Buchbesprechung von Claudia Wlaschütz |
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Star Trek: The Next Generation
The Valiant Autor: Michael Jan Friedman 2000, Pocket Books ISBN 0-671-77522-7 279 Seiten |
300 Jahre zuvor:
Auf dem Rückflug von einer Erkundungsmission wurde die S.S. Valiant durch einen Meteoritensturm vom Kurs abgebracht. Sie fand sich plötzlich schwer beschädigt vor einem bislang noch unbekannten Raumphänomen wieder. Captain Tarasco befahl hindurchzufliegen, was zu weiteren Beschädigungen der Schiffssystemen führte - und weiters zum Verlust von 6 Crewmitgliedern, die allesamt während der Passage durch diese Barriere aufleuchteten und wenig später verstarben. Nur einer überlebte dieses Aufleuchten, und zwar ein Mitarbeiter im Maschinenraum namens Agnarsson... als einziges Zeichen dieses Erlebnisses hatte sich seine Augenfarbe von einem blassen Blau zu einem durchdringenden Silber geändert.
Doch dies sollte nicht die einzige Veränderung bleiben. Bald entwickelte Agnarsson die Fähigkeit der Telepathie und Telekinese - und auch seine Persönlichkeit begann sich zu ändern. War er in den Jahren der Mission als guter Kamerad bekannt, so zeigte er bald keinerlei Wertschätzung für das Leben seiner Kameraden. Der Schiffsarzt entdeckte inzwischen, warum er als einziger dieses Aufleuchten überlebt hatte - Agnarsson hatte schon vorher die Fähigkeit zur Telepathie...
Er wurde schließlich zu einer Gefahr für das Schiff, und nachdem er mehrere Personen umgebracht hatte, sah sich Tarasco schließlich gezwungen, sein Schiff so gut wie möglich zu evakuieren und es anschließend zu zerstören, um die Gefahr, die von Agnarsson nun ausging, von anderen Planeten und auch von der Erde selbst fernzuhalten.
rund 80 Jahre zuvor:
Bei der Untersuchung der Galaktischen Barriere stieß die Enterprise unter Captain Kirk auf eine Nachrichtenboje der S.S. Valiant, die von den Ereignissen, die zur Zerstörung des Schiffes geführt hatten, berichtete. Vorgewarnt wagte die Enterprise das Abenteuer, die Barriere zu überqueren - und wieder waren Personen von diesem Aufleuchten und der nachfolgenden Veränderung betroffen... Kirks Navigator Gary Mitchell und die junge Psychologin Dehner.
Und wieder führte diese Veränderung zu einer Mißachtung allen Lebens, und wieder mußte der Captain sich dazu entscheiden, die betroffenen Mitglieder seiner Crew zu opfern, um die Gefahr von seinem Schiff und der Föderation abzuwenden. Kirk tötete Mitchell schließlich eigenhändig...
Kurze Zeit später traf die Enterprise unter Kirk auf eine Vorhut des Kelvanischen Imperiums, das versuchte, auf dieser Seite der Barriere Fuß zu fassen. Kirk konnte einen Vertrag aushandeln, der ihnen einen Planeten zur Verfügung stellte... Nalogen 4.
jetzt:
Die Stargazer unter Captain Ruhalter wird zu einer Sternenbasis gerufen, wo der Commander dieser Station den überraschten Senioroffizieren eröffnet, daß vor einiger Zeit Personen aufgetaucht sind, die angeben, Nachfahren der Crew der Valiant zu sein. Sie seien auf diese Seite der Barriere gekommen, um die Föderation vor einem übermächtigen Feind, den Nuyyad, zu warnen. Aufgrund dessen, was mit Agnarsson und später mit Mitchell passiert ist, werden diese Nachfahren allerdings ausgesprochen mißtrauisch behandelt - und sie zeigen auch Spuren von Telepathie und Telekinese, allerdings nicht diese Arroganz und Mißachtung von "niederen" Lebewesen, die Agnarsson und Mitchell so gefährlich gemacht hatten. Da nicht nur die Aussagen der beiden über die Gefahr der Nuyyad zu Buche stehen, sondern auch die eines Kelvaners namens Jomar, soll nun die Stargazer die Lage untersuchen. Eine der beiden Nachfahren, eine Frau namens Serenity Santana, soll sie begleiten - dazu auch noch Jomar, der die Abwehrkapazität des Schiffes verstärken kann.
Ruhalter befiehlt seinem 2. Offizier, Lieutenant Commander Picard, Santana näher unter die Lupe zu nehmen. Und dieser ist sofort von ihr eingenommen - genauso auch der junge Sicherheitsoffizier Peter Joseph. Doch auf der Stargazer herrschen auch "interne" Konflikte. So zieht sich Picard den Zorn des Ersten Offiziers Leach zu, der meint, Picard schleimt sich bei Ruhalter ein, der ihn Leach bei jeder Gelegenheit vorzieht - in der Tat aber plant Ruhalter, Leach bei der nächsten Möglichkeit auf ein anderes Schiff transferieren zu lassen und Picard zu seinem Ersten Offizier zu befördern...
Kurz nach der Passage der Barriere, die ohne Probleme verläuft, trifft die Stargazer auch schon auf erste feindliche Schiffe... die Nuyyad. Da Jomars Verbesserungen der Schilde noch nicht fertiggestellt sind, steht die Stargazer bald unter vollem Beschuß durch eine Waffe, die die Schilde mit einer Salve schon dezimieren kann. Ausweichmaneuver und Gegenangriff schwächen zwar auch die Nuyyad, jedoch mit dem letzten Beschuß sind die Schilde der Stargazer hinüber, Konsolen und Leitungen explodieren - und Ruhalter findet den Tod, Leach wird schwer verletzt. Picard ist nun der ranghöchste Offizier und muß seine Kommandofähigkeiten unter Beweis stellen...
"The Valiant" ist ein sehr guter Versuch, einerseits Licht in die Vergangenheit von Picard zu werfen, andererseits auch Ereignisse des ST-Universums, ob Buch oder Serie, miteinander zu koppeln. Friedman greift hier auf die Mannschaft der Stargazer zurück, die er in "Reunion" vorgestellt und schon durch so manch anderes Abenteuer geführt hat. Genauso aber kommen wiederum kurz die Ereignisse zur Sprache, die Ausgangspunkt für Trilogie "My Brother's Keeper" (Republic, Constitution, Enterprise) waren... Wie schon bei anderen Büchern angemerkt, mag ich es äußerst gerne, wenn zwischen einzelnen Folgen/Filmen/Büchern eine Art großer Handlungsbogen gezogen wird (noch dazu, wenn dieser Bogen auch zumindest ein wenig Lieblingsbücher von mir betrifft...)!!
Wie sich die Bilder gleichen, ist man versucht zu sagen, wenn man die Eingangskapitel dieses Romans liest. Was auf der Valiant geschieht, ist im Prinzip ein Abklatsch dessen, was später (äh, eigentlich früher...) in der TOS-Folge "Where No Man Has Gone Before" gezeigt wird. Allerdings dient diese Bezeichnung "Abklatsch" wahrlich nicht dazu, diese Szenen mies zu machen, sondern ganz im Gegenteil. Dadurch, daß man als Kenner der TOS sie schon einmal gesehen hat, wirken sie noch umso besser - und Leute, die diese Folge der TOS nicht kennen, bekommen ein ausgesprochen gutes Gefühl dafür, wie ernst die Lage mit Agnarsson (und später mit Mitchell) war. Es hätte wohl ein wenig übertrieben gewirkt, wenn man nun auf der Stargazer wieder jemanden so in ein Superwesen transformiert hätte, allerdings muß ich hier doch ein wenig Kritik üben. Was der Valiant passierte, geschah 200 Jahre, bevor die Enterprise unter Kirk den Versuch wagte, die Barriere zu durchbrechen - und innerhalb dieser 200 Jahre hat man es nicht geschafft, wirkungsvolle Schilde zu erzeugen? Und die Stargazer, gerade mal 50 oder 60 Jahre später, hat diese Schilde so ganz plötzlich? Gut, hier kann man natürlich einwenden, daß Kirk ja davon berichten konnte, wogegen Schilde bei der Barriere schützen sollten, aber ich hätte mir da schon ein etwas größeres Gefühl der Gefahr, ausgehend von dieser Barriere, gewünscht.
Dies führt mich zu einem anderen Punkt des Romans, der mich ein wenig stutzig gemacht hat. Im Schlußkapitel wird nochmals in die Zeit der Valiant zurückgegangen, wie die Crew in den Fluchtkapseln sitzt und nach und nach beginnt, telepathische Fähigkeiten zu entwickeln. Damit hab ich so meine Probleme, denn erstens wird in keinem Teil dieses Buches erklärt, wie es zu dieser verspäteten Reaktion gekommen ist, und zweitens hätte meiner Ansicht nach dann auch die Crew der Enterprise davon betroffen sein müssen. Wenn nämlich auch auf ihr Leute dem "Verwandlungs"Syndrom anheimfallen, so müßte dies eigentlich ebenfalls für diese verspätete Entwicklung der Telepathie gelten. Oder sind andere "Strahlen" oder was immer für dieses Spätphänomen verantwortlich? Schützen die Schilde der Stargazer auch davor?
Die ganze Geschichte basiert eigentlich auf einer simplen Frage - und zwar, wer wem vertraut. Ist es sicher, Santana zu vertrauen? Und was ist mit Jomar? Und schließlich muß die Crew der Stargazer auch noch dem unerprobten 2. Offizier Picard ihr Vertrauen schenken...
Natürlich war es klar, daß die Sternenflotte ein Schiff hinter die Barriere schicken muß, um herauszufinden, was an den Warnungen Santanas und Daniels' dran ist. Nur frage ich mich schon, warum keiner daran gedacht hat, die beiden von einem Betazoiden oder sonst einer telepathischen Rasse überprüfen zu lassen. Klinische Untersuchungen sind zwar nett, aber wie hier auch so schön angedeutet wird, ist es ja nicht sicher, daß die beiden wirklich ihr wahres Potential gezeigt haben. Und wenn man noch annimmt, Santana habe größere telepathische Fähigkeiten, wie kann Ruhalter dann Picard befehlen, ihr auf den Zahn zu fühlen? Hätte Santana dieses Vorhaben nicht gleich beim ersten Treffen entdecken müssen? Ich finde es schon recht bemerkenswert, daß sie da so kooperativ ist, denn, da die Stargazer da sowieso schon auf dem Weg zur Barriere gewesen ist, hätte sie dies nicht sein müssen.
Mehr als Santanas Aufrichtigkeit hätte ich Jomars angezweifelt. Warum hilft er der Föderation, wenn die Kelvaner doch so einsiedlerisch leben und nichts mit anderen Völkern zu tun haben wollen? Hier hätte ich von Anfang an nach einem "hidden agenda" gesucht.
Und schließlich die für mich interessanteste Geschichte rund um Picards erstes Kommando. Einerseits finde ich es hier schon mal äußerst bemerkenswert, daß sich Ruhalter gerade beim Posten des Ersten Offiziers nicht auf seine Instinkte, die ihn doch sonst nie getäuscht haben, verlassen und Leach angeheuert hat. Dazu halte ich es für ausgesprochen fragwürdig, dem 2. Offizier gegenüber die Vorbehalte gegen Leach offen auszusprechen. Ist ja schön, daß er Picard so vertraut und ihn zum Ersten Offizier machen möchte, aber dadurch, daß Picard nun weiß, wie Ruhalter gegenüber Leach eingestellt ist, ist er nun in einer schwierigen Situation - schließlich ist Leach sein direkter Vorgesetzter und sowieso schon mißtrauisch aufgrund des guten Verhältnisses zwischen dem Captain und dessen 2. Offizier. Keine Ahnung also, was Ruhalter damit bezwecken wollte...
Aber dies ist im Laufe der Geschichte eigentlich gar nicht so wichtig, denn alle beide, Ruhalter und Leach, fallen schließlich aus. Interessanter ist hier vielmehr die Grüppchenbildung, die Picards Kommando anfangs erschwert. Friedman scheint recht häufig Gebrauch von einer Polarisierung innerhalb der Crew zu machen, schließlich passierte etwas Ähnliches auch schon auf der Constitution, als Kirk plötzlich das Kommando hatte... Hier sind der Chefingenieur, der Waffenoffizier und etliche andere von Leach aufgestachelt worden, der sich seine Karriere nicht von einem Emporkömmling, der sich beim Captain einschleimt, versauen lassen will. Wo es aber in "Constitution" beim persönlichen Konflikt geblieben ist, so versucht der Waffenoffizier hier Meuterei, die nur durch einen Zufall zu verhindern ist. Dies bringt aber immerhin die anderen Gegner Picards wieder halbwegs zur Vernunft. Die Motive Werbers, diese Meuterei zu starten, bleiben leider ein wenig im Dunkeln. Gut, er ist mit Picards Entscheidung, den Planeten der Überlebenden aufzusuchen, nicht einverstanden - aber das ist Simenon, der Chefingenieur, auch nicht, und er startet keine Revolte. Ich finde, dieses Mittel der Meuterei paßt eher in die Zeit Kirks oder noch früher, nicht mehr aber in die der Stargazer. Hier hätte man schon ein anderes Mittel finden müssen, um zu zeigen, daß nicht alle mit Picards Führung einverstanden sind.
Besonders gelungen fand ich die Szenen, in denen Picard realisiert, daß ihm eigentlich der Stil des von ihm verehrten Ruhalter überhaupt nicht paßt. Dieser ist nämlich immer schon mit einer vorgefaßten Meinung zu einer Sitzung seines Stabes gekommen, etwas, das von Picard anfangs ebenfalls angenommen wird. Umso überraschter sind dann auch die anderen, als Picard klarstellt, daß er sich aufgrund des "Inputs" seiner Offiziere erst eine Meinung bildet. Wieder stellt sich hier allerdings die Frage nach dem Führungsstil des ehemaligen Captain. Ich zweifle daran, daß die Moral auf dem Schiff sehr hoch sein kann, wenn man als Chef einer Abteilung zu einem Treffen mit dem Boss kommt, der aber eigentlich gar nicht an deiner qualifizierten Meinung interessiert ist, sondern nur daran, daß du deinen Job machst und sonst kuschst. Ein ähnliches Regiment scheint allerdings Werber auch in seiner Abteilung geführt zu haben, sonst wäre Vigo wohl kaum so überrascht und erfreut darüber gewesen, daß in der Person von Picard endlich mal jemand seine gute Arbeit lobt.
Bis auf Jack Crusher, Cadwallader und Morgen sind in dieser Mission an sich auch schon alle Protagonisten des so ausgezeichneten "Reunion" zu sehen, wenn auch lange noch nicht so eingespielt. Bei Dr. Greyhorse werden einerseits seine wissenschaftliche Brillanz und Schwäche im Umgang mit den Patienten (Ist das EMH nach seinem Abbild entstanden???), andererseits aber auch sein Interesse an Gerda Asmund beschrieben. Gerade letzteres wurde mir ein wenig zu sehr betont, denn, wenn ich bei jeder Szene mit Greyhorse lesen muß, wie sehr er sich nach Gerda verzehrt, wird's fad. Über die Asmund-Schwestern erfährt man, daß sie sich wegen der Herausforderung auf die Stargazer versetzen ließen, sie sich aber in den letzten Monaten nicht herausgefordert genug gefühlt haben und dementsprechend daran denken, das Schiff zu verlassen... Und man kann auch herauslesen, daß Gerda die ein wenig unruhigere der beiden ist. Denn während man Idun eigentlich nur an ihrer Steuerkonsole sitzen sieht, so erhält man doch einen besseren Einblick in die Gedankenwelt ihrer Schwester. Und Gilaad Ben Zoma erweist sich schon hier als Picards treuer Freund - er wird hier schließlich Picards Erster Offizier.
Picard wird aufgrund dieser Mission zum Captain der Stargazer befördert - ein kleiner Nitpick bezüglich dieser Beförderung sei erlaubt. In "Encounter at Farpoint" erklärt er nämlich Riker, daß auch er mal als Erster Offizier tätig war und mit "widerspenstigen" Captains zu tun hatte... Nun, hier ist er ja direkt vom 2. Offizier zum Captain befördert worden, hat also die Position des Ersten Offiziers übersprungen. Friedman hätte hier meiner Meinung nach etwas besser aufpassen müssen, denn ein solch offensichtlicher Kontinuitätsfehler ist nicht notwendig!
Genauso muß ich die Einordnung dieses Buches unter der TNG ein wenig kritisieren. Unter TNG verstehe ich die Mannschaft der Enterprise (mehr oder weniger vollzählig), aber nicht die Geschichte der Stargazer. Nur weil Picard hier der Protagonist ist, kann man sie nicht schon der TNG zuordnen. Hier wäre es vielleicht angebracht, eine Art Unterüberschrift "STTNG - Stargazer" einzuführen, denn für Leute, die eine "normale" TNG-Story lesen wollen, mag es irreführend sein, auf einmal über andere Personen zu lesen als die gewohnten.
Abschließend ist zu sagen, daß dieser Roman durchaus sehr gelungen ist. Die Fragen, die er in puncto Kontinuität oder "Logik" aufwirft, stören bei der Lektüre nicht. Schade nur, daß dieses Buch gerade für ein Hardcover mit 279 Seiten doch recht kurz ist, hier hätte man aus einigen Storypunkten doch noch mehr rausholen können (zB. Leach nicht gleichzeitig mit Ruhalter außer Gefecht zu setzen oder eine bessere Entwicklung der Meuterei...). Trotzdem ist mein Urteil sehr positiv - "The Valiant" ist für Leute, die über Picards Jahre auf der Stargazer mehr wissen wollen, oder für solche, die schon "Reunion" mit Genuß verschlungen haben, ein gefundenes Fressen. Ich würde allerdings nicht soweit gehen, diesen Roman einfach als Muß für alle ST-Leser zu bezeichnen.