Zurück zur Übersicht "Star Trek: The Next Generation"


Cover von "Q-Squared" Star Trek: The Next Generation
Q-Squared
Autor: Peter David
1995, Pocket Books
ISBN 0-671-89151-0
434 Seiten

Track A

Jack Crushers erste Mission als Captain der Enterprise ist die Aufklärung des Geheimnisses rund um die neu erbaute Raumstation Farpoint Station. Doch mehr als dieses Rätsel plagt ihn das bevorstehende Wiedersehen mit seiner Ex-Frau, Beverly Howard, die als Ärztin auf dem Schiff dienen sollte. So ist er recht dankbar, als sein Erster Offizier und treuer Freund Jean-Luc Picard ihm anbietet, quasi als Vermittler zwischen ihnen beiden tätig zu sein.

In der Zwischenzeit befreit ein junger Klingone namens Worf, dessen Eltern von Romulanern ermordet worden waren und der seitdem auf der Jagd nach allem Romulanischem war, einen Sternenflottenoffizier aus der jahrelangen Gefangenschaft in einer romulanisch-cardassianischen medizinischen Forschungseinrichtung. Nach diesen knapp 7 Jahren ist kaum noch etwas von dem jungen vielversprechenden Lt. Commander William Riker zu erkennnen, der damals seine schwangere Frau Deanna Troi Riker auf Betazed zurückließ. Doch sie und ihr Sohn Tommy haben die Hoffnung nie aufgegeben - zurecht, wie sich nach Worfs Nachricht an sie herausstellt.

Die Enterprise bekommt nun den Auftrag, nach Terminus zu fliegen, wo Riker in die Obhut der Sternenflotte zurückkehren soll. Kurz zuvor kommen Deanna Troi Riker und Tommy Riker an Bord. Picard beginnt in der Zwischenzeit, sich um Crusher Sorgen zu machen, denn dieser hängt alten traurigen Gedanken nach und gibt sich die Schuld für den Tod seines Sohnes Wesley und das nachfolgende Ende seiner Ehe. Auf dem Weg nach Terminus unterbricht eine Energiebarriere den Flug der Enterprise, und ein Wesen namens Trelane bedroht die Mannschaft damit, daß er alle Emotionen der Menschheit kennenlernen möchte - besonders Angst.

Kurz nach diesem Ereignis taucht auf der Krankenstation ein entkräfteter Mann auf, der sich selbst Q nennt und Crusher in die Tiefen der Paralleluniversen einweiht. Er meint, die Q sind dazu da, die Grenzen der verschiedenen Universen aufrecht zu erhalten und daß es einen Punkt gibt, wo diese Grenzen zusammenfallen, genannt "Herz des Sturmes" - wer in dieses Herz hineingerät, verliert unweigerlich den Verstand. Und dies soll mit Trelane geschehen sein. Als Trelane wieder auftaucht, vernichtet er Q - und beginnt, sich bei Crusher einzuschmeicheln...

Track B

Die Enterprise unter dem Kommando von Captain Picard ist gerade auf dem Weg nach Terminus, wo eine weitere Raumanomalie im Entstehen ist. Prof. Martinez, eine Expertin auf dem Gebiet solcher Anomalien, äußert den Verdacht, daß die Anwesenheit der Enterprise die Entstehung solcher Anomalien begünstigt - zumindest hätten ihre Studien ergeben, daß die Enterprise wesentlich häufiger auf Schwarze Löcher, Supernovae etc. treffe als andere Schiffe. Plötzlich erscheinen Q und Trelane, sein "Mündel", das, so bittet Q Picard, von den Menschen einiges lernen könnte. Es stellt sich auch heraus, daß Trelane für sämtliche Anomalien verantwortlich ist, was natürlich Martinez' Aufmerksamkeit erhöht. Doch Trelane besitzt ein unausgeglichenes, jähzorniges Temperament, wodurch Picard schließlich gezwungen ist, ihn von Bord zu weisen. Und daß Q hier auf der Seite Picards ist, ärgert Trelane maßlos. Als er schließlich in den Spiegel in seinem Quartier sieht, sieht er einen selbstbewußten Trelane, der ihn bei den Händen nimmt und durch das Glass zieht...

Als Trelane wieder auf der Enterprise auftaucht, ist nichts mehr übrig von dem unsicheren "Kind" - er verlangt nun von Troi, die Tiefen menschlicher Emotionen zu erfahren. Und als Q versucht, ihn zu stoppen, wird er von Trelane überwältigt. Qs einzige Chance ist es, sich aus dieser Realität zu verabschieden... und er findet sich in der Krankenstation einer anderen Enterprise wieder...

Track C

Der Krieg mit den Klingonen läuft schlecht für die Föderation. Als die Enterprise-C auftaucht, keimt wieder so etwas wie Hoffnung auf, doch es gibt keine Überlebenden auf dem Schiff, und Reparaturen würden zuviel Zeit beanspruchen. Also ist Captain Picard gezwungen, das Schiff zu zerstören - ein Schiff, daß, wenn es Erfolg bei Narendra III gehabt hätte, den gesamten Krieg hätte verhindern können...

Entgleisung

Um sich endlich als Erwachsener beweisen zu können, baut Trelane eine Maschine, mit der er in das Herz des Sturmes hineinkommt. Von den Eindrücken einfach überwältigt, sperrt er das Q-Kontinuum ein und beschließt, die Grenzen zwischen den verschiedenen Paralleluniversen fallen zu lassen... Und nachdem er sich Qs ja entledigt hat, sollte ihm da auch keiner mehr im Wege stehen...


"Q-Squared" ist wohl eines der komplexesten ST-Bücher, bei sovielen Paralleluniversen, die noch dazu alle ein wenig in der Zeit versetzt sind, ist es manchmal ein wenig schwer, nicht den Überblick zu verlieren. Die Hauptgeschichte rund um Trelane und Q ist zwar recht interessant, doch mich interessieren, wie sowieso fast immer, mehr diese "Was wäre wenn"-Geschichten, die hier dargestellt werden.

Track A ist hier wohl der interessanteste, weil neue Abschnitt, den dieser Roman zu bieten hat. Picard kann Crusher auf der Stargazer vor dem Tod retten, dafür versagt er bei der Schlacht von Maxia. Das Schiff wird durch das "Crusher-Manöver" schließlich gerettet, Picard zum Commander degradiert. Dazu gibt's auch noch die Geschichte rund um Wesley, der hier im Alter von 4 Jahren von einem Baum fällt und sich das Genick bricht. Während die Ehe der Crushers daraufhin zu Ende geht, verlieben sich Beverly und Picard ineinander - und erneuern dieses Verhältnis später an Bord der Enterprise. Soweit die Hintergründe, auf denen Trelanes Phantastereien aufbauen. Er spielt nämlich Crusher gegen Picard aus, indem er ihm erzählt, er sei in allen Paralleluniversen der einzige Jack Crusher, in allen anderen gäbe es Picard, Beverly und sogar Wesley. Dazu läßt er Crusher auch die Beziehung zwischen Picard und seiner Ex-Frau entdecken, wodurch er vollkommen auszuckt und den Bezug zur Realität verliert.

Gut, hier muß ich allerdings schon einwenden, daß es nicht logisch ist, daß dieser Jack Crusher der einzige überhaupt sein soll. Wenn es nun auf der Stargazer diese eine Situation gegeben hat, wo Picard Crusher gerade noch retten kann, dann entstehen durch diese eine Entscheidung Picards nach der Theorie 2 Paralleluniversen: eines, wo er Crusher retten konnte, und eines, wo Crusher stirbt. Bei jeder weiteren Entscheidung entstehen aus diesen 2 Universen weitere Paralleluniversen, wobei aber nichts in der enthüllten Geschichte von Track A darauf hin deutet, daß Crusher noch ein weiteres Mal derart in Lebensgefahr gewesen ist. Von mir aus könnte man also noch meinen, er sei eventuell in der Schlacht bei Maxia gestorben, aber dann müßte es ihn aber immer noch in einem Viertel der Universen geben, die durch diese eine Entscheidung, ob Picard Crusher retten kann, entstehen... Ok, zugegeben, so stelle ich mir das vor, keine Ahnung, ob meine Theorien auch irgendeiner Prüfung standhalten würden...

Hochinteressant finde ich neben diesem Dreieck auch die Geschichte rund um Riker, dessen Willen durch Romulaner und Cardassianer beinahe gebrochen wurde (übrigens ist sein letzter Test, bevor ihn Worf befreit, ob er eine Bajoranerin namens Kira töten kann, wenn er dadurch etwas zu essen bekommt...). Der Wunsch seiner Frau, ihm zu helfen, sowie auch die Hilflosigkeit Tommys, daß sein Vater so gar nicht den Idealen entspricht, die er sich vorgestellt hat, waren beinahe fühlbar. Und daß Worf den Tod seiner Eltern rächt, indem er Romulaner abschlachtet, ist an sich auch glaubwürdig - genauso seine Paranoia, in alles und jedem eine romulanische Verschwörung zu wittern. Data ist in diesem Universum ein Mensch mit einem positronischen Gehirn - Soong konstruierte ihn in Zusammenarbeit mit dem Daystrom-Institut - und er unterhält eine Beziehung zu Lt. Yar, was wiederum eine nette Parallele zur Enterprise des "richtigen" Universums ist ("The Naked Now"). La Forge verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in medizinischen Einrichtungen, bis ihm schließlich geklonte Augen eingesetzt wurden - durch diese Erfahrungen entschloß er sich, Krankenpfleger zu werden und ist nun ein Vertrauter von Dr. Howard. All dies sind ausgesprochen interessante Darstellungen, die allesamt im Bereich des Möglichen liegen und daher sehr gut zu lesen sind.

In Track C laufen die Dinge ein wenig anders ab, als sie in "Yesterday's Enterprise" gezeigt wurden. Kam man in der TV-Folge noch zurecht, um wenigstens ein paar Überlebende der Enterprise-C zu retten und schlußendlich das Schiff zurück in die Vergangenheit zu schicken, so ist diesmal ihre Zerstörung das einzige Mittel. Wie auch schon in der Episode spielt auch hier Guinan eine kleinere Rolle, die - diesmal aber umgekehrt - Picard davor warnen will, daß die Enterprise-D nicht mehr dieselbe mit all den Kindern und vor allem dem Klingonen Worf an Bord. Die Situation in diesem Universum scheint ja ziemlich hoffnungslos zu sein, trotzdem kam es mir in "Yesterday's Enterprise" nicht so vor, als ob alle Crewmitglieder alle Vernunft über Bord schmeißen und nur mehr auf die Jagd nach irgendwelchen Klingonen o.ä. gehen könnten. Daher fand ich Picards Reaktion, auf alles und jeden zu schießen, als die Universen schließlich zusammenschmolzen, ein wenig übertrieben.

Trelane hatte ja immer schon ein Vergnügen, die Menschen zu quälen - und besonders das Schiff namens Enterprise hat es ihm angetan, seit er Kirk in "The Squire of Gothos" in die Finger bekam. Für die Q ist er das Äquivalent eines störrischen Kindes, das nicht und nicht erwachsen werden will - deshalb bekommt er Q als Aufpasser, der ihm sozusagen die Pflichten eines Q bekannt machen soll. Gerade Q! Wie man es auch dreht und wendet, so hat er zwar Picard und der Enterprise auch Schaden zugefügt, ihnen aber auch ziemlichen Nutzen erwiesen, als er sie vorzeitig mit den Borg bekannt gemacht hat.  Ich würde ihn also nicht unbedingt als Bösewicht oder Schurken bezeichnen, sondern eher als Landplage. Und Trelane wird schließlich der ewigen Zurechtweisung überdrüssig und beginnt, sich sein eigenes Universum zusammenzuspinnen. Mit seiner Macht, gekoppelt mit dem Wahnsinn, in den ihn das Herz des Sturmes versetzt, ist er sogar fähig, sich der restlichen Q zu entledigen - bis auf einen kleinen Teil von Q, der sich in Galaktische Barriere verkriecht, bis er wieder weiß, wer er ist und was er zu tun hat. Hier gibt's recht interessante Spekulationen, daß die Macht, die Gary Mitchell befallen hat (s. "Where No Man Was Before"), in Wirklichkeit Q war, der hier schon begann, die Menschen zu erforschen, bald aber feststellen mußte, daß die Menschheit mit seiner Kraft nichts anzufangen weiß. Ich finde es bemerkenswert, wie verschiedene Autoren immer wieder zu dieser einen TOS-Folge zurückkehren und spekulieren, was wirklich geschehen ist! (andere Bsp. s. "My Brother's Keeper" und "The Valiant")

"Q-Squared" bietet neben einer recht interessanten Geschichte besonders Einblicke in die Beziehungskisten der verschiedenen Charaktere. Besonders die Begegnungen der Beverly Crushers von B und C mit Jack Crusher sowie die Aufeinandertreffen von Picard B und Jack Crusher oder von Wesley mit Beverly Howard oder seinem Vater stechen hier heraus. Peter David versteht es außerordentlich gut, diese Charaktergeschichten nicht von der komplexen Paralleluniversumsstory überfahren zu lassen, sondern diese eher im Hintergrund spielen zu lassen, sodaß er sich vollkommen auf die Protagonisten konzentrieren kann. Wie (fast) immer gelingt es ihm auch meisterhaft, die verschiedenen Persönlichkeiten 3dimensional erscheinen zu lassen, sodaß hier vor allem Track A und B gleichgestellt nebeneinander stehen. Dadurch nimmt man als Leser nicht nur Anteil an den Reaktionen von den bekannten Beverly Crusher und Captain Picard, sondern auch an Jack Crushers, Beverly Howards und Commander Picards, was die gemeinsamen Szenen umso intensiver erscheinen läßt - und das Ende dieses Dreiecks umso tragischer.

Kurz: "Q-Squared" ist zwar mitunter ein wenig verwirrend, aber nichtsdestotrotz (oder in einigen Momenten gerade deshalb) spannend und fesselnd... Ein Muß für solche, die von "Was wäre wenn"-Geschichten und/oder Q nicht genug bekommen können!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


Zurück zur Übersicht "Star Trek: The Next Generation"

Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures