Buchbesprechung von Patrick Ahrer |
Star
Trek #85
My Brother's Keeper #1 Republic Autor: Michael Jan Friedman 1999, Pocket Books ISBN 0-671-01914-7 267 Seiten |
"Republic" ist das erste Buch der dreiteiligen Classic-Serie "My Brother's Keeper". Michael Jan Friedman, der alle drei Bücher geschrieben hat, läßt Kirk darin erzählen, wie er seinen Freund Gary Mitchell kennengelernt hat und wie sie zu derart engen Freunden wurden.
In den ersten Kapiteln dieses Buches erleben wir noch einmal die Ereignisse aus "Where No Man Has Gone Before" aus Kirks Sicht. Gary Mitchell wird zu einem übermächtigen Wesen, das Kirks langjährigem Freund kaum mehr ähnlich ist. Schließlich ist Kirk gezwungen, Gary zu töten, um sicherzustellen, daß dieser nicht zu einer Gefahr für alles Leben in der Galaxie wird.
Captain Kirk fällt es nicht leicht, darüber hinwegzukommen. Langsam wird ihm bewußt, daß er für den Tod seines besten Freundes verantwortlich ist. Und obwohl er weiß, daß es die einzige richtige Entscheidung war, schafft er es nicht, sich selbst freizusprechen.
Spock, der seinem Captain irgendwie helfen möchte, dem dies aber aufgrund seiner fehlenden Emotionen kaum möglich ist, begibt sich schließlich zu Kirk in dessen Quartier. Er fordert Kirk auf, ihm zu erzählen, wie er und Gary Mitchell zu Freunden wurden. Nach einigem Zögern erzählt Kirk schließlich die Geschichte:
Kirk hatte inzwischen begonnen, als Lieutenant an der Starfleet Academy Geschichte zu unterrichten, als Gary seine Ausbildung dort beginnt. Obwohl Kirk bereits den Rang eines Lieutenants hat, ist auch er noch immer in Ausbildung. Er gilt an der Academy und darüber hinaus als Musterschüler und als einer der heißesten Anwärter auf einen Job als Captain. Während er gerade dabei ist, einen hohen Stoß von Unterlagen in sein neues Büro zu tragen, trifft er zum ersten Mal auf Gary Mitchell. Dieser kann es nicht lassen, sich über Kirk lustig zu machen. Da dieser sich noch sehr gut daran erinnern kann, wie sich in den Jahren zuvor Finnegan über ihn lustig gemacht hat, reagiert Kirk darauf alles andere als freundlich. Er informiert Mitchell darüber, daß er sich in den Geschichte-Stunden besonders aufmerksam um ihn kümmern wird. Als ihn Mitchell darauf aufmerksam macht, daß er einem anderen Geschichte-Vortragenden zugewiesen wurde, meint Kirk, daß er dafür sorgen wird, daß Gary seine Klasse besuchen darf.
In der Folge haben Kirk und Mitchell allerlei Probleme miteinander. Dennoch lernen sie sich langsam besser kennen und werden auf gewisse Art und Weise zu Freunden. Alle kleinen Schritte hier aufzuzählen, wäre wohl wenig sinnvoll und würde auch einiges an Lesespaß zerstören. Deshalb verzichte ich darauf.
Schließlich gehen die beiden gemeinsam an Bord der Republic, um auf diesem Schiff, das oft zum Training für Kadetten eingesetzt wird, praktische Erfahrungen zu sammeln. Ursprünglich sollte das Schiff mit den Kadetten an Bord Routine-Aufgaben erledigen, doch da kein anderes Schiff zur Verfügung steht, wird die Republic zum Planeten Heir'tza geschickt, um dort bei Friedensverhandlungen zwischen zwei lange verfeindeten Gruppen die Föderation zu repräsentieren und den Sicherheitsorganen zu assistieren.
Obwohl ich hier jetzt noch mehr erzählen und so die Spannung erhöhen könnte, habe ich mich dafür entschieden, es nicht zu tun. Ich möchte einfach nicht zu viel verraten.
Dieser erste Teil von "My Brother's Keeper" ist ein großartiges Buch für alle Classic-Fans und macht Lust auf mehr. Michael Jan Friedman beweist, daß er wirklich Ahnung von Star Trek hat. Er nutzt die Tatsache, daß wir bisher recht wenig über Gary Mitchell und Kirks Beziehung zu ihm wußten, um hier eine Lücke in der Star-Trek-Geschichte und vor allem in der persönlichen Geschichte von James T. Kirk zu füllen. Schon nach dem Lesen dieses ersten Buches, wird deutlich, was in der Serie nur angedeutet wurde bzw. aufgrund des begrenzten Zeitrahmens nur angedeutet werden konnte: Mitchells Tod ist für Kirk weit mehr als der Tod eines von vielen Freunden. Mitchell war Kirks engster und teilweise einziger Freund und gleichzeitig auch sein Lehrer, obwohl das offizielle Verhältnis zwischen den beiden eher umgekehrt war.
Die Ungereimtheit aus der Serie, daß Kirk noch während seiner Ausbildung an der Academy zum Lieutenant befördert wurde, wird von Friedman nicht übersehen. In "Republic" wird damit sehr gut umgegangen. Die "Star Trek Chronology" widmet dieser Tatsache einen eigenen Absatz (in der Ausgabe vom November 1996 auf Seite 43) und meint darin, daß es auch heute schon in seltenen Fällen möglich ist, daß man während der Ausbildung an einer amerikanischen Militär-Schule zum Ensign wird.
Schön ist auch, daß Friedman nicht vergißt, Kirks Gegenspieler Finnegan zu erwähnen. Ebenfalls sehr gut eingebaut wurde die in "Court Martial" bekannt gewordene Geschichte, daß Kirk bei einem früheren Einsatz auf der Republic seinen Freund Ben Finney gemeldet hat, weil dieser aufgrund einer Unachtsamkeit - die nur Kirk bemerkt hat - die Sicherheit des gesamten Schiffes gefährdet hat.
Würde dieses Buch zur "offiziellen" ST-Geschichte zählen, würde es zahlreiche Lücken ausfüllen und Unklarheiten beseitigen. Während Autoren bei anderen Büchern schlampig sind oder bewußt bekannte Dinge ignorieren, um ihre Geschichte erzählen zu können, kann man sich beim Lesen dieses Buches an den vielen kleinen Details erfreuen, die auf wirklich gute Art und Weise - nichts wirkt irgendwie konstruiert - in die Geschichte integriert wurden. Classic-Fans sollten dieses Buch daher auf keinen Fall auslassen.
Negativ zu vermerken ist eigentlich nur die Kleinigkeit, daß es am Beginn der Geschichte so dargestellt wird, als hätten Spock und die Vulkanier allgemein keine Gefühle. Schließlich ist bekannt, daß sie sehr wohl Gefühle haben, diese jedoch unterdrücken und nicht zeigen.