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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "Dreams of the Raven" Star Trek #34
Dreams of the Raven
Autorin: Carmen Carter
1987, Pocket Books
ISBN 0-671-74356-2
255 Seiten

Ein Handelsposten bittet Kirk und die Enterprise um Hilfe, als ein Notruf über einen klingonischen Angriff in Föderationsraum unweit der Station aufgefangen wird. Als die Enterprise das angegriffene Schiff erreicht, bietet Kirk Hilfe an und sendet einige Shuttles, um Reparaturen durchzuführen bzw. medizinische Unterstützung zu geben. Doch plötzlich setzt sich das Schiff in Bewegung - auf Kollisionskurs mit der Enterprise. Noch bevor alle Shuttles zurück gerufen werden können, aktiviert Kirk die Schilde und kann so die Zerstörung der Enterprise durch diese Kollision verhindern. Doch das Schiff ist nun schwer beschädigt, Reparaturen werden einige Zeit in Anspruch nehmen, und auch dann wird nur der Impulsantrieb einsatzbereit sein - bis dahin sitzt die Enterprise in der Falle.

Während die Techniker also mit den Reparaturen beschäftigt sind, hat McCoy alle Hände voll zu tun, da die Krankenstation vor Patienten überquillt. In einer kurzen Pause geht er in seinem Quartier durch seine Post, wo ihm seine Exfrau mitteilt, daß sie vorhat, wieder zu heiraten. Um sich ein wenig zu entspannen, trinkt McCoy einige Gläschen Alkohol, als Spock ihn aufsucht, um ein neues Datensystem der Krankenstation zu besprechen. Als die Meldung kommt, daß Tests mit dem Gravitationssystem durchgeführt werden, paßt er allerdings nicht auf und stürzt so unglücklich, daß er mit dem Kopf auf die Tischkante stößt.

Nach einer Notoperation und Stunden des Wartens wacht McCoy auf der Krankenstation auf - doch die letzten 25 Jahre sind in seinem Gedächtnis wie ausgelöscht. Kirk muß nun ohne einen seiner wichtigsten Berater auskommen, und McCoy beginnt, den McCoy, der er in den letzten 25 Jahren scheinbar geworden ist, abzulehnen...

"Dreams of the Raven" bietet sowohl ein interessantes Problem mit den Raven als auch eine durchdachte Charakterstudie von McCoy.

Beginnen wir mit den Raven! Was zuerst nach dem typischen ST-Problem "Schiff liegt auf dem Trockenen und jeder rätselt warum" aussieht, gewinnt nach und nach Gestalt. Gekonnt wird hier der Leser im Dunkeln über die wahre Natur des Angreifers gelassen - und dann doch ziemlich überrascht mit der Auflösung. Einige Stellen hier sind relativ brutal für einen ST-Roman, aber das schadet überhaupt nicht, im Gegenteil. Leider aber wird man über das Motiv der Aliens doch nicht aufgeklärt, was wohl damit zusammenhängen könnte, daß diese ganze Auflösung erst in den letzten 50 Seiten stattfindet, was wenig Raum für eine ausführliche Beleuchtung bietet.

Aber hier wurde dem 2. Handlungsstrang mehr Platz eingeräumt - einerseits ein Vorteil, andererseits ein Nachteil. Vorteil dahingehend, daß man McCoy in seiner Amnesie wirklich sehr gut beschreibt, ein Nachteil, weil sich die Aliens schließlich doch fast als der interessantere Teil dieser Geschichte herausstellen...

So wird mir hier McCoys Amnesie ein wenig zu sehr theoretisiert, zu oft werden medizinische Gespräche über Grund und Dauer geführt anstatt daß sich Kirk oder Spock mehr um McCoy kümmern. Klar, angesichts der Situation mit dem Schiff bzw. den Raven ist es für den Captain natürlich viel verlangt, sich auch noch um den Arzt zu kümmern, der das Gedächtnis verloren hat, aber hier wäre doch viel Spielraum für eine Charakterinteraktion gegeben gewesen, den man leider nicht ausgenützt hat. Stattdessen spannt man eine für mich uninteressante junge Ärztin mit ihm zusammen, wo natürlich das Eine zum Anderen führen muß...

Dazu lamentiert McCoy auch zuviel darüber, daß er eigentlich gar nicht der Sternenflotte beitreten wollte, daß ja scheinbar sein Leben total in die falsche Richtung gelaufen ist und daß das jetzt mit seiner 2. Chance sicherlich nicht mehr passieren wird. Natürlich ist es klar, daß es für ihn ein Schock ist, 25 Jahre seines Lebens auf einmal verloren zu haben, ein Leben, das sich scheinbar überhaupt nicht so entwickelt hat, wie er sich das so in seinen jungen Jahren vorgestellt hat. Aber Herumzulamentieren ist eigentlich so gar nicht McCoys Art! Hier wurde zu lange auf der Stelle getreten. Und eine wahre Ursache, warum sich McCoy nicht erinnern kann, dieses Trauma von vor 25 Jahren, das scheinbar seine Erinnerungen blockiert, wurde eigentlich überhaupt nicht aufgelöst - obwohl die schon angesprochenen medizinischen Gespräche so lange darum kreisen.

Insgesamt hätte man sich wohl hier entscheiden müssen, worauf man wert legen will: die Amnesie des Doktors oder die Situation rund um die Raven. Beide Geschichten bieten für sich genommen genügend Stoff für einen Roman, zusammen gespannt allerdings nehmen sie sich gegenseitig etwas die Fahrt. Es wäre gescheiter gewesen, man nimmt irgendeine 08/15-Außengeschichte, wenn man sich auf McCoy konzentrieren will, und läßt Kirk und Spock mit dem Kranken interagieren - oder aber man beschränkt sich auf die üblichen Gespräche und Neckereien auf der Enterprise, will man sein Augenmerk eher auf die Raven lenken und diese näher untersuchen...

Daß trotz dieser Schwächen "Dreams of the Raven" ein wirklich gut zu lesender, spannender Roman geworden ist, spricht für die Stärke beider Geschichten!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures