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Star Trek #93 New Earth #5 Thin Air Autoren: Kristine Kathryn Rusch & Dean Wesley Smith 2000, Pocket Books ISBN 0-671-78577-X 219 Seiten |
Es dauert nicht mehr lange, bis die Enterprise endlich in Richtung Heimat aufbrechen kann. Sobald das neue Schiff, das sich in Zukunft um Belle Terre kümmern soll, angekommen ist, ist die Mission für Kirk und seine Crew erledigt. Doch davor gibt es noch jede Menge Probleme zu lösen.
Auf Belle Terre sterben bisher wunderschön blühende und gedeihende Gärten plötzlich und scheinbar grundlos ab. Niemand kann sich erklären, woran das liegen könnte. Schließlich gab es in den jeweiligen Gebieten bisher keine Probleme. Um dieses Rätsel zu lösen, werden auf dem ganzen Planeten Erdproben gesammelt und auf die Enterprise gebracht, wo Spock in einem der Labors mit deren Untersuchung beginnt.
Während Spock an einer der Proben einen an sich harmlosen Test durchführt, explodiert diese plötzlich. Diese Explosion ist so gewaltig, daß ein Mensch sie höchstwahrscheinlich nicht überlebt hätte. Spock hat Glück, halber Vulkanier zu sein. Das seltsame daran: Wie kann normale Erde explodieren?
Die Ursache ist schnell gefunden: Überall auf Belle Terre finden sich in der Erde winzige "Nanoassembler". Diese kleinen Dinger produzieren massenhaft sogenanntes Silikon-Gel, das sich zB bei Zufuhr von Elektrizität explosiv ausdehnt. Und genau das ist bei Spocks Experiment im Labor passiert. Die Schlüsse, die man aus diesen Erkenntnissen ziehen kann, deuten auf große Probleme hin: Das bedeutet nämlich, daß ein einfaches Gewitter mit Blitzen auf der Planetenoberfläche für Explosionen sorgen kann, die noch viel stärker und zerstörerischer sind, als jene, die auf der Enterprise ausgelöst wurde. Aber das ist noch nicht alles: Das dabei entstehende Silikon-Gel ist schwerer als die normale Sauerstoff enthaltende Luft und bleibt somit immer am Boden. Es ist aber nicht dicht genug, um feste Gegenstände und somit auch Menschen tragen zu können. Das bedeutet, daß alle Lebewesen auf Belle Terre innerhalb der nächsten Tage qualvoll ersticken werden, wenn das Gel schlußendlich die gesamte Oberfläche von Belle Terre bedeckt.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie die Nanoassembler überhaupt auf den Planeten gekommen sind. Spocks Untersuchungen und Überlegungen führen schnell zu einer sehr fundierten Vermutung: Vor einiger Zeit (am Beginn von "The Flaming Arrow") wurde Raynold Coates plötzlich schlecht, nachdem er in einem See herumgeschwommen ist. Es schien damals so, als wäre irgendetwas in den See gefallen, was dafür verantwortlich gewesen sein könnte. Zur gleichen Zeit hat die Enterprise im letzten Moment ein einzelnes Schiff der Kauld, das sich auf einer Kamikaze-Mission zu befinden schien, gestoppt. Das alles ist zu jener Zeit aber schnell in Vergessenheit geraten, da man kurz darauf alle Hände voll damit zu tun hatte, den Riesen-Laser, mit dem die Kauld Belle Terre vernichten wollten, zu stoppen. Nun fügt sich alles zusammen. Die Kauld wußten, daß die Enterprise ihr einzelnes Schiff zerstören wird. Dieses Schiff war mit den Nanoassemblern vollgestopft. Und auch die Geschichte mit dem See ist geklärt: Es waren Teile des zerstörten Kauld-Schiffes, die darin gelandet sind. So schafften es die Kauld, die winzigen Geräte auf den Planeten zu bringen.
"Thin Air" ist ein typisches Kristine Kathryn Rusch/Dean Wesley Smith-Buch. Für mich bedeutet das, daß es ein sehr gutes Buch ist. Es ist mit 219 Seiten nicht besonders dick, dafür wird die Geschichte aber in einem angenehmen Tempo vorangetrieben und jede Form von Langeweile unterbunden. Mir ist das viel lieber, als ein sehr dickes Buch, dessen Inhalt dafür krampfhaft in die Länge gezogen ist (siehe zB "Rough Trails"). Typisch für die beiden ist auch, daß eine wirklich originelle Geschichte erzählt wird: Die ganze Sache mit dem Silikon-Gel ist tatsächlich ein genialer Plan der Kauld. Das muß auch ihr größter Feind zugeben. Und es ist eine Idee, die mir in Star Trek bisher noch nicht untergekommen ist.
Gut getroffen sind auch die bekannten Charaktere. Prinzipiell gilt das auch für McCoy. Nur in einer Szene kam er mir etwas seltsam vor: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß McCoy herumgrummelt, wenn es darum geht, zig Überlebende einer Katastrophe im letzten Moment zu retten. In diesem Fall beschließt Kirk, mit ein paar Crewmitgliedern (inkl. McCoy) in einem Gebiet zu landen, in dem sich das Silikon-Gel gerade ausgedehnt hat, um Leute, die sich in evtl. noch vorhandenen Luftblasen (zB in Gebäuden) befinden, herausholen zu können. McCoy beschwert sich, weil das viel zu gefährlich ist. Ich hätte es passender gefunden, wenn McCoy dann unzufrieden gewesen wäre, wenn niemand den Versuch gewagt hätte, die Leute zu retten.
Das Buch hat auch seine tragischen Momente. Vor allem, da eine alte Bekannte, die in "New Earth" bisher eine recht große Rolle gespielt hat, in diesem Buch stirbt: Lilian Coates. Sie ist gerade dabei, noch einige Sachen aus ihrem Haus zu holen, als sich plötzlich rundherum das Silikon-Gel ausdehnt. Damit ist sie im Haus gefangen. Als die letzten Reste von atembarer Luft zu Ende gehen, unternimmt sie den verzweifelten Versuch, noch einmal tief einzuatmen und dann in Richtung Zentrum zu laufen, um dort möglicherweise von einem Suchteam gerettet zu werden. Und tatsächlich: Mit größter Anstrengung schafft sie es fast bis zu ihrem Ziel und sieht noch, wie Kirk und seine Begleiter gerade den Start eines Shuttles, das mit Geretteten gefüllt ist, verfolgen. Aber sie schafft es nicht mehr bis zu den Leuten. In einem letzten Versuch öffnet sie trotz des sie umgebenden Silikon-Gels den Mund, um jemand auf sich aufmerksam zu machen. Doch aufgrund des Lärms, der durch den Shuttle-Start entsteht, kann sie niemand hören. Erst als sie endgültig zusammenbricht, wird sie entdeckt. Ihre Lungen sind zu diesem Zeitpunkt bereits mit Silikon-Gel gefüllt. In einer Blitzaktion wird sie an Bord der Enterprise und dort in die Krankenstation gebracht. McCoy kann sie erst einmal stabilisieren, sie bleibt aber in einem tiefen Koma. Am Ende des Buches muß McCoy schließlich die Maschinen abschalten, da keine Hoffnung mehr besteht. Ich habe das deshalb hier so ausführlich beschrieben, um zu zeigen, wie tragisch das alles wirklich ist. Vor allem natürlich für Kirk und McCoy, die beide viel Kontakt mit Lilian hatten und sie sehr gerne mochten. Hätte sich einer der beiden bei ihrem verzweifelten Versuch, sie zu erreichen, auch nur zehn Sekunden früher umgedreht, anstatt sinnloserweise dem Shuttle beim Start zuzusehen, hätte Lilian vermutlich überlebt.
Fazit: "Thin Air" ist ein sehr gutes Buch, an dem mir (bis auf die erwähnte Szene mit McCoy) nichts auffällt, das ich negativ erwähnen könnte.