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Cover von "Metamorphose"
Star Trek: The Next Generation #12
Metamorphose
(Titel der Originalausgabe: Metamorphosis)
Autor: Jean Lorrah
1992, Heyne (06/4856)
ISBN 3-453-05378-8
366 Seiten

Auf der Party, die auf Captain Louvois' Urteil in der Verhandlung um seinen Rechtsstatus folgt, "fühlt" sich Data unwohl in der Gegenwart seiner menschlichen Freunde, ganz besonders, als Pulaski ein weiteres Mal sein Streben, menschlicher zu werden, in Frage stellt.

Doch bald werden diese Gedanken von einem neuen Auftrag in den Hintergrund gedrängt. Während der Passage eines eigentlich unscheinbaren Raumsektors wird die Enterprise von eigentümlichen Gravitationswellen erfaßt. Diese stören zwar die Funktionen dieses großen Schiffes nicht, bringen aber einige kleinere Schiffe in Gefahr. Als die Enterprise schließlich einen Notruf dieser Schiffe empfängt, ist die Überraschung und auch Freude groß, als sich herausstellt, daß es sich um Darryl Adins Söldnertruppe handelt, die man zuletzt bei der Enttarnung einer orionischen Agentin auf Trevan angetroffen hatte. Picard ordnet an, sie und ihre Shuttles an Bord zu bringen.

Data allerdings hat nicht viel Zeit, sich mit seinen Freunden zu unterhalten, soll doch das Rätsel rund um die Gravitationswellen gelöst werden. Ihr Ursprung wird schließlich in einer Bergregion des Planeten Elysia geortet, der als präindustriell eingestuft ist... und wirklich, auch die Landetrupps finden nichts anderes als niedrig entwickelte Dörfer, deren Bevölkerung allesamt jedoch den Glauben an "Götter" teilt, die in dieser Bergregion wohnen sollen. Drahanna, das Oberhaupt eines dieser Dörfer verkündet dem Außenteam, daß es sich einer Prüfung der Götter unterziehen müsse.

Später dehnt die Enterprise die Erkundigungen auf die Bergregion aus, wobei allein Geordi in der Lage ist, in einiger Höhe eine Höhle zu entdecken. Bevor jedoch noch diese untersucht werden kann, zeigt Datas Tricorder undefinierbare Lebenszeichen an. Die anderen beamen zur Enterprise, damit Data seine Messungen ungestört fortsetzen kann. Bevor er noch weiß, was geschieht, sieht ihn eine der Einheimischen, die mit einem Boot durch die Sümpfe zu dieser Bergregion gefahren ist. Als das Boot droht zu kentern, kann Data die junge Frau gerade noch retten.

Sie stellt sich als Thelia vor, die zusammen mit "Jemandem aus der Fremde" die Prüfung der Götter bestehen möchte. Sollte sie erfolgreich sein, würden ihr die Götter einen Wunsch gewähren. Data hat keine Wahl, als sich Thelia anzuschließen - zumal auch die Götter ihn als ihren Partner auserkoren haben. Nach vielen Prüfungen, bei denen er an die Grenzen seiner Natur als Androide gehen muß, steht er nun vor den Göttern - und, nachdem er sich von Thelia getrennt hat, die ihn zum Abschied auf die Wange küßte und mysteriös meinte, daß dies wohl nicht schaden könne, gewähren sie ihm seinen sehnlichsten Wunsch... Sie verwandeln ihn in einen Menschen aus Fleisch und Blut...

"Metamorphose" beantwortet in ausgezeichnter Art und Weise endlich die Frage, was passiert, wenn Data zu einem Menschen wird. Angesiedelt gleich nach "Measure of a Man", ergibt sich für Data nun die Gelegenheit, nach dem zu suchen, was Louvois seine Seele genannt hat...

Der Beginn dieses Romans konzentriert sich auf die Feier nach Datas Rückkehr von der Gerichtsverhandlung, wo die meisten Crewmitglieder mißtrauisch auf Riker reagieren, und Pulaski Datas Streben nach dem Menschsein in Frage stellt. Wiederum versteht es Lorrah wirklich ausgezeichnet, den inneren Konflikt, der in dem Androiden herrscht, herauszuarbeiten, das Mißverständnis, Menschsein mit dem Besitz einer "Seele" gleichzusetzen.

Dieser Roman bringt auch ein Wiedersehen mit Darryl Adin und seiner Gruppe und schließt auch dahingehend an "Überlebende" an. Diesmal jedoch dienen diese Charaktere mehr als Plotmittel denn als Hauptpersonen. Mit Pris Shenkley verbringt der transformierte Data ein paar nette Stunden, und Dare zeigt die Fragwürdigkeit der Ersten Direktive auf. In diesen Szenen versteht man wieder genau, warum er sich von der Sternenflotte abgewandt hat - und es stellt sich die Frage, ob dieser Befehl nicht ein wenig angepaßt werden sollte.

Hier wird nämlich die Erste Direktive als totales Verbot der Einmischung verstanden, sobald es ein internes Problem gibt und/oder die dabei verwendete Technologie den jeweiligen Planeten in seiner Entwicklung fördert. Daß dies auch für den Einsatz bei Katastrophen oder Epidemien gilt, klingt doch ein wenig hart! Dahingehend ist das Nichteingreifen im samdianischen Sektor ja noch zu verstehen, da es sich um einen internen Konflikt herrscht... Allerdings ist Dares Unfähigkeit, untätig zuzusehen, wie ein Volk abgeschlachtet oder versklavt wird, ebenso verständlich.

Data bringt mit seinem Wunsch die gesamte Galaxis an den Rand der Vernichtung, da nur er - aber als Android - fähig ist, den samdianischen Konflikt zu lösen. Und hier liegt genau das erwähnte Problem seiner Verwandlung, nämlich, daß er den falschen Wunsch ausgesprochen hat. Statt nämlich zu erfahren, was eine Person ausmacht, also was ihn vom Bordcomputer unterscheidet, tauscht er sein Dasein gegen das eines Menschen ein - ohne jedoch der Grundproblematik auf den Grund gehen zu können. Diese Verwandlung wird in weiten Teilen äußerst glaubhaft dargestellt... zumindest anfangs. Mit Fortdauer der Handlung wird Data für meinen Geschmack etwas zu lethargisch und depressiv. Teils ist dies natürlich durch die heimliche Liebe zu Thelia verursacht, doch ganz befriedigt mich diese Erklärung nicht.

Data lamentiert einfach viel zu viel über das, was ihm jetzt als Mensch an Wissen fehlt, statt einfach zu versuchen, rational nachzudenken. Daß ihm erst Geordi auf die Sprünge helfen muß, wie er seine Wissenslücken stopfen kann, ist übertrieben - schließlich schließt das Menschsein nicht logisches Denken aus.

Ganz besonders sagen mir die Passagen über die Prüfung durch die Götter zu. Mir gefallen einfach solche Rätsel und Aufgaben - z.B. hätte "Indiana Jones III" auch nur aus den letzten 20 Minuten bestehen können (*g*)... Letztlich aber verkommen diese rund 70 Seiten aber doch nur als Mittel, um Thelia eine größere Rolle zu geben und somit Datas Rückverwandlung zu erklären. Natürlich war eine halbwegs plausible Erklärung dafür notwendig, Data wieder zum Androiden zu machen, aber irgendwie hätte ich hier doch eine andere als die der unerwiderten Liebe vorgezogen.

Dazu reicht mir die Erklärung des Wesens der elysianischen "Götter" nicht. Meiner Meinung nach wäre es gar nicht schlecht gewesen, hier wirklich undefinierbare Wesen werken zu lassen, anstatt krampfhaft durch irgendwelche Wahrscheinlichkeitstheorien zu versuchen, diese zu erklären. Manches sollte man einfach der Phantasie des Lesers überlassen.

Neben Datas Verwandlung gefällt mir an diesem Roman vor allem die Darstellung der Vorbereitung einer Außenmission. Hier wird versucht, den Planeten Elysia oder später den samdianischen Sektor zuerst zu analysieren, bevor man damit beginnt, irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Dazu kommen neue Charaktere wie Thralen zum Vorschein, die zeigen, daß die Brückencrew doch nicht in allen Bereichen 100%ig bewandert ist.

Dazu erhält man auch einen Einblick in die Arbeitsroutine auf der Brücke. Data muß sich nämlich nach seiner Verwandlung in jedem Bereich des Dienstes requalifizieren - das inkludiert auch einen Test bei Worf in Selbstverteidigung. Zum Glück ist ja Dare an Bord, der ihn hier unterweisen kann...

Oftmals greift Lorrah auf Tasha Yar zurück, die natürlich das Bindeglied zwischen Data und Adins Leuten darstellt. Hier freut es mich besonders, daß zwischen "Überlebende" und "Metamorphose" doch eine Kontinuität aufgebaut ist, die andere Autoren, die mehr als einen Roman für eine Serie schreiben, (leider) nicht einbauen. Hier gelingt dies allerdings wunderbar, ohne den Gesamtkontext zu stören.

Jedenfalls schließt dieses Buch nahtlos an die hohe Qualität von "Überlebende" an - Must-Read!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures