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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "The Lives of Dax"
Star Trek: The Lives of Dax
Autoren:  Steven Barnes, Michael Jan Friedman, L.A. Graf, Jeffrey Lang, S.D. Perry, Judith & Garfield Reeves-Stevens, Kristine Kathryn Rusch, (Jill Sherwin), Robert Simpson, Susan Wright
Editor: Marco Palmieri
1999, Pocket Books
ISBN 0-671-02840-5
Trade Paperback
347 Seiten

"The Lives of Dax" beinhaltet eine Sammlung von Geschichten aus den Leben der verschiedenen Wirte des Dax-Symbionten, eingebettet in eine Unterhaltung zwischen Ezri und Vic Fontaine darüber, was es heißt, ein vereinigter Trill zu sein.

Während Lela sich als junge Politikerin und erst kürzlich Vereinigte mit dem Mißtrauen und der Arroganz eingesessener Mitglieder der Ratsversammlung auf Trill herumschlagen muß, führt die Ankunft eines fremden Raumschiffes ihr Volk dazu, seine Politik der Isolation zu überdenken. Tobin, Dax' zweiter Wirt, ist bei der Übernahme eines Forschungsschiffes, in dem ein Prototyp des Transporters getestet wird, durch Romulaner dazu aufgerufen, seine Nervosität und Unsicherheit in einen Rettungsplan zu kanalisieren. Bei einem Gymnastikwettkampf lernt Emony den jungen Studenten Leonard McCoy kennen - und auch dessen Zimmerkameraden, der einer Spezies angehört, die den Trill äußerst feindselig gesonnen ist.

In einem Brief versucht Audrid Dax ihrer Tochter zu erklären, warum vor Jahren nicht nur deren Vater, sondern auch dessen Symbiont sterben mußten. Torias sollte sein Leben durch einen waghalsigen Versuch, Transwarp zu erreichen, verlieren. Und Joran wird durch die Vereinigung dazu getrieben, alle unvereinigten Musiker als wertlos zu betrachten - und sie zu töten, um sein eigenes Werk beenden zu können. Ben Sisko beschreibt, wie er als junger Kadett und Gehilfe von Curzon Dax dazu aufgerufen wurde, über die Grenzen dessen, was ihn sein bisheriges Studium an der Akademie über fremde Spezies gelehrt hat, hinwegzusehen. Zurückgerufen nach Trill, weil ihre Schwester unvorhergesehen vereinigt worden ist, wird Jadzia mit einem der grausamsten Verbrechen konfrontiert, dem Handel mit Symbionten.

Jede einzelne dieser Geschichten von "The Lives of Dax" ist wirklich interessant und gut geschrieben - besonders die von Lela, Emony, Audrid und Torias beinhalten ausgezeichnete Momente, die nicht nur die jeweiligen Wirte näher beschreiben, sondern auch die Kultur der Trill. So wandelt sich die Isolationspolitik Trills von anfänglicher Ablehnung gegenüber jeder fremden Spezies (mit Ausnahme der Vulkanier) langsam in zumindest eine Kooperation bei wissenschaftlichen Projekten. Doch lange wird das Geheimnis rund um die wahre Natur der Trill, nämlich um die Symbionten und die Vereinigung geheim gehalten, um Gefahr von den Symbionten abzuhalten.

Neben dieser mißtrauischen Haltung Fremden gegenüber gewinnt man in einigen Geschichten auch einen guten Einblick in die innere Situation auf Trill. Lela hat es sich als junge Politikerin zur Aufgabe gemacht, auch die Rechte der Nicht-Vereinigten mehr zu Gehör zu bringen, was mich wiederum dazu bringt, über die Stellung der Vereinigten und nicht vereinigten Trill nachzudenken. In ihrer Geschichte wird deutlich, daß in der Ratsversammlung nur vereinigte Trill zugelassen sind. Überhaupt wird in allen Geschichten enorm klar darauf hingewiesen, daß vereinigte Trill mehr wert sind als die, die nicht vereinigt sind. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie eine solche Hierarchie überhaupt aufrecht erhalten werden kann, wenn eine Minderheit auch über eine Mehrheit herrscht, und zwar noch mit deren offensichtlicher Zustimmung? Klar, unvereinigte Trills dürfen ebenfalls den Berufen nachgehen, die sie möchten, aber wenn es für sie keinen Platz in der Ratsversammlung gibt und von den vereinigten Trills bis Lela keiner daran gedacht hat, daß man auch die Rechte der unvereinigten vertreten sollte, dann böte dies ja massenhaft Potential für Volksunruhen.

Die letzten paar Absätze der Erzählung rund um Torias, als die Ärzte nach der Entfernung von Dax den sterbenden Körper des Wirts nur noch als notwendiges Übel, aber keineswegs als etwas, um das man sich noch kümmern muß, ansahen, erhöhen für mich nur das Interesse an der Frage, was es dem Wirt bringt, vereinigt zu werden. Eine ähnliche Situation bot bereits die schon angesprochene TV-Folge "Equilibrium", wo man Jadzia bereits den Symbionten entnehmen wollte, ohne wirklich nach dem näheren Grund für die Visionen und den Abfall ihrer Werte zu forschen. Es hat sicher seine Vorteile, wenn man quasi unsterblich ist, weil die Erinnerungen eines Lebens durch den Symbionten weiterleben, und man selbst auf die Erfahrungen früherer Wirte zurückgreifen kann, aber irgendwie scheint mir das Augenmerk in der Trill-Gesellschaft viel zu sehr auf dem Symbionten zu liegen, der Preis für diese Vorteile vielleicht manchmal ein wenig zu hoch zu sein.

Die verschiedenen Erzählungen bieten genügend Hinweise zum bereits etablierten ST-Universum, um nicht für sich zu stehen. So begegnet man in Lelas Geschichte Odan, der bereits da 7 Wirtsleben hinter sich hat. Wahrscheinlich auch im Hinblick auf ihn wird in der Einführungsgeschichte rund um Ezris Vereinigung auf die Probleme, die manche Symbionten mit Transportern haben, hingewiesen. Schließlich konnte Odan in "The Host" nur mit dem Shuttle die Enterprise verlassen anstatt mit dem schnelleren Transporter - was auch die Hilfe erschwerte, als das Shuttle angegriffen wurde. Dazu wird hier auch auf den Ersten Kontakt der Vulkanier mit den Menschen (s. "First Contact") hingewiesen, von dem T'Pau (s. "Amok Time") Lela erzählt. Neben Odan gibt es noch eine Parallele zur TNG, nämlich den Parasiten, dem Audrids Mann zum Opfer fiel. Wie er beschrieben wurde, erinnerte mich das nämlich sehr an die Wesen, die in "Conspiracy" das Sternenflottenhauptquartier in Besitz genommen hatten.

Tobin trifft auf einen Vulkanier namens Skon (nach längerem Nachdenken und "Auf die Sprünge Helfens" von anderen ST-Kennern ist mir wieder eingefallen, daß er der Vater von Sarek ist! - und ich hatte ihn schon für den Vulkanier gehalten, der mir in "Take Me Out to the Holosuite" so auf die Nerven gegangen ist!), der von den Romulanern ausgiebigst begutachtet wird... Warum? Siehe "Balance of Terror"!

Emony, die 3fache Olympiasiegerin im Turnen, bekommt McCoy zur Seite gestellt, was bereits in "Trials and Tribbleations" erwähnt wurde. Audrids Sternenflottencommander bei dieser so verhängnisvollen Mission ist Pike, bei dem auch auf sein mysteriöses Verschwinden ein Jahr später (s. "The Menagerie") verwiesen wird, während es Torias mit Saavik (warum muß sie bitte mit Mr. angeredet werden??? Das hat mich bereits in "ST: Wrath of Khan" enorm gestört!) und Styles zu tun bekommt, was meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen wäre, daß die Geschichte doch alleine schon von Nilanis Trauer über den Tod ihres Mannes lebt.

Auf viele Begebenheiten dieses Romans wies auch schon die TV-Folge "Facets" hin, so auf Curzons Mission auf der Raumstation Pelios. Allerdings paßt da die Bermerkung Curzons, der Kasidy mit Sabbath verglich, nicht ganz hinein... Dazu muß ich auch sagen, daß es mir nicht so richtig zugesagt hat, wie Curzon Ben über die Mission im Dunkeln gelassen hat.

Ein hoch interessantes Detail ist in Jorans Erzählung zu finden. Erstens einmal, daß man annimmt, vereinigte Trills seien viel zu stabil in ihrer Persönlichkeit, als daß sie Mörder wären, und zweitens, daß es für diesen so unannehmbaren Fall eigens trainierte vereinigte Trills gibt, die diese Mörder aufspüren sollen. Allerdings hätte es mir hier auch mehr gefallen, darüber zu lesen, wie in Joran quasi die Entscheidung getroffen wurde, mit dem Morden zu beginnen, als darüber, wie er schließlich gefangen wurde. Denn in dieser Detektivgeschichte wird jener entscheidende Gedankengang, der Gard zu Joran geführt hat, einfach übersprungen - auf einmal war Gard in Jorans Wohnung, keine Erklärung warum.

Auch Jadzias Geschichte beinhaltet recht bemerkenswerte Details. Da wäre natürlich einmal, daß sie nach Hause zurückkehrt und man mal was von ihrer Familie erfährt, die ja in der Serie beinahe tot geschwiegen wird. Außerdem wird endlich mal Verad angesprochen, der schließlich, wenn auch nur für einige Stunden, ebenfalls ein Wirt des Dax-Symbionten war. Daß er nach "Invasive Procedures" einfach nicht mehr erwähnt wurde, fand ich enorm schade. Dazu gibt's hier noch die Erwähnung einer Droge, die es ermöglicht, den Symbionten zu entfernen, ohne daß der Wirt dabei physisch draufgeht (naja, wenn er daraufhin in der Klapsmühle landet, ist das halt eine etwas schwerere Nebenwirkung). Es erscheint nur ein wenig unglaubwürdig, daß man Verad jemals wieder auf freien Fuß gesetzt hat nach seinen Handlungen auf DS9, denn schließlich kann doch dieses schwere Verbrechen des Symbiontendiebstahls nicht einfach nur 1 Jahr Therapie bedeuten...

Alles in allem ist "The Lives of Dax" bis auf die kleineren Ungereimtheiten bezüglich der Zeitlinie wirklich gut zu lesen. Man erfährt einfach viel über die verschiedenen Wirte, was besonders bei den bisher vernachläßigten (also eigentlich alle bis auf Curzon und Joran) doch notwendig war. Ich hatte vor der Lektüre Bedenken, weil eben jeder Wirt von einem anderen Autor beschrieben wird. Daher dachte ich, daß da eine Sammlung von Kurzgeschichten rauskommen wird, die aber nicht sehr viel gemeinsamen Kontext außer dem Namen Dax haben, und zögerte lange, bis ich dieses Buch zur Hand nahm. Aber genau diese verschiedenen Sichtweisen sind die Stärke dieses Romans, weshalb ich jede einzelne Geschichte für sich sehr genossen habe.

Jedoch bleibt die Ausgangsfrage eigentlich unbeantwortet: Was bedeutet es, ein vereinigter Trill zu sein? So nett auch die Verwendung von Vic quasi als Aufhänger für Ezri zu realisieren, daß sie mehr ist als die Summe ihrer Teile, auch sein mag, so bleibt doch dieser eine Punkt offen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil all diese Geschichten, die man hier zu lesen bekam, eigentlich nicht unbedingt sozusagen auf dem Dax-Symbionten beruhten. Vielleicht hätte hier mehr herausgeholt werden können, wenn zumindest einer der Wirte wirklich seine Aufgabe ohne den Symbionten, ohne die Erinnerungen seiner früheren Wirte nicht hätte erfüllen können. Ich hätte mir auch mehr Einblicke gewünscht in die Gedankenwelt der verschiedenen Wirte anstatt sie fast ausschließlich "von außen" zu beobachten. Dann hätte vielleicht die Bedeutung, ein vereinigter Trill zu sein, besser erklärt werden können als rein durch die Bemerkung, was es doch für ein überwältigendes Gefühl gewesen sein muß, plötzlich all die Erinnerungen an frühere Leben auf sich einprasseln zu sehen.

Daher muß ich abschließend sagen, daß "The Lives of Dax" zwar wirklich hervorsticht, was es betrifft, die einzelnen Wirte zum Leben zu erwecken und interessante Geschichten zu erzählen - doch der größere Rahmen, also der Grund, warum diese Erlebnisse überhaupt an die Oberfläche kommen, der bleibt leider sehr verschwommen und unbeantwortet.

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures