beverly um Hilfe und stürzte zu Deannas Quartier. Doch trotz der schnellen Reaktion konnte Deanna nicht mehr gerettet werden - und Riker macht sich bis zum heutigen Tag Vorwürfe, nicht schneller reagiert bzw. das Unglück vorhergesehen zu haben. Der Grund für Deannas Tod blieb unauffindbar.

Während Riker noch die Aufgabe zukommt, Lwxanas Sachen durchzuschauen, wird die Hood zu einem Notfall weggerufen. Als Will nun Deannas altes Zimmer betritt, übermannen ihn die Erinnerungen an seine große Liebe - und an ihr erstes Treffen bei einer betazoidischen Hochzeitszeremonie...

"Imzadi" erzählt nun endlich die Hintergrundgeschichte zum Verhältnis zwischen Will Riker und Deanna Troi. Mitten in der 6. Staffel erschienen, stimmen hier zwar einige Details nicht mit dem überein, was in späteren Folgen erwähnt wird, aber das tut überhaupt nichts zur Sache.

Grob gesprochen, kann man diesen Roman in 3 Teile unterteilen. Im ersten erzählt Will Wesley, was passiert ist, der zweite behandelt die Beziehung zwischen Will und Deanna und im dritten schließlich versucht Riker, die Geschehnisse des ersten rückgängig zu machen. Alle 3 Teile funktionieren ausgesprochen gut, auch wenn einige Kritikpunkte nicht fehlen dürfen.

So hat es mich z.B. teilweise enorm gestört, daß die Kommunikatoren in der Zukunft quasi implantiert sind. Ich fände es ja total störend, wenn ich mich mit jemandem unterhalte - und der spricht plötzlich mit seinem Schiff. Dies mag also vielleicht eine nette Erfindung sein, aber sie ist nicht wirklich passend. Ansonsten hat mir am ersten Teil vor allem das Auftreten von Wesley wirklich gut gefallen. Schade, daß er in der Serie schließlich quasi "überirdisch" wurde!

So romantisch die Liebesgeschichte zwischen Riker und Troi auch ist, so sehr reduzierte sie sich in einigen Passagen auf die physische Komponente. Riker wurde manchmal ein wenig überzeichnet und zu sehr als wandelnder Hormonbolzen dargestellt, der nur auf Sex aus ist. Wenn ich bei jedem Treffen der beiden lese, wie schön er ihren Körper findet, wie toll erst Sex mit ihr sein muß, dann reicht das auch irgendwann. Gut, Riker wurde ja auch in der TNG nicht unbedingt als zölibatär lebend beschrieben, aber auch nicht unbedingt als Kirk-mäßig allem hinterjagend, was einen Rock trägt und möglichst wenig Hirn hat.

Daß sich Deanna schließlich in gleichem Maße zu ihm hingezogen fühlt und sich deshalb mit ihm einläßt, war der weitaus interessantere Teil. Aber auch hier war relativ bald klar, daß dieses übertriebene Analysieren, der Versuch, zumindest halbwegs eine spirituelle Komponente in das ganze miteinzubringen, zum Scheitern verurteilt ist. Aber am meisten störte mich der (vorläufige) Schluß dieser Beziehung, der anfangs durch Lwxana herbeigeführt wurde. Einerseits steht hier Deanna viel zu sehr unter dem Pantoffel ihrer Mutter (und das ändert sich ja auch nicht im Laufe der späteren Jahre), sonst hätte sie wohl Einspruch erhoben. Andererseits hielt ich es einfach für übertrieben, daß Riker gleich wieder ins nächste Bett fällt... Damit zeigt er für meinen Geschmack nur seine Unreife, was Deanna dazu bewegt, die Beziehung, die sie noch retten wollte, tatsächlich zu beenden.

Vor allem aber die Stimmung auf Betazed, die Vorgänge rund um die Sindareen, dies sind Highlights dieses 2. Teils! Endlich mal kann ich mir ein Bild von diesem Planeten machen, der in der Serie ja nur in einigen kurzen Szenen zu sehen war.

Die Sindareen führen mich gleich zu den anderen beiden Abschnitten dieses Romans. Wie immer, wenn es um Zeitreisen geht, wird's ein wenig kompliziert. Riker will natürlich diese 40 Jahre ungeschehen machen und Deanna retten, als die wahre Todesursache endlich gefunden werden kann. Klarerweise stellt sich (mal wieder) die Frage, inwieweit ein Leben über das von unzähligen anderen gestellt werden kann. Von der Logik und der Moral her muß man zu der Ansicht kommen, daß Riker hier absolut falsch handelt, schon deshalb muß ich seine Handlungen mit Argwohn betrachten.

Andererseits äußert mir Data viel zu wenig Verständnis für Rikers Motive. Schlimmer noch, er selbst bringt schließlich Deanna beinahe um, um ja die Geschichte ihren gewohnten Gang gehen zu lassen. Genau hier habe ich bereits meine Probleme. Schließlich ist der erste Mordanschlag an Deanna von Riker verhindert worden - wurde damit nicht schon die Geschichte verändert? Wie sehr verändert sich die Geschichte, wenn Data, der hier seinen eigenen Platz auf der Enterprise einnimmt, nachdem er den Data dieser Zeit ausgeschaltet hat, als Mörder gesehen wird? Gut, es hätte die Möglichkeit gegeben, das ganze auf Lore zu schieben, aber ganz plausibel mag mir das nicht erscheinen. Dazu muß auch noch der Einfluß der höheren Sicherheitsmaßnahmen in Betracht gezogen werden, die nach dem Mordanschlag gelten etc.

Natürlich wendet sich zum Schluß die Geschichte wieder, obwohl auch hier wiederum offen bleibt, warum Riker und Data nun die Erinnerungen an sowohl die Vergangenheit haben, die nun herrscht, als auch an die, die sie verändert haben. Auch hier erscheint mir die Erklärung mit den besonderen Verhältnissen des Guardian of Forever nicht ganz schlüssig. Aber so ist das nun mal mit Zeitreisen in Star Trek...

Wieviel Riker im Endeffekt bereit ist, für Deanna zu opfern, ist natürlich der interessanteste Aspekt der ganzen Geschichte... aber es kommt nicht ganz zutage, wieviel er davon für sich selbst und wieviel er tatsächlich für Deanna tut. Hier hätte ich gerne ein wenig mehr Einblick gewonnen!

"Imzadi" hat mich von Anfang bis Ende wirklich gefesselt. Die genannten Kritikpunkte waren in keinem Moment so extrem störend, daß ich diesen Roman nicht in vollen Zügen genossen hätte. Wer an Riker und Troi interessiert ist, sollte sich ihn auf keinen Fall entgehen lassen!!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures