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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "The Kobayashi Maru" Star Trek #47
The Kobayashi Maru
Autorin: Julia Ecklar
1989, Pocket Books
ISBN 0-671-65817-4
254 Seiten

Kurz vor dem schon heiß ersehnten Landurlaub wird die Enterprise in einen Raumsektor gerufen, der gravitationsbedingt äußerst instabil ist. Sie soll den Verbleib eines wissenschaftlichen Außenpostens herausfinden, wo Versuche stattfinden, innerhalb solch instabiler Systeme zu navigieren. Da die Sensoren der Enterprise in diesem System nur beschränkt funktionieren und das Schiff nicht näher an den Außenposten herannavigiert werden kann, beschließt Kirk, mit einem Shuttle die näheren Umstände zu erforschen. Doch bevor der Außenposten erreicht werden kann, fährt es auf eine Gravitationsmine auf, die die Systeme vollkommen zerstören.

Sulu und Kirk selbst werden verwundet, und die Hoffnung, die Enterprise könnte das Shuttle in dieser Umgebung lokalisieren schwinden mit jeder Minute. Da Kirk diese Situation an einen Test auf der Akademie erinnert - den Kobayashi Maru-Test - , beginnt er, von seinen Erlebnissen während dieser Simulation zu erzählen. Nach und nach berichten auch die anderen, die einen williger als die anderen, von ihren Erfahrungen mit diesem Szenario. Und während der Erzählungen läuft den Insassen des Shuttles die Zeit davon...

"The Kobayashi Maru" ist ein sehr interessantes, gefühlvolles Buch, das es schafft, vier einzelne Geschichten nicht einfach nur nebeneinander stehen zu lassen, sondern sie durch dieses jetzige Erlebnis zu koppeln. Auch wenn die Rahmenhandlung natürlich das Flair des Seelenstrips vor dem sicheren Tod hat, so sind auch hier die Charaktere liebevoll beschrieben - vielleicht mit der kleinen Ausnahme von Chekov, der mir einfach zuviel von seiner Nutzlosigkeit vorjammert. Da der ganze Roman nach ST I angesiedelt ist - und man ja aus den Ereignissen von ST II weiß, daß Chekov schließlich auf der Reliant gelandet ist - , hätte es hier meiner Meinung nach nicht geschadet, schon etwas darauf hinzudeuten, daß Chekov im Sinn haben könnte, die Enterprise und seinen vergötterten Captain Kirk zu verlassen. Nun aber zu den einzelnen Geschichten:

Worum geht's im Kobayashi Maru-Test? Nun, auf einer Routinemission ereilt den Captain eines Schiffes ein Notruf eines zivilen Frachters aus der Neutralen Zone. Nun muß dieser Captain abwägen, ob er das Risiko des Bruchs des Vertrages mit den Klingonen auf sich nimmt, um den Frachter und seine Crew zu retten - auch auf die Gefahr hin, daß es gar keinen Frachter gibt und sich das Ganze nur als Falle der Klingonen herausstellt. Diese Simulation ist ein Charaktertest, der als "No-Win-Szenario" konzipiert ist - es geht also rein darum, die Reaktionen des "Captains" zu testen.

Wie man ja schon in ST II gehört hat, hat Kirk seinen Test im 3. Anlauf geschafft, indem er "geschummelt" hat. Ich fand es hier sehr interessant, wie gut hier auf seine Aussage eingegangen ist, nicht in ein "No-Win-Szenario" zu glauben. Dadurch wird es verständlich, wie er sich so sehr in diesen Test hineintigern und den Computer, der darauf programmiert ist, ihm alles entgegenzuschmeißen, damit er verliert, besiegen konnte. Diese Darstellung der Geschehnisse paßt 100%ig zu Kirk (wie auch McCoy anmerkt, nachdem Kirk seine Erzählung beendet hat). Gerade weil man aber die Umrisse dieser Geschichte schon aus dem 2. Film kennt, finde ich es ausgesprochen gut, daß ihr hier weniger Zeit eingeräumt wird als den anderen, von denen man ja bisher nichts weiß.

Chekovs Geschichte, die er nur äußerst widerwillig erzählt, beginnt bereits mit dem abgelegten Kobayashi Maru-Test, während dem er den ganzen Simulator in Schutt und Asche gelegt hat... Um zu verhindern, daß die Klingonen die Technik seines Schiffes erlangen, zerstört er es nämlich. Diese relativ drastische Maßnahme rechtfertigt er sich und den Freunden gegenüber damit, daß dies sowieso nur eine Simulation gewesen sei. Kurze Zeit später muß er sich einer neuen Simulation stellen, in der es darum geht, daß die Kadetten auf eine einsame Raumstation gebracht werden und ihnen gesagt wird, daß einer von ihnen ein Mörder sei. Ihre Aufgabe ist es nun zu überleben, bis sie wieder abgeholt werden. Auch hier herrscht bei Chekov wiederum die "Ist ja nur eine Simulation"-Einstellung vor, und er begibt sich auf die Jagd nach den anderen Kadetten, bevor sie ihn "umbringen" können. Bei seiner Erzählung finde ich es vor allem sehr interessant, wie sehr er seinem Idol Kirk nacheifert - und schließlich kläglich daran scheitert. Ein wenig gestört hat mich die Reaktion von Chekovs Freundin Sasha auf dieser Raumstation. Gut, Chekovs Methoden waren ein wenig drastisch, aber auch sie hatte nicht im Sinn zu versuchen, die Gruppe zu organisieren und dadurch das Überleben so vieler Kadetten wie möglich zu sichern. Daß Chekov nun alles andere als stolz ist auf seine damaligen Leistungen, ist verständlich, aber der Fatalismus, den er, wie schon weiter oben angesprochen, ausgestrahlt hat, war - sogar für Chekov - ein wenig zuviel des "Guten".

Sulu erzählt vom guten Verhältnis zu seinem Ur-Großvater Tetsuo, der ihm vieles an Lebensweisheit vermittelt hat. Diese Geschichte hat mich am meisten von allen berührt, weil sie am gefühlvollsten geschrieben war und die Zuneigung, die zwischen Sulu und seinem "Poppy" bestanden hat, wirklich spürbar macht. Tetsuo ist 103 Jahre alt und leidet unter einem Gehirntumor. Mit Behandlung kann das Tumorwachstum eingebremst werden, doch diese Therapie fordert ihren Tribut in Form von Nebenwirkungen. Eine Woche nach Sulus Eintritt in die Kommando-Schule der Akademie besucht ihn sein Ur-Großvater und erklärt ihm, daß er seine Behandlung abgebrochen hat, weil sie ihm zwar vielleicht mehr Zeit, aber nicht mehr Lebensqualität gebracht hätte. Er hofft, bei Sulu auf Verständnis zu stoßen, doch dieser ist von seinem Schmerz überwältigt, lehnt weitere Unterhaltungen ab - und verliert somit jede Chance, mit Tetsuo noch einmal zu sprechen. Möglich, daß mich diese Szenen deshalb so bewegt haben, weil ich selbst vor gar nicht so langer Zeit ähnliche Unterhaltungen mit meinem eigenen Vater führen mußte... Einen Tag, nachdem Sulu vom Tod Tetsuos erfährt, ist er nun an der Reihe, den Kobayashi Maru-Test abzulegen. Und er versucht, diese Aufgabe mit Hilfe der ihm beigebrachten Weisheiten zu lösen - zum Mißfallen einiger Mitkadetten. In dieser Geschichte wird auch ein anderes Szenario vorgestellt, in dem die Kadetten die Rollen von den verschiedenen Kräften in der Galaxis übernehmen - auch diese Simulation von Diplomatie fand ich ausgesprochen interessant.

Nur 2 Dinge sind mir ein wenig seltsam vorgekommen während Sulus Erzählung: Erstens finde ich es seltsam, daß man in 200 Jahren immer noch bei einem Glioblastom zu Strahlen- und Chemotherapie greift. Bei den rasanten Fortschritten, die die moderne Medizin macht (gut, dieses Buch wurde vor 11 Jahren veröffentlicht...), mutet es komisch an, daß man immer noch zu diesen Mitteln greift - und wenn man nichts Besseres finden kann, so hätte man das dann immerhin so verbessern können, daß den Patienten nicht noch immer die jetzt bekannten Nebenwirkungen quälen... Der 2. Punkt betrifft das Verhalten von Commodore Coan, als Sulu unabgemeldet am Tage, als er vom Tod Tetsuos hört, zum Pazifikstrand geht und dort bis lange in die Nacht bleibt. Ich finde schon, sie hätte nach einem Warum fragen können, als sie ihn bei seiner Rückkehr niedermacht. Klar, wenn man mal Kommandant eines Raumschiffes ist, kann man es sich kaum mehr leisten, von persönlichen Gefühlen übermannt zu werden, aber Sulu ist hier ein junger Kadett, der im Moment noch keine Kommandolast auf seinen Schultern tragen muß...

Und schließlich erzählt Scotty von seinen Erlebnissen. Von seiner Familie dazu gedrängt, auf die Kommandoschule zu gehen, fühlt er sich dort überhaupt nicht wohl. Er wäre ja lieber Ingenieur geworden - worauf ihn auch einer seiner Ausbilder anspricht. Der Kobayashi Maru-Test bietet ihm die Gelegenheit, diese Schule zu verlassen. Hier finde ich es höchst ungewöhnlich, daß durch den Test noch Scottys Angst, seiner Familie die Wahrheit über seine Berufswünsche mitzuteilen, unterstützt wird. Ich denke, man hätte ihm einfach klipp und klar sagen sollen, daß er selbst für seine Zukunft verantwortlich ist und dementsprechende Entscheidungen zu treffen hat. Damit aber, daß er durch den Test quasi aus der Kommandoschule rausgeflogen ist und zur Ingenieursschule "überwiesen" wurde, ist ja der Konflikt mit seiner Familie nicht ausgestanden. Er selbst wird schließlich immer wissen, was passiert ist. Nein, also da war ich mit der Entscheidung dieses einen Admirals, Scotty zu "helfen", überhaupt nicht einverstanden!

Alles in allem ist "The Kobayashi Maru" aber ein wirklich sehr gutes Buch, das vor allem Sulu und Chekov etwas näher unter die Lupe nimmt. Und gerade deren Geschichten sind es auch, die diesem Roman Leben einhauchen. Jemand, der mehr über diese beiden Charaktere wissen möchte, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


Hinweis:

Es ist auch eine Buchbesprechung zur deutschen Übersetzung dieses Romans verfügbar: Star Trek #53 - Kobayashi Maru.



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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures