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Star Trek #77 Twilight's End Autor: Jerry Oltion 1996, Pocket Books ISBN 0-671-53873-X 272 Seiten |
Ramillia ist ein ganz besonderer Planet. Er hat nämlich vor langer Zeit aufgehört, wie gewöhnliche Planeten zu rotieren. So kommt es, daß jetzt eine Hälfte des Planeten ständig der Sonne des Planetensystems zugewendet ist, während die andere bis in alle Ewigkeit von keinem ihrer Strahlen erreicht werden wird. Für die Bewohner des Planeten, die Dumada, bringt das das Problem mit sich, daß sie nur entlang eines schmalen Streifens an der Grenze zwischen ewigem Tag und ewiger Nacht einigermaßen angenehm leben können.
Doch auch dieser ohnehin schon sehr eingeschränkte Lebensraum, droht nun für die Dumada unbewohnbar zu werden. Denn die Bevölkerung des Planeten ist so stark angewachsen, daß die letzten Pflanzen, die das fragile Ökosystem entlang des bewohnbaren Streifens am Leben erhalten haben, neuem Lebensraum für die Dumada Platz machen mußten. Das führte dazu, daß nun für die Lebewesen auf Ramillia im wahrsten Sinne des Wortes die Luft knapp wird.
Lange Zeit wurde in den wissenschaftlichen Kreisen der Dumada geforscht, um Pflanzen züchten zu können, die auch außerhalb des schmalen Streifens in lebensfeindlicher Umgebung überleben können. Doch langsam wurde die Zeit zu knapp. Diese Forschungen brachten keine Ergebnisse, die sich unmittelbar umsetzen hätten lassen. Und als sich schließlich durch Wahlen auch die Mehrheitsverhältnisse im regierenden Rat von Ramillia verändert haben, wurden diese Forschungen endgültig auf Eis gelegt. Die neue Regierung forciert ein anderes Projekt: Mit Hilfe von unglaublich vielen einzelnen Impulstriebwerken, mit denen die gesamte Planetenoberfläche überzogen wurde, soll der Planet wieder zum rotieren gebracht werden. Dadurch würden alle Stellen auf der Oberfläche zeitweise der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, es gäbe wieder Tag und Nacht und auch Jahreszeiten, und die fast gefrorene Atmosphäre auf der Nacht-Seite, sowie das glühendheiße Klima auf der Tag-Seite von Ramillia würden sich quasi mischen und dafür sorgen, daß nach einiger Zeit die gesamte Planetenoberfläche bewohnbar wäre. Das klingt einleuchtend, ist aber mit hohen Risiken verbunden. Denn durch die vielen Triebwerke entsteht ein unvorstellbar hoher Druck in der Planetenkruste, der im Extremfall dazu führen könnte, daß der gesamte Planet auseinanderfällt. Dennoch ist für die Mehrheitsfraktion klar, daß dieses Projekt durchgezogen werden muß.
Warum das so ist, wird deutlich, wenn man die sozialen und politischen Hintergründe kennt: Die reichen Dumada haben sich direkt in der Mitte des bewohnbaren Streifens, wo das Leben am angenehmsten ist, viel Land gekauft und dort ihre riesigen Anwesen errichtet. Gleichzeitig wurde die arme Bevölkerung immer weiter nach außen gedrängt, wo sie in Slums mit extremen Umweltverhältnissen fertig werden muß.
Die Vorgängerregierung, die die Pflanzenzucht-Methode bevorzugte, bestand aus Vertretern der reichen Schicht, die kein Interesse daran haben, ihre ohnehin nicht so schlechte Situation durch das Rotationsprojekt zu gefährden. Denn selbst wenn dieses Projekt wie geplant gelingt, verlieren sie ihre gegenwärtigen Vorteile, da ihr Land dann mit Sicherheit deutlich an Wert verliert oder möglicherweise gar in einer Zone liegt, die nicht mehr so angenehm bewohnbar ist, wie das jetzt der Fall ist. Außerdem werden durch die Rotation ja nicht sofort angenehme Bedingungen geschaffen. Zuerst wird es für eine Weile auf der Oberfläche außerordentlich lebensfeindlich zugehen, bis sich die Extreme ausgeglichen haben und ein neues Gleichgewicht hergestellt ist. In dieser Zeit müssen sich alle Dumada, also auch die Reichen, in unterirdische sichere Bunker flüchten.
Bei den letzten Wahlen gewannen nun die Vertreter der armen Bevölkerungsschicht die Mehrheit, für die die bisher offiziell verfolgte Methode die Fortschreibung des bisherigen, ihrer Meinung nach ungerechten Systems bedeutet. Die Rotation würde hingegen nach einer schwierigen Übergangszeit mehr als genug bewohnbares Land für alle schaffen. Außerdem sind die Bedingungen für dieses drastische Projekt im Moment so günstig, wie danach vermutlich nie mehr. Sämtliche anderen Planeten des Systems stehen nämlich unmittelbar davor, direkt gegenüber von Ramillia auf der anderen Seite der Sonne in einer Linie zu stehen. Das bedeutet, daß Interferenzen von außen die beginnende Rotation des Planeten in diesem einen Moment nicht stören können. Das Erwischen des exakt richtigen Zeitpunktes ist also unheimlich wichtig für eine erfolgreiche Durchführung der Operation.
Das wissen allerdings auch die Gegner der Rotations-Methode. Viele von ihnen sind friedlich und versuchen mit politischen Mitteln, das Projekt im letzten Moment zu stoppen. Doch eine gegnerische Fraktion hat sich dazu entschlossen, mit Gewalt vorzugehen: Der Wissenschaftler, der das Rotationsprojekt leitet und somit praktisch unverzichtbar für die Durchführung ist, wurde von ihnen entführt. Gleichzeitig wurden zahlreiche Triebwerke und die Haupt-Kontrollzentrale für das Projekt durch Angriffe schwer beschädigt. Durch diese Aktionen hoffen die Gegner, eine Durchführung verhindern zu können. Und so wie es im Moment - kurz vor dem einzigen Zeitpunkt, an dem die Rotation halbwegs sicher gestartet werden kann - aussieht, stehen ihre Chancen gar nicht so schlecht. Deshalb wurde die Föderation von der Regierung von Ramillia um Hilfe gebeten.
Die Enterprise sollte sich eigentlich mit einem anderen Starfleet-Schiff treffen, um endlich dringend benötigte Ersatzteile und Ausrüstungsgegenstände an Bord nehmen zu können, doch daraus wird wieder einmal nichts. Kirk und Crew müssen sofort nach Ramillia eilen, um der dortigen Regierung dabei zu helfen, den entführten Wissenschaftler zu befreien. Und sollte das nicht gelingen, soll notfalls die Rotation auch ohne ihn mit Hilfe von Mr. Scott eingeleitet werden.
"Twilight's End" ist eine typische Classic-Story, die mir sehr gut gefallen hat. Die Geschichte ist in ausreichendem Maß spannend, auf jeden Fall interessant, und alle bekannten Charaktere, die hier ein größere Rolle haben, verhalten sich genau so, wie wir das gewohnt sind. Captain Kirk darf sich an einer Stelle sogar ein wenig der Koordinatorin der Dumada - wir würden sie Regierungschefin nennen - annähern. Auch die Dynamik zwischen Kirk, Spock und McCoy kommt in diesem Buch sehr gut zur Geltung. Interessant ist vor allem, daß sich McCoy im großen und ganzen der Meinung jener Dumada anschließt, die gegen das Rotations-Projekt sind. Er hält dieses Vorhaben nämlich für puren Wahnsinn und ist auch der Meinung, daß es besser wäre, nach widerstandsfähigeren Pflanzen zu suchen, die genug Sauerstoff produzieren könnten. Und McCoy vertritt diese Meinung natürlich auch - wie gewohnt - auf seine unnachahmliche Art.
Die Methode, die Probleme von Ramillia zu lösen, indem man den Planeten wieder zum Rotieren bringt, ist auf jeden Fall faszinierend. Das alleine hätte die Geschichte aber noch nicht so gut gemacht, wie sie ist. Wirklich interessant wird die ganze Sache erst durch die politischen und sozialen Verhältnisse auf Ramillia, die für jede Menge Zündstoff und somit auch für jede Menge Probleme für Kirk und seine Mannschaft sorgen.
Recht viel mehr gibt es zu "Twilight's End" eigentlich nicht zu sagen. Noch einmal zusammengefaßt: Jerry Oltion hat eine gute, ganz normale Classic-Geschichte geschrieben, die für Fans der Classic-Serie auf jeden Fall sehr schön zu lesen ist. Mich hat sie jedenfalls hervorragend unterhalten.