Buchbesprechung von Patrick Ahrer |
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Star Trek #34 Dreams of the Raven Autorin: Carmen Carter 1987, Pocket Books ISBN 0-671-74356-2 255 Seiten |
Die Enterprise hat eine relativ abgelegene Raumstation angeflogen, die vor allem Handelszwecke erfüllt. Die Grenze zum Territorium der Klingonen ist zwar nicht weit entfernt, aber trotzdem ist es ein recht ruhiges Gebiet, da es von keinerlei strategischem Interesse für irgendjemand ist. Nachdem sich Kirk, Spock und McCoy ein wenig in den Geschäften der Station umgesehen haben, begeben sich Kirk und Spock zu Posten-Managerin Friel.
Obwohl die beiden pünktlich erscheinen, hat es Friel ziemlich eilig, mit ihnen zu sprechen. Man hat nämlich soeben einen Notruf eines Handelsschiffes empfangen. Das Schiff wollte einem anderen Handelsschiff zu Hilfe kommen, das von Klingonen angegriffen wurde. Die Angegriffenen meinten aber, daß es besser wäre, sich nicht selbst zu nähern, sondern lieber Hilfe zu holen. Kirk nimmt Verbindung mit der Enterprise auf und befiehlt Lieutenant Uhura, sofort allen Leuten, die sich im Moment auf der Station befinden, mitzuteilen, daß sie so schnell wie möglich auf das Schiff zurückkehren sollen, damit die Enterprise den Angegriffenen zu Hilfe eilen kann.
Die Enterprise findet auch tatsächlich ein angeschlagenes Schiff. Kirk ist dem Captain schon einmal begegnet und die beiden wechseln über Funk kurz ein paar Worte über das damalige Zusammentreffen. Gerade als einige Shuttles ausgeschwärmt sind, um den Überlebenden an Bord des angeschlagenen Schiffes zu Hilfe zu kommen, entdecken Spocks Sensoren, daß sich auf dem fremden Schiff anscheinend nur andere, unbekannte Lebewesen befinden und nicht das erwartete Händlervolk, dem der Captain, der mit Kirk gesprochen hat, eigentlich angehört. Kirk wittert eine Falle und befiehlt sofort sämtlichen Shuttles, zur Enterprise zurückzukehren.
Und Kirk behält recht. Es war tatsächlich eine Falle. Kaum drehen die Shuttles um, wird die Enterprise auch schon angegriffen. Da das Föderationsschiff die Schilde nicht aktivieren kann, solange noch nicht alle Shuttles zurückgekehrt sind, ist es äußerst verwundbar.
Die Enterprise übersteht diesen Kampf, aber nur hauchdünn. Das Schiff ist schwer beschädigt. So ziemlich alle wichtigen Systeme - wie zB Sensoren und beide Antriebe - können nicht eingesetzt werden. Den Warp-Antrieb hat es besonders schwer getroffen. Er kann nur mehr in einer Starbase repariert werden.
Doktor McCoy hatte während und nach dem Angriff der unbekannten Aliens alle Hände voll zu tun. Eine Notoperation nach der anderen mußte durchgeführt werden. Irgendwann kehrt er dann aber doch in sein Quartier zurück, wo sich alle möglichen Arten von "Papierkram" schon stapeln.
McCoy mag es, echtes Papier zu benutzen, anstatt ständig nur auf Computermonitore zu starren. Deshalb werden ihm zum Beispiel Nachrichten meistens ausgedruckt. Als er in sein Quartier kommt, nimmt er einen solchen Ausdruck zur Hand. Plötzlich ist er noch schlechter gelaunt als zuvor. Noch bevor er den Brief richtig durchliest, zündet er das Blatt Papier an und läßt es vollständig verbrennen. Was in dem Brief stand und von wem er kam, erfahren wir vorerst nicht.
Kurz darauf kommt Spock vorbei, weil er mit dem Doktor eine dienstliche Angelegenheit besprechen möchte. McCoy hat dazu aber überhaupt keine Lust. Unter anderem auch deshalb, weil er in den letzten Minuten schon eine beachtliche Menge an Alkohol zu sich genommen hat.
Die Reparaturen am Schiff machen es notwendig, auch an den Schwerkraftgeneratoren herumzubasteln. Aus diesem Grund warnt Scotty die gesamte Crew durch eine Ansage, die überall auf dem Schiff zu hören ist, vor einer Anpassung der Schwerkraft, die einige Sekunden nach dieser Ankündigung durchgeführt werden soll. Auch in McCoys Quartier ist diese zu hören. Der Doktor spricht aber gerade mit Spock und nimmt die Warnung nicht wahr. Dementsprechend ist er dann, als es so weit ist, auch nicht vorbereitet. Er fällt, zieht sich dabei ein Kopfwunde zu und verliert das Bewußtsein.
Auch in der Krankenstation erwacht McCoy nicht sofort wieder. Er liegt im Koma. Für das übrige Ärzteteam ist es schwer abzuschätzen, wie lange er in diesem Zustand bleiben wird und ob, wenn er wieder aufwacht, Schäden am Gehirn erkennbar werden, die im Moment nicht feststellbar sind. Nach einer Weile wacht McCoy auch tatsächlich wieder auf. Doch seiner Meinung nach liegt er in einem Krankenhaus auf der Erde, nachdem er im Urlaub von einem Pferd gefallen ist. Sämtliche Erinnerungen an die letzten 25 Jahre seines Lebens scheinen ausgelöscht zu sein...
"Dreams of the Raven" ist ein extrem gutes Buch über McCoy, das von Carmen Carter eindeutig mit viel Liebe zu dieser Figur geschrieben wurde. Die ganze Story rund um diese unbekannten und etwas mysteriösen Angreifer ist zwar auch ganz gut, das eigentlich interessante an diesem Roman ist aber eindeutig die Geschichte rund um den Gedächtnisverlust des Doktors und vor allem seine Reaktion und die Reaktion seiner Freunde darauf. Am Ende verbinden sich diese beiden Handlungsfäden aber wieder, sodaß man nicht das Gefühl hat, hier zwei voneinander völlig unabhängige Geschichten zu lesen.
Der McCoy, der auf der Enterprise nach seinem Unfall wieder aufwacht, fühlt sich 25 Jahre jünger und will eigentlich nur ein kleiner Landarzt auf der Erde sein. Er kann nicht glauben, daß er jemals bei Starfleet mitmachen würde. Und schon gar nicht, daß er Chefarzt an Bord eines Schiffes wie der Enterprise werden könnte. Mit der Zeit distanziert er sich ganz bewußt immer mehr von seinem früheren Selbst und spricht von sich selbst - sofern es die letzten 25 Jahre betrifft - in der dritten Person. Er vertritt den Standpunkt, daß das ein anderer McCoy war, der mit ihm nichts mehr zu tun hat. Nachdem er mehr über "seine" Vergangenheit erfahren hat, hat er auch überhaupt kein Interesse mehr daran, seine Erinnerungen an diese Zeit wiederzufinden. Er ist von dem "anderen" McCoy überhaupt nicht begeistert und findet, daß dieser so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man nur falsch machen kann: Er hat Jocelyn geheiratet, sich bald darauf schon wieder von ihr scheiden lassen und sich kaum um seine Tochter Joanna gekümmert. Dann ist er von den Problemen davongelaufen, indem er zu Starfleet gegangen ist.
Auch für die Freunde des Doktors, insbesondere natürlich Kirk (aber auch Spock), ist diese Situation alles andere als angenehm. McCoy verliebt sich in eine seiner Ärztinnen, während er überhaupt kein Interesse an seinen früheren Freunden zeigt. Kirk wünscht sich, daß McCoy wieder zu seinem alten Selbst findet, dieser selbst will aber genau das Gegenteil. Das führt natürlich zu einem recht schwierigen Verhältnis zwischen den beiden. Symolisiert wird das sehr schön, als McCoy in seinem Quartier sämtliche Erinnerungsstücke, die sich auf den Reisen mit der Enterprise angesammelt haben, wegräumt und Kirk diese wieder hervorholt und erzählt, woher sie jeweils stammen.
Fazit: "Dreams of the Raven" ist ein wunderschönes Buch über einen der interessantesten und beliebtesten Star-Trek-Charaktere. Zusammen mit dem ebenfalls extrem guten "Shadows on the Sun" (siehe auch "Schatten auf der Sonne") gehört dieses Buch zum absoluten Pflichtprogramm für alle, die McCoy mögen und mehr über ihn wissen möchten. Für mich war es eindeutig eines der besten Star-Trek-Bücher, die ich bisher gelesen habe.