Buchbesprechung von Patrick Ahrer |
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Star Trek: The Next Generation
The Valiant Autor: Michael Jan Friedman 2000, Pocket Books ISBN 0-671-77522-7 279 Seiten |
Gleich zu Beginn möchte ich loswerden, daß ich die Einordnung dieses Buches in die TNG-Buchreihe für etwas unglücklich halte. "The Valiant" ist nämlich vor allem ein Buch über eine Mission der U.S.S. Stargazer und deren Crew, auch wenn Jean-Luc Picard eine zentrale Rolle spielt. Trotzdem würde ich aber allen TNG-Fans empfehlen, sich nicht jetzt schon gegen dieses Buch zu entscheiden. Denn wenn man auch Geschichten mit interessanten Charakteren, die in den TV-Serien nicht zu sehen waren, mag, sollte man "The Valiant" keinesfalls ignorieren.
Am Beginn der Geschichte befinden wir uns auf der S.S. Valiant. Captain Tarasco und seine Crew sind im 21. Jahrhundert aufgebrochen, um das Weltall zu erforschen. Und sie schafften es bis zur großen Barriere am Rand der Galaxie. Der Captain befiehlt schließlich, Kurs auf das seltsame Phänomen zu nehmen und hindurchzufliegen. Doch dabei wird die Valiant schwer durchgeschüttelt. Das ist aber nicht alles. Einige Crewmitglieder beginnen auf unerklärbare Weise aufzuleuchten. Alle davon Betroffenen sterben kurze Zeit darauf, nur ein einziger - ein Ingenieur namens Agnarsson - überlebt den Vorfall.
Doch auch mit Agnarsson ist nicht alles in Ordnung. Seine Augen glänzen plötzlich silbern und innerhalb kürzester Zeit entwickelt er unglaubliche Fähigkeiten. Er kann Gedanken lesen, telepathisch kommunizieren, unglaublich große Datenmengen innerhalb kürzester Zeit speichern und Gegenstände bewegen, ohne sie zu berühren. Als die Führungsoffiziere der Valiant das weitere Vorgehen besprechen, empfiehlt der Sicherheitschef, Agnarsson sofort irgendwo einzusperren, um sicher sein zu können, daß er niemandem an Bord schadet. Andere Teilnehmer werfen aber ein, daß man ein Crewmitglied nicht einfach so behandeln könne, ohne daß dieses zuvor tatsächlich etwas getan habe. Captain Tarasco ist zwar ebenfalls besorgt, läßt Agnarsson aber vorläufig seine Freiheit.
Diese Entscheidung stellt sich aber recht schnell als Fehler heraus. Agnarsson wird nicht nur immer mächtiger, auch seine Persönlichkeit verändert sich. Er stellt sich immer mehr gegen die Crew und so wirft man ihn schlußendlich doch noch in eine Zelle. Doch auch während seines Aufenthaltes in dieser wachsen Agnarssons Kräfte immer weiter und er entkommt. Dem Captain bleibt schließlich nichts anderes mehr übrig, als das Schiff mit Agnarsson an Bord zu zerstören. Es gelingt ihm gerade noch, die anderen Crewmitglieder rechtzeitig zu warnen, sodaß der Großteil von ihnen das Schiff mit Rettungskapseln verlassen kann.
Einige Zeit vor der Zerstörung des Schiffes, wurde eine Art Warnboje losgeschickt. Sie enthält Informationen darüber, was der Crew der Valiant passiert ist, und soll andere Raumschiffe vor dem Raumphänomen warnen...
Im 23. Jahrhundert stößt die Enterprise unter dem Kommando von Captain James T. Kirk auf diese Warnboje. Dennoch durchfliegt auch sie die Barriere und wird mit dem gleichen Problem konfrontiert: Gary Mitchell, James Kirks bester Freund, entwickelt jene Kräfte, die auch Agnarsson hatte. Und auch in diesem Fall kann die Bedrohung, die von einem solchen Individuum ausgeht, nur abgewendet werden, indem Gary Mitchell vernichtet wird.
Diese Ereignisse werden in diesem Buch zwar nur kurz zusammengefaßt, wir kennen sie aber aus der TV-Episode "Where No Man Has Gone Before".
Im 24. Jahrhundert fliegt ein Schiff, dessen Design ein wenig dem der S.S. Valiant ähnelt, Starbase 209 an. An Bord sind zwei menschlich aussehende Lebewesen: Guard Daniels und Serenity Santana. Die beiden behaupten, Nachfahren von Überlebenden der S.S. Valiant zu sein. Laut ihrer Aussage haben die überlebenden Crewmitglieder auf einem Planeten jenseits der großen Barriere eine Kolonie gegründet, die noch immer existiert. Ihre Ankunft im Gebiet der Föderation löst aber nicht gerade sehr viele positiven Reaktionen aus. Man erinnert sich an all das, was zuerst auf der Valiant, und dann auch noch auf der Enterprise passiert ist. Man befürchtet, daß auch diese beiden über jene unglaublich großen Kräfte verfügen könnten, die Agnarsson und Mitchell zur Verfügung standen. Sie bestreiten auch gar nicht, daß sie begrenzte Fähigkeiten auf diesen Gebieten haben, nur sollen diese bei weitem nicht so ausgeprägt sein, wie bei den beiden eben genannten Personen.
Und so landen Daniels und Santana in einer Zelle, obwohl sie eigentlich gekommen sind, um die Föderation vor einer großen Bedrohung zu warnen. Eine Spezies namens Nuyyad ist auf der anderen Seite der großen Barriere nämlich gerade dabei, ein Sonnensystem nach dem anderen zu erobern. Und es sieht so aus, als könnte die Föderation das nächste Opfer sein.
Schließlich wird die U.S.S. Stargazer unter dem Kommando von Captain Ruhalter mit Serenity Santana an Bord losgeschickt, um herauszufinden, ob all das tatsächlich die Wahrheit ist, oder ob es sich dabei nur um eine Falle von mächtigen Supermenschen handelt. Der zweite Offizier der Stargazer ist ein junger Mann namens Jean-Luc Picard...
"The Valiant" erzählt einerseits eine recht gute, spannende und dicht erzählte Geschichte und ist andererseits auch ein Buch über Picard und wie dieser seine ersten Erfahrungen als Kommandant eines Raumschiffes macht. Denn nachdem Captain Ruhalter stirbt und der erste Offizier ebenfalls außer Gefecht gesetzt ist, muß Picard plötzlich das Kommando über die Stargazer übernehmen.
Besonders interessant ist die Dynamik zwischen den Crewmitgliedern der Stargazer. Picard ist im Kreis der Führungsoffiziere nämlich keinesfalls unumstritten. Vor seinem Tod hatte Captain Ruhalter keinen sehr guten Draht zu seinem Ersten Offizier und hat sich stattdessen ständig an Picard gewandt. Das hat seinem ersten Stellvertreter natürlich gar nicht gut gefallen. Er hatte das Gefühl, daß sich Picard beim Captain einschleimt und so an seinen Posten kommen möchte. Und da es einige Abteilungsleiter an Bord gibt, die den Stil des Ersten Offizieres bevorzugt haben, hat es Picard nicht gerade leicht, nachdem er das Kommando übernehmen mußte. Das ganze gipfelt schließlich in einer Meuterei, die in dieser Form zwar etwas plötzlich kommt, aber doch recht schön zeigt, welche Konflikte es in dieser Crew gibt.
Ein Grund für diese Spannungen innerhalb der Besatzung ist wohl auch Captain Ruhalters Führungsstil. Er war bekannt dafür, mit einer gefestigten Meinung in ein Treffen der Führungsoffiziere zu gehen, sich die Meinung aller anzuhören, und dann unbeeindruckt davon genau das zu tun, was er ursprünglich vorhatte. Genau diese Schwäche Ruhalters läßt Picard aber schließlich erkennen, daß von anderen eingebrachte Aspekt sehr wertvoll sein können.
Ein wenig gestört hat mich, daß man über die Nuyyad nur erfährt, wie böse und brutal sie sind. Man bekommt überhaupt keine Informationen darüber, warum sie eigentlich so handeln. Und das Problem ist auch, daß sich niemand darüber Gedanken zu machen scheint. Sie werden einfach sofort als Gegner eingestuft und bekämpft. Ich sehe ja ein, daß man sich verteidigen muß, wenn man angegriffen wird. Nicht ganz so glücklich bin ich aber darüber, daß Picard - obwohl im Moment niemand mehr in Gefahr zu sein scheint - befiehlt, noch ein Stückchen weiterzufliegen, um ein großes Depot der Nuyyad zu zerstören. Meiner Meinung nach hätte es wesentlich besser zu Star Trek gepaßt, wenn man sich hier nicht so extrem feindselig verhalten hätte. Mit der überlegenen Feuerkraft, die die Stargazer zu diesem Zeitpunkt hat, wäre ihr das sicher nicht zum Verhängnis geworden.
Äußerst positiv finde ich, daß es in "The Valiant" ein Wiedersehen mit einem Teil der Stargazer-Crew gibt, die auch in anderen Büchern von Michael Jan Friedman auftaucht. (Siehe "Reunion" oder "The First Virtue".) Sie besteht aus sehr interessanten Charakteren, über die ich gerne noch mehr lesen würde.
Fazit: "The Valiant" ist ein ziemlich gutes Buch, daß zwar nicht unbedingt zu den absoluten Highlights zählt, aber nicht weit von diesen entfernt ist.