Buchbesprechung von Patrick Ahrer |
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Star Trek: Deep Space Nine Millennium #2 The War of the Prophets Autoren: Judith & Garfield Reeves-Stevens 2000, Pocket Books ISBN 0-671-02402-7 372 Seiten |
"The War of the Prophets" ist der Mittelteil des "Millennium"-Dreiteilers von Judith & Garfield Reeves-Stevens und setzt somit die Geschichte aus "The Fall of Terok Nor" fort.
Am Ende von "The Fall of Terok Nor" hat es die DS9-Crew ja ca. 25 Jahre in die Zukunft verschlagen, ins beginnende 25. Jahrhundert. Kaum ist die Defiant nach ihrem Sprung durch die Zeit wieder im normalen Weltraum gelandet, hat ihre Crew auch schon das nächste Problem. Vier Schiffe, in der Form von drei gegen eines, scheinen sich um das Schiff aus der Vergangenheit zu streiten. Das Schiff, das offenbar als "Einzelkämpfer" unterwegs ist, die Opaka, wird von Captain Tom Riker kommandiert, der Sisko und seine Crew auffordert, sich für eine der beiden Seiten zu entscheiden, bevor es zu spät ist. Besonders seltsam ist, daß auf beiden Schiffen jeweils etwas abgewandelte Starfleet-Insignia verwendet werden.
Als klar ist, daß die Defiant und ihre Crew nicht mehr lange durchhalten können, entscheidet sich Sisko für die Opaka, ohne zu wissen, wem oder was er sich da eigentlich anschließt. Es geht ihm in diesem Moment nur darum, wenigstens von einer Seite unterstützt zu werden. Und da die Opaka bisher eher versucht hat, die Defiant zu verteidigen, während er bei den drei anderen Schiffen den Eindruck gewonnen hat, daß sie auf die Zerstörung seines Schiffes aus wären, ist sie für ihn die logische Wahl.
Doch bevor diese Entscheidung wirklich Früchte tragen könnte, wird die Crew der Defiant getrennt. Während Sisko, Kira, Commander Arla, Odo, O'Brien, Rom, Garak und Quark bei der Opaka bleiben, landen Worf, Dax, Bashir, Jake Sisko, Vash und einige Bajoraner auf einem der drei anderen Schiffe.
An dieser Stelle trennen sich für den Rest des Buches die Wege dieser zwei Gruppen. Eines haben sie aber gemeinsam: Niemand weiß, was hier eigentlich gespielt wird. Und so versucht sowohl die Gruppe rund um Sisko, als auch die Gruppe rund um Worf, Dax und Bashir, mehr über diese Zeit herauszufinden. Beide Gruppen werden jeweils nicht überfreundlich aufgenommen, insgesamt gesehen hält sich die Feindseligkeit auf den ersten Blick aber auf beiden Seiten in Grenzen. Und so erfahren schließlich auch beide Gruppen mehr über den sogenannten "War of the Prophets", der in dieser Zeit gerade stattfindet. Natürlich aus der Sicht der jeweiligen Kriegspartei.
Sisko & Co. sind bei der sogenannten "Bajoran Ascendancy" gelandet, deren Ziel es ist, sich auf den Untergang des bekannten Universums vorzubereiten, der angeblich stattfindet, wenn sich die beiden Wurmlöcher, die nach "The Fall of Terok Nor" in der Nähe von Bajor "herumschwirren", vereinigen. Und das soll schon in wenigen Tagen der Fall sein. Die Ascendancy ist davon überzeugt, daß dann alles Leben in eine viel angenehmere nicht-lineare Existenz übergeht. Da logischerweise nicht alle Bewohner des Universums diesen "Übergang" herbeisehnen, muß sie sich sehr anstrengen, um zu verhindern, daß irgendjemand im letzten Augenblick das Zusammentreffen der beiden Wurmlöcher unmöglich macht. Der Anführer der Ascendancy, die offenbar über sehr große militärische Macht verfügt, ist Kai Weyoun...
Worf, Dax, Bashir und Co. sind bei den Überresten der einst so mächtigen Föderation gelandet. Wer jetzt aber glaubt, daß sie dort herzlich empfangen werden, täuscht sich. Starfleet, aber auch die Föderation insgesamt, haben sich in den letzten 25 Jahren sehr verändert. Und sicher nicht zum Besseren. Die Erde wurde längst zerstört und Starfleet ist bei weitem nicht mehr so schlagkräftig und mächtig, wie das einmal der Fall war. Im Gegenteil, die Flotte ist in einem äußerst schlechten Zustand. Von all den großen Idealen und Grundsätzen, auf die die Föderation immer so stolz war, ist nicht viel übrig geblieben. Die erste Direktive ist längst außer Kraft und das einzige verzweifelte Ziel von Starfleet ist es, den von der Ascendancy propagierten Untergang des Universums zu verhindern. Und wenn es notwendig ist, dafür über Leichen zu gehen, ist das kein wirkliches Problem.
"The War of the Prophets" zeichnet ein extrem düsteres Bild von der Zukunft. Den Zustand der Föderation drückt man wohl am besten mit den Wörtern "tragisch" und "verzweifelt" aus. Auf der anderen Seite gibt es da die recht junge und militärisch starke Ascendancy, gegen die die Reste von Starfleet seit Jahren erfolglos ankämpfen. Dieser Teil des Buches, in dem man langsam immer mehr über diese Zukunft erfährt, ist sehr gut gelungen. Wir erfahren viel über die Zukunft zahlreicher bekannter Figuren, die allerdings in keinem Fall wirklich positiv ausgefallen ist. Da gibt es zB Admiral Picard, der von der Krankheit, die er auch in der Zukunft aus "All Good Things..." bekommen hat, schwer gezeichnet ist. Picard ist formell die Leitfigur beim Projekt Phoenix, einem letzten verzweifelten Versuch von Starfleet, die große Tragödie abzuwenden. Der Admiral hatte die Idee dazu, kann aber aufgrund seiner Erkrankung zur Ausführung nicht mehr viel beitragen. Die tatsächliche Leitung hat Captain Nog übernommen.
In der Gegend rund um Bajor treibt sich noch immer der verrückte Dukat herum, der mehrmals in Kontakt mit unseren Leuten aus der Vergangenheit kommt. Dann ist da natürlich noch Kai Weyoun, der offenbar von einem geheimnisvollen Volk namens Grigari "umprogrammiert" wurde und sich von den Gründern längst losgesagt hat. Er ist jetzt der Anführer der Ascendancy. Auch Tom Riker, das Transporterduplikat aus den TV-Episoden "Second Chances" (TNG) und "Defiant" (DS9), treibt sich in den Reihen der Ascendancy herum.
Einen kurzen Auftritt haben auch Seven of Nine und der Holodoc aus "Star Trek: Voyager". Außerdem erfährt man ein paar Kleinigkeiten über das Schicksal von Kathryn Janeway.
Im zweiten Teil des Buches driftet das Buch leider etwas stark in Richtung Fantasy-Elemente ab. Dieser ganze Kampf zwischen Propheten, Pah-Wraiths, Grigari, einem verrückten Dukat usw. paßt meiner Meinung nach einfach nicht so wirklich zu Star Trek. Zwar kamen all diese Elemente auch in der TV-Serie vor, hier wird das aber dermaßen auf die Spitze getrieben, daß es mir einfach ein wenig zu weit geht. Deshalb hat mir dieser Abschnitt des Buches nicht ganz so gut gefallen. Ich hoffe, daß das im dritten "Millennium"-Buch wieder etwas anders wird.
Weniger begeistert bin ich auch von der Entwicklung von Commander Arla. In "The Fall of Terok Nor" hat mir diese neue Offizierin noch recht gut gefallen, weil sie mir als nicht-religiöse Bajoranerin eine sehr interessante Figur zu sein schien. In "The War of the Prophets" untersucht sie aber plötzlich die Kalendersysteme diverser Kulturen, findet heraus, daß der Tag, an dem das Universum laut Ascendancy untergehen wird, in vielen Systemen auf ein "rundes" Datum fällt und wird deshalb plötzlich religiös.
Fazit: "The War of the Prophets" bleibt doch recht deutlich hinter "The Fall of Terok Nor" zurück, auch wenn insbesondere die im Buch beschriebene Zukunft recht interessant zu erforschen ist. Hoffen wir, daß "Inferno", das dritte Buch der "Millennium"-Reihe, wieder etwas besser wird.