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Cover von "Dark Matters #3 - Shadow of Heaven"
Star Trek: Voyager #21
Dark Matters #3
Shadow of Heaven
Autorin: Christie Golden
2000, Pocket Books
ISBN 0-671-03584-3
261 Seiten


Was bisher geschah...

Tom und Chakotay sind immer noch auf Khalas Heimatplaneten. Während ein Rettungstrupp der Alilann Chakotay befreien konnte, erlebt Tom mit, wie die Culilann um den vermeintlichen Selbstmord ihres Hohepriesters trauern. Während der Verbrennungszeremonie entdeckt Tom jedoch, daß dieser ermordet wurde.

Die Voyager konnte die Heimatwelt der Kwaisi erfolgreich von der Dunklen Materie befreien, doch nun verlangt die Volksversammlung die Auslieferung von Telek R'Mor, um ihn für sein Verbrechen, die Dunkle Materie über sie gebracht zu haben, anklagen zu können. Janeway weigert sich und wird dafür ihrerseits ins Gefängnis gesteckt.

Jekri Kaleh wiederum wartet auf ihren Tod vor, nachdem sie als Verräterin angeklagt und verurteilt worden ist. Seltsamerweise jedoch berührt sie weniger ihre bevorstehende Exekution als der Verrat von Verrak, ihrem Ersten Offizier und Vertrauten, der sich als Spion für Lhiau und die Kaiserin herausgestellt hat. Doch sie denkt nicht daran aufzugeben - vielmehr schmiedet sie Pläne, auszubrechen und einen Gegner nach dem anderen zu eliminieren, wie sie es früher getan hat, bevor sie die Leiterin des Tal Shiar geworden ist.

... die Fortsetzung

Telek teilt Tuvok in einer Gedankenverschmelzung mit, was er von Tialin erfahren hat. Daraufhin beamen die beiden auf den Planeten der Kwaisi, um Janeway frei zu bekommen. R'Mor erklärt, worauf es Lhiau abgesehen hat: Indem er nämlich das sensible Gleichgewicht der Materie, das die Shepherds seit Äonen aufrecht erhalten, durch das Hereinziehen von Dunkler Materie in ein Universum stört, könnte das Verderben aller existierenden Universen bevorstehen. Daher sei es so wichtig, daß die Voyager aufbreche, um weitere Planeten und Regionen von der Dunklen Materie zu befreien und damit das Gleichgewicht wiederherzustellen. Mit der Hilfe eines Kwaisi gelingt es schließlich, Janeway zu befreien.

Nach dem Verschwinden von Chakotay ist Tom nun alleine im Dorf der Culilann und wird von der neuen Culil, Trima, streng beobachtet. Sie stellt sich nämlich als Spion der Alilann heraus und weiß daher, was wirklich den Tod des vorherigen Culil verursacht hat. Dazu ist sie ausgesprochen fasziniert von Toms Geschichten über das Leben auf der Voyager. Sie hält es kaum für möglich, daß die verschiedenen Fähigkeiten der Culilann und der Alilann so vereint werden können, wie es auf dem Schiff der Fall zu sein scheint - darüberhinaus weiß sie, daß sie irgendwann in die Welt der Alilann zurückkehren und sich an deren Sitten anpassen muß... Und genau vor letzterem Punkt hat sie Angst.

Ezbai, der Bruder von Khala, der den Rettungstrupp angeführt hat, erzählt Chakotay von den Spionen. Gleich darauf wird Chakotay quasi zu einem Verhör gerufen, wo ihm von der Ermordung des Culil berichtet wird. Ihm wird auch gesagt, daß es in den letzten Monaten 5 weitere solcher Morde gegeben hat. Als Chakotay von der Dunklen Materie erzählt, wird jedoch gleich angenommen, daß diese für die Morde verantwortlich sei - schließlich könne man zwar nichts mit der Lebensweise der Culilann anfangen, würde sie aber doch nicht einfach so ermorden!

Jekri findet sich in einer alten Zelle wieder, wo in unregelmäßigen Abständen der Wärter vorbeikommt und sie quält, sie zu medizinischen Versuchen abgeholt wird, kaum was Ordentliches zu essen bekommt - kurz, wo sie in absehbarer Zeit wohl sterben wird. Doch eines Tages findet sie in ihrem Essen einen metallischen Gegenstand, mit weiteren und einer Energiezelle, die in ihren Arm während der Versuche implantiert worden war, ergibt das ein Laserskalpell, mit dem es ihr schließlich gelingt auszubrechen - doch kaum in Freiheit steht sie dem Mann gegenüber, der sie verraten hat... Verrak.

"Shadow of Heaven" ist ein wirklich gelungener Roman, aber die Auflösung dieser ausgezeichneten Trilogie ist für mich ein wenig unbefriedigend. Aber aufgrund der Vielschichtigkeit der Handlung war es gar nicht anders möglich, diesen Dreiteiler zu Ende zu bringen, ohne gänzlich unglaubwürdig zu werden.

Man erfährt, daß die Welt der Culilann und Alilann in einem Schattenuniversum liegt und Tialin Chakotay und Paris dorthin geschickt hat, um das Gleichgewicht der Materie zwischen den verschiedenen Universen aufrecht zu erhalten - gleiches ist der Grund für Khalas Anwesenheit auf der Voyager. Nach der ersten Ansicht scheinen die Shepherds über dieses Gleichgewicht zu wachen, das garantiert, daß die verschiedenen Universenen quasi ewig leben. Lhiau und seine Verbündeten wollen es allerdings verschieben und bringen so die Existenz der verschiedenen Universen in Gefahr. Dadurch, daß die Romulaner so extensiv von der Dunklen Materie Gebrauch machen, ist es notwendig, daß die VOY und dieses amorphe Wesen, das ich jetzt einfach mal Kes nenne, die Dunkle Materie wieder einfangen, während sich Tialin selbst um Lhiau kümmert. Soweit, so gut.

Nur stellt sich leider schließlich heraus, daß scheinbar die Shepherds überhaupt nicht von Anfang an die Aufgabe hatten, dieses Gleichgewicht der Materie zu halten, sondern sie selbst haben sich als Hüter auserkoren... Irgendwie erinnert mich diese Erkenntnis an Babylon 5, wo sich ja ebenfalls die sogenannten "Ersten" aufspielen, die Hüter der jüngeren Rassen zu sein - und schließlich entsteht ein Kampf zwischen den Vorlonen und den Schatten, der dadurch gelöst wird, daß sich alle diese Ersten entschließen, dieses Universum den Jüngeren zu überlassen. Dasselbe geschieht hier - sowohl die guten als auch die "bösen" Shepherds verschwinden schließlich. Diese Auflösung ist ein wenig zu einfach für meinen Geschmack.

Ein wenig schade ist, daß sowohl "Ghost Dance" als auch dieses Buch zu sehr auf die Voyager fixiert sind. Bis auf die Liebesgeschichte zwischen Harry und Khala geschieht nämlich auf dem Schiff nichts außer einer Menge Technobabbel. Was ich nicht ganz verstehe, ist, warum die Erkenntnis, daß Personen aus dem Schattenuniversum nicht im "richtigen" überleben können, so neu sein soll. Schließlich ist doch ähnliches bereits in der Folge "Deadlock" geschehen, wo von der Balance zwischen den Universen die Rede war. Damit führen sich sowohl die Überraschung darüber, daß Khala sterben wird, sollte sie nicht zurückkehren (genauso wie Chakotay und Paris), als auch der Schock über die Nachricht, daß die Existenz aller Universen auf dem Spiel steht, ad absurdum. Und gerade als die Geschichte auf der VOY interessant zu werden verspricht - nämlich als Jekri auftaucht - ist sie auch schon wieder vorbei. Dies ist leider ein Schwachpunkt dieser ganzen Geschichte.

Umso besser gefiel mir der Plot rund um Paris und Chakotay. Hochinteressant ist die Erkenntnis, daß die Culilann, obwohl sie diejenigen sind, die viel mehr von den Außenbedingungen abhängig sind, scheinbar unbemerkt zu den unwirtlichen Regionen des Planeten abgedrängt worden sind. Noch bemerkenswerter allerdings ist, daß es erst Chakotay braucht, damit Ezbai, ein Alilann, dies ebenfalls seltsam findet...

Gut und auch wieder irgendwie schlecht ist, daß das Ende der Entwicklungen hier offen gelassen wird. Sowohl unter den Alilann wie auch unter den Culilann gibt es nun einige, die diese Trennung bekämpfen wollen - aber auch viele, die nichts davon hören möchten. Die "Bekehrung" von Ezbai ist an sich glaubwürdig aufgebaut, da Chakotay sehr wohl versucht, ihn nicht zu bevormunden, sondern selbst zu dem Schluß kommen zu lassen, daß in der Gesellschaft was nicht stimmt. Andererseits gefällt mir Khalas Bekehrung weniger. Trotz anders lautender Bezeugungen kommt es mir nämlich doch so vor, daß sie nur wegen Harry die so verabscheuenswürdigen Dinge wie selbst gemachtes Essen oder Musik ausprobiert. Klar, später kann sie daran Gefallen finden, aber es fehlt hier anfangs der eigene Antrieb, sich mit Culilann-Angelegenheiten auseinander zu setzen.

Anhand von Trimas Situation stellt sich natürlich die Frage, inwieweit es die anderen Spione schaffen, wie Culilann zu leben, ohne ihre Lebensweise wirklich zu verinnerlichen. Schließlich haben sie alle bei den Alilann gelernt, wie verabscheuenswürdig das Verhalten der Culilann eigentlich ist - trotzdem müssen sie sich anpassen, um nicht aufzufallen. Daß sich Tom aber ein wenig in Trima verliebt, das hätte nicht sein müssen!

Wie aber schon in "Ghost Dance" sagt mir der Teil um Jekri am meisten zu. Die Brutalität ihrer Gefangenschaft, ihre Flucht, schließlich der Schock herauszufinden, daß Verrak geplant hatte, um sie später wieder retten zu können, sind die spannendsten Elemente von "Shadow of Heaven". Besonders gefiel mir hier die Herausarbeitung der Zwiespältigkeit im Charakter der Ärztin, die Jekri "behandelt" hat. Hier wird sehr deutlich darauf hingewiesen, daß sie im Endeffekt zwar auf Jekris Seite war, aber trotzdem viel zu großen Gefallen an der Folterung gefunden hat. Leider kommt aber auch in diesem Teil der Geschichte das Ende ein wenig zu rasch. Man erwartet schließlich, daß die Kaiserin, die total unter dem Einfluß von Lhiau steht, doch heftiger widerspricht, als Jekri, Telek, Verrak und Tialin auftauchen und Lhiau auffliegen lassen. Hier wurde es wohl mit der noch zur Verfügung stehenden Seitenzahl zu knapp, um zu einem befriedigenderen Ende zu kommen als dem, daß die Kaiserin quasi Jekri in die Arme fällt und ihr doch noch Recht gibt. Danach wird der Reset-Button gedrückt, Telek begnadigt - und alle sind wieder glücklich. Naja.

Leider wird auch der "Kes"-Subplot ein wenig unbefriedigend abgeschlossen. Wie sich herausstellt, hatte ich zwar mit meiner Vermutung recht, daß es sich bei diesem amorphen Wesen tatsächlich um (eine) Kes handelt - aber zu einem Wiedersehen kommt es leider nicht. Zumindest aber findet man heraus, daß die gesamte Geschichte nach den Ereignissen von "Fury" spielt...

Alles in allem muß ich sagen, daß "Shadow of Heaven" für sich genommen ein wirklich guter und spannender Roman ist - nur eben hatte ich mir einen anderen Abschluß für diese Trilogie vorgestellt. Daher sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf "Dark Matters" zurück...

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures