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Cover von "Yesterday's Son"
Star Trek #11
Yesterday's Son
Autorin: A.C. Crispin
1983, Pocket Books
ISBN 0-671-03851-6
191 Seiten


Rund 2 Jahre nach der Mission auf dem Planeten Sarpeidon, wo McCoy und Spock durch ein Portal 5000 Jahre zurück in die Vergangenheit dieses Planeten gerieten und sich Spock dort in Zarabeth verliebte, nachdem er sich zurückentwickelt hatte in einen Vulkanier jener Zeit (s. TOS' "All our Yesterdays"), macht ihn Teresa McNair, ein junger Fähnrich im Maschinenraum, auf Höhlenmalereien von Sarpeidon aufmerksam, die eindeutig einen jungen Vulkanier zeigen. Da die Vulkanier allerdings zu der Zeit nur in ihrem eigenen Sektor Raumfahrt betrieben, kann es sich hierbei nur um "Auswirkungen" von Spocks Besuch auf Sarpeidon handeln...

Nach langem Zögern bittet Spock Kirk um Landurlaub, um auf Vulkan T'Pau darum zu bitten, mittels des Guardian of Forever (s. TOS' "City on the Edge of Forever") zurück nach Sarpeidon zu reisen, um seinen Sohn zu retten. Denn da Familienbande auf Vulkan über allem stehen, ist es seine Pflicht, den Burschen zu sich zu nehmen. Kirk gewährt ihm die Bitte unter der Bedingung, daß er mit in die Vergangenheit käme. T'Pau schließlich hilft Spock, eine Genehmigung zu erlangen, um den Guardian verwenden zu dürfen - Kirk, Spock und McCoy, der es sich natürlich nicht nehmen läßt, seine Freunde zu begleiten, brechen auf.

Auf Sarpeidon treffen die drei aber nicht, wie angenommen, auf ein kleines Kind, sondern auf einen jungen Mann, Zar, der sich über ihre Ankunft - ganz besonders über die seines Vaters Spock, von dem ihm Zarabeth so viel erzählt hat, bevor sie vor 7 Jahren gestorben ist - sehr freut. Spock jedoch gibt sich kühl und abweisend, nur seine Augen verraten ihn, als er Zarabeths Leiche sieht, die Zar in Eis gebettet hat... Die 4 kehren schließlich zurück durch den Guardian auf die Enterprise. Und dort beginnen erst Zars Probleme, der sich nun an ein Leben als Vulkanier gewöhnen soll und von seinem Vater ganz und gar nicht so behandelt wird, wie er es sich nach den Erzählungen seiner Mutter vorgestellt hat...

Was soll ich über dieses Buch schreiben? "Yesterday's Son" ist ganz einfach wunderbar geschrieben, spannend, voller Gefühle... mir fehlen die Worte! Naja, ok, mir fehlen sie nicht ganz...

Daß Spock mit Zarabeth auf Sarpeidon einen Sohn zeugte, ist schon mal eine interessante Prämisse. Noch viel bemerkenswerter ist allerdings die Pflicht, sich dieses Burschen (der sich dann als junger Mann herausstellt...) anzunehmen, auch wenn dies bedeuten könnte, daß Spock geächtet wird. Diese Differenz in den Kulturen der Menschen und Vulkanier finde ich ausgesprochen gut herausgearbeitet und schlüssig, denn wo bei uns Mutter/Vater und Kind zumindest vor Jahren noch dafür verachtet wurden, daß dieses Kind nicht einer ehelichen Verbindung entsprang, so wird bei den Vulkaniern "nur" der Elternteil dafür verantwortlich gemacht. Und dies ist ja eigentlich auch logisch, denn das Kind kann ja wohl kaum was dafür, daß es gezeugt wurde...

Und genau in einem solchen Zwiespalt befindet sich hier Spock. Einerseits hat er die Pflicht, sich um seinen Sohn zu kümmern, andererseits muß er, wenn er sich zu ihm bekennt, die Ächtung seiner Person auf sich nehmen, auch wenn er sich damals auf Sarpeidon durch den Einfluß des Portals zu einem Vulkanier der damaligen Zeit, der noch nichts von Logik gewußt hat und eher seinen Instinkten gefolgt ist, zurückentwickelt hat...

Der Großteil des Buches konzentriert sich darauf zu zeigen, wie sich Zar an die für ihn neuen Verhältnisse anzupassen lernt. Und bemerkenswerterweise hat er eigentlich relativ wenige Probleme damit. Er lernt sehr rasch, holt Wissenslücken auf und schließt Freundschaften - nur Spock kommt er nicht näher, so sehr er das auch will und er auch für ihn vulkanische Bräuche annimmt. Erst als Kirk ihm erklärt, daß Spock auf Sarpeidon die Kontrolle über seine Emotionen verloren hatte und er dadurch dieser sanfte und leidenschaftliche Mann war, als den ihn Zarabeth beschrieben hatte, beginnt er zu begreifen, daß diese so ersehnte Wiedervereinigung mit dem Vater doch schwieriger zu sein scheint als angenommen.

Besonders bemerkenswert finde ich die psychischen Fähigkeiten Zars. Er ist nicht nur telepathisch begabt - und das wesentlich stärker als sein Vater - , sondern kann auch eigene Gefühle in andere Lebewesen projizieren. Dazu muß er mit der Gabe, oder mit dem Fluch, wenn man so will, leben, den Tod von Freunden vorauszuahnen bzw. später auch miterleben zu müssen. Dies waren ganz eindeutig die intensivsten Momente in diesem Buch. Genauso liegen, so seltsam es klingen mag, die Stärken dieses Romans in dem, was nicht offen ausgesprochen wird, sondern durch Mimik, Gestik oder auch nur einen Blick ausgedrückt wird. So verrät einfach die Art, wie Spock sich verhält mehr als seine furchtbar kalten Worte Zar gegenüber. Und daß die beiden schließlich durch eine Gedankenverschmelzung all die Gefühle, die sie bewegen, endlich teilen können, ist diese 186 Seiten des Wartens auf diesen Moment allemal wert!

Zur Geschichte an sich: Dabei dreht es sich eigentlich um einen Wettlauf gegen die Zeit, als Romulaner Gateway, den Planeten, wo der Guardian steht, besetzen. Sie suchen dort zwar eine geheime Militärbasis der Föderation, jedoch ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie die Funktion des Guardian herausfinden - und damit die Vergangenheit ändern können. Schließlich schickt Kirk Spock und Zar, um den Guardian mit einem Kraftfeld zu schützen - und dies bringt den beiden auch die Chance, unter 4 Augen ihre Differenzen auszumachen. Als Kirk diesen Auftrag den beiden erläutert, ist Spock natürlich gleich gegen die Involvierung von Zar in diese Angelegenheit - und auch hier verrät er sich und seine tief verborgenen Gefühle eigentlich selbst. Ein zweites Mal geschieht dies auf dem Planeten, als Spock Zar kurzerhand außer Gefecht setzt, um mit Kirk alleine den Auftrag zuende zu führen...

Schließlich entdeckt Zar in der Schiffsbibliothek Anzeichen dafür, daß auf Sarpeidon scheinbar jemand vor 5000 Jahren geholfen hat, eine höher entwickelte Zivilisation zu gründen... und daß dies er selbst war. Aufgrund dieser Entdeckung kehrt er zurück in die Vergangenheit - nicht ohne Trauer zu hinterlassen... bei allen Beteiligten.

So, und nun komme ich zurück zu dem, was ich eingangs geschrieben habe: Was soll ich über dieses Buch sagen? "Yesterday's Son" ist einfach ein Muß!

© Claudia Wlaschütz
(a9401204@unet.univie.ac.at)


Hinweis:

Es ist auch eine Buchbesprechung zur deutschen Übersetzung dieses Romans verfügbar: Star Trek #12 - Sohn der Vergangenheit.



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Cover-Foto: © Pocket Books/Paramount Pictures