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Cover von "Sarek"
Star Trek
Sarek
Autorin: Ann C. Crispin
1994, Pocket Books
ISBN 0-671-79562-7
402 Seiten


Amanda, Spocks Mutter, stirbt. Spock fliegt daraufhin zurück nach Vulkan, wo er einige klärende Gespräche mit seinem Vater führen kann. Doch die politische Situation in der Föderation ist im Moment nicht rosig. Auf der Erde kommt es immer öfter zu Kundgebungen gegen Vulkanier, sodaß die Grundfesten der Föderation, nämlich die Beziehungen zwischen Menschen und Vulkaniern, immer mehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Sein ganzes Leben lang war Sarek der Föderationsbotschafter auf einer fernen Welt nahe der romulanischen Grenze namens Freelane. Und genau dorthin ruft man ihn, als Amanda in den letzten Zügen liegt. Für Sarek kommt gar nichts anderes in Frage, als seine Pflicht zu erfüllen und das Sterbebett seiner Frau zu verlassen. Amanda versucht noch, zwischen Spock und seinem Vater zu vermitteln, aber Spock kann diese Entscheidung absolut nicht billigen.

In der Zwischenzeit haben Kirk und McCoy alle Hände voll zu tun, auf Außenposten Überlebende klingonischer Angriffe zu versorgen. Kirks Neffe Peter fällt einer List zum Opfer und wird von Klingonen entführt - wie sich herausstellt, sind diese neuesten klingonischen Aktivitäten, Sareks Mission  und die Proteste auf der Erde eng miteinander verbunden.

Nach Amandas Begräbnis informiert Sarek die Enterprise-Mannschaft über seinen Verdacht bezüglich der Hintergründe dieser Konflikte - aber er muß sich nicht nur um diese externen Feinde sorgen... Auch sein eigener Sohn behandelt ihn nun wie einen Feind.

"Sarek" gibt einen sehr guten Überblick über Spocks Familie und seinen Hintergrund. Amanda bittet Sarek kurz vor seiner Abreise nämlich, ihre Tagebücher zu lesen. Durch sie erfahren er und auch der Leser interessante Dinge nicht nur über die vulkanischen Gebräuche, sondern auch über die Gefühle, die Sarek doch imstande war, Amanda zu vermitteln.

Sie beschreibt ziemlich genau ihr erstes Treffen mit Sarek, die Hochzeitszeremonie, die Freude über Spock - und auch, daß sie es nie eingesehen hat, warum Sarek seinen Sohn doch teilweise so hart rannimmt. Ihre Enttäuschung über seine scheinbare Gleichgültigkeit, als Spock als Kind einmal die Nacht in der vulkanischen Wildnis verbringt, ist richtiggehend fühlbar.

"Sarek" erzählt in diesen Tagebucheinträgen bzw. den Gedanken, die Sarek beim Lesen durch den Kopf gehen, so ziemlich die gleiche Zeitperiode wie "Vulcan's Forge" (schade nur, daß sich die beiden Bücher hier ein wenig widersprechen - zwar nicht in den harten Fakten, aber in den Erklärungen). Auch hier kommt der Streit zwischen Sarek und Spock zur Sprache, der schließlich dazu geführt hat, daß Sarek seinen Sohn aus der Familie ausgeschlossen hat - und dies hatte zur Konsequenz, daß Amanda Sarek sogar für kurze Zeit verließ.

Spock mag die Qualen in Sarek, seiner Frau im Moment ihres Todes nicht nahe sein zu können, nicht verstanden haben - aber als Leser bekommt man sie doch sehr intensiv mit. Es ist gerade eine der Stärken dieses Buches, beide Seiten so erzählen, daß keine gegenüber der anderen ins Unrecht gesetzt wird. Dadurch wird dieser erneute Vater-Sohn-Konflikt umso interessanter.

Für mich ist diese Charakterisierung wesentlich wertvoller als die eigentliche Story. Natürlich stellt es sich schließlich heraus, daß die Menschen nicht vulkano-phob (in Abwandlung von xenophob) sind, sondern ihnen das von Telepathen eingeimpft wurde. Hinter der ganzen Geschichte stehen die Romulaner - wie kann es anders sein? - , die die Annäherung des klingonischen Reiches an die Föderation (das Buch spielt kurz nach ST: The Undiscovered Country) verhindern wollen. Ja, ganz nett - und auch gut erzählt - , aber ich muß ehrlich zugeben, diese Passagen habe ich fast überflogen, um zur nächsten Tagebucheintragung bzw. zur nächsten Spock-Sarek-Szene zu kommen.

Ich kann "Sarek" nur allen empfehlen, die an guter Charakterisierung und auch an interessantem Inhalt interessiert sind. Die Person Sarek bekommt eine enorme Tiefe, denn, obwohl er sich äußerlich - wie ein perfekter Vulkanier - nichts vom Chaos in seinem Inneren anmerken läßt, ist es dennoch vorhanden. Viele sind ja der Meinung, Vulkanier hätten keine Gefühle, weil sie eben nicht sichtbar sind. A. C. Crispin vermag es ganz ausgezeichnet, diesen Unterschied zwischen "Gefühle nicht haben" und "Gefühle nicht zeigen" herauszuarbeiten.

Nicht einmal Spock, der als Halbvulkanier diesen Unterschied doch eigentlich kennen sollte, schafft es, ihn bei seinem Vater zu erkennen. Man könnte argumentieren, daß der Autorin hier ein Fehler unterlaufen ist, ich deute es lieber so: Spock hat besonders in den Filmen eine enorme Entwicklung erfahren. Er begriff, daß Logik, wonach er immer gestrebt hat, nicht unbedingt das wichtigste im Leben ist. Gerade auch nach seiner Todeserfahrung (auf die in den Tagebüchern übrigens auch in doch recht rührender Form eingegangen wird) bezieht er seine menschliche Seite doch mehr in sein Handeln mit ein.

Das Leid seiner Mutter und ihr nachfolgender Tod treffen ihn doch sehr - und seine Gefühle hindern ihn schließlich daran, das Verhalten seines Vaters mit logischen, vulkanischen Augen zu sehen. Erst spät vermag es Spock, dasselbe emotionale Chaos, das ihn selbst bewegt, auch in Sarek zu entdecken.

Eine ähnliche Thematik ist in der STDS9-Folge "Change of Heart" zu sehen, in der Worf die Sorge um seine Frau Jadzia vor alles andere stellt - Sarek geht in diesem Buch einen anderen Weg, für ihn zwar sicherlich den schmerzlicheren, für die Allgemeinheit allerdings den richtigen. Als Vulkanier, für den das Wohl vieler über dem weniger steht, konnte er auch gar nicht anders handeln.

Zusammen mit "Vulcan's Forge" und begrenzt "Vulcan's Heart" würde ich "Sarek" als Muß für jeden Spock- bzw. Vulkanier-Fan bezeichnen. Gemeinsam hauchen diese 3 Bücher diesen doch so beliebten Charakteren Leben ein - etwas, das auf dem Bildschirm doch nur sehr begrenzt stattfand.

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)

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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures