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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "Saratoga" Star Trek: Deep Space Nine #18
Saratoga
Autor: Michael Jan Friedman
1996, Pocket Books
ISBN: 0-671-56897-3
275 Seiten

In der Utopia Planitia Schiffswerft ist soeben eine brandneue U.S.S. Saratoga fertiggestellt worden. Die wenigen Überlebenden der Crew der alten Saratoga, die bekanntlich in der Schlacht mit den Borg bei Wolf 359 zerstört wurde, - unter ihnen natürlich auch Captain Sisko - sind nun eingeladen, bei der Taufe des neuen Schiffes mit der Registry NCC-31911-A zugegen zu sein. Deshalb trifft jetzt eine(r) nach dem/der anderen auf Deep Space Nine ein. Von dort aus soll die alte Crew dann gemeinsam mit der U.S.S. Defiant Richtung Utopia Plantia Schiffswerft aufbrechen.

Obwohl das für Sisko ein Wiedersehen mit alten Kollegen und guten Freunden bedeutet, ist er nicht ganz glücklich über dieses Ereignis. Schließlich hat es lange gedauert, bis er so halbwegs darüber hinweggekommen ist, daß seine Frau Jennifer bei der letzten Schlacht der alten Saratoga gestorben ist. Dieses Zusammentreffen erinnert ihn nun wieder schmerzhaft an die damaligen Geschehnisse.

Unterdessen wird Major Kira von einem alten Bekannten auf Bajor kontaktiert. Dessen Heimatstadt droht eine Flut, wenn einige alte Pumpen, die von den Cardassianern während der Zeit der Besetzung errichtet wurden, voraussichtlich demnächst ihren Geist aufgeben. Zur Reparatur bräuchte man unbedingt einige Ersatzteile, die momentan nicht leicht und schon gar nicht billig zu bekommen sind. Ein für seine nicht immer ganz legalen Vorgangsweisen bekannter Händler namens Fel Jangor hat zwar die dringend benötigten Ersatzteile, will aber keinesfalls zu einem Preis verkaufen, den die Bajoraner bezahlen könnten. Deshalb bittet man nun Kira um Hilfe.

Kira geht daraufhin zu Quark, dem Fel Jangor schon seit einiger Zeit einen Gefallen schuldet. Sie "bittet" ihn äußerst nachdrücklich, diesen Gefallen jetzt einzufordern und die Teile halbwegs billig für die Bajoraner zu erwerben. Der Ferengi ist darüber natürlich alles andere als glücklich. Er erkennt aber, daß er angesichts Kiras Art ihn darum zu "bitten" keine andere Wahl hat, und stimmt deshalb zu.

Doch noch bevor Quark zu den Verhandlungen mit Fel Jangor aufbrechen kann, wird er plötzlich krank. Dr. Bashir diagnostiziert eine Krankheit, die bei fast allen Ferengi einmal im Kindesalter und dann nie wieder auftritt. Rom erzählt, daß Quark diese Krankheit als Kind nie bekommen hat, weshalb er sie jetzt als Erwachsener durchmachen muß. Da diese Krankheit für erwachsene Ferengi alles andere als ungefährlich ist, besteht Dr. Bashir darauf, daß Quark unter keinen Umständen die Krankenstation verlassen darf. Für Kira bedeutet das, daß sie sich nun überlegen muß, wie sie doch noch zu den Ersatzteilen für ihren alten Bekannten kommen kann. Zusammen mit Rom kommt sie auf eine Idee: Odo soll Quarks äußere Form annehmen und statt dem Ferengi mit Fel Jangor verhandeln...

Inzwischen bricht die Defiant mit den Saratoga-Überlebenden auf. Zusätzlich sind auch noch Jadzia Dax und Chief O'Brien an Bord. Die Reise verläuft aber alles andere als reibungslos. O'Brien und ein ehemaliges Saratoga-Crewmitglied müssen erkennen, daß irgendjemand nach dem Start der Defiant einzelne Systeme des Schiffes sabotiert hat. Und noch bevor man Näheres darüber herausfinden kann, gerät die Defiant in eine Anomalie, in die sie in der Folge immer tiefer hineingezogen wird. Wenn es nicht rechtzeitig gelingt, einige wichtige Systeme, die beim nicht sehr sanften Eintritt in diese Anomalie beschädigt wurden, rechtzeitig zu reparieren, steht der Defiant möglicherweise ein ähnliches Ende bevor, wie einige Jahr zuvor der Saratoga...

In "Saratoga" spielt Michael Jan Friedman eine seiner Stärken wieder voll aus: Er erschafft mit den Saratoga-Überlebenden, die sich auf der Station versammeln und dann gemeinsam aufbrechen, äußerst interessante und abwechslungsreiche Charaktere. Besonders die Interaktion einiger dieser neuen Figuren mit bekannten DS9-Crewmitgliedern ist äußerst unterhaltsam. So muß sich zB Dr. Bashir eine Weile um die ehemalige Ärztin der Saratoga, Dr. Laffer, kümmern, die ihm ständig das Gefühl gibt, ein absoluter Niemand zu sein. Ähnlich ergeht es Chief O'Brien, der sich bei einer ausgedehnten Besichtigungstour durch die Station andauernd von Lieutenant Commander Graal sagen lassen muß, wie er alles noch viel besser hätte machen können. Für etwas Humor sorgt auch der "B-Plot" rund um die Ersatzteile für die Wasserpumpen auf Bajor. Es ist ja doch eine etwas eigenwillige Situation, daß gerade Odo die Gestalt von Quark annehmen soll, um dann auch noch wie ein Ferengi mit einem gesuchten Gauner verhandeln zu müssen.

Als eher ernstes Thema steht natürlich Siskos Wiedersehen mit den alten Kollegen von der U.S.S. Saratoga im Vordergrund. Besonders schmerzhaft für den mittlerweile zum Captain beförderten Sisko wird dieses nicht nur durch die wieder hochkommenden Erinnerungen an den Tod seiner Frau, sondern auch durch die Erkenntnis, daß eine(r) seiner ehemaligen Kollegen/-innen und Freunde/-innen ein(e) Saboteur(in) und Verräter(in) ist. Bei diesem Handlungsstrang wurden aber leider einige Chance vergeben, daraus eine sehr intensive und emotionale Geschichte zu machen. Irgendwie bleibt das ganze eher oberflächlich, da man nie wirklich mitfühlen kann. Und das, obwohl immer wieder einmal erwähnt wird, wie schmerzhaft die Ereignisse für Sisko und andere Beteiligte sind. Da wurden einfach zu viele Sätze dafür verwendet, technische Lösungen für ein Entkommen aus der Anomalie zu finden und zu beschreiben, anstatt sich mehr den Gedanken und Gefühlen der Charaktere zu widmen.

Dennoch ist "Saratoga" ein sehr gutes DS9-Buch, das eindeutig zu den besseren Romanen zählt, die in dieser Reihe bisher erschienen sind. Das einzige Problem ist, daß es mit einer etwas anderen Gewichtung der einzelnen Story-Elemente noch viel besser hätte sein können.

© Patrick Ahrer
(ahrer@gmx.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures