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Cover von "Pathways"
Star Trek: Voyager
Pathways
Autorin: Jeri Taylor
1998, Pocket Books
ISBN 0-671-00346-1 (Hardcover-Ausgabe)
438 Seiten (Hardcover-Ausgabe)

Die Führungsoffiziere der Voyager - mit Ausnahme von Captain Janeway und dem Doktor, aber inklusive Neelix, Seven und Vorik - und einige Sicherheitsleute werden auf einem Planeten abgesetzt, um dort eine Mission zu erledigen, während sich Janeway mit dem Schiff um eine andere Angelegenheit kümmert. Doch kaum sind die Leute auf der Planetenoberfläche angekommen, bemerken sie einen seltsamen Geruch und werden plötzlich ganz schwach. Schließlich verlieren sie sogar komplett das Bewußtsein. Als sie wieder aufwachen, befinden sie sich alle in einem geschlossenen Raum auf einem fremden Schiff. Kurz darauf landet dieses Schiff, ein Tor öffnet sich und die Voyager-Leute werden aufgefordert, über eine Rampe das Schiff zu verlassen.

Wie sich schnell herausstellt, befindet sich die Gruppe nun in einem Gefangenenlager der Subu. Das Leben im Lager ist hart. Nicht nur, daß die Wärter regelmäßig scheinbar grundlos ausschwärmen und Lagerinsassen töten, auch zwischen den Gefangenen selbst kommt es immer wieder zu Kämpfen. Gefördert wird das natürlich unter anderem dadurch, daß die ausgegebenen Essensrationen bei weitem nicht ausreichen, um den Hunger zu stillen.

Für Chakotay und seine Leute ist sofort klar, daß man alles tun wird, um aus dieser schrecklichen Situation zu entkommen. Ein Problem ist, daß man nicht erwarten kann, von der Voyager gefunden zu werden, da man ja mit dem fremden Schiff eine Strecke unbekannter Länge zurückgelegt hat und Janeway samt restlicher Crew möglicherweise keine Möglichkeit hat, den aktuellen Aufenthaltsort ihrer Kollegen herauszufinden. Und so beginnen alle zu überlegen, wie man aus dem Lager flüchten könnte. Schnell kristallisiert sich heraus, daß die einzige Variante, die Chancen auf Erfolg hat, der Bau eines kleinen primitiven Transportersystems ist.

Immer am Abend, nachdem die Essensrationen ausgegeben wurden, sucht die kleine Gruppe von der Voyager nach etwas Zerstreuung, um die schlimme Lage, in die sie geraten ist, für kurze Zeit vergessen zu können. Und so erzählt jeden Abend ein anderes Mitglied der Gruppe die Geschichte seines bzw. ihres bisherigen Lebens...

"Pathways" ist gewissermaßen eine Fortsetzung von "Mosaic". "Mosaic" erzählte mit kleinen Rückblicken in die Vergangenheit das bisherige Leben von Kathryn Janeway, in diesem Buch erfahren wir jetzt alles über das, was die meisten anderen Hauptfiguren gemacht haben, bevor sie mit der Voyager bzw. dem Maquis-Schiff im Delta-Quadranten gelandet sind. Nicht berücksichtigt werden dabei der Doktor und Seven. Zumindest im Fall des Doktors leuchtet das aber ein, da er ja erst während der TV-Serie dauerhaft aktiviert wurde und wir somit seine bisherige Entwicklung größtenteils schon im TV verfolgen konnten. Dafür wird aber auch die Geschichte von Kes erzählt, obwohl diese ja eigentlich nicht bei der Gruppe ist, zumindest nicht in körperlicher Gestalt.

Wem die Inhaltsangabe (oben in dieser Besprechung) nicht gleich zugesagt hat, sollte sich davon keinesfalls abhalten lassen, "Pathways" zu lesen. Die Geschichte rund um die Gefangenschaft in dem Lager ist nur das Instrument, um eine Situation zu schaffen, in der es passend scheint, sich gegenseitig sein bisheriges Leben zu erzählen. Dementsprechend kurz sind die "Lager-Kapitel" auch im Vergleich zu den Rückblenden. Um es selbst vergleichen zu können: Die Rückblenden haben bis zu 60 Seiten, während die Kapitel dazwischen in den meisten Fällen nicht länger als 10 Seiten sind. Man könnte diese "Rahmenkapitel" theoretisch auch gleich weglassen und gar nicht lesen, wenn man sich nur für die Vergangenheit der Charaktere interessiert. Empfehlen möchte ich das aber nicht, da mir auch die Lagergeschichte ganz gut gefallen hat.

Das wirklich Tolle an diesem Buch sind aber natürlich die Rückblenden. Jeri Taylor hat es nach "Mosaic" ein zweites Mal geschafft, ein sehr berührendes Buch zu schreiben, in dem man das Auf und Ab der Charaktere in ihrem bisherigen Leben "hautnah" mitbekommt. Jede der Figuren mußte große Niederlagen verkraften bzw. mit unglaublichen Tragödien fertig werden, und das ist hier so wunderbar einfühlsam beschrieben, daß einem die Tränen kommen können. Von Chakotays erster Tötung, über Tuvoks Marsch durch die große Wüste von Vulkan zum Berg Seleya, bis hin zur Drogensucht von Neelix, nachdem seine gesamte Familie und fast alle Freunde in einem Angriff der Haakonianer getötet wurden, erfährt man alles. Und das ist natürlich noch lange nicht alles. Die 428 Seiten im Hardcover-Format sind wirklich prall gefüllt: Wenig Absätze und kaum vorhandener Zeilenabstand kommen zur an sich schon sehr hohen Seitenzahl noch hinzu.

Dadurch, daß man zB im Fall von Neelix zu Beginn seine Familie und seine Freunde kennenlernt und praktisch seine Kindheit miterleben kann, trifft einen dann das Ende all dieser Personen und des gesamten Lebens auf einem Himmelskörper auch als Leser viel mehr, als wenn man nur dieses eine Ereignis mitbekommen hätte.

Geteilter Meinung kann man wohl darüber sein, ob es gut war, Kes ebenfalls in die Geschichte zu integrieren. Mich hat die Art, wie Jeri Taylor das geschafft hat, aber überhaupt nicht gestört und ich denke, daß die Lebensgeschichte der Ocampa auf jeden Fall gut und interessant genug ist, um in dieses Buch aufgenommen zu werden. Mit hat jedenfalls auch dieser Teil wahnsinnig gut gefallen.

"Pathways" ist ein so gutes Buch, daß es mir völlig unmöglich ist, in dieser Besprechung alle interessanten und positiven Momente anzusprechen. Wer glaubt, die Charaktere durch das Anschauen der TV-Serie und das Lesen anderer Bücher zu kennen, liegt falsch. Erst nachdem man "Pathways" (und natürlich auch "Mosaic") gelesen hat, weiß man wirklich, wie die einzelnen Figuren einzuschätzen sind und wie sie zu dem geworden sind, was man davor schon kannte.

Fazit: "Pathways" ist ein Buch, das den hohen Preis eines Hardcovers auf jeden Fall wert ist. Für mich ist es (wie auch schon "Mosaic") einer der besten Star-Trek-Romane überhaupt. Es ist ein absolutes Must-Read-Buch für jede(n), der sich Voyager gerne ansieht.


© Patrick Ahrer
(patrick@afss.cjb.net)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures