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Cover von "Section 31 #2 - Rogue" Star Trek: The Next Generation
Section 31 #2
Rogue
Autoren: Andy Mangels und Michael A. Martin
2001, Pocket Books
ISBN 0-671-77477-8
362 Seiten

Der Planet Chiaros IV ist der einzige von intelligenten Wesen bewohnte und bewohnbare Planet in einem riesigen Raumgebiet, das an die Territorien der Föderation und der Romulaner angrenzt. Für diese beiden Großmächte heißt das, daß derjenige dieses große Gebiet seinem Territorium hinzufügen kann, der Chiaros IV in seinen Verband aufnimmt.

Bisher hat sich jedoch trotzdem kaum jemand für diesen Teil der Galaxie interessiert. Der Grund dafür ist ganz einfach, daß er nichts, was für irgendeine der Mächte interessant sein könnte, zu enthalten scheint. Nicht einmal Chiaros IV selbst ist besonders interessant. Auf einer Hälfte des Planeten ist ständig Tag, auf der anderen ständig Nacht. Vernünftig bewohnbar ist somit nur ein Streifen entlang der Grenze zwischen diesen beiden Zonen. Und selbst dort ist das Leben dank ständiger atmosphärischer Turbulenzen durch Unannehmlichkeiten gekennzeichnet. Zum Beispiel ist eine Kommunikation mit Raumschiffen nur durch eine Art Relay möglich, das im Orbit positioniert und mit Hilfe von Kabeln mit der Planetenoberfläche verbunden ist.

Doch plötzlich hat es sich mit dem mangelnden Interesse an der Gegend aufgehört. Sowohl die Föderation, als auch die Romulaner haben Kontakt mit den Chiarosanern aufgenommen und bemühen sich, sie für sich zu gewinnen. Die Föderation macht das offen mit offiziellen Kontakten mit der gewählten Regierung, die Romulaner etwas "subtiler", indem sie offenbar bis zu einem gewissen Punkt eine Rebellengruppe - die "Army of Light" - auf Chiaros IV unterstützen. In wenigen Tagen soll jedenfalls eine Volksabstimmung darüber abgehalten werden, ob der Planet der UFP beitritt oder nicht. Ein "Nein"-Ergebnis würde man wohl allgemein als Votum zugunsten der Romulaner verstehen. Doch die Sorge, daß es auch wirklich zu einem solchen "Nein" kommen könnte, sind eher gering. Einerseits unterstützt die Regierung der Chiarosaner den Beitritt zur Föderation, andererseits zeigen auch sämtliche Meinungsumfragen eine klare Mehrheit für die Befürworter eines Zusammengehens mit der UFP.

Um bis zur Abstimmung in Kontakt mit dem Planeten bleiben zu können, hat Starfleet die U.S.S. Slayton losgeschickt. An Bord ist auch Captain Picards alter Bekannter Commander Cortin Zweller. (Wir kennen Zweller aus der TNG-Episode "Tapestry". Er ist einer der beiden von Picards Akademie-Kollegen, mit denen gemeinsam sich dieser eine Schlägerei mit Nausicaanern geliefert hat.)

Zweller fliegt zusammen mit einigen weiteren Crew-Mitgliedern der Slayton mit einem Shuttle in Richtung Planetenoberfläche, um sich dort mit Vertretern der Chiarosaner zu treffen. Ein Hinunterbeamen wäre angesichts der speziellen natürlichen Verhältnisse auf und rund um den Planeten völlig unmöglich. Doch das Away Team erreicht sein Ziel nicht wie geplant. Auf dem Weg werden sie von kleinen Schiffen der regierungsfeindlichen "Army of Light" abgefangen und zu einem anderen Ziel gezwungen: In eine versteckte Basis der Rebellen. Die Mitglieder des Außenteams lernen dort erst einmal den Anführer der Gruppe kennen und werden anschließend einzeln in Zellen verfrachtet.

Aber ein Mitglied des Teams erhält eine etwas andere Behandlung, sobald er vom Rest der Slayton-Crewmitglieder getrennt wurde: Zweller wird nämlich zum obersten Kommandanten des romulanischen Tal Shiar gebracht und scheint darüber weder überrascht, noch besonders unglücklich zu sein. Ganz im Gegenteil: Zweller ist ein Agent der Section 31 und sein Zusammentreffen mit dem romulanischen Geheimdienstchef war längst geplant. Denn Section 31 will alles dafür tun, daß Chiaros IV sich *nicht* für die Föderation entscheidet.

Der Slayton ist es im Raum rund um den Planeten inzwischen nicht sehr gut ergangen. Beim Versuch, ein seltsames Raumphänomen zu untersuchen, wurde das Schiff zerstört, was das Away Team auf dem Boden aber nicht mitbekommen hat.

Starfleet schickt schließlich die Enterprise hinterher, die für diese Reise auch den Botschafter Aubin Tabor, einen Ullianer (siehe die TNG-Episode "Violations"), und Admiral Marta Batanides an Bord nimmt. Tabor ist, wie sich schnell herausstellt, ebenfalls ein Mitglied von Section 31, der somit natürlich das gleiche Ziel verfolgt wie Zweller. Batanides, Mitglied des offiziellen Starfleet-Geheimdienstes ist das dritte Mitglied des Trios, das sich auf der Starbase Earhart mit den Nausicaanern geprügelt hat (siehe oben) und somit ebenfalls eine alte Bekannte von Picard. Sie und Tabor sind ein Paar, was Picard doch ein wenig irritiert.

Während der Reise nach Chiaros IV muß Tabor noch einen Agenten für Section 31 gewinnen. Drei Crewmitglieder der Enterprise sind beim Aussortieren übriggeblieben, zwischen denen er sich nun entscheiden muß. Tabor wählt schließlich Lieutenant Hawk und spricht diesen vorsichtig darauf an.

Nachdem in "Shadow" ja kaum neue Informationen über Section 31 enthalten waren, widmet sich dieser Roman voll und ganz dieser geheimen Sektion des Starfleet-Geheimdienstes. Wir lernen Agenten kennen, wir erfahren etwas mehr über ihre Methoden, und der Konflikt zwischen den hochgehaltenen Idealen der Föderation und dem Handeln von Section 31 wird diskutiert. Diese ganze Sache zieht sich von Anfang bis Ende durch diese recht gute Geschichte.

Etwas fragwürdig erscheint mir jedoch, wie verhältnismäßig offen hier in "Rogue" mit der Geheimhaltung von Section 31 als ganzes umgegangen wird. Nach dem Lesen dieses Buches habe ich jetzt irgendwie das Gefühl, daß so ziemlich die ganze Mannschaft der Enterprise um die Existenz dieser "Top Secret"-Organisation weiß. Natürlich ist dieses Gefühl bei weitem übertrieben, aber Zweller - und ein wenig auch Aubin Tabor - sind meiner Meinung nach viel zu offen zu ihren jeweiligen Gesprächspartnern gewesen. Sie haben zwar in keiner Situation von sich aus das Thema angeschnitten, aber insbesondere Zweller hat häufig viel mehr erzählt, als unbedingt notwendig gewesen wäre, wenn er (hauptsächlich von Picard und Batanides) darauf angesprochen wurde. Nicht, daß ich mit den Methoden der Section 31 oder der Existenz dieser Organisation allgemein besonders viel Freude hätte, aber aus Sicht ihrer Mitglieder war einiges hier meiner Meinung nach völlig unverantwortlich. Hätte ich die entsprechenden Entscheidungen treffen müssen, hätte ich Zweller tatsächlich vor ein Gericht gestellt, ihn als Einzeltäter verurteilt, ihn "offiziell" eingesperrt und dann geheim wieder freigelassen, ihm eine neue Identität verpaßt und weiterarbeiten lassen. So hätte sich niemand völlig sicher sein können, daß Section 31 tatsächlich existiert, und es wäre gar nicht erst nötig, ihre Existenz abzustreiten. Insgesamt wurde jedenfalls viel zu leichtfertig damit umgegangen, daß nach dieser Mission einige Leute von dem Geheimdienst wissen und dieses Wissen auch behalten und weitergeben können.

Wie schon angedeutet, ich persönlich fände es gut, wenn die Section 31 auffliegt, aber es ist einfach unglaubwürdig wie stümperhaft hier in manchen Situationen mit der Geheimhaltung umgegangen wurde. Und auch davon abgesehen halte ich es für völlig untragbar, ein riesiges Raumgebiet den Romulanern zu überlassen, um dafür einen Chip mit Informationen zu bekommen, die mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit nur von sehr eingeschränkter Nützlichkeit sind, zumal die Romulaner jede Möglichkeit haben, völlig falsche Daten zu liefern.

Bevor wir dann zu den zahlreichen positiven Aspekten des Buches kommen, möchte ich noch einen weiteren klitzekleinen Negativpunkt anbringen: Wieder einmal ist hier das ganze Universum in Gefahr. Dieses unfaßbar große Bedrohungsszenario wird von vielen Autoren immer wieder eingesetzt, weil sie damit offenbar die Geschichte ganz besonders spannend machen möchten. Schön langsam wird das für mich als Leser aber ziemlich langweilig und vor allem völlig unrealistisch. Eine solche Bedrohung ist im großen und ganzen sowieso viel zu groß, um in so einer Geschichte angemessen damit umgehen zu können. Meiner Meinung nach wird eine Story viel spannender und dramatischer, wenn man ein nicht ganz so allumfassendes Bedrohungsbild aufbaut, das dafür aber ein "Gesicht" hat. Ein Beispiel dafür ist etwa die Auslöschung einer ganzen Zivilisation, die man zuvor etwas näher kennen und schätzen lernen konnte. Oder aber auch "nur" die Gefahr für einige wenige Individuen, die einem im laufe der Geschichte ans Herz gewachsen sind. In einer solche Situation fühlt man dann mit, womit die ganze Sache tatsächlich an Intensität gewinnt. Das ist jetzt nichts, das ich speziell diesem Buch ankreide, aber da es hier auch wieder vorgekommen ist, wollte ich das an dieser Stelle einmal loswerden.

Nun wenden wir uns aber endgültig den sehr positiven Elementen von "Rogue" zu. Andernfalls würde ich dieser Geschichte von Andy Mangels und Michael A. Martin nämlich unrecht tun. Die Story in diesem Buch ist ordentlich spannend, gut und dicht erzählt und bringt zahlreiche sehr interessante Elemente ein.

Da ist zum Beispiel Lieutenant Hawk, der in diesem Buch eine sehr große Rolle hat. Im Kinofilm "First Contact" erfuhr man über ihn ja nicht wirklich viel, obwohl er dort als ein reguläres Mitglied der Brückenmannschaft der Enterprise-E zu sehen war. Dieses Buch füllt nun diese Lücke hervorragend aus. Wir erfahren unter anderem, daß er mit einem nicht vereinigten Trill, der ebenfalls zur Crew der Enterprise gehört, zusammen ist und auch mit ihm gemeinsam ein Quartier auf dem Schiff bewohnt. Dazu gibt es auch noch viele Informationen über seine Herkunft vom Mars, wir lernen seine Eltern kurz kennen und überhaupt kommt seine gesamte Persönlichkeit hier sehr gut zur Geltung. Dies gelingt vor allem auch durch die kurzen Abschnitte ganz am Anfang und ganz am Ende des Buches, die unmittelbar nach den Ereignissen aus "Star Trek: First Contact" (dt.: "Star Trek: Der erste Kontakt") spielen. (Die eigentliche Geschichte von "Rogue" spielt ein paar Monate vor diesen Ereignissen.)

Ein sehr interessantes Element ist auch das Wiedersehen der drei ehemaligen Kollegen Picard, Zweller und Batanides. Vor allem die Differenzen, die zwischen Picard und Batanides auf der einen Seite, und Zweller auf der anderen Seite, entstehen, machen diesen Aspekt besonders beachtenswert. Ich hätte es zwar sehr gut gefunden, wenn sich die Autoren noch etwas mehr um diese Sache gekümmert hätten, als das tatsächlich der Fall war, gut gefallen hat mir das aber trotzdem.

Sehr positiv ist der ordentliche Umfang dieses Buches. Über 360 dicht bedruckte Seiten sind zur Abwechslung wieder einmal eine gute Sache. Wäre dieses Buch nicht schon Teil der "Section 31"-Reihe, wäre die Chance, daß es - wie so viele andere in letzter Zeit - auf zwei Teile aufgeteilt worden wäre, wohl ziemlich groß gewesen.

Ein weiterer kleiner Pluspunkt für "Rogue" ist die Anspielung auf Andrew J. Robinsons DS9-Roman "A Stitch in Time" im letzten Kapitel vor dem Epilog. Ich meine jedenfalls in der Erwähnung eines cardassianischen Gärtners in der romulanischen Botschaft eine solche erkannt zu haben.

Fazit: "Rogue" ist ein sehr spannendes und gutes Buch, daß sich deutlich mehr als "Shadow" mit der Section 31 beschäftigt. Es hat zwar auch einige negative Seiten, die ich oben genannt habe, diese waren aber bei weitem nicht groß genug, um mir den Spaß daran zu verderben.

© Patrick Ahrer
(patrick@afss.cjb.net)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures