Star
Trek #87
Keine Spur von Menschen (OT: First Frontier) Autoren: Diane Carey und Dr. James I. Kirkland Übersetzung: Harald Pusch Heyne 06/5687 ISBN 3-453-14872-X 504 Seiten |
Die Sternenflotte testet an Bord der Enterprise eine brandneue Schildtechnik. Mehrere große Schiffe der Flotte sollen die Enterprise unter Beschuß nehmen, um zu sehen, ob die neuen Schilde zuverlässig arbeiten. Der erste kleine Test verläuft erwartungsgemäß. Die Schilde halten dem Beschuß stand. Nun begibt sich die Enterprise zusammen mit den anderen Schiffen zu einem Blauen Riesen namens Izell. Die Enterprise soll gefährlich knapp an diesem vorbeifliegen, um zu überprüfen, ob die neuen Schilde auch unter diesen Umständen ihre Arbeit verrichten.
Doch bei diesem Versuch läuft einiges schief. Die Crew der Enterprise wird in seltsamen Zeitschleifen gefangen und alle haben das Gefühl, nicht mehr Herr über ihre Körper zu sein. Zwar schafft es das Schiff, dem Stern schließlich doch noch zu entkommen, doch nun fangen die Probleme erst richtig an. Die anderen Sternenflotten-Schiffe sind plötzlich verschwunden und auf den üblichen Föderationsfrequenzen ist absolut gar nichts zu empfangen. Nicht einmal die Reste von Nachrichten, die weit entfernt auf ihre Reise geschickt wurden und nicht für die Enterprise bestimmt waren.
Plötzlich taucht ein fremdes Schiff auf. Obwohl es etwas anders aussieht, als die Schiffe, die die Crew der Enterprise bereits gesehen hat, ist doch klar zu erkennen, daß es sich um ein romulanisches Schiff handelt. Das Schiff fliegt mitten im Föderationsraum seelenruhig herum. Kirk ist von so viel Frechheit fast überwältigt. Schließlich wird mit dem anderen Schiff Kontakt aufgenommen. Zur Überraschung aller scheint der Romulaner keine Ahnung zu haben, wer die Menschen an Bord der Enterprise sind. Als man ihm erklärt, daß sie von der Erde stammen, meint er nur ungläubig, daß ihm keine Erde bekannt ist. Der Zerstörung durch die Romulaner kann die Enterprise nur entkommen, indem sie "davonläuft".
Wie es die Sternenflotten-Regeln vorschreiben, befiehlt Kirk, zur Erde zu fliegen. Immer wenn es so aussieht, als wäre man alleine, soll man zur Erde zurückkehren, um dort möglicherweise andere zu treffen, denen es ähnlich ergangen ist.
Auf dem Weg zum Heimatplaneten eines großen Teils der Crew glänzen zahlreiche Sternenbasen und andere Einrichtungen der Föderation nur mit ihrer Abwesenheit. Alles sieht danach aus, als wäre die Föderation verschwunden. Der größte Schock für die Leute auf dem Schiff ist aber die Erde selbst: Kein Sternenflotten-Kommando, keine Akademie, keine Städte und keine Menschen. Der ganze Planet ist ein einziger unzivilisierter Haufen, der noch von Dinosauriern und anderen urzeitlichen Geschöpfen beherrscht wird.
Nach dem Betrachten des Covers und dem Lesen des Vorworts von Dr. James I. Kirkland - der übrigens Paläontologe ist - war ich sehr skeptisch, ob und wie sich Star Trek und Dinosaurier in einer halbwegs brauchbaren Geschichte zusammenbringen lassen. Ich war dann überrascht, daß das eigentlich ganz gut funktioniert hat.
Dennoch möchte ich dieses Buch keinesfalls uneingeschränkt empfehlen. Die Schwächen liegen nämlich weniger bei der teilweise durchaus faszinierenden Story, sondern bei der Darstellung der Charaktere. Alle sind viel zu "hart" ausgefallen und grummeln ständig nur herum. Besonders schlimm ist das bei Kirk, der ständig alle anschnauzt und der sich in seinen Gedanken ohne Pause über einfach alles aufregt. Auch die eingebauten Wortgefechte zwischen Spock und Dr. McCoy haben wenig mit den bekannt liebenswürdigen verbalen Duellen aus der TV-Serie gemein. Überhaupt enthält dieses Buch ein wenig zu viel Gefasel über Disziplin, Gehorsam und "starke Männer". (Ich vermute einmal ganz stark, daß das Diane Careys Anteil an der Geschichte ist.)
Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich jetzt noch darauf hinweise, daß "Keine Spur von Menschen" eine Zeitreise beinhaltet. Das wird in der Geschichte ohnehin relativ schnell klar. Für alle, die von derartigen Geschichten eher wenig begeistert sind, ist also Vorsicht angesagt.
Übertrieben werden manchmal Spocks wissenschaftliche Vorträge über Dinosaurier und die Vergangenheit der Erde. Manches davon ist zwar sehr interessant, aber in vielen Fällen gehen diese Informationen ein wenig zu sehr ins Detail. Da ist wohl Dr. Kirklands Begeisterung für diese Themen mit ihm durchgegangen.
ACHTUNG!
Der nächste Absatz enthält Informationen
über das Ende der Geschichte. Sollte jemand darüber noch nichts
wissen wollen, sollte er/sie diesen Teil der Besprechung besser überspringen.
Nach diesem Absatz kann wieder gefahrlos weitergelesen werden.
Ein wenig zu plötzlich erschien mir der Entschluß des Clan Ru (das sind die intelligenten Dinosaurier), nach diesem Abenteuer nach langer Zeit doch der Föderation beizutreten. Zwar ist Oya einige Tage vor den Leuten von der Enterprise in die "richtige" Zeit zurückgekehrt, aber dennoch scheint es unglaubwürdig, daß die anderen Mitglieder ihres Clans derart schnell ihre Meinung geändert haben. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, welch niedriger Schicht Oya innerhalb ihrer Gesellschaft angehört.
Insgesamt betrachtet ist "Keine Spur von Menschen" eine ganz nette
Zeitreise-Geschichte mit etwas zu vielen Negativpunkten (die ich in dieser
Besprechung zu erwähnen versucht habe). Wer es schafft, über
die genannten Punkte leicht hinwegzusehen, kann sich mit diesem Buch wohl
eine Weile ganz gut unterhalten.