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Star Trek: Enterprise Logs
Einleitung und Konzept: Robert Greenberger 2000, Pocket Books ISBN 0-671-03579-7 Trade Paperback 291 Seiten |
"Enterprise Logs" stellt eine Sammlung von Kurzgeschichten über alle Captains der Enterprise dar - im Laufe der Jahrhunderte gab es immerhin 10...
Es beginnt mit der Erzählung über Captain Israel Daniel Dickenson, der am Vorabend einer entscheidenden Schlacht im Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer Besuch von seinem Schwager bekommt und mit dessen Hilfe schließlich eine Strategie finden kann, die Engländer zu überlisten. Weiter geht es mit Captain Osborne Hardison, der als Kapitän des Flugzeugträgers Enterprise im Südpazifik alle Mittel aufbringen muß, die Japaner zurückzuschlagen - und sei es auch, einen alten Freund davon zu überzeugen, das Wohl von dessen Familie hinter dem der USA zurückzustellen.
Rund 300 Jahre später bekommt es Robert April auf dem neu gebauten Raumschiff der Sternenflotte mit den Klingonen zu tun, als er dringend benötigtes Getreide zu einer entfernten Kolonie bringen soll, deren Bevölkerung zu verhungern droht. Christopher Pike bekommt es mit einem Abgesandten der Eremoiden zu tun, der die Zusammenarbeit der Mannschaft beobachten soll... nur: Frühere Beobachtungsversuche schlugen allesamt fehl. Jim Kirk trifft bei der Untersuchung einer Mordserie, die wichtige Verhandlungen betrifft, eine alte Liebe wieder. Will Decker entdeckt bei der Überholung der Enterprise romulanische Spione an Bord, und Spock muß bei einer Trainingsmission mit seinen Kadetten ein Mittel gegen ein Virus finden, das die menschliche Besatzung mehr oder weniger gänzlich außer Gefecht setzt.
Der beste romulanische Geheimdienstagent, Rokan, sieht sich John Harriman gegenüber, der zu seinem Erstaunen in ihrem "Gespräch" immer mehr die Oberhand zu gewinnen scheint. Bei der Suche nach einer neuen Kolonialisierungswelt stößt Rachel Garrett mit der Enterprise C auf neue Feinde, die sie nun mit einer Rumpfmannschaft aus unerfahrenen Leuten hinter sich lassen muß. Jean-Luc Picard wiederum versucht sein Bestes, um den Sohn des gerade verstorbenen neu gewählten Herrschers von Andoria, Yevan, davon zu überzeugen, daß sein Volk nun einen König braucht, um einen Bürgerkrieg zu verhindern - und daß es diesen Königen nun mal zufällt, die Entscheidungen zu treffen, die sonst keiner treffen kann oder will...
"Enterprise Logs" ist nach "The Lives of Dax" die nächste Sammlung von Kurzgeschichten, die auf mehr oder weniger bekannten Charakteren des ST-Universums basiert. Im Mittelpunkt steht natürlich der Name Enterprise, doch ist es die Mannschaft, allen voran die verschiedenen Kommandanten, die diesem Namen Leben einhauchen. Man kann über die Auswahl dieser Kommandanten streiten: Ich zB. hätte auf die ersten beiden Geschichten, die im Unabhängigkeits- bzw. im 2. Weltkrieg spielen, durchaus verzichten können, stattdessen hätte man doch auch Riker oder anderen eine Erzählung widmen können. Dies soll nicht bedeuten, daß ich zumindest die erste Geschichte rund um Dickenson nicht gemocht habe, aber irgendwie passen die beiden einfach nicht hier rein...
Im Vorwort wird noch erwähnt, warum man Riker nicht in diese Sammlung aufgenommen hat, weil man hier auch beispielsweise Jellico oder andere, die nur kurz das Kommando hatten, hätte mit reinnehmen müssen. Und wenn das so hätte geschehen müssen, so hätte sich da dann vielleicht doch die Möglichkeit geboten, Jellico ein wenig sympathischer darzustellen, als er bisher in TV und Buch rübergekommen ist. Bei Riker hätte mich zB. die Zeit interessiert, wo er nach der gelungenen Borgabwehr wieder zum Commander degradiert worden ist - da wurde nie ein Blick drauf geworfen, was man hier hätte korrigieren können, denn ganz ohne ist es ja nicht, jemanden zu degradieren, der gerade die Erde gerettet hat...
Aber genug davon, was nicht in diesem Buch ist. An der ersten Geschichte über Dickenson hat mir besonders die Darstellung der Stimmung am Vorabend einer entscheidenden Schlacht gegen England sehr gefallen. Diese Mischung aus Verzweiflung, Hoffnung, Warten auf ein Wunder etc. ist wirklich spürbar gewesen, dazu gelang es Diane Carey, das Geschwafel über Segelschiffe, das die ersten paar Seiten vorherrscht und das mich als Nichtseglerin auch überhaupt nicht interessiert, in der übrigen Geschichte gegenüber den Menschen, die diese Schiffe bemannen, zurückzustellen.
Auch die zweite Geschichte stammt aus ihrer Feder, und mit dieser Erzählung bin ich ganz und gar nicht einverstanden. Hardison versucht nämlich, einen alten Kumpel, der nun in Japan für die USA spioniert und seit kurzem unauffindbar ist, davon zu überzeugen, daß er seine Arbeit wiederaufnehmen muß. Nun, dies allein ist ja nicht verwerflich... Nur, der Grund, warum der Freund aufgehört hat, ist, weil seine japanisch-stämmige Familie in ein Internierungscamp gesteckt worden ist - und zwar nur aufgrund ihrer Herkunft. Es ist also durchaus verständlich, daß er nicht mehr für die USA sein Leben riskieren will, die seine unschuldige Familie irgendwo einpfercht. Diese beiden Positionen prallen nun aufeinander, doch interessante Diskussionen werden durch die meiner Ansicht nach haarsträubende Erklärung Hardisons, daß jeder in diesem Krieg Opfer bringen müsse und die Angehörigen eben Opfer der Paranoia seien, einfach zunichte gemacht.
Jetzt mal ganz abgesehen davon, daß es in diesen Lagern ja wirklich nicht zimperlich zugegangen ist, halte ich diese Erklärung aus zweierlei Hinsicht einfach für eine Frechheit. Wenn man annimmt, diese Geschichte ist ohne das Hintergrundwissen, was in den Camps abgelaufen ist, quasi "live" geschrieben worden, so hätte ich mir doch gewünscht, Hardison würde ein wenig moralische Entrüstung offenbaren darüber, daß jetzt in den USA Angehörige einer gewissen Rasse nur aufgrund eben dieser Tatsache inhaftiert werden - etwas, das man doch auf der anderen Seite des Erdballs so sehr bekämpft. Wird eine solche Erzählung allerdings, wie es hier geschehen ist, rund 60 Jahre nach den Ereignissen geschrieben mit dem Wissen um diese Lager, so muß ich mich einfach fragen, wie die Tatsache, daß unschuldige Menschen in Internierungslagern landen, mit der hohlen Phrase abgetan werden kann, daß sie halt Opfer der Paranoia sind. Gut, wenn dem so ist, sollte man dann nicht was gegen diese Paranoia unternehmen, anstatt sie als Rechtfertigung für Unrecht geltend zu machen? Nein, mit dieser Doppelbödigkeit kann ich einfach nichts anfangen.
Ausgesprochen interessant finde ich, daß alle Raumschiffkommandanten versuchen, ein relativ familiäres, nicht zu hartes Regiment zu führen. Wahrscheinlich soll dies wohl die Basis für eine funktionierende Kommandostruktur darstellen, daß ein Kommandant einfach weiß, wann er die Zügel lockern kann - und seine Mannschaft sich darauf versteht, die Grenzen nicht zu überschreiten. Gerade in der Geschichte über Pike werden diese Grenzen, aber auch das Funktionieren der Zusammenarbeit unterschiedlicher Charaktere sehr gut angesprochen. Gerade auch weil hier die Charakterdynamik sicherlich im Vordergrund steht, gefällt mir diese Erzählung mit am besten... zusammen auch mit der Story über April, die auch aufgrund der Tragik der Situation um die Kolonisten besticht, deren Hälfte von Kodos geopfert wurde, um die andere Hälfte zu retten. Kodos sollte später in der TOS in "The Squire of Gothos" wiederum auftauchen. Unter den geretteten Kolonisten befindet sich ein 13-jähriger Bursch namens Jim Kirk, und Aprils klingonischer Gegner ist ein junger Mann namens Kor. Somit ist diese Geschichte sicherlich die, die noch am ehesten versucht, bereits bekannte Handlungsstränge aufzunehmen und sich so ins ST-Universum einzupassen.
Die Situation rund um die Friedensverhandlungen, die Kirk zu überwachen hat, ähnelt sehr der von Bajor - auch hier wollen Besetzer und Besetzte miteinander ein Abkommen schließen, auch hier stellt sich die Frage nach Kollaborateuren auf beiden Seiten. Will Decker entdeckt 2 romulanische Spione an Bord der Enterprise, die gerade umgebaut wird. Es liegt nun an ihm, der stets im Schatten der Taten seines Vaters gestanden ist ("The Doomsday Machine") und nun in die Fußstapfen von Kirk und dessen Mannschaft treten soll, diese zu entlarven und herauszufinden, was sie angerichtet haben. Zwar ist diese Jagd recht spannend erzählt, aber irgendwie fehlte mir hier der wirkliche Einblick in seine Persönlichkeit. Ganz paßt nämlich dieser Will Decker hier nicht mit dem zusammen, den man in "Star Trek: The Motion Picture" zu sehen bekommt. Ich hätte gerne mehr über seine Gedanken erfahren als die Angst zu versagen.
Die Erzählung rund um Spocks Trainingsfahrt läßt mich ein wenig zwiespältig zurück. Zwar erzählt sie Ann C. Crispin in gewohnt einfühlsamer Art und Weise, aber sie fügt sich nicht ganz so gut in das etablierte ST-Universum ein, wie das beispielsweise "Yesterday's Son" oder "Time for Yesterday" konnten. In dieser knapp 40 Seiten langen Geschichte erfährt man einiges über Saaviks Herkunft und ihre Verbindung zu Spock, dazu wird auch erklärt, wie es kam, daß Saavik vom Wissenschaftssektor zum Kommando gewechselt ist und damit am Beginn von "Star Trek: The Wrath of Khan" den Kobayashi-Maru-Test ablegen mußte. Die Handlung an sich dreht sich schließlich sogar mehr um Saavik als um Spock, der sich nicht dagegen wehren kann zu bemerken, was für eine bemerkenswerte junge Frau sein Schützling geworden ist. Und damit sind schließlich auch schon die Grundlagen für "Vulcan's Heart" gelegt, das mit der Verlobung von Spock und Saavik beginnt. Hier wäre überhaupt nichts auszusetzen, wenn es nicht in "Wrath of Khan" noch überhaupt kein Zeichen für ein tiefer gehendes Interesse Spocks an Saavik gegeben hätte... Aber zumindest hat McCoy hier einen gewohnt polternden Auftritt...
Mit Harriman kann ich einfach nichts anfangen. In "Generations" wirkt er wie ein Kind, das in einem viel zu großen Sessel Platz nehmen soll, in "The Captain's Daughter" wiederum wie jemand, der die Erwartungen seines Vaters stets erfüllt hat und, bis er sich schließlich daraus befreit, unter dessen Pantoffel steht - und hier kommt er irgendwie mehr als arrogant rüber. Zumindest aber besitzt diese Geschichte interessante Wendungen... Rachel Garrett wird auf eigenen Wunsch von einem Diplomatensessel auf Kronos zum Captain eines Schiffes, der Enterprise-C. Positiv und gleichzeitig auch negativ fallen ihre Zweifel, ob die Crew ihr auch im Kampf folgen würde, auf. Positiv deshalb, weil man durch diese Gedanken auch ein Gefühl dafür bekommt, wie es in ihr aussieht. Wie schon weiter oben erwähnt, ist gerade der Einblick in das Verhältnis von Captain zu Mannschaft der interessante Part dieser Kurzgeschichten. Negativ, weil sie die einzige Frau in dieser langen Geschichte ist - und als solche wird sie noch von Zweifeln geplagt, ob sie ihre Mannschaft auch führen kann zu Krisenzeiten. Seltsam, daß es eigentlich nie geschieht, daß Männer von solchen Gedanken geplagt werden... Ja, es kommt schon vor, daß sie Zweifel wegen irgendeiner Sache hegen, aber nie an ihrer Fähigkeit zu kommandieren! Auf alle Fälle erinnert ihr Gegner sehr an die Schiffe aus "The Tholian Web", und Castillo ("Yesterday's Enterprise") hat hier seinen ersten Auftritt an der taktischen Konsole...
Picards Schwierigkeiten mit Jugendlichen sind ja keine Neuigkeit, und ich hätte mir an sich gewünscht, daß sie ein wenig stärker zur Ausprägung kommen. Wenn nicht alle paar Sätze gestanden wäre, daß er all seine Geduld zusammennehmen muß bzw. eigentlich überhaupt nicht mit Kindern umgehen kann, hätte man das rein an seinen Handlungen und Worten zu Yevan nicht gemerkt. Ein wenig seltsam erscheint es mir, daß Picard diese Geschichte in der Bar "Captain's Table" erzählt, von der man doch weiß, daß Kommandanten sie im Durchschnitt einmal in ihrem Leben besuchen - nur Calhoun war bisher eine Ausnahme... naja, zumindest ist dies in "Once Burned" zu lesen. Wie dem auch sei, das Konzept dieser Bar scheint funktioniert zu haben, sonst wäre man wohl kaum darauf zurückgekommen für diese eine Geschichte.
Abschließend bleibt zu sagen, daß man durch diese verschiedenen Geschichten, die sich doch über 6 Jahrhunderte spannen, wirklich einen Eindruck darüber gewinnen kann, was einen guten Captain ausmacht bzw. was so besonders an den Kommandanten des Schiffes mit dem Namen Enterprise ist. So sehr sie sich auch voneinander unterscheiden, so ist es stets die funktionierende Zusammenarbeit mit ihren Untergebenen, das Wissen, wie man mit ihnen umgehen muß, das schließlich den Unterschied ausmacht und das Beste aus Schiff und Mannschaft herausholt.
Am besten gefiel mir hier Spock, dem man solche Einsicht gar nicht zutrauen würde - und der noch dazu die schwierige Aufgabe hat, noch nicht fertig ausgebildete Kadetten durch eine Krise zu bringen, was trotz aller Diskrepanzen diese Geschichte doch denen von April und Pike gleichstellt. Daß mir die Erzählung von Hardison am wenigsten zusagte, brauche ich wohl nicht mehr wiederholen. Überhaupt muß ich sagen, daß abgesehen von Hardisons alle Geschichten wirklich hochwertig und gut zu lesen sind und es schaffen (die einen besser, die anderen schlechter) zu zeigen, was einen Captain wirklich ausmacht. Und dies macht diese Sammlung wirklich empfehlenswert!
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