Buchbesprechung von Patrick Ahrer |
![]() |
Star Trek #39 Time for Yesterday Autorin: A.C. Crispin 1988, Pocket Books ISBN 0-671-70094-4 (Spätere Auflage: 0-671-03857-5) 303 Seiten |
"Time for Yesterday" ist eine Fortsetzung von "Yesterday's Son" (siehe auch "Sohn der Vergangenheit"). Die Geschichte rund um Spocks Sohn aus der Vergangenheit hat einige Jahre vor dem Erscheinen dieser Fortsetzung soviele positive Reaktionen ausgelöst, daß schließlich 1988 "Time for Yesterday" erschienen ist.
Nach "Star Trek: The Motion Picture" ist Admiral Kirk wieder hinter seinem Schreibtisch gelandet. Und er kann den ganzen Papierkram immer noch nicht ausstehen. Es zieht ihn einfach ins Weltall. Jetzt hat er wieder einmal die Gelegenheit zu einem echten Abenteuer. Admiral Harry Morrow bringt Kirk und Spock wieder zusammen, um gemeinsam mit ihnen eine große Bedrohung für das ganze Universum abwenden zu können. In letzter Zeit häufen sich nämlich Vorfälle, bei denen die Zeit innerhalb eines begrenzten Raumgebiets plötzlich rasend schnell voranzuschreiten scheint. So erreichen zum Beispiel ganze Sterne, die eigentlich noch Milliarden von Jahren vor sich hätten, innerhalb weniger Stunden oder Tage das Ende ihrer Lebensspanne. Und für die Planeten in deren Umlaufbahn bedeutet das natürlich die Zerstörung. Starfleet hat alle Hände voll zu tun, ganze Planeten zu evakuieren und stößt dabei schnell auf Grenzen.
Schließlich stößt auch noch Leonard McCoy zu Kirk und Spock. Inzwischen hat man herausgefunden, daß "Zeitwellen", die vom Planeten Gateway ausgesendet werden, für diese Vorgänge verantwortlich sind. Der Guardian of Forever, der sich ja auf Gateway befindet, hat schon immer seltsame Wellen ausgesendet, aber jetzt scheinen sich diese äußerst negativ verändert zu haben. Morrow möchte, daß Kirk, Spock und McCoy den Planeten Gateway aufsuchen. Sie sollen herausfinden, was mit dem Guardian nicht stimmt. Kirk hat natürlich nichts dagegen, stellt aber klar, daß er nur dann losfliegt, wenn er die Enterprise und seine ehemaligen Führungsoffiziere bekommt. Morrow willigt sofort ein.
Der Plan ist, einen starken Telepathen versuchen zu lassen, mit dem Guardian Kontakt aufzunehmen. Dazu kommt eine Marishal namens D'berahan an Bord. Die Marishal kommunizieren überhaupt nicht verbal, sondern verständigen sich ausschließlich telepathisch.
Nachdem die Enterprise einigen gefährlichen Zeitwellen gerade noch entkommen ist, schafft sie es tatsächlich, Gateway zu erreichen. Sofort beamt eine Gruppe mit D'berahan auf die Oberfläche und begibt sich zum Guardian of Forever. Von den wissenschaftlichen Einrichtungen auf Gateway ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Offenbar hat es also auch diese Basis schon erwischt. Die Marishal versucht dann, mit dem Guardian Kontakt aufzunehmen. Dieser Versuch ist für sie aber alles andere als angenehm. Ihr "Geist" verliert sich in den Weiten der Persönlichkeit des Wächters und D'berahan verliert das Bewußtsein. Es sieht so aus, als hätte sich die Persönlichkeit des Wächters von dem "Steinring" auf Gateway irgendwie entfernt und in ein anderes Universum begeben, wodurch er nicht mehr so wie früher auf dieses Universum "aufpassen" kann.
Der einzige, der bisher eine "Verschmelzung" mit dem Guardian geschafft hat, ist Spocks Sohn Zar. Der ist allerdings ca. 5000 Jahre in der Vergangenheit auf Sarpeidon. Nachdem die Zeit aber drängt und niemand mehr eine andere Idee hat, wie sich das Problem lösen lassen könnte, beschließt man, einmal mehr in die Vergangenheit zu reisen und Zar um Hilfe zu bitten...
Zar selbst regiert auf Sarpeidon inzwischen ein sich schnell und äußerst positiv entwickelndes Tal mit einer größeren Stadt. Obwohl er eigentlich möglichst schnell die Demokratie einführen wollte und auch einen "Rat" geschaffen hat, scheint ihm das nicht so ganz zu gelingen. Die Bewohner des Tals verstehen dieses Konzept einfach nicht so richtig. Jetzt sind aber all der Fortschritt und die vielen positiven Veränderungen, für die er gesorgt hat, in Gefahr. Eine große Schlacht, für die sich drei andere Herrscher gegen ihn verbündet haben, steht unmittelbar bevor. Und seine Truppen sind dem Gegner zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen. Obwohl Zars Leute viel besser trainiert sind und er ein äußerst guter Taktiker ist, dürfte es absolut unmöglich sein, diese Übermacht zu schlagen.
Deshalb kommen enge Vertraute Zars auf eine ganz besondere Idee. Man könnte doch die Tochter eines der anderen Anführer entführen und sie davon überzeugen, ihn zu heiraten. Da ein solches Vorgehen bei diesen Leuten normalerweise durchaus akzeptiert wird, wäre das gar nicht so unmöglich. Und da eine derartig geschaffene Verwandtschaft als besonders wichtig gilt, würde der andere Anführer vielleicht sein Bündnis mit den anderen Gegnern von Zars Tal aufgeben und stattdessen ihm helfen.
Unterdessen sind Kirk, Spock und McCoy auf Sarpeidon angekommen. Doch noch bevor sie sich richtig orientieren können, werden sie auch schon von einer der rivalisierenden Gruppen gefangengenommen...
"Time for Yesterday" ist ein wunderbares Buch, daß seinem ebenfalls äußerst gelungenen Vorgänger "Yesterday's Son" (siehe auch "Sohn der Vergangenheit") in nichts nachsteht. Ann C. Crispin erzählt auch hier wieder eine sehr gefühlvolle Geschichte und verbindet das mit einer äußerst gelungenen Darstellung der bekannten Charaktere und des Star-Trek-Universums insgesamt. Wenn A.C. Crispin Kirk, Spock, McCoy und all den anderen Worte und Sätze in den Mund legt, dann paßt einfach alles.
Einmal mehr wandelt die Autorin im Zusammenhang mit Spock hier auf dem schmalen Grat zwischen dem Zeigen von
zu viel Gefühl und dem anderen Extrem, das das Verhältnis zwischen Spock und seinem Sohn Zar nicht gut genug zum Ausdruck bringen würde. Und einmal mehr gelingt ihr das ganz hervorragend. Obwohl Spock natürlich daran festhält, Gefühle so gut wie überhaupt nicht offen zu zeigen, ist dennoch immer zu spüren, wie viel ihm inzwischen an seinem Sohn liegt.Recht interessant gestaltet ist auch Zars Welt in der Vergangenheit. Die ganze Geschichte rund um seine bei einer Geburt gestorbene Frau und die Resignation, der er sich immer mehr ausliefert, ist wunderbar berührend geschildert. Und genau in dem Moment, indem er seit sehr langer Zeit zum ersten Mal wieder einen Menschen so richtig liebt, scheint sein Tod unmittelbar bevorzustehen.
Eine nette Idee ist meiner Meinung nach auch D'berahan. Bei ihren Leuten gibt es drei Geschlechter, was für die Besatzung der Enterprise, die zwei Geschlechter gewohnt ist, teilweise ein wenig schwer verständlich ist. Bei den Marishal ist das uns bekannte weibliche Geschlecht in zwei "aufgeteilt": Von einem Teil stammen die Eizellen, während vom anderen die Nachkommen schließlich ausgetragen werden. D'berahan ist eine dieser "Carrier" und gerade schwanger, als sie auf die Enterprise kommt.
In diesem Buch tauchen auch die "Erbauer" des Guardian of Forever auf. Sie sorgen für eine etwas eigenwillige Form von Humor, indem sie auf Gateway vor der gerade anwesenden Landegruppe von der Enterprise herumstreiten. Seit unvorstellbar langer Zeit bewegen sie sich quer durch zahlreiche Universen und wollen jetzt in ihr Heimatuniversum - das ist das uns bekannte - zurückkehren.
Fazit: "Time for Yesterday" ist eines der besten Star-Trek-Bücher, die ich bisher gelesen habe. Ein absolutes Muß!
Das Cover-Foto zeigt eine spätere Auflage, bei der das Cover ein wenig verändert wurde. Unter anderem ist zum Titel des Buches "The Yesterday Saga - Book 2" dazugekommen. Da sich die diversen Mehrteiler zum Zeitpunkt dieses Nachdrucks besonders gut verkaufen, hat sich Pocket Books offenbar dazu entschlossen, aus den schon vor längerer Zeit erschienenen Büchern - wenn immer möglich - ebenfalls Mehrteiler zu machen. Als "Book 1" gilt bei "The Yesterday Saga" "Yesterday's Son".