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Buchbesprechung von Patrick Ahrer
Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz

Cover von "Millennium #1 - The Fall of Terok Nor" Star Trek: Deep Space Nine
Millennium #1
The Fall of Terok Nor
Autoren: Judith & Garfield Reeves-Stevens
2000, Pocket Books
ISBN 0-671-02401-9
412 Seiten

"The Fall of Terok Nor" ist das erste Buch eines Dreiteilers!

Am Tag, als die Cardassianer Terok Nor und Bajor aufgaben, gerieten Odo, Quark und Garak in ein Feuergefecht. Die beiden wurden gezwungen, mit ein paar Cardassianern, einer darunter kahlköpfig, mitzukommen, weil man die besonderen Dienste eines Ferengi benötigte. Man führte sie zu einer Tür, hinter der Quark auf einmal seine Mutter auf Ferenginar sieht - mit etwas Glänzendem in der Hand...

6 Jahre später (kurz nach der Folge "The Sound of Her Voice") wird Quark des Mordes an einem Andorianer verdächtigt, der an den Dabo-Tischen eine Menge Geld gewonnen hat. Daraufhin schworen die Schwestern des Andorianers Rache und wollen nun ihrerseits Quark loswerden. Bei Routinearbeiten am Andockring entdecken Rom und O'Brien 2 cardassianische Leichen. Die Autopsie bei Bashir ergibt, daß sie so ungefähr um die Zeit der Übergabe der Station umgekommen sein müßten. Quark, der seit kurzem wieder von jener Zeit träumt, entdeckt, daß er sich nicht an diesen genauen Tag der Übergabe erinnern kann. Auch Odo scheint Probleme zu haben... und Garak genauso.

Nog und Jake kehren zurück zu einem auf den Stationsplänen nicht verzeichneten Sektor der Station, wo sie als Kinder eine Art Holodeck gefunden haben. Natürlich war dies damals ein großer Fund, den sie niemanden verraten haben - nun aber entdecken sie, daß ein Programm gespielt wird, das sie nie eingegeben haben. Sie entschließen sich, Sisko und O'Brien bescheid zu geben. Als diese das Holodeck inspizieren, finden sie keine Anzeichen holographischer Aktivität - allerdings beginnt eine genaue Kartographierung der Station, ob es noch andere nicht verzeichnete Räumlichkeiten auf DS9 gibt.

Am Tag nach Quarks Entlassung (keiner glaubt ernsthaft, der Barkeeper könnte jemanden ermorden) verschwindet er plötzlich - dafür taucht ein Cousin namens Base auf, der als Schmuggler bekannt ist. Auch Vash findet sich auf der Station ein, um mit Quark einen Handel abzuschließen. Kurz bevor sie einem Attentat zum Opfer fällt, haucht sie noch etwas von Drehkörpern, um die es in diesem Handel gehen sollte, in Siskos Ohr. Später erzählt sie von den Verlorenen Drehkörpern, was Kira sogleich als Mythos abtut, worauf Odo Vash bittet, die Station so bald als möglich zu verlassen. Jadzia und Julian allerdings lassen sich nicht beirren von der betörenden Art von Vash - Julian entdeckt nämlich, daß Vash das Attentat selbst inszeniert hat. Und Nog und Jake schließen aus dem Aufgebot an Schmugglern, die nun, obwohl Odo über den Handel bescheid weiß, immer noch auf der Station sind, daß diese Verlorenen Drehkörper vielleicht doch realer sein könnten, als Kira ahnt...

"The Fall of Terok Nor" ist einerseits ein recht interessantes und spannendes Buch, andererseits aber braucht es doch relativ lange, bis es so richtig in Fahrt kommt. Das kommt natürlich daher, daß es eben der Auftakt zu einem Dreiteiler ist und in einem 1. Band immer alle Handlungsstränge, die in den folgenden behandelt werden, vorgestellt werden, für mich jedoch hätte das auch in etwas flüssigerer Form geschehen können.

Ich fand schon mal die Einleitung zu diesem Roman sehr interessant. Diese spielt nämlich nach "What you leave behind" und zeigt Sisko in einem Dialog mit den Propheten. Er versucht ihnen klarzumachen, daß sie zwar vielleicht in den letzten 7 Jahren verstanden haben, was lineare Zeit ist, aber daß sie noch nicht fähig sind zu begreifen, daß bei jeder Entscheidung, die jemand zu treffen hat, verschiedene Parallelrealitäten entstehen, in denen die jeweiligen Möglichkeiten real werden. Und genau damit, daß Sisko ihnen dies zeigen will, endet diese Einleitung... Dies läßt natürlich mehrere Schlüsse zu: Einerseits kann es nun sein, daß dieser ganze Dreiteiler sowieso nur ein Hirngespinst Siskos ist, andererseits aber kann Sisko die Realität (also seine eigene Vergangenheit) so geändert haben, daß unsere "Helden" diese Geschehnissen nun wirklich erleben. Wie auch immer, damit ist auf alle Fälle zumindest einiges an Spannung vorweggenommen worden. Klar, dadurch, daß dieser erste Teil am Ende der 6. Staffel angesiedelt ist, weiß der "erfahrene" DS9-Seher, daß sich zu diesem Zeitpunkt andere Dinge auf der Station abgespielt haben, allerdings hätte ich die Erklärung dafür gerne erst am Schluß des 3. Bandes gelesen anstatt am Beginn des 1...

Genug davon. Was mir noch etwas seltsam aufgefallen ist, ist das Faktum, daß es auf der Station scheinbar bisher nicht entdeckte Räume geben soll. Ok, die Station ist riesengroß, aber ganz besonders, wenn sich dieses "Holodeck", das Jake und Nog finden, in der Nähe des Kerns befinden, sollte diese Sektion schon hinlänglich erforscht sein. Und daß keiner bislang auf die Idee gekommen ist, die Station von außen zu vermessen, kommt mir auch ein wenig seltsam vor.

Die Charaktere sind allesamt recht gut getroffen, auch wenn mir Worf und Odo ein wenig zu sehr an Quarks Schuld an dem Mord glauben. Quark ist ein kleiner Ganove, aber sicherlich kein Mörder, und gerade Odo sollte das am besten wissen. Der Ferengi gehört mit Jake Sisko sicherlich zu den am besten getroffenen Charakteren dieses Buches. Ich fand nämlich den Konflikt, in dem er steckte, zwischen Raffen-Wollen und Beweisen-Wollen, daß er unschuldig ist, wirklich gut dargestellt. Ganz besonders bemerkenswert ist, daß er keine Probleme damit hatte zuzugeben, daß er sich nicht mehr an den Tag des cardassianischen Rückzugs erinnern kann - Odo und besonders Garak hatten da schon mehr Schwierigkeiten. Und Jake wiederum versucht einerseits, sich von der Fürsorge seines Vaters nicht überwältigen zu lassen, andererseits auch zu zeigen, daß er imstande ist, einen allgemein relevanten Beitrag zu leisten.

Auch der Captain selbst wird gut portraitiert - bei ihm fielen mir vor allem die vielen Anspielungen auf Folgen der 6. Staffel auf wie "The Sound of her Voice", als er enorme Schwierigkeiten damit hatte, daß Kasidy mit auf der Defiant war, dann auch "The Reckoning", als ein Pah'Wraith Jakes Körper in Besitz genommen hatte - auch auf "Rapture" wird Bezug genommen... Recht deutlich wird auch gezeigt, daß Sisko selbst nicht mehr so sicher ist, nicht der Abgesandte zu sein. Dies kommt bei der Diskussion mit Prylar Obanak, aber mit Arla Rees recht deutlich zutage. Und dies entspricht auch seiner Entwicklung innerhalb der Serie sehr gut.

Ausgesprochen interessant fand ich die Szenen zwischen Jadzia und Julian. Hier wird wiederum wesentlich mehr dieses unterschwellige Flirten angesprochen, als es in der Serie letztlich ab der 3. oder 4. Staffel zu sehen ist. Klar, wenn man weiß, daß Julian und Ezri schließlich zusammenfinden, ist das echt lustig zu lesen, wie Jadzia die Frau insgeheim sogar ein klein wenig beneidet, die Bashir bekommen wird. Genauso bemerkenswert, weil so konträr zu den ersten Staffeln der Serie, ist meiner Meinung nach das Verhör von Vash in der Krankenstation, wo Odo und auch teilweise Jadzia der Archäologin auf den Leim gehen, Bashir zwar Süßholz raspelt, aber dennoch sie vollkommen durchschaut. Das hat mir enorm gefallen, weil dies nämlich seiner Charakterentwicklung total entspricht. Super gemacht!

Zur Geschichte selbst: Wie schon erwähnt, kommt sie erst in den letzten 200 Seiten dieses Romans wirklich auf Touren. Vorher wird meiner Meinung nach viel zuviel Zeit auf Beschreibungen der verschiedenen Lokalitäten verschwendet, als daß echte Spannung aufkommen kann. Sobald aber die verschiedenen Settings vorgestellt sind, geht's recht hurtig zu. Ich fand die Prämisse, daß es nicht nur die blauen, sondern auch rote Drehkörper geben soll, wirklich sehr interessant - und die Auflösung, was dann durch diese roten ausgelöst wird, war fast schon in gewisser Weise logisch, denn wieso sollte auch hier ein räumliches Wurmloch entstehen? Das wäre ja nichts so extrem Besonderes, daß es dieser besonderen Drehkörper bedürfe. Ich hätte mir hier aber fast gewünscht, die Farbgebung wäre von rot abgewichen, denn rot assoziiere ich mit den Pah'Wraith - und angeblich kommen diese roten Drehkörper ja eben nicht von den ausgestossenen Propheten, die nun in den Feuerhöhlen hausen...

Wer nun den einen Drehkörper auf den bajoranischen Mond gebracht hat, der in "Progress" angezapft worden ist, wird nicht näher aufgeklärt, genauso wenig, warum die Mitarbeiter Leej Terrels wahnsinnig geworden sind oder Jake und Nog im Labor das Dorf auf jenem bajoranischen Mond geshen haben...

Mit Arla Rees wird ein neues Besatzungsmitglied vorgestellt, ebenfalls Bajoranerin, nur gehört sie der Sternenflotte an und verbrachte ihre Kindheit auf einer Koloniewelt Bajors, die nie von der Besatzung betroffen war. Genau deshalb kann sie die Religiosität anderer Bajoraner nicht nachvollziehen, mehr noch, sie vertritt den Standpunkt, daß die Propheten mit ihren Drehkörpern und Prophezeiungen die Entwicklung Bajors aufgehalten hätten - und wird von diesen auch nicht vollständig akzeptiert. Ich weiß nicht genau, was ich von ihr halten soll. Einerseits ist es mal ein wohltuendes Gefühl, eine Bajoranerin zu haben, die nicht gleich in Ehrfurcht verfällt, wenn die Rede auf die Propheten kommt, andererseits war sie mir in der Darstellung ihres Standpunktes, daß diese Propheten nur Humbug sind, genauso fanatisch wie die "Gegenseite". Dazu muß ich mich auch noch fragen, ob sie den Rang des Commanders in der Lotterie gewonnen hat, stellt sie sich doch mehr als unfähig auf der Defiant an...

Sehr aufschlußreich fand ich, daß sowohl Kira als auch Winn die Existenz der roten Drehkörper für reines Märchen halten - und die Vorstellung einer neuen Sekte in Form von Prylar Obanak und seinen Gefolgsleuten, die weder den Propheten noch den Pah'Wraith huldigt, sondern viel mehr dem, was sozusagen kommt, nachdem sich diese beiden Seiten "die Köpfe eingeschlagen haben", halte ich für eine sehr interessante Idee. Überhaupt ist mir das in der Serie etwas zu kurz gekommen, daß es ja nach diesem prophezeiten Kampf zwischen Gut = den Propheten und Böse = den Pah'Wraith irgendwas geben muß, das weiterexistiert. Man bekam hier immer nur die Anhänger der beiden Fraktionen zu Gesicht, nie aber solche, die sozusagen daran glauben, daß nach dieser "Götterdämmerung" etwas Neues, Besseres entsteht. Hier wäre auch viel in der TV-Serie zu machen gewesen.

Von den verschiedenen Schmugglern bzw. Interessenten stechen eigentlich nur Vash bzw. die Cardassianer wirklich ins Auge. Bei Vash muß ich einfach zugeben, daß ich sie nicht leiden kann und sie noch nie leiden konnte - einzig die schon angesprochene Szene mit Bashir ist wirklich überdurchschnittlich, sonst geht sie mir einfach am Wecker. Die Cardassianer hingegen hätten ruhig noch prominenter in den Vordergrund treten können. Ganz abgesehen davon, daß ich hier meine, daß Odos Sicherheitsmaßnahmen nicht wirklich funktionieren können, wenn die drei sich durch die Gegend beamen können etc., so fand ich ihre Geschichte rund um den Tag des Rückzuges wirklich interessant, auch wenn nicht erklärt wird, warum DS9 jetzt doch nicht explodiert ist, obwohl die Selbstzerstörung aktiviert war...

Alles in allem ist "The Fall of Terok Nor" ein wirklich gelungener Auftakt zu diesem Dreiteiler und macht Lust auf mehr. Und das ist ja trotz mancher offener Fragen am wichtigsten!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures