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Cover von "Survivors" Star Trek: The Next Generation #4
Survivors
Autor: Jean Lorrah
1989, Pocket Books
ISBN 0-671-74290-6
253 Seiten

Die gewählte Führung des Planeten Treva ruft die Föderation um Hilfe. Ein skrupelloser Kriegsherr versucht auf dem Planeten angeblich, die Macht an sich zu reißen. Nalavia, so heißt die oberste Politikerin von Treva, möchte, daß die Föderation eine Starfleet-Streitmacht schickt, die ihren eigenen Truppen dabei hilft, die Rebellion niederzuschlagen.

Die Gesellschaft auf Treva ist in der Entwicklung noch nicht sehr weit fortgeschritten und somit wäre eigentlich fraglich, ob die Föderation aufgrund der Prime Directive hier überhaupt eingreifen dürfte. Da Treva aber schon vor längerer Zeit um die Mitgliedschaft in der Föderation angesucht hat, sieht die Sache ein wenig anders aus.

Es ist aber natürlich nicht der Stil der Föderation und von Starfleet, einfach hinzufliegen, eine Kriegspartei auszulöschen und dann wieder wegzufliegen. Die ganzen Geschehnisse auf Treva erwecken eher den Eindruck, daß das keine Situation ist, in der Starfleet eingreifen sollte. Um das aber endgültig klären zu können, wird beschlossen, jemand auf den Planeten zu schicken, um die Lage dort genauer zu erkunden. Die Enterprise ist im Moment das einzige Schiff, das sich in der Nähe des Planeten befindet. Da die aktuelle Mission aber sehr wichtig ist, kann man es sich nicht leisten, das ganze Schiff nach Treva zu schicken. Deshalb schickt Captain Picard Data und Tasha Yar mit einem Shuttle auf die Reise...

Während all dies geschieht, erinnert sich Tasha immer wieder an früher, an ihre Kindheit auf dem vergessenen Planeten New Paris, auf dem ein Leben nichts mehr wert war. Kinder wie Tasha wurden von "Rape-Gangs" terrorisiert, Vergewaltigungen und Morde standen auf der Tagesordnung. Die ganze Gesellschaft hatte sich in Banden organisiert. Und wer zu keiner dieser Banden gehörte, hatte kaum Chancen, über längere Zeit hinweg unbelästigt zu bleiben und zu überleben.

Doch eines Tages kam eine Gruppe von Starfleet-Offizieren auf den Planeten und rettete Tasha vor einer dieser Banden. Zuerst dachte sie, daß es sich hier um eine seltsame, aber sehr mächtige Bande handelt, die ihre eigenen Pläne mit ihr hat. Ein Mann, der das Außenteam auf New Paris angeführt hatte, blieb dabei besonders im Focus ihrer Aufmerksamkeit: Darryl Adin.

Irgendwann erkannte Tasha dann aber, daß Adin sie nicht mitgenommen hat, um sie irgendwann - wenn sie halbwegs gesund ist und gut aussieht - in sein Bett geliefert zu bekommen. Er wird für sie dann im laufe der Zeit zu einer Art Vaterfigur. Doch schon bald trennen sich ihre Wege wieder. Tasha entschließt sich, die Starfleet Academy zu absolvieren, da die Zugehörigkeit zu Starfleet für sie der einzige Weg ist, sich in dieser - für sie neuen - Gesellschaft zurechtzufinden. Kurz vor dem Ende dieser Ausbildung trifft sie sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einmal mit Darryl Adin.

Und dann verwandelt sich das Verhältnis zwischen den beiden von einer Vater/Tochter-artigen Beziehung, in eine Mann/Frau-Liebesbeziehung. Die beiden beschließen, bald zu heiraten und zu versuchen, gemeinsam auf ein Schiff der brandneuen Galaxy-Klasse versetzt zu werden. Doch das Glück der beiden währt nicht lange: Nachdem die beiden gemeinsam von einer Mission, bei der vieles schiefgegangen ist, zurückkehren, wird Adin plötzlich festgenommen. Er soll ein Komplize der Orioner sein, die das Schiff überfallen haben. Für Tasha bricht eine Welt zusammen. Zuerst ist sie von der Unschuld ihres Verlobten absolut überzeugt, auch wenn sie mit dieser Ansicht ziemlich alleine dasteht. Mit der Zeit beginnt aber auch sie immer mehr an das zu glauben, was man ihm vorwirft...

Gleich zu Beginn möchte ich feststellen, daß "Survivors" ein wirklich spitzenmäßiges Buch ist. Es gehört zu jener Gruppe von Geschichten, die sich sehr darauf konzentrieren, eine der Figuren genau zu beleuchten und ihr Leben zu beschreiben. Solche Storys haben mir schon immer sehr gut gefallen und diese ist da keine Ausnahme.

In diesem Buch lernen wir Tasha, die in der TV-Serie ja nicht sehr lange dabei war (nicht einmal eine vollständige Season lang), näher kennen. Wir erfahren unter anderem viel über ihre Kindheit auf New Paris, die wirklich ein einziger Horror war. Und Jean Lorrah traut sich dabei mehr, als man das von Star-Trek-Romanen gewöhnt ist. Die unglaubliche Brutalität, der Tasha in jungen Jahren ausgesetzt war, wird sehr intensiv beschrieben und man hat nicht das Gefühl, daß irgendetwas verschwiegen oder zurückhaltend ausgedrückt wird.

Der Handlungsfaden, der sich durch das gesamte Buch zieht (der also sowohl in den Szenen aus der Vergangenheit, als auch im in der TNG-Gegenwart spielenden Abenteuer präsent ist), ist Tashas Beziehung zu Darryl Adin. Zuerst ist Adin für Tasha eine Vaterfigur, wird dann aber zu ihrem Lover, bevor die Beziehung schließlich aufgrund von Darryls Verurteilung zerbricht. Und dann trifft ihn Tasha wieder, verliebt sich wieder in ihn und steht dann vor der brutalen Situation, ihn festnehmen und in eine Zelle stecken zu müssen. Und direkt nach dem Abenteuer auf Treva, als es so aussieht, als gäbe es doch noch eine positive Zukunft für die beiden, stirbt Tasha, wie wir es ja aus der TNG-TV-Episode "Skin of Evil" kennen.

All das zeigt schon recht eindrucksvoll, daß "Survivors" mit viel Emotion vollgepackt ist. Der/Die Leser(in) kann dabei (sofern man das möchte und dazu "fähig" ist) so richtig in der Geschichte "versinken" und mit den Charakteren mitleben.

Eine sehr große Rolle in der Geschichte hat auch Data, dessen Verhältnis zu Tasha hier ebenfalls sehr genau beleuchtet wird. Außerdem ist auch sein ständiges Streben nach "Menschlichkeit" ein Thema im Buch. Mir hat auch dieses Element von "Survivors" sehr gut gefallen, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, daß Datas Verhalten und seine Gedanken nicht so ganz zu dem passen, was wir aus der Serie kennen. Er ist im Buch einfach schon ein wenig "menschlicher", was meiner Meinung nach aber überhaupt nicht tragisch ist, da es in keinem Moment übertrieben oder völlig unrealistisch wirkt. Man muß bedenken, daß "Survivors" erst das 4. Buch in der Reihe der numerierten TNG-Bücher ist und im Jänner 1989 erschienen ist. Zu der Zeit, als die Geschichte geschrieben wurde, war die TV-Serie noch nicht sehr weit fortgeschritten, was diese Abweichungen erklärt.

Auch in Tashas im Buch beschriebener Lebensgeschichte widerspricht so einiges den in der TV-Serie etablierten Fakten. Aber auch das liegt primär daran, daß all diese Dinge zum Zeitpunkt des Schreibens von "Survivors" noch nicht bekannt waren. Viele Dinge über Tashas Kindheit und Jugendzeit erfuhren wir erst in "Legacy", einer Episode der 4. Staffel von TNG.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, daß auch die Vorgänge auf Treva selbst, die ich bisher im Kritikteil noch fast nicht erwähnt habe, recht interessant sind. Auch diese Geschichte alleine hätte schon für einen guten Star-Trek-Roman gereicht. Zusammen mit der Beschäftigung mit Tashas Leben ergibt das einen der allerbesten Romane im Star-Trek-Universum.

Fazit: "Survivors" sollte kein TNG-Fan auslassen. Und wer mehr über Tasha wissen möchte, muß dieses Buch sowieso auf jeden Fall lesen.

© Patrick Ahrer
(patrick@afss.cjb.net)


Hinweis:

Es ist auch eine Buchbesprechung zur deutschen Übersetzung dieses Romans verfügbar: Star Trek: The Next Generation #4 - Überlebende.



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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures