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Star Trek #35 (Rihannsu #2) The Romulan Way Autoren: Diane Duane und Peter Morwood 1987, Pocket Books ISBN 0-7434-0370-3 254 Seiten (Neuauflage 2000!) |
Arrhae ir-Mnaeha t'Khellian ist "Hru'hfe" (= Chefin des gesamten Personals) im Haus von H'daen tr'Khellian. Er ist ein Prätor mittleren Alters, der diese Position und einen gewissen Wohlstand geerbt hat. Sein Einfluß auf die Politik der Rihannsu ist aber sehr begrenzt. Er versucht zwar schon seit sehr langer Zeit immer wieder, zu mächtigen Freunden zu kommen, um auf diese Weise seine Bedeutung im Reich zu vergrößern, aber es gelingt ihm einfach nicht. Man verhält sich ihm gegenüber zwar angemessen, aber das war's dann auch. Doch eines Tages ist tr'Khellian plötzlich sehr aufgeregt. Anscheinend haben sich wichtige Gäste angesagt. Arrhae bekommt den Auftrag, für den Abend ein ganz besonderes Festessen vorzubereiten. Dazu fliegt sie zusammen mit dem Chefkoch des Hauses in die nahe Stadt i'Ramnau, um dort alles dafür Notwendige einzukaufen.
Am Abend, als alles bereits vorbereitet ist und tr'Khellian bereits ungeduldig auf seine Gäste wartet, tut sich jedoch vorerst nichts. Die Gäste kommen nicht, was tr'Khellian als besonders große Beleidigung auffassen muß. Aber kurz bevor alle die Hoffnung endgültig aufgeben, tut sich doch noch etwas. In der Türen stehen Commander t'Radaik und Subcommander tr'Annhwi - die erwarteten Gäste. Das große Festmahl scheint aber nicht das Hauptinteresse der Besucher zu sein. T'Radaik, von der Arrhae von Beginn an vermutet hat, daß sie für den imperialen Geheimdienst arbeitet, beginnt damit, im Haus nach sicheren, von außen versperrbaren Räumen zu suchen. Die Gästezimmer erfüllen alle nicht diese Anforderung und so bekommt Arrhae schließlich den Auftrag, einen Lagerraum für einen "Gast" vorzubereiten. Das Hauspersonal (inkl. der Hru'hfe) staunt nicht schlecht, als kurz darauf ein Mensch - von Soldaten bewacht - ins Haus kommt. Noch mehr Verwunderung wird ausgelöst, als der Mensch sich vorstellt: Er ist Commander in Starfleet und sein Name ist Leonard E. McCoy.
Nach diesem Knalleffekt geht es erst einmal für ein Kapitel weit in die Vergangenheit. Hier erfahren wir mehr über die Vulkanier unmittelbar bevor ein Teil von ihnen aufgebrochen ist, um eine neue Heimat zu suchen und dort ihren eigenen "way of life" bewahren zu können. Das ist jene Gruppe, die später zu den Rihannsu wurde. Ihr Anführer war Suraks Schüler S'task.
Im 3. Kapitel erleben wir dann aus der Sicht von Dr. McCoy, wie er in H'daen tr'Khellians Haus auf ch'Rihan gelandet ist. Er war an Bord eines zivilen Luxus-Starliners auf dem Weg zur brandneuen Zeta-Reticuli-Orbital-Forschungseinrichtung, wo er eine Art Eröffnungsinspektion durchführen soll. Auf dem Weg dorthin wird das Schiff jedoch von Romulanern angegriffen. Der Kommandant des romulanischen Schiffes scheint insbesondere an der Passagier-Liste sehr interessiert zu sein. Und da besonders an den Namen, die mit K, M oder S beginnen. McCoy wird schnell klar, nach wem hier gesucht wird und es scheint ihm gar nicht so extrem viel auszumachen. Man bekommt eher den Eindruck, daß er sogar damit gerechnet hat. Um der Crew und den anderen Passagieren des Starliners weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen, gibt sich McCoy dem romulanischen Kommandanten zu erkennen. Dieser ist hocherfreut darüber, einen der meistgesuchten Kriegsverbrecher eingefangen zu haben. Das zivile Schiff läßt er aber trotzdem nicht in Ruhe. Er beschließt, es nach ch'Rihan zu schleppen und dort näher zu untersuchen. Und so landet McCoy schließlich auf einem der beiden "Heimatplanten" der Rihannsu und in H'daen tr'Khellians Haus.
Nachdem er gerade erst in diesem Haus angekommen ist und einem großen Teil des Personals, das ihn ungläubig anstarrt, gegenübersteht, macht er einige ganz besondere Bewegungen, die für uneingeweihte Personen ganz normal aussehen, für Agenten des Starfleet-Geheimdienstes aber ein Signal sind, sich - mit einem ähnlichen Signal - zu erkennen zu geben. Und tatsächlich: Eine der ihn anstarrenden Personen scheint darauf zu reagieren. Bei Hru'hfe Arrhae entdeckt McCoy eine "verdächtige" Bewegung, die jedoch nicht korrekt zu Ende geführt wird. Es hätte auch nur ein nervöses Zucken sein können.
Nach dieser Begegnung ist Arrhae total durcheinander. Unaufhaltsam steigen in ihr Erinnerungen an ein früheres Leben auf. Ihr Name war Terise Haleakala-LoBrutto, eine Terranerin...
"The Romulan Way" ist ein fantastisches Buch, das es sogar schafft, das extrem gute "My Enemy, My Ally" noch zu übertreffen. Dieses Buch kombiniert eine spannende und auch sonst extrem gute Story mit einer Art Aufsatz über die Geschichte der Rihannsu. Die Story und der Aufsatz wechseln sich dabei jeweils kapitelweise ab. Nur ganz am Ende des Buches konzentriert es sich dann ganz auf die Geschichte rund um Arrhae und McCoy.
Dieses Buch ist aus vielen Gründen sehr ungewöhnlich (im positiven Sinn): Daß es auch eine Art Geschichtsbuch über die Rihannsu ist, habe ich ja schon erwähnt. Diese Kapitel beschreiben mit sehr vielen Details und sehr nachvollziehbar die Entwicklung der Rihannsu. Das beginnt zu einer Zeit, in der sie noch Vulkanier waren, und geht bis in die Gegenwart der in diesem Buch erzählten Geschichte. Während man diese Geschichte eines Volkes, über das man bisher relativ wenig wußte, liest, beginnt man immer mehr, dieses Volk zu verstehen. Es erscheint plötzlich verständlich, warum die Rihannsu nach dem ersten Kontakt mit den Menschen gleich einen Krieg mit ihnen begonnen haben usw.
Ungewöhnlich ist auch, daß man (wie teilweise auch schon in "My Enemy, My Ally") den Großteil der Geschichte aus der Sicht von Rihannsu mitbekommt. Das trägt natürlich ebenfalls sehr stark zum besseren Verständnis dieses Volkes bei.
Eher selten ist es auch, daß die bekannte Crew der Enterprise in einem Buch der Classic-Reihe praktisch nicht vorkommt. Außer einigen wenigen Erwähnungen der Enterprise und der Namen von Kirk und Spock findet man hier gar nichts. Die große Ausnahme ist natürlich McCoy, der ja eine Hauptrolle in der Geschichte spielt. Ich halte das für sehr positiv, da so der zur Verfügung stehende Platz dafür genutzt werden konnte, sich voll und ganz mit den Rihannsu und ihrer Geschichte zu beschäftigen.
Gastauftritte haben in "The Romulan Way" Horta Naraht, der inzwischen befördert wurde, und die übriggebliebene Crew der Bloodwing (inkl. Ael), die wir in "My Enemy, My Ally" kennengelernt haben. Ael und ihre Leute greifen ganz am Ende der Geschichte in das Geschehen ein. Die Kommandantin, die von vielen auf ch'Rihan und ch'Havran als Verräterin gesehen wird, führt dabei eine äußerst bedeutende symbolische Handlung aus, indem sie das berühmte S'harien-Schwert vom leeren Stuhl der Kammer des romulanischen Senats nimmt und auf die Bloodwing mitnimmt. Wer den geschichtlichen Teil von "The Romulan Way" gelesen hat, versteht, was das für die Rihannsu bedeutet. Das berühmte und uralte Schwert liegt seit Jahrtausenden an dieser Stelle und hat eine ganz besondere Symbolik. Warum ich das hier extra erwähne? Weil Aels Handeln am Ende dieses Buches sehr stark darauf hindeutet, daß das nicht das Ende der Geschichte ist. Und die Titel der beiden neuen Rihannsu-Bücher, die mehr als 13 Jahre nach "The Romulan Way" erscheinen werden ("Swordhunt" und "Honor Blade"), ebenfalls andeuten, daß darin an dieser Stelle angeknüpft wird.
Der Name unseres Doktors oben in der Inhaltsangabe - "Leonard E. McCoy" - ist übrigens kein Tippfehler von mir. In diesem Buch heißt er tatsächlich so, obwohl sein Name im "offiziellen" Star-Trek-Universum natürlich "Leonard H. McCoy" ist. Überhaupt widerspricht das Buch einigen Fakten, die in den neuen Star-Trek-TV-Serien (ab "Star Trek: The Next Generation") und den neueren Kinofilmen etabliert wurden. Das ist aber nur logisch, wenn man bedenkt, daß "The Romulan Way" im August 1987 zum ersten Mal erschienen ist. Mich stört das kaum, denn wenn man die Rihannsu und ihre Gesellschaft, wie sie in diesem Buch beschrieben und erklärt werden, betrachtet, dann ist das viel faszinierender als alles, was auf den Bildschirmen und Leinwänden je zu sehen war. Das war zwar teilweise auch sehr gut, aber die Rihannsu-Bücher schlagen einfach alles.
Ganz hinten in diesem Buch findet man noch einen kleinen Glossar, der einige romulanische Begriffe, die im Buch verwendet werden, übersetzt und erklärt. Meiner Meinung nach ist das eine nette kleine Zugabe.
Fazit: "The Romulan Way" ist einer dieser Star-Trek-Romane, die auf herausragende Art und Weise eines der in den Serien vorgestellten Völker beleuchten. John M. Ford hat das in "The Final Reflection" (Star Trek #16) mit den Klingonen gemacht und Andrew J. Robinson hat mit "A Stitch in Time" (Star Trek: Deep Space Nine #27) ein wundervolles Buch über die Cardassianer geschrieben. Diane Duane und Peter Morwood haben das mit "The Romulan Way" bei den Romulanern geschafft. Ein Buch, das wirklich niemand verpassen sollte.